Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

New Texas Story

GeschichteAbenteuer / P16 / Gen
Brave Starr Doc Clayton Handlebar J.B. McBride Tex Hex Thirty-Thirty
25.04.2011
08.03.2014
29
96.013
1
Alle Kapitel
19 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
25.04.2011 5.663
 
Die Sonnen begannen gerade erst aufzugehen, als ich erwachte. Ich hatte zu meiner eigenen Überraschung sehr tief geschlafen und wohl nicht einmal geträumt. Der Tag gestern schien mich doch ziemlich geschafft zu haben. Ich blickte zum Fenster hoch durch das das erste Licht des neuen Tages fiel und dann auf die digitale Uhr an der Wand. 7:18, verdammt früh. Aber ich war auch um elf Uhr ins Bett gefallen und sofort eingeschlafen. Und obgleich ich gestern einen mehr als ereignisreichen Tag hatte, fühlte ich mich ausgeruht und erfrischt.
Gut gelaunt schwang ich die Beine aus dem Bett und ging zu der kleinen Waschecke rüber. Ich klatschte mir ein paar Handvoll Wasser ins Gesicht und trank ein paar Schlucke. Dann betrachtete ich mich im Spiegel. Mein Gesicht wirkte etwas eingefallen, wohl eine Folge der kleinen zweiwöchigen Zwangsdiät und meine Haare waren wieder ein gutes Stück gewachsen. Wahrscheinlich würde ich bald wieder Haargummis und so ein Zeug brauchen, dachte ich und wandte mich von dem Spiegel ab. Ich beschloss mich unter die Dusche zu stellen und mich mal gründlich abzuschrubben. Ich ließ meine Unterwäsche fallen, die ich als einziges die Nacht über anbehalten hatte, drehte das Wasser auf und wartete, dass es warm wurde. Was überraschend schnell ging. Haarschampoo und Duschdas oder so was gab es natürlich nicht. Nur ein dickes Stück Kernseife.
Mir fiel mal wieder auf, was dieser Planet für ein Ort der Gegensätze war. Einerseits High Tech und auf der anderen Seite furchtbar altmodisch. Ich war wirklich gespannt, welche Überraschungen heute noch auf mich warten würden.
Während ich mich mit der Kernseife ordentlich abschrubbte und versuchte mir damit auch die Haare zu waschen, ging ich im Geiste durch, was ich heute alles machen würde.
Erst einmal würde ich Handle Bar zu Hand gehen, soweit es ging. Und dann würde ich Billy Bob und den Jungs einen Besuch abstatten. Ich war furchtbar gespannt auf die Maschinen, mit denen sie solche Probleme hatten und die angeblich von der Erde stammten. Vielleicht winkte da ja ne richtige Festanstellung. Die hatte ich auch bitter nötig, wenn ich an meine Kleider dachte, denn die waren ziemlich ramponiert und ich würde so oder so nicht drum herumkommen, mir neue zu besorgen.
Frisch geduscht trat ich dann wieder vor den Spiegel und rubbelte mich mit dem großen Handtuch trocken. Dabei betrachtete ich meinen Oberkörper. Eine Sache, an die ich gestern gar nicht gedacht hatte, war, ob ich durch meinen rüden Sturz an den tätowierten Stellen Verletzungen davongetragen hatte. Aber weder der große Phönix auf meinem Rücken, noch die beiden Blumenranken an meinen Seiten waren in Mitleidenschaft gezogen worden. Erleichtert begann ich mich anzuziehen und dann meine Haare mit dem Fön zu trocknen. Dann verließ ich mein Zimmer.
Unten im Saloon konnte man Handle Bar bereits hantieren hören. Ich ging die Treppe runter und sah, wie er dabei war die Stühle wieder von den Tischen zu nehmen. Wir hatten sie am gestrigen Abend noch gemeinsam hochgestellt, was da schon ein ziemlicher Kraftakt für mich gewesen war, da ich im Stehen hätte schlafen können. Zudem waren die Stühle doch etwas schwerer als die, die ich aus – man musste sagen, meiner Welt – kannte. Von Leichtbauweise hatten die hier eindeutig noch nichts gehört.
„Guten Morgen!“ flötete Handle Bar fröhlich. Ich erwiderte den Gruß und half ihm mit den Stühlen.
„Gut geschlafen?“ fragte er dann.
„Wie ein Stein!“ nickte ich.
„Freut mich zu hören! Ich denke, wir sollten uns jetzt erst mal ein ordentliches Frühstück gönnen! Vor allem du, denn du hast heute ja wohl so einiges zu tun!“ sagte er dann und ich konnte nur zustimmen. Während Handle Bar das Frühstück zubereitete, kümmerte ich mich weiter um den Saloon, wischte die Tische ab und fegte den Staub raus, der sich vor allem im Eingangsbereich gesammelt hatte.
In der Zwischenzeit hatte Handle Bar einen Tisch für uns zwei gedeckt und nebst Brot und Rührei auch Kaffee aufgetischt.
Wir machten uns beide mit Heißhunger darüber her.
„Nun, wie sieht denn dein Tagesablauf für heute vorläufig aus?“ fragte Handle Bar.
Ich zuckte mit den Schultern.
