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...und ne Buddel voll Rum

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Carsten Reimann Leonhard "Lenny" Cöster
27.04.2011
03.02.2012
40
96.616
2
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Dieses Kapitel
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27.04.2011 1.841
 
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1. Kapitel, Spielschulden sind Ehrenschulden
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Vor einem Monat waren sie von einem erfolgreichen Beutezug zurückgekommen. Sie hatten ein spanisches Handelsschiff gekapert, das vor allen Dingen Tee und Gewürze geladen hatte.
Die Besatzung des Schiffes hatte den gehissten Jolly Roger gesehen, die schwarze Flagge mit den gekreuzten Knochen, die ihr Schiff als Piratenschiff kennzeichnete und sich sofort ergeben.
Dadurch hatten sie kaum Verletzte und keine Toten bedauern müssen. Auf keiner der beiden Seiten.

Die Hälfte der Beute und das gekaperte Schiff, gehörten der britischen Krone. Als Freibeuter bekamen sie nur einen Anteil der erbeuteten Ware, die sie dann verkaufen konnten.
Dafür brauchten sie aber keine Angst zu haben, wegen Piraterie verurteilt und  gehängt zu werden.  
Und Carsten hatte schon oft so arme Teufel gesehen. Sie wurden als abschreckendes Beispiel für andere Piraten absichtlich in den Hafeneinfahrten hängen lassen.
So wollte Carsten nicht enden, lieber gab er einen Teil der Beute ab.


Die Mannschaft hatte einen Teil ihrer Beute erhalten und war dann erst einmal zum Landgang ausgezogen. Es war das erste Mal seit einem Jahr, dass sie wieder einmal den Heimathafen angelaufen waren
Am nächsten Morgen wollten sie wieder in See stechen.
Wie immer, wenn sie im Heimathafen vor Anker lagen, kamen die Männer nun wieder zurück und sie trafen sich in der „Lustigen Witwe“, einer zwielichtigen Taverne in der Nähe des Hafens.
Ein Teil der Männer kam von zuhause, wo sie bei ihren Familien waren. Diese Männer unterschieden sich eindeutig von den unverheirateten Matrosen. Ihre Kleider und sie selber waren gewaschen, sie waren rasiert, hatten die Haare geschnitten und oftmals auch frisch gebadet.
Einige der unverheirateten Matrosen kamen von einer der diversen Freundinnen, die sie in den verschiedenen Häfen hatten. Auch in den Hurenhäusern war Hochbetrieb, wenn ein Schiff im Hafen einlief. Die Tavernenwirte freuten sich ebenfalls über den Landgang der Seefahrer, so auch der Wirt der „Lustigen Witwe“.

Die „Lustige Witwe“ war eine typische Seefahrerspelunke. Mit lauter raubeinigen Seebären, Schmugglern und sonstigem zwielichtigen Gesindel.
Sie lag in der Nähe  des Hafens, in einer dunklen Seitengasse.  Hierher kamen selten gesetzestreue Bürger. Und das aus gutem Grund. Die enge Gasse war übersäht mit Unrat und stank fürchterlich. Die Ratten liefen hin und her und bedienten sich an den Küchenabfällen, die einfach vor die Tür geworfen wurden. Die  Taverne selbst war mit Kerzen schwach beleuchtet, was auch besser war, da man so den Schmutz nicht so sah. Rauchschwaden zogen an die Decke und hinter der Theke wurden ein Fass Ale und Rum nach dem anderen angestochen.  
Die Männer feierten ihren letzten Tag an Land und das Ale und der Rum flossen in Strömen. Sie sangen zotige Lieder und tanzten mit den Serviermädchen, wenn diese sich das gefallen ließen.


Von Tuner hatte sich Carsten wieder einmal dazu überreden lassen, ihn  in die „Lustige Witwe“ zu begleiten, um ihren Anteil der Beute, des letzten Raubzugs, flüssig anzulegen.
Als Kapitän wäre er lieber auf der Black Swan geblieben, um nach dem Rechten zu sehen und sein Schiff ausgiebig zu inspizieren.
Stattdessen, saß er nun mit Tuner in der „Lustigen Witwe“ und trank Ale. Okay, Ale ging ja noch, aber wieso glaubte eigentlich jeder, dass  Piraten gerne Rum tranken? Das Zeug brannte scheußlich in der Kehle. Außerdem hatte er an seinem Vater gesehen, was der Alkohol aus einem Menschen machen konnte.

Eines der Serviermädchen machte ihm schöne Augen und beugte sich immer ganz tief über ihn, wenn sie ihm einen neuen Krug Ale brachte.
Doch Carsten zeigte an ihr überhaupt kein Interesse, was Tuner immer wieder zu einem Kopfschütteln veranlasste.
Nicht einmal ihr Gespräch hatte der Kapitän unterbrochen, als das Mädchen so nah neben ihm gestanden hatte.

