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Warrior's Quest

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Drama / P18 / Gen
Genma Shiranui Izumo Kamizuki Kakashi Hatake Kotetsu Hagane
28.04.2011
02.12.2011
54
105.387
5
Alle Kapitel
141 Reviews
Dieses Kapitel
9 Reviews
 
 
28.04.2011 1.780
 
Bei Warrior's Quest handelt es sich um die Fortsetzung von Nightquest.
Es ist zu empfehlen, Nightquest gelesen zu haben, aber vermutlich nicht notwendig.
Reviews sind wie immer erwünscht.

Disclaimer: Ich verdiene kein Geld mit dieser Geschichte. Alles, was an Personen, Namen, Orten etc. bekannt vorkommt, gehört nicht mir. Die vom Original abweichende, von mir erfundene Handlung und die OCs allerdings schon.



Warrior’s Quest

Ride away with your mighty horse
Ride away through the land of storms
Unknown are the ways of your journey ahead
But with strength and courage you can avoid your death

Throw your sword through the memories
Embracing your bleeding heart
Don’t follow the shadows they ain’t for real
Like the guiding stars


(Ensiferum – Warrior’s Quest)


Das kleine Mädchen stand mitten auf der Straße, die Augen vor Entsetzen weit aufgerissen. Es war ein beängstigendes Bild für jeden unbeteiligten Betrachter der Szene.
Alles hier sah aus, als hätten die Bewohner in größter Furcht alles so stehen und liegen lassen, um zu fliehen. Offene Türen wiegten sich mit dem Wind leicht in ihren Angeln hin und her. Aus mehreren Häusern drang der Geruch verbrannter und verbrennender Speisen. Von einem umgestürzten Karren hatten sich rotwangige Äpfel großflächig über die Straße ergossen.
Und mittendrin, wie ein Engel in der Hölle, stand das Mädchen in einem gelben Kleid mit seiner Puppe, die es mit beiden Händen fest an seine Brust presste.

Ein sirrendes Geräusch durchschnitt die Stille, Bluttropfen trafen auf Fensterscheiben, liefen daran in dunklen Schlieren hinunter, oder schlugen im Staub auf, wie große, rote Regentropfen.
Das Mädchen fiel mit einem lautlosen Seufzer vornüber, mit dem Gesicht auf die Straße.

Rai schreckte aus einem unruhigen Schlaf auf. Es war wieder nur ein Traum gewesen.
Nur einer von so vielen, die sie schon gehabt hatte und immer wieder haben würde, bis sie selber starb.
Seltsamerweise jagte ihr der Gedanke an den eigenen Tod keine Angst, ja, nicht einmal einen kalten Schauer auf dem Rücken ein. Vielleicht verlor das Sterben einfach irgendwann seinen Schrecken, wenn man sich ständig damit konfrontierte.
Routiniert griff sie nach dem Becher auf dem Fußboden neben ihrem Bett. Das Wasser war warm und abgestanden, sodass sie es verärgert auf den Boden spuckte, bevor sie die Beine aus dem Bett schwang, um es wegzuschütten und auch, um sich vielleicht etwas kaltes Nass ins Gesicht zu spritzen.

Alles hier in Otogakure war ihr so vertraut. Im Schlaf hätte sie sich hier mühelos zurechtgefunden, doch nun, nachdem sie ihr mehr als ihr halbes Leben hier verbracht hatte, fühlte es sich auf einmal nicht mehr wie ein Zuhause an.
Der Fackelschein auf den immer gleich gemusterten, endlosen Gängen schien die Geister all jener zu verbergen, denen sie als Todesengel erschienen war. Jeder kalte Luftzug kam ihr vor, wie eine Berührung von Geisterhand und schien gleichzeitig zu flüstern, sie sei die Nächste.
War sie zu einer Fremden geworden?
Es konnte doch nicht sein, dass sie sich nach nur wenigen Tagen, die sie mit diesem Kakashi Hatake in der Holzhütte verbracht hatte, so verweichlicht war. Das war ein Ding der Unmöglichkeit, schließlich hatte er sich letztendlich doch nur ihr Vertrauen erschlichen, um sie hinterher an die Anbu zu verraten. Nein, sie weinte ihm keine Träne nach.

Und es gab nur einen Weg, um sich hier wieder daheim zu fühlen. Kakashi musste sterben. Erst dann würde sie sich von dem Schatten, dem Makel der Schwäche, den er auf sie geworfen hatte,  befreit haben.