„Also, das einzige, was fest eingeplant ist, dass ich mir die Maschinen der Schürfer ansehe. Ansonsten heißt es mal sehen, was sich so ergibt. Ich denke mal, du wirst mich heute Abend brauchen, wenn ich mich nicht irre? Ist schließlich Freitag, nicht?“ fragte ich.
Handle Bar nickte.
„Ja, da ist immer viel los. Vor allem wenn so eine Riesenwelle neuer Siedler kommen, dann komme ich mit der Arbeit manchmal kaum nach.“
„Ich bin in jedem Falle heute Abend zur Stelle.“ sagte ich.
Handle Bar wirkte sichtlich erleichtert.
„Gut zu wissen.“
Er war fertig und stand auf.
„Oh, könntest du für mich zur Bank gehen, bevor du zu den Schürfern gehst?“ fragte er auf dem Weg in die Küche.
Ich sah ihn verblüfft an. Vertraute er mir jetzt tatsächlich schon seine Bankgeschäfte an?
„Klar! Was muss ich denn machen?“ fragte ich völlig verdattert.
„Die Einnahmen dieser Woche dorthin bringen. Ich hab die Kasse aus verschiedenen Gründen nie am Wochenende komplett voll.“
„Und...muss ich da was bestimmtes beachten?“ fragte ich weiter, während ich ihm mit den restlichen Tellern beladen in die Küche folgte.
„Nein, nein. Musst nur dem Bankangestellten sagen, dass es meine Wocheneinnahmen sind. Den Rest macht er.“ sagte Handle Bar und legte das gebrauchte Geschirr ins Becken.
„Klar! Mache ich. Ist die Bank schon auf?“ fragte ich.
Handle Bar schaute auf die Uhr, die über der Spüle hing. Sie zeigte 8.25 Uhr.
„Ja, hat gerade aufgemacht.“ sagte er und ging mit mir zurück in den Saloon. Dort holte er dann eine kleine Eisenkiste unter der Bar hervor und drückte sie mir in die Hand.
„Bring sie dir gleich wieder.“ sagte ich und beeilte mich auf die Straße zu kommen.
Draußen herrschte bereits wieder geschäftiger Betrieb. Ich achtete darauf am Straßenrand zu laufen. Ich hatte keine Lust, mit Calamity Jane noch einmal eine Begegnung zu haben, oder irgendeinem anderen. Es war nicht weit zur Bank und es herrschte auch kaum Betrieb. Lediglich ein dicklicher Mann mit einem runden Hut – Melone, oder wie immer man die Teile auch nannte – stand an neben dem einzigen besetzten Schalter (von einem Roboter besetzt, versteht sich). Und neben ihm stand kein geringerer als der Marshall.
Ich zuckte bei seinem Anblick unwillkürlich zusammen. Aber nicht vor Angst. Vielmehr haute es mich einfach, wie auch gestern um, wie gutaussehend er war. Allein die Tatsache, dass er ein Indianer war, machte ihn...exotisch. Ich liebte den Bronzefarbenen Ton seiner Haut. Zudem war er verdammt gut gebaut.
Ich versuchte mir nichts anmerken zu lassen und ging weiter zu dem Schalter, konnte es aber auch nicht unterlassen ihn weiter verstohlen zu beobachten. Er stand lässig an die Wand gelehnt, mit vor der Brust verschränkten Armen da und lauschte scheinbar etwas gelangweilt der hektischen Rede des dicklichen Mannes, der sich über irgendwas scheinbar ziemlich aufregte. Aber ich hörte nicht genauer hin, sondern versuchte mich auf meine Aufgabe zu konzentrieren.
„Willkommen!“ erklang die mechanische Stimme des Roboters, als ich am Schalter angekommen war und die Kiste vor ihm abstellte.
Ein wenig hilflos überlegte ich, wie man wohl mit einem Roboter redete. Aber scheinbar schienen viele von ihnen wie Menschen behandelt zu werden und so beschloss ich es ebenfalls zu tun.
„Moin!“ sagte ich „Handle Bar schickt mich. Ich soll das hier abgeben.“
„Sehr wohl.“ sagte der Roboter und nahm mir die Kiste ab.
„Wenn man vom Teufel spricht...“ erklang dann plötzlich deutlich vernehmbar die Stimme des Marshalls.
Ich drehte mich ein bisschen zu hastig um und blickte dann aber erst einmal in das Gesicht des dicklichen Mannes, der sich mir ebenfalls zugewandt hatte. Der Ausdruck in seinem Gesicht war zwar freundlich, aber ich sah auch Misstrauen darin.
„Guten Morgen, die Dame!“ sagte er und streckte mir die Hand entgegen. „Ich bin der Bürgermeister von Fort Kerium und begrüße sie recht herzlich!“
Irgendwie hatte ich den Eindruck, dass er das nicht ganz Ernst meinte, aber ich ergriff dennoch seine Hand und schüttelte sie. Ich wollte es mir nicht unnötig mit den Leuten hier verderben.
„Der Marshall hat mich natürlich schon über die Umstände ihrer Ankunft und ihrer momentanen Situation unterrichtet.“ fuhr er fort. „Ich denke, auch wenn das alles neu für sie ist, werden sie sich hier schnell einleben.“
„Danke, für die Begrüßung. Und sie haben recht, für mich ist hier so ziemlich alles neu. Aber ich glaube, ich komme klar.“ sagte ich dann.
