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New Texas Story

GeschichteAbenteuer / P16 / Gen
Brave Starr Doc Clayton Handlebar J.B. McBride Tex Hex Thirty-Thirty
25.04.2011
08.03.2014
29
96.013
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25.04.2011 3.124
 
Kurz nach meiner etwas holprigen Bekanntschaft mit Thirty-thrity verließ ich das Büro des Marshalls, nachdem er noch einige Personalien von mir erfasst hatte. Name, Alter, und diverse andere Sachen eben. Ich machte mich auf in den Saloon zurück zu kommen, wo nun etwas mehr los war. Tatsächlich war es früher Abend an einem Donnerstag. Handle Bar stand wieder an seinem Platz hinter der Theke und begrüßte mich freudig, als ich eintrat.
„Da sind sie ja wieder, Bianca. Hat ihnen die Stadt gefallen?“ fragte er mich.
„Nun ja, sehr viel habe ich nicht gesehen. Ich war bis gerade im Marshall – Büro.“ antwortete ich und ließ mich an der Bar nieder.
„Und bei Nacht will ich mir die Stadt nun nicht ansehen. Denke, das werde ich morgen tun.“ sagte ich.
„Nun, für sie als Neuling empfiehlt es sich auch nicht, sich bei Nacht auf der Straße herumzutreiben.“ sagte Handle Bar und goss Süßwasser in ein frisches Glas, das er mir dann zuschob.
„Eine kleine Erfrischung.“ sagte er dann lächelnd.
Dankend nahm ich diese an. Meine Kehle war tatsächlich wie ausgedörrt. Aber langsam kamen auch Bedenken in mir hoch. Ich würde so schnell nicht hier weg kommen, da war ich mir mehr als sicher und ich konnte und wollte nicht auf Kosten dieses Mannes leben.
„Sagen sie, gibt es hier vielleicht eine Möglichkeit für mich zu arbeiten? Irgendeinen kleinen Nebenjob?“ fragte ich ihn dann.
„Nun, Arbeit gibt es in Fort Kerium eigentlich immer. Kommt drauf an, was sie machen möchten.“ sagte er.
Das war in der Tat eine gute Frage. Etwas hilflos zuckte ich mit den Schultern.
„Das...weiß ich ehrlich gesagt auch nicht, aber ich muss von irgendwas leben. Auf anderer Leute Tasche liegen ist nicht meine Art.“ sagte ich dann.
„Oh, sie können das Zimmer wirklich ein paar Tage kostenlos nutzen. Und das Essen fällt auch nicht so ins Gewicht.“ beschwichtigte Handle Bar.
Wie zur Antwort auf das Stichwort Essen begann mein Magen zu knurren. Natürlich. Ich hatte ja auch seit zwei Wochen nichts gegessen. Und dennoch war es mir peinlich, da das Knurren so laut war, dass es ohne Zweifel auch von anderen zu hören gewesen war. Handle Bar begann auch sogleich zu grinsen. Ich spürte, wie mir die Röte ins Gesicht schoss.
„Tschuldigung!“ murmelte ich verlegen.
„Macht nichts! Macht nichts!“ lachte Handle Bar und legte das Wischtuch beiseite.
„Ich denke, ich werde sie nun einmal mit unserer New texanischen Küche bekannt machen.“ sagte er und verschwand durch eine Tür in einen Hinterraum.
Etwas peinlich berührt sah ich ihm nach. Ich war ihm zwar dankbar, aber es hinterließ einen mehr als faden Beigeschmack. Ich hasste es auf die Mildtätigkeit von anderen Leuten angewiesen zu sein, auch wenn es im Moment wohl meine einzige Möglichkeit war.
„Wo ist denn Handle Bar?“ hörte ich plötzlich eine meckernde Stimme hinter mir.
„Mann, wieso lässt der sich heute so viel Zeit? Wo bleibt mein Starblazer?“ beschwerte sich ein anderer.
Plötzlich kam mir eine Idee.
„Sagen sie, könnten sie vielleicht eine Aushilfe gebrauchen? Wenn viel zu tun ist, meine ich?“ fragte ich Handle Bar, als er zurück kam.
