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120 Momente in Mittelerde

von Roheryn
Kurzbeschreibung
SongficAllgemein / P16 / Gen
Aragorn Arwen Eldarion Elladan Halbarad Sauron
27.04.2011
30.07.2015
63
128.426
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2 Reviews
 
27.04.2011 2.227
 
Radioactive – die Rebellion


Kurzbeschreibung:  Es gibt viele Arten zu Rebellieren und es kann durchaus vorkommen, dass man am Ende der Rebellion nicht mehr in die neue Welt passt, die man selbst geschaffen hat.

Hinweis:   Dieser Text entstand im Zuge des Wettbewerbes http://forum.fanfiktion.de/t/27084/1
Liebe Jury, ihr findet einige Erklärungen am Ende des Textes. Es handelt sich dabei nur um Kurzinformationen, in denen aber alles steht, was man braucht, um den Text zu verstehen. Vorab: Quenya [Qu.], Telerin/Lindarin [Te.] und Sindarin [Sind.] sind Elbensprachen. Quenya ist Galadriels Muttersprache, Sindarin die von Celeborn.
Ich hatte das Lied „Radioactive“ von „Imagine Dragons“

Noch ein dickes Dankeschön an Nairalin, für die Fehlersuche

Sindarin:
Firiath = Sterbliche, Begriff der Elben für die Menschen
Namen:
Arafinwë [Qu. Edler Finwë] = Finarfin, Vater von Galadriël
Curufinwë [Qu. Geschickter Finwë] = Sohn von Feanáro, Vater von Tyelperinquar (zur Zeit dieses Textes tot)
Elwë/Thingol = König von Doriath (zur Zeit dieses Textes tot)
Ernis [Sind. Einzelne Frau]= Tochter von Fingon, namentlich erwähnt in der HoME 12
Feanáro [Qu. Feuergeist] = Feanor, Halbonkel von Galadriël (zur Zeit dieses Textes tot)
Finwë = König der Noldor, Großvater von Galadriël (zur Zeit dieses Textes tot)
Gildor = Hier: Selbsternannter kleiner Bruder von Celebrimbor
Indis = Zweite Frau von Finwe, Großmutter von Galadriël
Maenesgal [Sind. Geschickter Schleier] = OFC
Melian = Eine der Maia, Frau von Elwë
Nerwen [Qu. Mann-Frau] = Galadriël
Nolofinwë [Qu. Weiser Finwë]= Fingolfin, Onkel von Galadriël  (zur Zeit dieses Textes tot)
Olwë = König der Lindar (Teleri von Valinor)
Telperimpar  [Te. Silberfaust] = Celebrimbor Enkel von Feanor