Mann, der Kerl hatte die Rede bestimmt bis zum Abwinken geübt!
Ich konnte aus den Augenwinkeln sehen, wie der Marshall neben ihn trat und die Szene scheinbar amüsiert beobachtete.
Der Bürgermeister warf einen vielsagenden Blick auf Handle Bars Kasse, die der Roboter mittlerweile geöffnet hatte.
„Handle Bar scheint ihnen ja schon sehr zu vertrauen, wenn er sie mit den Einnahmen hierher schickt.“ sagte er dann verwundert.
„Ja, hat mich selbst umgehauen.“ sagte ich dann.
„Handle Bar hat auch bestimmt seine Gründe dafür.“ schaltete sich nun der Marshall ein.
Ich war sogar dankbar dafür, denn irgendwie hatte ich das ungute Gefühl, dass mich der Kerl in eine Art Verhör zwingen wollte.
„Da bin ich mir sicher, Marshall.“ sagte er hastig, als er merkte, dass er sich wohl zu weit aus dem Fenster gelehnt hatte. Er zog es auch vor dann schnell das Thema zu wechseln.
„Sagen sie, junge Dame, haben sie schon Pläne für ihren Aufenthalt in unserer schönen Stadt?“
„Ich versuche mich nützlich zu machen, wo es geht. Ich helfe Handle Bar und muss gleich zu den Schürfern in der Donnermiene. Die haben Ärger mit ihren Maschinen.“ sagte ich ehrlich. Warum sollte ich da ein Geheimnis drum machen? Außerdem tat es auch sofort die gewünschte Wirkung, denn das Misstrauen verschwand sofort aus seinem Gesicht.
„Gut, gut! Helfende Hände kann man hier immer gebrauchen.“ sagte er.
„Miss?“ schaltete sich dann der Roboter plötzlich ein.
Er hatte scheinbar die Kiste entleert und wenn ich das richtig sah, dann auf eine Waage, denn dort lag ein Haufen mit roten, glühenden Kristallen.
„Das sind ein Kilo und fünfzehn Gramm.“ verkündete der Roboter, aber ich hörte es kaum. Tatsächlich zog mich der Anblick der Kristalle total in seinen Bann.
„Was zum Geier ist das?“ fragte ich und nahm eines von den Stücken von der Waage.
„Das ist Kerium.“ hörte ich die Stimme des Bürgermeisters neben mir.
Ich wandte mich wieder ihm zu und sah mir gleichzeitig das Stück Kristall genauer an.
„Kerium? Nie davon gehört.“ sagte ich ehrlich und betrachtete das Stück Kristall weiter. Am meisten verwunderte mich das Glühen, das scheinbar aus den Steinen selbst kam, irgendwie. So was hatte ich noch nie gesehen.
„Es ist eines der wertvollsten Stoffe im Universum überhaupt! Wir bauen es hier auf New Texas in Mienen ab und nutzen es als Zahlungsmittel. Aber am ehesten als Treibstoff für Maschinen und Raumschiffe.“
Jetzt fiel mir auch auf, dass ich gestern gar nicht darauf geachtet hatte, mit was die Gäste bei Handle Bar bezahlt hatten. Scheinbar mit diesen merkwürdigen Kristallen.
„Ah, so was ähnliches, wie Gold, richtig?“ fragte ich und legte den Stein wieder weg.
„Ja, so ähnlich. Nur weit aus wertvoller und nützlicher.“ antwortete der Bürgermeister.
„Und das bauen auch Billy Bob und seine Jungs ab, richtig?“ fragte ich weiter.
Der Bürgermeister nickte.
„Die und eine ganze Menge anderer Schürfer.“
Das wurde wirklich immer besser. Jetzt auch noch ne futuristische Version von Gold! Echt Klasse!
„Ich schreibe das Kerium auf Handle Bars Konto gut! 1.100 Galaxie-Dollar.“ sagte der Roboter und schob mir die leere Kiste wieder zu.
„Und Galaxie-Dollar ist eure Währung, richtig?“ wandte ich mich wieder an den Bürgermeister, die Kiste an mich nehmend.
Der nickte.
„Ja, ist aber allgemein anerkannt. Nicht nur hier auf New Texas.“
„Also auch kein Stress mehr mit dem Geld umtauschen, was?“ fragte ich.
Der Bürgermeister winkte lachend ab.
„Das wurde schon vor über hundert Jahren abgeschafft! Komplizierter Kleinkram!“ sagte er.
„Wohl wahr.“ antwortete ich.
„Nun, ich muss wieder ins Rathaus.“ sagte der Bürgermeister und warf einen Blick auf eine goldene Taschenuhr.
„Marshall, ich erwarte ihren Bericht über die Vorkommnisse in Sawtooth heute Abend.“ sagte er dann noch an diesen gewandt und nickte mir dann noch einmal freundlich zu.
„Einen schönen Tag, die Dame.“
Ich erwiderte das Nicken.
„Ihnen auch, Herr Bürgermeister.“
Dann wackelte dieser aus der Bank und ich blieb mit dem Marshall allein zurück.
„Klingt so, als würden sie sich tatsächlich allmählich zurecht finden.“ sagte er dann an mich gewandt.
Verlegen lächelnd sah ich zu Boden.
„Ich tue, was ich kann.“ antwortete ich.