Tuner konnte gar nicht begreifen, dass Carsten die Angebote der Mädchen immer wieder ablehnte.
Carsten selber wusste auch nicht, warum das so war. Aber es war noch nie eine Frau dabei gewesen, die ihn auch nur im Entferntesten interessiert hätte.
Mit kleinen Schlucken nippte Carsten an seinem frisch eingeschenkten Ale, während Tuner den Humpen fast in einem Zug leerte.
Carsten trank ja am liebsten Tee. Nur den würde er hier in dieser Hafenkneipe nicht bekommen.
Zum Glück erbeuteten sie immer wieder einmal auch schwarzen Tee, wenn sie ein Handelsschiff überfielen. Er ließ sich dann für einen Anteil seiner Beute, einen Sack schwarzen Tees geben.
Er würde niemals einen Teil der Beute einfach unterschlagen. Auf keinen Fall wollte er die Krone betrügen oder seine Mannschaft. Er legte immer absoluten Wert darauf, dass die Beute gerecht verteilt wurde. Mannschaftsmitglieder, die bei Seegefechten verletzt wurden, wurden für verlorene Gliedmassen entschädigt.

Die Beute selber wurde vom Quartiermeister verwaltet. Bei Landgang bekamen die Matrosen einen Teil dieser ausgehändigt. Das meiste Geld jedoch blieb an Bord, damit sichergestellt wurde, dass die Matrosen zurück an Bord kamen. Wenn sie ihre vorher vereinbarte Zeit abgearbeitet hatten, bekamen sie ihr restliches Geld ausbezahlt. Sollten sie bei einem Überfall getötet werden, stand das Geld der Familie des Matrosen zu.


Carsten war schon immer derjenige, der für Frieden sorgte unter seiner Mannschaft.
Das war schon so gewesen, bevor er Kapitän wurde. Und das war auch einer der Gründe, warum sie ihn zum Kapitän ernannt hatten.
Sie vertrauten ihm und er schaffte es immer, jeden Streit zu schlichten, bevor er eskalierte.
Dieser Eigenart verdankte er auch seinen Namen, den ihn natürlich Tuner verpasst hatte: Peace Dove, mittlerweile Kapitän Peace Dove. Das war doch kein Name für einen Piratenkapitän!

Kapitän Blacklock, der hätte ihm gefallen, doch Tuner war der Meinung, das wäre eher ein Name, der für einen Stamm Wilde passen würde.
Und so hatte Tuner unbeeindruckt an seinem Namen festgehalten und inzwischen war dieser Name eben ein Teil von Carsten, den er auf sonderliche Art und Weise doch liebgewonnen hatte. Auch wenn er das Tuner gegenüber so nie äußern würde. Wer konnte schon sagen, was sich Tuner dann als nächsten ausdachte.

Die Mannschaft hatte Tuners Namen für ihn übernommen. Kapitän Reimann, für seine Mannschaft Kapitän Peace Dove, war Kapitän auf der Black Swan, einem Piratenschiff das auf allen Meeren gefürchtet war.

Damit hätte er niemals gerechnet, als er im Alter von gerade mal zehn Jahren von zuhause davongelaufen war, vor seinem gewalttätigen Vater. Der, als seine Mutter gestorben war, jeden Halt verloren hatte und sein ganzes Geld verspielte und immer mehr trank.
Er verprügelte ihn immer öfter und immer heftiger und eines Nachts, packte er ein Bündel und lief davon.
Im Hafen lag die Black Swan vor Anker und der Kapitän suchte gerade einen Schiffsjungen. So war er auf dem Schiff gelandet.
Tuner hatte zur selben Zeit als Küchenjunge  auf dem Schiff angeheuert und die beiden waren ziemlich schnell Freunde geworden.  

Tuner war mittlerweile sein Steuermann und sein engster Vertrauter auf dem Schiff.

Die Stimmung in der Taverne wurde immer ausgelassener, je mehr Rum und Ale flossen. Die Mannschaft würfelte und spielte Karten.
Carsten ließ seinen Blick durch die Taverne schweifen und beobachtete seine Männer. Sein Blick blieb an einem Tisch hängen, an dem seine Matrosen saßen und Karten spielten. Ein junger Edelmann saß bei seinen Männern und spielte mit ihnen. Skeptisch betrachtete Carsten den jungen Mann.

Was tat der denn in so einem zwielichtigen Viertel?  Er hatte ihn zuvor noch nie gesehen. Der junge Mann war eindeutig schon ziemlich angetrunken.

„Wat is en det für een feener Piefke, drüben be den Kartenspielern?“

Tuner war der Fremde also auch schon aufgefallen.