Er sah mich überrascht an.
„Eigentlich keine schlechte Idee. Seit die letzte Fuhre mit neuen Siedlern gekommen ist, komme ich mit der Arbeit am Wochenende kaum nach.“ sagte er aufrichtig erfreut.
„Na prima! So kann ich mich für Unterkunft und Verpflegung revanchieren.“ sagte ich.
Ich fühlte mich gleich viel besser, keine Almosen annehmen zu müssen.
„Nun, ihr Essen braucht noch etwas. In der Zwischenzeit kann ich sie ja mit der Bar vertraut machen. Von der anderen Seite, versteht sich.“ sagte er und ich sprang sofort von meinem Stuhl und lief zu ihm auf die andere Seite.
„Also, hier haben wir das Süßwasser, das normale Wasser und die Starblazer.“ erklärte er und zeigte auf die einzelnen Flaschen im Regal hinter sich.
„Was ist Starblazer?“ fragte ich.
„Unser beliebtestes alkoholisches Getränk.“ antwortete er. „Wenn sie gegessen haben, können sie ja mal einen probieren.“
„Du. Sagen sie ruhig du. Ich komme mir bei dem „Sie“ ein bißchen alt vor.“ sagte ich dann.
„Ich wollte gerade das selbe vorschlagen.“ lächelte er und schlug mir sanft mit der Hand auf die Schulter. Irgendwie hatte ich das Gefühl zumindest schon mal einen Freund zu haben.
Dann fuhr er fort mir alles zu erklären und dann durfte ich auch schon die nörgelnde Truppe von vorhin bedienen.
Zwei große Gläser Süßwasser und einen Starblazer. Den es in zwei Varianten gab, einer härteren, das ich wahrscheinlich mit Whisky oder etwas ähnlichem vergleichen konnte und einer weicheren, die wohl so eine Art Bier darstellen sollte. In diesem Falle einen weichen.
Mit den fertigen Getränken machte ich mich dann auf den Weg zum Tisch der drei und wurde natürlich sofort von denen überrascht angestarrt.
„Hat Handle Bar neuerdings Verstärkung?“ fragte der erste sofort und zog überrascht die Augenbrauen zusammen.
„Ja, zumindest vorläufig.“ sagte ich und stellte die Getränke vor den drei ab.
„Auffallend hübsche Verstärkung, wie man sieht.“ sagte der zweite dann und musterte mich ungeniert.
„Danke.“ sagte ich knapp und musterte die Männer unauffällig.
Ihre Kleider waren typisch Wildwest-mäßig, aber ziemlich schmutzig. Scheinbar waren sie im Bergbau tätig, denn der Staub an ihren Kleidern stammte eindeutig von dem roten Gestein der Berge.
„Sind sie nicht die junge Frau, die der Marshall draußen in der Prärie gefunden hat?“ fragte nun der dritte. Er hatte ein ziemlich markantes Gesicht, mit einem vorspringenden Kinn und buschigen Augenbrauen. Ein Schlapphut bedeckte strohiges braunes Haar. Der Bursche war zwar nicht attraktiv, schien aber ein netter Kerl zu sein.
„Ja, die bin ich.“ antwortete ich mit einem Nicken.
„Ich bin Bianca.“ fügte ich dann noch hinzu.
„Angenehm!“ sagte der Schlapphutträger und deutete dann auf sich.
„Ich bin Billy Bob, und das sind Joseph und Sam.“ sagte er und deutete auf seine Kollegen.
„Ebenfalls angenehm.“ sagte ich.
„Wo kommen sie eigentlich her?“ fragte dann der mit Joseph vorgestellte.
„Wenn ich ihnen das erzähle, glauben sie es mir sowieso nicht.“ antwortete ich.
„Sie wären überrascht, was wir alles glauben.“ lachte Billy Bob.
„Außerdem können charmante junge Damen wie sie uns auch duzen.“ fügte er dann Augenzwinkernd hinzu.
Ich lächelte.