„Und sie wollen die Maschinen reparieren? Da haben sich unsere Techniker schon die Zähne dran ausgebissen.“ fragte er dann und wir schlenderten beide aus der Bank.
„Billy Bob sagte, sie seien von der Erde. Und ich bin ausgebildete Mechanikerin. Vielleicht finde ich ja was, was die anderen übersehen haben. Ich denke mal, ich käme mit euren Maschinen nicht klar.“ sagte ich und wir traten wieder in die Hitze, die bereits spürbar zugenommen hatte.
„Da bin ich wirklich gespannt. Das wäre für die Jungs eine Wohltat. Die müssen alles mit der Hand machen, seit dem die Maschinen nicht mehr laufen.“ sagte er.
„Ein Grund mehr, dass ich mich jetzt beeile, dort hinzukommen.“ sagte ich und wandte mich lächelnd zum gehen.
„Richtig. Ich denke, man sieht sich noch!“ sagte er, tippte an seine Hutkrempe und zwinkerte mir zu.
Ich spürte wie ich errötete.
„Ich hoffe bald!“ rutschte es mir heraus.
Lächelnd ging er in Richtung seines Büros davon und ich hätte mich am liebsten geohrfeigt. Toller Spruch „Ich hoffe bald“! Warum brachte mich dieser Mann so aus der Fassung?
Ich verscheuchte den Gedanken jedoch und beeilte mich, zu Handle Bar zu kommen.

Zehn Minuten später war ich dann auf dem Weg zur Donnermiene. Billy Bob hatte mir den Weg sehr genau beschrieben und er stellte sich auch nicht als schwer heraus. Unterwegs liefen mir dann auch noch so einige merkwürdige Gestalten über den Weg. Die einen sahen aus, wie zweibeinige Echsen, andere wiederum waren mit nichts zu vergleichen, was ich schon mal gesehen hatte. Der Großteil der Bewohner der Stadt schienen jedoch Menschen zu sein.
Auf dem Weg zur Miene kam ich noch am Rathaus und am Gericht vorbei. Vor diesem stand die Richterin, auf die ein Außerirdischer sehr gehetzt einredete. Als sie mich sah, winkte sie mir freundlich lächelnd zu und ich erwiderte den Gruß. Ich konnte sehen, wie sie den Außerirdischen beschwichtigte und kam dann in meine Richtung.
„Guten Morgen, Richterin.“ begrüßte ich sie zuerst.
„Guten Morgen, Bianca. Wie geht es ihnen?“ fragte sie und blieb vor mir stehen.
„Gut! Bin gerade auf dem Weg zu nem Job, wie ich hoffe.“ antwortete ich.
„Oh, schon so schnell! Freut mich zu hören.“ sagte sie aufrichtig. „Und wo geht’s hin?“
„Zur Donnermiene. Ich will versuchen, ob ich die Maschinen reparieren kann.“ antwortete ich.
„Na bestens! Ich hoffe wirklich, sie können helfen. Die Jungs können einem Leid tun, bei der Plackerei.“ sagte sie und wandte sich wieder zum gehen. „Entschuldigen sie mich, ich muss noch was klären.“
„Ich muss mich auch beeilen. Die Jungs warten mit Sicherheit schon.“
Sie ging zu dem Außerirdischen zurück, der sichtlich ungeduldig auf sie wartete und ich setzte meinen Weg fort.
Ein paar Minuten später hatte ich die Stadt hinter mir gelassen und sah bereits die Miene. Es tummelten sich so einige Leute davor, verrichteten alle möglichen Arbeiten und aus der Miene herrschte ein Kommen und ein Gehen. Loren wurden herausgeschoben und wieder rein und einige Männer schleppten Werkzeug rein.
Als ich näher kam, erkannte ich auch Billy Bob, der sich an einem alten Bohrer zu schaffen machte.
„Hey, Billy! Guten Morgen!“ rief ich ihm zu.
Billy Bob schreckte hoch, lachte aber freudig, als er mich erkannte und kam mir dann ein Stück entgegen.
„Hey, du bist ja tatsächlich gekommen!“ rief er.
„Natürlich! Hast du was anderes erwartet?“ fragte ich scherzhaft.
„Auch, wenn du uns mit Sicherheit nicht helfen kannst, es ist schön, dass du gekommen bist. Bringt etwas Abwechslung hier rein.“ sagte er.
„Na, ich will mir die Patienten erst einmal ansehen.“ sagte ich und sah zu dem Bohrer rüber, an dem er sich gerade noch zu schaffen gemacht hatte.
„Ist das einer der Patienten?“ fragte ich und trat näher.
„Ja. Um den ist es am meisten schade! Durch den sind wir wesentlich schneller voran gekommen. Nun müssen wir wieder alles mit der Hand machen.“ sagte er.
Ich ging um den Bohrer herum und betrachtete ihn. Tatsächlich einer von den alten Dingern, die ich mal in einem Schaubergwerk gesehen hatte. Einer von den großen Teilen, die auf Schienen fahren mussten. Der Bohrkopf hatte einen Durchmesser von gut und gern einem Meter und bestand aus zwei Teilen, die sich in entgegengesetzter Richtung bewegten. Das es die in der heutigen Zeit noch gab. Was mich aber noch mehr wunderte war, dass diese ansonsten so hoch technisierten Jungs keine Ahnung von so simplen Maschinen hatten. Simpel zumindest im Vergleich zu dem, was sie hier sonst an Technik hatten.