Rai ging ins Bad, stellte das Wasser an und wusch sich das Gesicht, bevor sie ihr Zimmer verließ, um wieder einmal rastlos durch die Gänge zu streifen.
Orochimaru war alles andere als erfreut gewesen, als sie mit solcher Verspätung zurückgekommen war und das, obwohl er nicht einmal einen neuen Auftrag für sie gehabt hatte. Sein Ärger war also völlig unberechtigt gewesen. Vor allem, wenn sie daran dachte, dass nun schon wieder Wochen vergangen waren, in denen sie kein Tageslicht gesehen hatte, sondern sich im ewigen Dämmerlicht unter der Erde aufhielt.
Unter anderen Umständen hätte Orochimaru ihr wohl verziehen, wenn sie sich einfach nach draußen geschlichen hätte. Doch seit Sasuke hier war, war er ungeheuer reizbar und es schien mit jedem Tag schlimmer zu werden. Selbst Kabuto hatte teilweise unter seinen Launen zu leiden und das war noch nie vorgekommen. Andererseits war Orochimaru auch noch nie zuvor so launisch gewesen.

Vieles hatte sich verändert und für sie nicht gerade zum Guten.
Das war nicht nur ein Eindruck, sondern eine Tatsache. Wenn diese Entwicklung anhielt, dann würde sie bald nicht mehr sein, als einer von Orochimarus wertlosen Handlangern, die er nach Belieben hinrichtete, wenn sie ihm nicht die Nachrichten zutrugen, die er hören wollte.
Was ihr blieb, um diesen Schicksal zu entgehen, war einzig und allein Verrat. Sie musste ein Nukenin werden. Doch was machte das schon aus?
Eigentlich konnte sie die Tage fast schon zählen, die sie hier noch geduldet sein würde. Ob sie nun ein Reich mehr oder weniger suchte, machte im Grunde genommen keinen allzu großen Unterschied mehr. Zumindest nicht für sie.
Vielleicht konnte sie sich bei den Akatsuki versuchen, wenn sich eine Gelegenheit ergab. Dann hätte sie zumindest weiterhin einen Unterschlupf. Doch Akatsuki bestand aus einer festen Zahl an Mitgliedern, wenn man von Spionen und Informanten absah, deren Wert für die Organisation sich bestimmt in Grenzen hielt, da jeder einzelne von ihnen ersetzbar war. Je länger sie mit diesem Gedanken spielte, desto widerwärtiger begann er zu schmecken, sodass es sich schließlich anfühlte, als hätte sich eine Schicht Asche auf ihre Zunge gelegt, die sie zum Würgen brachte.

Einen Fuß vor den anderen. Immer und immer wieder. Stunde um Stunde. Wie ein wildes Tier in einem Käfig. Ruhelos. Rastlos. Sie begann langsam aber sicher, auch den letzten Rest ihres Zeitgefühls zu verlieren.  Vielleicht auch einen Teil ihres Verstands.
Es begann langsam, schleichend, sodass Rai es zuerst gar nicht bemerkte. Doch sie drehte sich immer öfter um, weil sie glaubte, Schritte hinter sich zu hören. Erst leise, dann lauter. Erst langsam, dann immer schneller. Ihre Hände zitterten, das Herz trommelte in ihrer Brust einen wilden Rhythmus, der sie keuchen ließ.
Krampfhaft umklammerte sie ihr Kunai und schnitt sich damit in den linken Arm. Der Schmerz klärte ihren Verstand und das frische, warme Blut rann über andere, bereits verschorfte Schnitte.
So konnte es unmöglich weitergehen.

Rai kehrte in ihr Zimmer zurück und presste dort ein Tuch auf die Schnitte. Es musste erst einmal aufhören zu bluten, dann konnte sie ein sauberes Oberteil anziehen, ohne zu riskieren, dass es auch gleich wieder voller Blutflecken war.
Hoffentlich hatte sie niemand beobachtet, denn Kabuto waren solche kleinen Finessen durchaus zuzutrauen, da sich damit der ein oder andere Vorteil bei Orochimaru erschleichen ließ. Wahrscheinlich war das auch eins der Geheimnisse, warum es Kabuto gelungen war, sich so unentbehrlich für Orochimaru zu machen. Sie kannte niemanden, der es so lange so gut in seiner Gunst stehend hier ausgehalten hatte.
Ihr selbst würde das wohl auch nicht gelingen.