„Wenn dem so ist, so nette Gäste dürfen mich natürlich auch duzen.“ sagte ich.
„Na wunderbar, Bianca! Wie wäre es, wenn du uns auf einen Starblazer Gesellschaft leistest, oder auf ein Süßwasser?“ fragte Billy Bob dann sichtlich erfreut.
„Das will ich gern tun, aber erst einmal ruft die Pflicht.“ antwortete ich und ging zum nächsten Tisch, wo eine weitere Gruppe von Männern nach der Bedienung verlangten.
Wobei nicht alle von ihnen Menschen waren. Zwei von ihnen hatten zwar eine menschliche Statur, aber giftgrüne Haut und Stielaugen, wie Schnecken.
Ich nahm ihre Bestellung möglichst höflich entgegen und vermied es tunlichst, die beiden „Schnecken“ zu sehr anzustarren. Nicht nur, dass ich keinen weiteren Ärger wollte, sondern weil mir immer klarer wurde, dass ich mich wohl an solche Gestalten besser gewöhnen sollte. Wenn es hier schon zweibeinige, sprechende Pferde und menschliche Schnecken gab, was kreuchte und fleuchte hier dann wohl noch alles?
Ich ging zur Bar zurück und beeilte mich die bestellten Drinks fertig zumachen, als die Tür des Saloons sich öffnete und zwei Gestalten den Saloon betraten. Zweibeinige Hunde, oder Wölfe, oder was auch immer sie waren. Jedenfalls sahen sie alles andere als freundlich aus. Ich beobachtete die beiden, wie sie zu einem freien Tisch gingen und sich daran niederließen. Sie trugen verlodderte Kleider und breitkremprige Hüte. Ihre Ohren lugten durch Löcher aus ihnen heraus, was mich unverweigerlich an diverse Cartoons erinnerte. Würden die Burschen nicht so nach Ärger aussehen, dann könnte man darüber sogar lachen.
Ich bediente den Tisch mit den zwei Schneckenmenschen und wurde von den beiden Gestalten dann auch prombt an den Tisch gerufen.
„Zwei doppelte Starblazer, ohne Eis!“ knurrte der eine und ich ging wortlos zur Bar zurück.
In der Zwischenzeit war Handle Bar wieder aus der Küche aufgetaucht und winkte mich zu sich. Ich beeilte mich an seine Seite zu treten.
„Äh, Handle Bar, diese beiden Gestalten da, was sind das für welche?“ flüsterte ich ihm zu und nickte in die Richtung der beiden Wölfe, die mittlerweile ihre Köpfe zusammengesteckt hatten und über irgendwas leise redeten.
„Dingos.“ antwortete Handle Bar und schob mich vorsichtig in Richtung Küche.
„Ich könnte mich ja täuschen, aber die sehen irgendwie nach Ärger aus.“ sagte ich weiter, während ich weiter über die Schulter zu den beiden sah.
„Bedeuten sie in der Regel auch. Sind nicht gerade die freundlichsten Wesen. Die überlässt du lieber mir.“ sagte er. „Außerdem solltest du jetzt erst einmal essen.“
Wir waren in der Küche angekommen, die kleiner war, als ich vermutet hatte. Vergleichbar mit einer normalen Haushaltsküche. An der einen Wand stand ein kleiner Tisch mit nur einem Stuhl, auf dem ein dampfender Teller mit einer Art Suppe stand.
„Was hatten die beiden denn bestellt?“ fragte er, während ich mich an dem Tisch niederließ.
„Zwei doppelte Starblazer, ohne Eis.“ antwortete ich und Handle Bar verschwand wortlos aus der Küche.
Ich wandte mich dem Teller zu und versuchte den Inhalt zu definieren. Es war mehr ein Eintopf als eine Suppe, denn der Inhalt war dickflüssig, sah etwas aus, wie Kürbiscreme-Suppe mit Fleisch und Gemüse.