„Gibt er denn gar keinen Ton mehr von sich, oder zickt er rum?“ fragte ich.
Bily Bob zuckte mit den Schultern.
„Tagesform-abhängig. Mal sagt er gar nichts, mal sagt er was und geht sofort wieder aus.“
„Mh mh.“ sagte ich und öffente die Luke zum Motor.
Und sofort sprang mir ins Gesicht, wie schmutzig das Getriebe war. Auch die ganzen Zahnräder waren mit einer dicken Schmutzschicht überzogen, großen Teils wohl eingetrocknetes Öl, vermischt mit Staub.
„Oh Mann, Jungs! Habt ihr dem Teil schon mal ne Mototwäsche verpasst?“ fragte ich.
„Was?“ fragte Billy Bob hinter mir.
„Na das Getriebe und der gesamte Motor sind total verdreckt. Wenn der Dreck zu klumpig wird, dann kann das auch das Getriebe blockieren. Mit einer der Gründe, warum er wahrscheinlich nicht läuft. Das muss regelmäßig sauber gemacht werden.“ erklärte ich.
„Nein, das wussten wir ja nicht. Kriegst du es sauber?“ fragte er dann und ich konnte leise Hoffnung in seiner Stimme hören.
Ich seufzte.
„Ja, aber dafür brauche ich am besten eine Druckluftpistole. Mit Wasser darf ich da nicht ran. Und das wird bei dem Schmutz auch ne ziemliche Plakerei. Aber vielleicht reicht das schon, dass er wieder läuft. Ansonsten finde ich den Fehler bestimmt. Die Technik von den Dingern ist eigentlich sehr simpel.“
„Geht auch so ne Pistole, mit der wir den Gesteinsstaub wegpusten?“ fragte er.
„Wenn der Druck groß genug ist, ja.“ antwortete ich.
„Okay, kein Problem. Sonst noch was?“ fragte er.
„Öl und Werkzeug!“ sagte ich.
„Auch kein Problem!“
Er eilte davon und hatte mir tatsächlich bald alles gebracht, was ich brauchte. Und ich begann erst einmal mit der Reinigung, was ganze zwei Stunden in Anspruch nahm. Das war weniger ne Reinigung, sondern mehr eine Ausgrabung. Danach fettete ich vorsichtig die Zahnräder und Gestänge mit frischem Öl ein und gab noch etwas in den Ölverteiler. Dann schloß ich den Motordeckel wieder und besah mir den Kontrollpult. Das gute Stück lief tatsächlich noch mit Benzin. Und der Tank war so gut wie leer, wie mir die Anzeige berichtete.
„Ich brauche Benzin!“ rief ich Billy Bob zu.
„Benzin?“ fragte er mit gerunzelter Stirn.
„Ja! Damit fährt das Ding.“ sagte ich und sah ihn verwundert an.
„Ach so, dieses stinkige Zeug!“ sagte er und lief in eine kleine Barracke, wo er mir auch das Werkzeug hergeholt hatte. Nach einer Minute kam er mit einem Kanister zurück.
„Und? Was denkst du?“ fragte er.
„Ich tanke jetzt erst einmal und dann sehen wir weiter.“ sagte ich und kippte die stark riechende Flüssigkeit in den Tank. Tatsächlich schluckte das Ding eine ganze Menge.
„Habt ihr noch was davon?“ fragte ich ihn und deutete auf den Kanister.
„Zwei Kanister, glaube ich.“ antwortete Billy Bob und nahm den leeren entgegen.
„Dann müsst ihr wieder was ordern.“ sagte ich und wandte mich der Steuerung zu.
„Und jetzt wollen wir mal sehen.“
Ich startete den Motor und der erwachte zwar rumpelnd zum Leben. Und blieb am Leben.
Billy Bob bekam große Augen.
„Das gibt es doch nicht!“ rief er und die Männer in unserer Nähe wandten sich erstaunt zu uns um.
Grinsend ließ ich den Bohrkopf erwachen und machte mich mit der Steuerung vertraut.
Dieser begann immer schneller zu rottieren und lief reibungslos.
„Das muss ich sofort den anderen erzählen!“ rief Billy Bob und lief in Richtung Miene davon.
Und ich ließ den Bohrkopf auslaufen und ließ dann langsam das gesamte Gefährt anrollen. Quietschend setzte er sich in Bewegung und ich rollte auf die Miene zu, an staunenden und auch jubelnden Männern vorbei.
Als ich dann um die Ecke bog und auf den Mieneneingang zuhielt, konnte ich plötzlich jemanden sehen, mit dem ich gar nicht gerechnet hatte und den ich auch nicht hatte kommen sehen. Der Marshall und auch Thirty-thirty stand am Mieneneingang und Billy Bob redete ganz aufgeregt auf sie ein. Was er ihnen erzählte war ziemlich klar.
Als er das Rattern des Motors und das Quietschen der Räder hörte, wandte er sich wieder zu mir um.
„Los, Jungs! Es geht Untertage!“ rief ich.
„Warte auf mich!“ rief Billy und lief mir nach.