Radioactive – die Rebellion


Es war erdrückend, es war immer und immer wieder erdrückend. Sie erhob sich und richtete sich zu ihrer vollen Größe auf. Sie war mehrfach durch Asche und Zerstörung gewatet und doch glaubte sie noch immer daran, dass alles besser werden konnte, sofern sie nur genügend Kraft in die Veränderung steckte.
 Galadriël  atmete tief durch und machte einen weiteren Schritt. Ihr Blick schweifte umher, suchte nach der Stelle, an der als erstes Hilfe benötigt wurde. Sie versuchte Abstand zu wahren, was sie sah nicht an ihr Herz zu lassen, denn sie wollte sich nicht vom Elend beeinflussen lassen und genau dort helfen, Änderung bringen, wo es am zielführendsten war. Wo es strategisch wichtig für den Wandel war, den sie bringen wollte. Zwei Ziele hatte sie, das Leid zu mindern, aber auch eine neue Gesellschaft zu schaffen. Eine die weniger erdrückend war, als jene, die sie bereits kennen gelernt hatte.
 Viel hatte sie gesehen, sie war in den unsterblichen Landen geboren worden, kannte die hohen Höfe der Noldor und der Lindar gut, war sie doch an beiden gleichermaßen aufgewachsen. Mit ihrer Mutter, die Olwës Tochter und damit ein Königskind der Lindar war, und ihrem Vater, als Sohn des ersten und einzig rechtmäßigem König der Noldor, war das nicht ausgeblieben. Unterschiede gab es wohl, auch bedeutende, aber sie hatten ihr nicht die Freiheit gegeben, nach der sie sich sehnte. Nerwen die Mannsfrau hatte man sie genannt und es hatte sie wütend gemacht. Konnte sie keine selbstständige und starke Person sein, nur weil sie eine Frau war? War sie ein Mann, nur weil sie sich nichts vorschreiben lassen wollte und selbst Leuten wie ihrem Halbonkel die Stirn geboten hatte?
  Ausgezogen war sie aus ihrer ersten Heimat, nicht weil ihre Brüder gegangen waren, sondern weil sie ihr eigenes Reich gewollt hatte. Sie hatte gegen die Valar rebelliert und das nur, um die Ketten des alten Systems zu sprengen.
 In den Außenlanden war es zunächst nicht dazu gekommen, sie hatte in Doriath etwas anderes gefunden, als das, was sie kannte.  Im Nachhinein war es nur bedingt besser gewesen, nicht das, was sie gesucht hatte, doch das war in dem Moment zweitranging gewesen. Viel über das Land hatte sie gelernt und in Melian, der Frau von Elwë – oder Thingol, wie ihn sein Volk genannt hatte – eine mächtige Meisterin und geduldige Vertraute gefunden. Melian, die Maia, war eine Frau gewesen und doch die vielleicht mächtigste Person in Doriath, ihr Wort hatte Gewicht gehabt, auch wenn ihr größter Einfluss der auf Thingol gewesen war. Anders war es, als bei Finwë, der den Rat von Indis wohl geschätzt, aber doch meistens ignoriert hatte. Eigentlich hatte sie nur eine Weile in Doriath bleiben wollen, doch dann hatte sie Celeborn kennen gelernt und ihr Entschluss aus Kindertagen, dass sie niemals heiraten würde, hatte sich in Wohlgefallen aufgelöst. Celeborn war deutlich ruhiger als sie, er war stark und zeitgleich der verletzlichste Elb, den sie je getroffen hatte und sie hatte angefangen ihn zu lieben. Normal wäre es gewesen, dass er auf sie zugegangen wäre, doch sie hatte den ersten Schritt getan. Vermutlich wäre sonst auch nie etwas geschehen und er hätte sie aus sicherer Entfernung beobachtet.
 Damals hatte sie gewusst, dass sie gegen Regeln verstieß und es hatte sich gut und richtig angefühlt und zufrieden war sie gewesen. In Doriath war sie freier, als sie es in Valinor je gewesen war, es war nicht perfekt und hatte seine Makel und Einschränkungen gehabt, doch es hatte ausgereicht. Doch dann waren die Zwerge gekommen, Thingol gefallen und Melian war gegangen, da sie den Tod ihres Gatten nicht hatte ertragen können. Das war der Moment gewesen, in dem Galadriël  überlegt hatte, ob es nicht besser wäre, das Waldreich ebenfalls zu verlassen, doch sie war geblieben. Für Celeborn, der während dem Angriff durch die Zwerge schwer verwundet worden war.

Ihre Beine trugen sie zu einer der vielen Baustellen, an der mehrere erschöpft wirkende Elben arbeiteten. Sie wusste, was für ein Gebäude es werden sollte, eine Halle, in der sich alle ausruhen und Zuflucht suchen konnten, wenn schwere Stürme aufzogen. Das Wetter wurde ihrem Volk zwar nicht so gefährlich, wie den Firiath, doch war es nicht angenehm und immerhin war sie bestrebt hier eine neue und bessere Heimat für die Leute, die ihr und ihrem Gatten gefolgt waren, zu schaffen.
 „Galadriël“, begrüßte sie eine Stimme und sie lächelte leicht. Die andere Elbin wirkte ausgezehrt und Galadriël wusste, dass sie viel durchgemacht hatte, wie alle die hier waren und dennoch ungebrochen und hoffnungsvoll. Doch anders als sie, war ihre Gegenüber klein und schmächtig, doch das hatte nichts zu sagen. Irissë war auch nicht groß gewesen aber eine herausragende Jägerin. „Maenesgal, brauchst du hier Hilfe?“, fragte sie und die andere Elbin nickte und zeigte auf das Holzgerüst des Hauses.
 „Jede helfende Hand können wir gebrauchen, das Gerüst steht, aber jetzt muss alles mit der Mischung aus Lehm und Stroh gefüllt werden“, erklärte sie und ihr Blick ging zu den Rohstoffen, die auf dem Boden lagen. Es war harte Arbeit und Galadriël wusste darum und deswegen band sie sich auch ihre hellen Haare zurück und packte mir an. Sie war vielleicht kein Mann und von hoher Geburt, doch sie nahm es nicht als Ausrede, um nicht zu helfen.
 War es doch etwas, dass sie abschaffen wollte. Es sollte keinen Regeln geben, die verboten zu helfen!