Der Geruch, der davon ausging, war allerdings sehr verführerisch. Etwas, das so gut riecht, konnte gar nicht schlecht schmecken, entschied ich, griff zu dem Löffel und probierte. Und ich behielt recht. Ich konnte den Geschmack zwar mit nichts vergleichen, was ich von zu Hause kannte, aber es schmeckte großartig. Und erst jetzt wurde mir richtig bewusst, welchen Hunger ich hatte. Ich leerte den Teller sehr schnell und genoss dann das Gefühl eines vollen Magens.
Dann räumte ich den leeren Teller in die Spüle, wo noch anderes schmutziges Geschirr lag und machte mich auf den Weg zurück in den Schankraum. Handle Bar stand an der Bar und machte gerade zwei Drinks fertig.
„Ah, da bist du ja wieder. Hat es geschmeckt?“ fragte er direkt.
„Wirklich sehr gut! Danke! Was war das genau?“ fragte ich.
„Nennt sich Texanischer Topf. Ist ursprünglich Restverwertung gewesen, hat sich dann aber als eigenständiges Gericht eingebürgert.“ erklärte er sichtlich stolz.
„Aha! Sowas wie Irish Stue, richtig?“ fragte ich.
„Was ist Irish Stue?“ fragte Handle Bar interessiert.
„Auch so eine Art Resteessen. War auf der Erde sehr beliebt.“ erklärte ich. Zudem war es eines meiner Lieblingsgerichte gewesen.
„Und wie macht man das?“ fragte er weiter.
„Mh, wenn ich die Zutaten bekommen könnte, könnte ich es dir zeigen.“ antwortete ich.
„Kein Problem. Sag mir nur, was du brauchst.“
Während ich ihm erklärte, was man für Irish Stue brauchte, wurden plötzlich Rufe von Billy Bobs Tisch laut. Die drei Männer verlangten eine Runde und dieses Mal machte Handle Bar sich auf den Weg zu ihnen. Ich blieb an der Bar zurück und übernahm das Gläserabwaschen.
„He, Püppchen!“ war plötzlich eine knurrende Stimme zu hören.
Erschrocken hob ich den Kopf und sah den beiden Dingos ins Gesicht, die an die Bar gekommen waren.
„Bitte?“ fragte ich.
Grinsend beugte sich der eine so weit er konnte über die Theke.
„Du schuldest uns noch einen Drink!“ geiferte er und zog die Lefzen hoch, was wohl ein Grinsen darstellen sollte. Nur das es ganz und gar nicht lustig aussah.
„Tue ich das?“ fragte ich möglichst ruhig.
„Allerdings, Herzchen!“ klinkte sich nun auch der andere ein. „Jeder, der hier neu ist, muss uns einen Drink ausgeben.“
Mein erster Eindruck und Handle Bars Aussage bewahrheitete sich also gerade. Die beiden bedeuteten Ärger. Aber ich sah überhaupt nicht ein, warum ich mich von ein paar Kojoten wie den beiden einschüchtern lassen sollte.
Ich stemmte meine Hände auf die Bar und beugte mich ebenfalls vor.
„Ist das so? Nun, dann werde ich mit dieser netten Tradition brechen müssen!“ sagte ich bestimmt.
Mit dieser Reaktion hatten die beiden wohl nicht gerechnet, was mir der überraschte Ausdruck auf ihren Gesichtern verriet.
„Du bist ganz schön frech, Püppi!“ knurrte der vorgebeugte dann und kam mir mit dem Gesicht noch näher.
„Frechheit kann aber sehr ungesund sein!“
„Ungesund für wen?“ fragte ich nur herausfordernd zurück.
Die Augen des Dingos verengten sich zu schmalen Schlitzen und er fletschte die Zähne.
„Das wirst du gleich feststellen, du...!“
„Schluss jetzt! Das reicht!“ war dann Handle Bar zu hören, der dann plötzlich hinter den beiden auftauchte, sie an den Kragen packte und wie Spielzeuge hochhob. Und sofort verwandelten sich die beiden reißenden Wölfe in winselnde Schoßhündchen.
„Ihr werdet mir gefälligst meine junge Gehilfin zufrieden lassen! Oder aber ich befördere euch mit einem einzigen Tritt in den Orbit!“ grollte Handle Bar böse.