Ich reichte ihm die Hand und er schwang sich hinter mir auf die Standplattform. Und dann brausten wir in die Miene. Weit ging es nicht, die Miene musste relativ neu sein. Vor der Felswand, an der vorhin noch Männer gearbeitet hatten, hielt ich und Billy Bob stieg ab. Eine ganze Traube von Männern begann sich um das Gefährt zu sammeln, einschließlich dem Marshall und Thirty-thirty und blickten gespannt auf den Bohrer.
„Und jetzt alle Mann festhalten!“ sagte ich und drückte den Knopf, der den Bohrkopf zum Leben erweckte. Surrend begannen sich die beiden Hälften zu drehen. Nun kamen die beiden Hebel ins Spiel. Mit dem Gashebel konnte ich das Gefährt nach vorne fahren und mit dem anderen die Geschwindigkeit des Bohrkopfes regulieren.
„Here we go!“ rief ich und ließ den Wagen vorgleiten.
Krachend fraß sich der Bohrer ins Gestein und hinterließ schon sehr bald ein gewaltiges Loch. Trotz des Krachs um mich herum konnte ich die Männer laut jubeln hören.
Schließlich ließ ich den Bohrer ersterben und sprang von der Plattform um gleich darauf von zig Händen Schulterklopfer zu bekommen.
„Großartig! Jetzt müssen wir uns nicht mehr so abrackern!“ rief einer.
„Jetzt kommen wir wieder dreimal so schnell voran!“ ein anderer.
Dann trat Billy Bob neben mich und legte mir einen Arm um die Schulter.
„Sag mal, wir haben noch zwei andere Sorgenkinder! Die kriegst du doch bestimmt auch wieder zum Laufen, oder?“ fragte er dann und wir verließen die Miene.
Dabei liefen wir auch dem Marshall über den Weg und ich sah kurz zu ihm auf und sah sein Lächeln und seinen anerkennenden Blick.
Ich lächelte strahlend zurück und fühlte mich noch besser.
Tatsächlich brachte ich auch die anderen beiden Maschinen noch zum laufen. Eine Lorenwinde, die die vollen Wagen aus dem Schacht zog, die aber tatsächlich ein Getriebeproblem hatte und einen größeren Presslufthammer. Dieser bekam durch einen Wackelkontakt einfach keinen Saft mehr.
Ich hatte mir die Achtung der Männer verdient und als ich dann auch den Presslufthammer den Männern zur Nutzung übergeben konnte, kamen Billy Bob, Sam und noch ein anderer zu mir, der sich als Jack vorstellte.
„Wir können dir gar nicht genug danken, Bianca! Dank dir können wir jetzt wieder viel besser und leichter arbeiten!“ sagte Sam und schüttelte mir überschwänglich die Hand.
„Wie gesagt, ist mein Job und wenn ihr meine Hilfe braucht, müsst ihr nur was sagen.“ lächelte ich.
„Weißt du, die Dinger müssen ja auch in Schuss gehalten werden! Wie wäre es, wenn du regelmäßig kommst und sie dir ansiehst? Wir würden dich auch bezahlen!“ sagte Sam.
„Vielleicht kannst du uns ja doch sogar etwas beim Schürfen helfen.“ fügte Billy Bob noch hinzu.
„Das würde ich gern!“ sagte ich erfreut.
„Und du sollst für die Dienste heute auch nicht leer ausgehen!“ sagte Jack dann und drückte mir einen kleinen Sack in die Hand, der wahrscheinlich Kerium enthielt.
„Oh, tausend Dank! Das kann ich jetzt echt gebrauchen!“ sagte ich und deutete an mir herab.
„Ich brauche dringend neue Kleider! Die hier sind hinüber.“
„Wenn das so ist, dann geh zu Greenwoods. Da findest du bestimmt was.“ sagte Sam.
„Gut, mache ich. Sehen wir uns heute abend im Saloon?“ fragte ich dann und die drei nickten eifrig.
„Klar! Das muss doch gefeiert werden!“ lachte Billy.
„Gut! Allerdings muss ich auch arbeiten. Nehmts mir nicht übel, wenn ich nicht so viel Zeit zum feiern hab.“
Dann verabschiedete ich mich von den Männern und machte mich gut gelaunt wieder auf den Weg in die Stadt. Greenwoods war nicht schwer zu finden. Allerdings ahnte ich schlimmes, als ich die Schaufenster sah. Nur diese grässlichen Frauenkleider. Ich hoffte, dass sein eigentliches Inventar mehr hergab und betrat den Laden. Es war sehr ruhig und schattig. Erst jetzt spürte ich, wie sehr ich geschwitzt hatte. Als ich mich im Spiegel betrachtete, musste ich zudem feststellen, dass ich auch so aussah, als wäre ich aus nem Bergwerk gekommen.
Plötzlich hörte ich Schritte und eine ältere Frau betrat den Laden. Sie war groß und dicklich, hatte ihre grauen Haare zu einem strengen Knoten gebunden und trug eines dieser grausamen Kleider. Aber sie hatte ein freundliches Gesicht. Ihre hellen Augen weiteten sich erschrocken, als sie mich sah.
„Ach, du grüne Neune, Kindchen!“ rief sie erschrocken aus, als sie mich sah.
Ich grinste sie verlegen an.
„Guten Tag! Ich glaube, sie können sich denken, warum ich hier bin.“ sagte ich dann und zuckte mit den Schultern.