So fand Celeborn sie, als er Stunden später durch die entstehende Siedlung ging. Er war mit einigen anderen Elben im Wald gewesen, um nach Nahrung zu suchen. Etwas, was ihrem Sinda besser lag, als Dinge zu schaffen. Dafür hatte er keinerlei Talent, auch wenn Celeborn es nicht zugeben wollte. Er konnte sich nicht mit dem messen, was Galadriël aus ihrer Familie kannte, die handwerkliche Arbeiten in Perfektion geleistet hatten. Doch das brauchte Celeborn auch nicht, damit sie ihn lieben konnte, es war seine herzliche Art, dass er nie auf den Gedanken gekommen war, ihr Dinge vorzuschreiben. Wenn Galadriël ehrlich war, dann hatte ihr Gatte nicht einmal von ihr erwartet, dass sie sich an die gesellschaftlichen Regeln hielt, die bereits bestanden. Er hatte sie genommen, wie sie war, und das liebte sie an ihrem Mann.
 Darin war er anders als die wenigen Leute, die ihr aus ihrer Familie übriggeblieben waren. Dafür war sie bei Celeborn ganz sicher, dass sie ihn wirklich hier haben wollte und dass er keine Bedrohung für sie werden würde. Bei Telperimpar, Gildor und Ernis war sie sich da nicht so sicher. Die drei waren ihr ebenfalls weiter in den Osten gefolgt und halfen nun auch nach Leibeskräften, doch was ihr nicht gefallen wollte, war dass sie oft eigene Ansichten hatten, die sich nicht mit ihrer deckten.
 Bislang hatten sie nichts getan, was Galadriëls Ärger geweckt hatte und das war gut so, denn sie wollte die einsperrenden Verhältnisse beheben, die sie auch in Lindon wahrgenommen hatte. Gefolgt waren ihr die Elben, die eine neue Heimat wollten und denen es ähnlich ging, wie ihr. Doch Telperimpars Motivation kannte sie nicht, dieser behielt seine Gedanken für sich und weihte sie nicht in das ein, was er dachte. Sie hatte zwar die Möglichkeit, es in seinem Kopf zu sehen, doch würde Telperimpar das spüren und sie wollte nicht herausfinden, wie er auf einen solchen Vertrauensbruch reagierte. Das nur wegen ihm Gildor und Ernis mit ihrer Gruppe gegangen war, wusste sie. Wo Curufinwës Sohn war, da waren auch Gildor und seine Verlobte. Sie würde nicht über die helfenden Hände klagen, dafür war deren Arbeit zu wertvoll, doch sie war skeptisch.