„Hoffentlich jibt det keen Ärger.“

In diesem Augenblick wurde der Kartentisch von dem jungen Blonden umgeworfen.

„Ihr Betrüger! So gute Karten kann auf Dauer niemand haben.“

Die Männer ließen sich das natürlich nicht gefallen und packten den jungen Mann.

„Du wirst auf der Stelle deine Schulden bezahlen, sonst wirst du es bereuen."

„Ihr habt eindeutig falsch gespielt.  Das lasse ich mir nicht gefallen. Ihr meint wohl, ich hätte das nicht bemerkt?“

Die Matrosen wurden ziemlich sauer und packten ihren Mitspieler und zwangen ihn dazu aufzustehen:

„Hast du dafür irgendwelche Beweise? Wir lassen uns nicht beleidigen. Du kannst nicht einfach so behaupten, dass wir falsch spielen. Du kannst uns nicht einfach der Falschspielerei bezichtigen.“

Der schon ziemlich angetrunkene junge Mann versuchte sich aus den Griffen der Männer zu befreien, doch es waren drei kräftige Matrosen, gegen ihn alleine.
Auch der Rest der Mannschaft war schon auf den Streit aufmerksam geworden und bereit den Kameraden zu helfen.

Langsam kroch dem Edelmann die Panik den Nacken hoch. Und auch sein nebulöser Zustand klarte sich in kleinen Schritten immer mehr auf. Er versuchte sich aus dem Griff der Männer zu befreien, doch diese hatten ihn fest im Griff.
Nun konnte er nur noch versuchen, an die Vernunft der Männer zu appellieren.

„Ich hab nicht so viel Geld“.

Der junge Mann versuchte sich abermals aus den Griffen seiner Angreifer zu befreien.
Diese wurden immer wütender, wollten schon auf ihn einschlagen, als einem der Matrosen ein Einfall kam.
Breit grinsend wandte er sich dem Spielzechpreller zu..

„Dann wirst du es bei uns an Bord abarbeiten müssen.“

Sie wollten ihn einfach mit aus der „Lustigen Witwe“ nehmen.

„Wer nicht zahlen kann, muss für seine Schulden arbeiten.“

Carsten, der den Streit des Edelmannes mit seinen Männern beobachtet hatte,  konnte sich das nicht mehr länger untätig mit ansehen. Mit einem resignierenden Seufzen stand er auf und ging die paar Schritte auf die Streithähne zu. Er hielt seine Männer zurück.

„Wir können uns keinen Ärger erlauben. Lasst ihm die Chance sich zu verteidigen oder das Geld zu beschaffen. Wenn wir ihn einfach mit an Bord nehmen, begehen wir Menschenraub. Er ist eindeutig ein Edelmann. Das können wir nicht riskieren, sonst verlieren wir unseren Kaperbrief.“

Die Männer murrten zwar, ergaben sich aber dennoch der Vernunft ihres Kapitäns.
Dann sprach er den jungen Mann an:

„Spielschulden sind Ehren-Schulden. Ihr werdet wohl bezahlen müssen.“

„Ich hab aber das Geld nicht“.  

Der junge Mann begann langsam immer mehr in Panik auszubrechen.

„Dann hättest ihr euch nie auf das Spiel einlassen dürfen. Wenn ihr das Geld nicht beschaffen könnt, werdet ihr es abarbeiten müssen. Wir suchen immer Männer auf der Black Swan. Morgen früh um neun Uhr stechen wir in See. Entweder ihr bringt das Geld oder arbeitet es ab. Und versucht erst gar nicht meine Männer zu verarschen. Sie finden euch, egal wo ihr seid.“

Der Edelmann erwiderte Carstens Blick und wog seine Möglichkeiten ab. Wenigstens ließen sie ihn erst mal laufen. Vielleicht konnte er ja das Geld beschaffen. Immerhin hatte er ja jetzt Zeit bis zum nächsten Morgen.
Er sah noch einmal zurück auf die Männer, mit denen er gespielt hatte und sah ihre grimmigen Gesichter.
Sie hatten ihn nur losgelassen, weil ihr Kapitän sie beruhigt hatte.

Damit, dass sie ihn betrogen hatten, würde er nicht durchkommen, das war ihm mittlerweile klar.
So klar konnte er mittlerweile schon wieder denken. Es blieb ihm keine andere Wahl. Er musste versuchen, das Geld zu beschaffen.
Zur Not musste er eben seinen Vater darum bitten. Er sah zum Kapitän und teilte ihm seinen Entschluss mit:

„Ich werde da sein. Darauf gebe ich euch mein Wort.“

Der junge Mann reichte Kapitän Peace Dove die Hand und blickte ihm in die Augen.
Und Carsten versank in ihnen, wie in der tiefsten Stelle des Meeres.
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