„Schon gut! Schon gut!“ winselte der eine und Handle Bar ließ die beiden fallen, wie zwei nasse Säcke.
Sofort verließen die beiden fluchtartig den Saloon und es hätte mich nicht gewundert, hätten sie dabei gewinselt, wie geprügelte Hunde.
Grinsend sah ich den beiden hinterher.
„Alles klar?“ fragte Handle Bar mich dann besorgt.
„Hm? Ja ja, klar! So was schockt mich nicht.“ sagte ich locker.
Tatsächlich hatten mir die beiden keinerlei Angst gemacht. Denn eines war mir auch sofort klar gewesen: die beiden gehörten zu der Sorte, die sich nur an jene herantrauten, von denen sie glaubten, sie wären schwach und leichte Beute. Die dann aber auch ganz schnell den Schwanz einzogen, wenn sich herausstellte, dass ihr vermeintliches Opfer auf einmal ein Gegner wurde. Witzigerweise konnte man bei denen das mit dem Schwanz einziehen wohl wörtlich nehmen.
„Ich wünschte, ich könnte diesen Dingos Hausverbot erteilen.“ knurrte Handle Bar, während er zur Tür sah, durch die die beiden gerade verschwunden waren.
„Tu es doch einfach! Ist doch schließlich dein Laden!“ sagte ich und wischte das letzte gespülte Glas trocken.
„Geht nicht so einfach. Es gibt tatsächlich auch Dingos, die sich in der Stadt ganz friedlich verhalten. Und die darf ich nicht einfach vor die Tür setzten.“ knurrte er mürrisch.
„Tja, dann haben wir halt unseren Spaß mit ihnen!“ sagte ich locker.
Handle Bar wandte sich mir grinsend zu.
„Zumindest bist du kein Feigling.“
„Danke für die Blumen!“ feixte ich.
„He, Handle Bar! Gönn deiner Gehilfin mal ne Pause und lass sie nen Starblazer mit uns trinken!“ kam es dann plötzlich von Billy Bobs Tisch.
„Okay, okay!“ rief Handle Bar lachend zurück.
„Deine Anwesenheit wird dort hinten verlangt.“ sagte er dann an mich gewandt und ich beeilte mich für die drei noch Drinks herzurichten und begab mich dann mit meinem Starblazer eingeschlossen zu ihnen.
„Haben die Dingos dich bedroht?“ fragte Billy Bob als erstes besorgt.
Ich winkte lachend ab.
„Ach, die! Von solchen Typen lass ich mir doch keine Angst machen!“ sagte ich.
„Solltest aufpassen. Mit denen ist nicht zu spaßen.“ sagte Sam.
„Ehrlich Bianca, geh denen aus dem Weg, wo es nur gerade eben geht.“ mischte sich nun auch Joseph ein.
„Tue ich. Aber ich verstecke mich nicht und ich lasse mich auch nicht einschüchtern.“ entgegnete ich.
Dann griff ich nach meinem Krug und hob ihn an.
„Nun, meine Herren, auf einen gemütlichen Feierabend!“ sagte ich und stieß mit ihnen an.
Dann musste ich natürlich erst einmal meine Geschichte erzählen.
„Klingt wirklich irre!“ sagte Sam dann und leerte seinen Doppelten.
„Und du hast echt keine Ahnung, wie das passiert ist?“ fragte Billy Bob dann.
Ich schüttelte den Kopf.
„Nun, ich denke, du wirst dich hier schon einleben. Hübsche junge Damen haben es bei uns nie schwer.“
Joseph zwinkerte mir vielsagend zu und ich sah ihn keck an.
„Na wenn dem so ist, dann brauche ich mir deswegen ja schon mal keine Sorgen mehr zu machen.“ lächelte ich und trank einen Schluck Starblazer. Es schmeckte tatsächlich ein bisschen wie Bier, war aber nicht ganz so bitter, dafür aber bestimmt doppelt so stark. Viel sollte ich davon wohl besser nicht trinken.
„Also bleibst du bei Handle Bar angestellt?“ fragte Billy Bob mich dann.
„Naja, zumindest kann ich mich für die Unterkunft und Verpflegung ein bisschen revanchieren. Aber ich denke, ich werde sehen, ob ich nicht noch nebenher was anderes machen kann. Ich hab mich mit ihm darauf geeinigt, dass ich ihm nur helfe, wenn er viel zu tun hat.“ sagte ich und trank noch einen Schluck. Das Zeug schmeckte verdammt gut.
„Und was macht ihr?“ fragte ich dann.
„Wir sind Schürfer.“ antwortete Billy Bob und leerte sein Glas. „Wir arbeiten in der Donnermiene, außerhalb der Stadt.“
Also genau das, was ich mir schon gedacht hatte.
„Harter Job, was ?“ fragte ich dann.
„Jaaaah, aber auch sehr auskömmlich, wenn man reichlich findet.“ sagte Joseph und lehnte sich zurück. Der Starblazer zeigte Wirkung bei ihm, denn seine Augen waren bereits ziemlich glasig.
„Vielleicht habt ihr ja dann noch Platz für mich.“ sagte ich ernsthaft.
Billy Bob lachte.
„Na, ich glaube nicht, dass das die richtige Arbeit für eine Frau ist!“
„Warum nicht? Ich bin harte Arbeit gewöhnt!“ sagte ich.
Ich versuchte es mir nicht zu deutlich anmerken zu lassen, aber ich war dennoch etwas gekränkt. Ich hasste es einfach, wenn einem gleich unterstellt wurde, man könne nicht hart arbeiten, nur weil man eine Frau ist.
„Warum eigentlich nicht! Jetzt mal ehrlich, Billy, sie macht mir nicht den Eindruck, als wenn sie ein allzu zartes Pflänzchen ist.“ sagte Sam und musterte meine Arme und Schultern.
Ich wusste, dass ich für eine Frau recht muskulös war. Durch meine Arbeit und meinen Sport war das aber auch nicht wirklich vermeidbar. Außerdem fand ich es auch gutaussehend.
„Nein, nein, das meinte ich auch nicht, aber ich glaube Schürfer ist nun doch etwas zu viel für dich.“ sagte Billy Bob dann beschwichtigend zu mir.
Ich zuckte mit den Schultern.
„Vielleicht habt ihr ja irgendwelchen leichteren Arbeiten für mich?“ fragte ich dann.
„Was wir gebrauchen könnten, wäre jemand, der sich mit Maschinen auskennt. Diese alten Dinger machen, was sie wollen, wenn sie mal etwas machen.“ knurrte Joseph plötzlich.
„Probleme mit Maschinen? Was denn für welche?“ fragte ich sofort neugierig.
„So alte Bergwerksdinger, von der Erde noch. Angeblich sollen die zuverlässig sein. Waren sie anfangs auch, aber nun zicken sie nur noch rum und viele von ihnen laufen gar nicht mehr. Und es kriegt einfach keiner richtig hin, sie zu reparieren.“ murrte Joseph.
„Kann ich sie mir mal ansehen?“ fragte ich eifrig und aufgedreht.
Billy Bob sah mich mit gerunzelter Stirn an.
„Hast du Ahnung von so was?“ fragte er dann.
„Ich bin Mechanikerin. Werkzeugmechanikerin, um genauer zu sein. Mein Job ist es Maschinen umzubauen und am Laufen zu halten.“ erklärte ich.
Tatsächlich war das in meinem „normalen“ Leben mein Beruf, den ich auch sehr gern machte. Auch, wenn man es als einzige Frau manchmal nicht leicht hatte.
„Na schön.“ sagte Billy Bob dann. „Schaden kann es nicht!“
Fröhlich stieß ich mit den Männern ein weiteres Mal an.
Einige Stunden später fiel ich wie ein Stein in mein Bett. Ich war tatsächlich hundemüde, was nach so einem Tag aber wohl auch nicht verwunderlich war. Ich hatte schließlich so einiges erlebt und der morgige Tag würde wahrscheinlich nicht weniger aufregend werden.
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