„Ja, das ist in der Tat nicht zu übersehen!“ sagte sie, trat vor mich und betrachtete mich von Kopf bis Fuß.
„Na, dir werden wir jetzt erst einmal was ordentliches raussuchen!“ sagte sie dann entschlossen und marschierte auf eines der Kleiderständer zu.
„Ähm, ich hätte nur gern etwas, das zum Arbeiten taugt.“ sagte ich. „Ich arbeite körperlich hart und da ist ein Kleid nicht gerade angepasst.“
„Kein Problem, Liebes! Dann müssen wir wahrscheinlich nur etwas auf die Männerabteilung zurückgreifen.“ antwortete die Frau.
„Das macht nichts.“ sagte ich und trat neben sie.
„Lass mal sehen, welche Größe du hast!“ sagte sie dann, sah sich zu mir um und musterte mich prüfend.
„Ne glatte 50, würde ich sagen.“
Dann begann sie von einem Ständer zum anderen zu laufen und suchte mir eine Art Jeans heraus, ein weißes ärmelloses Hemd und sogar noch die dazu passenden Stiefel und einen richtigen Cowboyhut.
„So. Jetzt sehen wir mal, ob es passt!“ sagte sie und wollte mir die Sachen in die Hand drücken, überlegte es sich aber anders, als sie sah, wie ich aussah.
„Hm, da haben wir aber ein Problem.“ sagte sie dann.
„Ich glaube, ich gehe lieber erst einmal ins Hotel und dusche!“ sagte ich verlegen.
„Herrgott Kindchen, so lass ich dich bestimmt nicht wieder auf die Straße!“ sagte sie dann kopfschüttelnd und schob mich in einen Hinterraum.
„Jetzt wird erst einmal geduscht!“ sagte sie bestimmt und öffnete die Tür zu einem Bad in das sie mich kurzerhand reinschob.
„Und das du dich mir ja grundlich abschrubbst!“ rief sie dann noch, ehe sie die Tür schloss.
Perplex stand ich noch einige Sekunden da und starrte die geschlossene Tür an. Dann begann ich mich lachend aus meinen Sachen zu schälen. Die Frau war zu goldig. Zwar streng, aber wie eine Mama für jedermann.
Ich stellte das Wasser an und tat, wie mir gesagt wurde. Tatsächlich tat die heiße Dusche mehr als gut. Nachdem ich mich von Schmutz und Schweiß befreit hatte, zog ich meine Unterwäsche wieder an und klaubte die ruinierten Sachen auf.
Kaum hatte ich das getan, ging auch schon die Tür auf.
„Fertig, Liebes?“ fragte die Frau und nickte dann zufrieden.
Normalerweise mochte ich so etwas gar nicht, einfach ins Bad reinzuplatzen, noch dazu bei jemandem, den man gar nicht kannte. Aber bei ihr machte es mir irgendwie gar nichts aus. Im Gegenteil fand ich es sogar drollig.
Sie drückte mir die neuen Sachen in die Hand und verließ den Raum dann jedoch wieder. Ich zog mich an und stellte fest, dass sie, was Größen anging ein gutes Auge hatte, denn die Sachen passten wie angegossen. Ich setzte den Hut auf und verließ dann das Bad und ging in den Verkaufsraum zurück, wo sie schon auf mich wartete. Ihre Augen begannen zu strahlen, als sie mich sah.
„Das ist doch sehr viel besser! Siehst richtig gut aus, Kleines!“ sagte sie fröhlich und ich betrachtete mich im Spiegel. Und musste ihr recht geben. Das Outfit sah nicht nur cool aus, es sah auch ziemlich sexy aus, obgleich es nicht wirklich freizügig war. Plötzlich musste ich daran denken, wie der Marshall wohl reagieren würde, wenn er mich sah. Bei dem Gedanken lief mir ein heftiger Schauer über den Rücken.
„Ich finde es super! Vielen Dank, Miss...!“
„Greenwood!“ sagte die alte Frau und schüttelte mir die Hand.
Ein auffallend kräftiger Händedruck.
„Ich denke, ich werde in der nächsten Zeit noch einmal kommen müssen. Aber heute reicht es nur hierfür.“ sagte ich.
Zumindest hoffte ich das. Ich kannte die Preise hier ja nicht. Und wusste auch nicht genau, wie viel mir die Jungs mitgegeben hatten.
Miss Greenwood winkte jedoch nur locker ab.
„Das kriegen wir schon hin, Kindchen! Aber dich so noch rumlaufen zu lassen, das konnte ich nicht verantworten!“ lachte sie.
Ich lächelte ebenfalls und kramte den kleinen Sack mit Kerium heraus und drückte ihr ihn in die Hand.
„Nehmen sie sich, was sie brauchen. Ich komme da noch nicht so richtig mit klar.“ sagte ich.
Sie nahm den Beutel entgegen und kramte zwei Stücke des leuchtenden Gesteins heraus.
„Ja, du bist die Kleine, die der Marshall draußen in der Wüste gefunden hat. Deine Geschichte hat sich natürlich schon rumgesprochen.“ nickte sie und gab mir den Beutel zurück, in dem scheinbar noch einiges drin war.
„Aber für das Kerium kann ich dir mindestens noch eine Hose und zwei andere Sachen geben.“ sagte sie.
Ich nickte.