Mit dem blutbefleckten Tuch um den Arm legte sie sich auf den Rücken aufs Bett und starrte auf die Muster an der Decke. Wenn man das nur lang genug machte, dann täuschten die eigenen Augen vor, die Muster würden sich wie Schlangen bewegen. Eine simple Technik um mögliche Eindringlinge zu verwirren und zu verunsichern.
Rai merkte nicht einmal, wie sich der Schlaf wieder auf sie herabsenkte. Schlangen wanden sich durch ihre Träume. Große und kleine. Wieder und immer wieder. Unaufhörlich, doch sie konnten ihr nichts tun, glitten an ihr vorüber wie Schatten, die von einem Windhauch aufgewirbelt worden waren und verwandelten sich hinter ihrem Rücken in Rauch, der zu einem sternenlosen Himmel aufstieg und ihn schwarz färbte.
Mit einem heiseren Schrei schreckte sie auf. Es war dunkel im Zimmer und sie war allein. Es war Zeit, eindeutig. Wenn sie es jetzt nicht tat, dann würde sie es nie tun und dieser Ort würde ihr Grab werden, oder Schlimmeres, doch daran wollte sie nicht denken. Sie löste das Tuch von ihrem Arm und warf es achtlos in den Papierkorb, bevor sie den Schrank öffnete, einen Rucksack herausnahm und ihn mit wenigen Notwendigkeiten füllte. Viel würde sie ohnehin nicht brauchen, das Wichtigste waren ihre Waffen und die trug sie immer am Körper.

Es gab keinen Blick, den sie in dieses Zimmer zurück geworfen hätte, als sie schließlich mit gepacktem Rucksack auf den Gang hinaus trat. Ihre ganze Konzentration richtete sich auf die Aufgabe, die sie sich selbst gestellt hatte und die hieß Entkommen, um jeden Preis entkommen und das konnte sie nur, wenn sie die einzige Hilfe in Anspruch nahm, die sie je toleriert hatte.

I. Inu. Tori. Saru. Hitsuji.

Kuchiyose no Jutsu.

Neben der Kunoichi erschienen zwei Wölfe. Einer schwarz wie die Nacht mit dunkelgrünen Augen und der andere weiß wie Schnee,  mit Augen von der Farbe blauschimmernden Eises. Takeru und Masaru.
Sie verstanden sich ohne Worte, so, wie sie es schon beinahe immer getan hatten. Die Wölfe bewegten sich absolut lautlos durch die Gänge vor Rai. Sie würden jeden sofort töten, der ihren Weg heute kreuzen würde, doch sie trafen auf niemanden. Das Herz der Kunoichi hämmerte völlig grundlos so schmerzhaft gegen ihre Rippen, doch dessen wurde sie nicht einmal gewahr, als sie plötzlich in die Nacht hinaus stürzte und der erste Atemzug dort ihre Lungen mit kühler, klarer Luft füllte. Sie rannte einfach weiter, rannte so schnell sie konnte. Achtete nicht darauf, wohin sie lief, das war auch nicht wichtig, solange sie nur eine möglichst große Entfernung zwischen sich und den Ort brachte, den sie gerade verlassen hatte. Ihre Lungen brannten vor Eis, als sie sich schließlich gegen die Wurzeln eines Baumes sinken ließ und die Augen schloss.
Die überstürzte Flucht hatte sie daran gehindert, ihre Kräfte besser einzuteilen. Das durfte nicht wieder vorkommen. Doch trotz dieses Fehlers gab es im Moment keinen Grund, sich Sorgen zu machen. Takeru und Masaru würden nicht zulassen, dass ihr jemand zu nahe kam, der ihr gefährlich werden konnte. Außerdem waren sie fernab jeder Straße mitten in einem Wald. Rai sah sich noch einmal mit sinkender Aufmerksamkeit um, bevor sie ihren Kopf auf den Rucksack bettete. Aber anstatt die Augen zu schließen, schoss sie wieder hoch, öffnete die Tasche und zog ein Buch hervor.

Wie ein Eisklumpen brannte es durch die Handschuhe hindurch auf ihrer Haut, als sie es betrachtete. Warum in aller Welt hatte sie es damals überhaupt mitgenommen? Es wäre besser gewesen, wenn es in der Hütte verbrannt wäre. Über ihre Lippen kam ein leises Knurren. Es waren noch andere Erinnerungen geweckt worden und auch sie brannten. Besonders die Narbe der Schnittwunde in ihrer Handfläche. Sie steckte das Buch zurück in den Rucksack und benutzte ihn wieder als Kissen.
Nun war klar, was sie zu tun hatte.
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