~*~


Eregion war fertig, ein Reich gebildet, wo zuvor nur Natur gewesen war, ihr Volk konnte sich selbst versorgen und sie waren nicht abhängig von Lieferungen, die man ihnen schickte. Sie war zufrieden, sie hatte geschaffen, was sie sich gewünscht hatte, ihre Hartnäckigkeit hatte sich ausgezahlt. Nach mehr als tausend Jahren des stummen Kampfes.
 Oder redete sie sich das nur ein?
 Hier stand sie, am Balkon, ihres Zimmers und sah hinaus, über eine Stadt, in der die Regeln weniger erdrückend waren. Natürlich gab es welche, doch keine, die irgendjemandem verboten ein Handwerk auszuüben, oder es ihm schwerer machten.
 Sie war die unangefochtene Herrin über ihr eigenes Reich, wie sie es sich lange gewünscht hatte. Trotz allem war sie eine Frau und niemand wagte es, sie wegen dieser Tatsache weniger ernst zu nehmen. Ihr Wort hatte Gewicht, weil sie wusste, was sie tat und sich durchzusetzen vermochte. Sie hatte befürchtet, dass Telperimpar ihr Ärger machen würde, doch das hatte er nicht. Der Noldo war sehr still, gab sich seiner Arbeit in den hochgelobten Schmieden Eregions hin. Er war das Oberhaupt der Gwaith-i-Mírdain, der Gilde der Juwelenschmiede. Diese Stellung hatte er jedoch verdient, kaum einer verfügte über sein Wissen im Umgang mit den Edelmetallen und keiner konnte mit seinem Können mithalten. Es war nicht länger Telperimpar, der ihr ein Dorn im Auge war, es waren Leute, die im alten Gefüge der Sindar nie weit gekommen wären. Die ihre Ränge an der Spitze einer Gilde ebenso verdienten, wie Telperimpar, die aber nur Handwerker waren. Die keinen Blick für das Größere hatten und genau da lag das Problem. Einen Rang, der sinnvoll besetzt war, den konnte sie nicht anzweifeln, auch wenn sie sich manchmal, in der Dunkelheit der Nacht wünschte, dass sie etwas am Einflussgefüge verändern könnte. Würde sie etwas dagegen tun, dann würde sie gegen ihre eigenen Regeln verstoßen, nicht länger für das stehen, was sie geschaffen hatte.
 Einmal zu Beginn hatte die Tochter ihres Vetters sie gewarnt, dass sie aufpassen musste, dass sie das Erreichen ihrer Ziele nicht in eine Situation bringen würde, dir ihr nicht gefiel. Damals hatte sie Ernis‘ Worte nicht weiter beachtet, die Elbin war nicht für ihre Weisheit oder Voraussicht bekannt und nichts davon hatte ihren Vater ausgezeichnet. Nun aber verstand sie, was Ernis gemeint hatte, die Jüngere hatte keine Voraussicht dafür gebraucht. Sie hatte Galadriël  nur beobachtet und gekannt, wie die Ältere nun begriff. Ernis hatte etwas geahnt, was ihr selbst entgangen war; ihr war es weniger um das alte System gegangen, als um ihre eigene Stellung. Sie hatte sich einen anderen Platz gewünscht, als den, den man ihr zugewiesen hatte, doch das bedeutete nicht, dass alles schlecht gewesen war und das hatte sie nicht sehen wollen, nun aber verstand sie und das, von dem sie immer gedacht hatte, sie wünsche es, für das sie gekämpft und geackert hatte, hatte sie eingeholt. Sie hatte ein Reich nach ihren Wünschen geschaffen, aber fühlte sich selbst nicht wohl.
 Doch nun konnte sie es nicht mehr ändern, nicht ohne einen weiteren Neuanfang zu erzwingen… Sie hatte Erfolg gehabt und nun stellte sie fest, dass sie doch in die alte, erdrückende Welt gehörte, gegen die sie aufbegehrt hatte.



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INFORMATIONEN FÜR FANDOMFREMDE:
Zu den Elbenvölkern:
Grundlegend kann man die Elben in Avari und Vanyar (hier uninteressant), Sindar (dem Volk gehört Celeborn an), Noldor (Galadriëls Verwandtschaft Väterlicherseits) und Lindar/Teleri (Galadriëls Verwandtschaft Mütterlicherseits) einteilen.
Galadriël hat Ca. 1350 Jahre vor diesem Text von „realms of her own“ also eigenen Reichen. Erst in Eregion sollte sie dazu kommen.
Ihre Familie ist sehr kompliziert, eine stark verkürzte Version haben (reduziert auf das, was hier wichtig ist):
Finwë, Galadriëls Großvater väterlicherseits war der erste König der Noldor und der einzige, dem alle aus diesem Volk gefolgt sind. Finwë wurde von Melkor (Saurons Chef) erschlagen und hat damit eine Menge unschöne Ereignisse losgetreten. Innerhalb des ersten Zeitalters (600 Jahre) kam beinahe die gesamte Familie um. Überlebt haben Galadriël, Celebrimbor, Gil-galad, Finbor und Enis und Elrond. Dazu noch Gildor, der ein weiteres Problem im Canon ist. Meine Lösung für sein Problem (das ich hier nicht aufdröseln will) ist, dass er der Ziehsohn von Galadriëls ältestem Bruder war, der aber bei der Erziehung viel Hilfe von Curufin(wë) hatte, weswegen er sich auch als Celebrimbors Bruder sieht.
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