„Gern.“
Eine halbe Stunde später verließ ich den Laden mit einer Schachtel neuer Kleider unter dem Arm. Bis auf meine alten Turnschuhe hatte Miss Greenwood alles weggeworfen. Nun konnte ich mich wenigstens wieder unter Menschen zeigen und fiel so ganz nebenbei auch nicht mehr so auf, wie in Jeans und grünem T-Shirt.
Ich wanderte langsam zum Saloon zurück, als ich plötzlich ein lautes Knirschen hörte und dann erschrockene Schreie. Ich sah zu einem Gebäude rüber, das offensichtlich gerade gebaut wurde. Ein Wandstück aus dem obersten Stockwerk schien sich gelöst zu haben und kippte gerade vornerüber. Und genau darunter stand ein kleines Kind, vielleicht vier Jahre alt und starrte das Stück Wand an, das es jeden Moment zerquetschen würde. Ohne nachzudenken ließ ich die Schachtel mit den Kleidern fallen und sprintete in die Richtung, doch es war zu spät. Ich würde das Kind in keinem Falle mehr erreichen.
Und plötzlich schoss ein gelber Blitz die Haupstraße herunter, auf das Kind zu, das im nächsten Moment verschwand und nur einen winzigen Sekundenbruchteil später schlug das Wandstück laut scheppernd auf der Haupstraße auf.
Ich starrte in die Richtung des gelben Blitzes, der nur ein paar Meter weiter zum stehen gekommen war und sich in den Marshall verwandtelt hatte, der das weinende Kind auf den Armen hielt.
Fassungslos starrte ich den Mann an, dem nun von der völlig aufgelösten Mutter das Kind aus dem Arm genommen wurde. Dann registrierte er mich und sah mich an. Ich konnte ihn nur weiter anstarren, auch als er mit ein paar Schritten auf mich zukam.
„Ist alles in Ordnung?“ fragte er besorgt, meinen fassungslosen Blick scheinbar missverstehend.
„Das war Mega abgefahren!“ konnte ich nur hervorstoßen.
Erst runzelte er verwundert die Stirn, doch dann hellte sich seine Miene wieder auf.
„Na, für dieses Urteil danke ich herzlich.“ sagte er dann lachend.
Sein Lachen brach den Bann und ich wurde wieder total nervös.
„Wie...wie haben sie das gemacht?“ fragte ich dann schüchtern.
„Pumageschwindigkeit. Ich habe diverse Fähigkeiten, die in solchen Situationen recht nützlich sind.“ erklärte er.
„Allerdings!“ sagte ich leise und sah das Wandstück an.
„Ich hätte den Kleinen in keinem Falle mehr rechtzeitig erreicht.“
„Und dennoch war es gut, dass sie es versucht haben.“ sagte er und bückte sich nach meiner Schachtel.
„Sie waren wohl bei Maggie.“ stellte er fest und hob die Schachtel hoch.
„Maggie?“ fragte ich.
„Greenwood.“ fügte er hinzu.
„Oh, ja! So wie ich nach dem Mieneneinsatz aussah, konnte ich mich ja kaum noch blicken lassen.“ sagte ich verlegen.
Er lachte.
„Wie ich sehe, hat Maggie sie ja sehr gut neu ausgestattet. Steht ihnen ausgezeichnet!“
Ich war froh, einen Hut zu tragen, denn ich wurde sofort knallrot, was der Hut hoffentlich etwas versteckte.
„Danke.“ sagte ich schüchtern.
Er gab mir die Schachtel zurück und ich konnte beinahe spüren, wie er lächelte.
„Sie haben heute noch was vor?“ fragte er dann.
Mein Herz machte einen Satz in die Kehle. Was sollte die Frage jetzt? Wollte er mich etwa... ach Blödsinn! Ich schluckte schwer.
„Nun...ich muss zu Handle Bar. Er meinte, heute Abend wird ein sehr arbeitsreicher Abend.“ sagte ich dann.
„Gut, dann werden wir uns in ja noch sehen. Sie müssen mir erzählen, wie sie das mit den Maschinen gemacht haben! Die Jungs sind ja ganz aus dem Häuschen.“ sagte er und ging dann mit einem Tippen an der Hutkrempe davon.
Ich stand noch einige Sekunden da, starrte seine stramme, muskulöse Kehrseite an und versuchte meine gehetzte Atmung zu beruhigen. Verflucht, was für ein Mann! Nur schwer konnte ich mich von dem Anblick losreißen und zum Saloon zurück gehen. Ich musste natürlich Handle Bar alles erzählen, der sich sichtlich freute, dass ich so schnell noch Arbeit und Anschluss gefunden hatte.
„Aber ich helfe dir immer, wenn du mich brauchst!“ sagte ich dann noch hastig.
„Nicht, dass du denkst...“
„Ach, das ist schon okay! Wenn ich an solchen Abenden wie heute auf dich zurück greifen kann, dann reicht mir das voll und ganz! Ich bin ja froh, dass du ein vollwertiger Bürger geworden bist!“ rief er lachend.
Ich stimmte ein. Tatsächlich fühlte ich mich sogar richtig wohl hier. Auch wenn ich mich an viele Dinge noch gewöhnen und auch viele noch lernen musste, es gefiel mir.
Und ich freute mich schon sehr auf den Abend. Vor allem darauf, jemand ganz bestimmtes dann wiederzusehen.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast