Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

New Texas Story

GeschichteAbenteuer / P16 / Gen
Brave Starr Doc Clayton Handlebar J.B. McBride Tex Hex Thirty-Thirty
25.04.2011
08.03.2014
29
96.013
1
Alle Kapitel
19 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
25.04.2011 3.151
 
Als kleine Vorankündigung: Ich arbeite jetzt hier mit einer abgewandelten Szene aus einem Film. Vielleicht erkennt sie ja jemand;-) Ist eigentlich nicht meine Art, aber ich finde die zum Schießen und sie passt hier gut.
Wer den Film errät kriegt nen Keks!XD

Während wir wieder in die Wüste hinaus brausten hoffte ich nur, dass Molly nicht wieder irgendwelche Kunststückchen vollführen würde. Aber sie fuhr ganz normal und so begann ich einfach nur die an uns vorbeiziehende Wüstenlandschaft zu betrachten. Molly sprach auch nicht mit mir und beschränkte sich auf ein paar an das Muli gerichtete „Heyas!“.
Bis auf einmal ein heftiges Zischen erklang und ein greller Lichtblitz knapp unter mir die Kutsche traf!
Erschrocken wich ich zurück und stieß gegen Molly.
„Was zum...!“ keuchte diese nicht weniger erschreckt.
Ich war mittlerweile lang genug hier um zu wissen, dass das gerade ein Laserschuss gewesen war. Und ich hatte eine vage Ahnung, was los war. Pako und Molly hatten sich vorhin schließlich lang und intensiv über eine Dingobande ausgelassen, die hier ihr Unwesen trieb.
Ein weiteres Zischen erklang und wieder schlug ein Lichtblitz in die Seite der Kutsche. Wenn auch dieses Mal weiter weg vom Kutschbock. Und trotzdem: Man schoss auf uns! Und ich hatte keine Lust eine Ladung Laser voll ab zubekommen!
„Gott verdammt!“ brüllte Molly neben mir und ließ die Peitsche knallen! „Verfluchte Wüstenköter!“
„Dingos?“ fragte ich. Obwohl die Frage überflüssig war.
„Natürlich, Schätzchen! Wer den sonst?“ antwortete Molly auch nur gereizt und trieb den Muli noch weiter an.
Ich warf derweilen gehetzte Blicke in die Richtung zurück, aus der die Schüsse gekommen waren und konnte ein paar schwebende Punkte hinter uns erkennen, die aber schnell näher kamen. Schon sehr bald waren sie so nahe, dass ich erkennen konnte, dass es wirklich Dingos auf Turbomulis waren. Und was ich auch sah, waren die Lasergewehre mit denen sie herum fuchtelten! Nun konnte ich auch das wilde Johlen hören, dass sie ausstießen.
„Molly, was machen wir jetzt?“ fragte ich und klang dabei ängstlicher, als ich wollte.
„Ich versuche sie in dem Red-Stone-Canyon abzuhängen!“ erwiderte sie nur knapp und ließ wieder ihre Peitsche knallen. „Nimm du die Kanone da an der Seite!“
Kanone? Welche Kanone? Erst, als mein Blick mehr zufällig auf das Dach der Kutsche fiel, sah ich das Lasergewehr, dass seitlich am Dach festgeschnallt war. Ich begann mit fliegenden Fingern die Gurte zu lösen, mich dabei immer wieder unter den Laserschüssen der Dingos hinweg duckend. Nicht nur, dass diese Mistköter immer näher kamen, auch die Schüsse wurden immer zielsicherer! Wir mussten sie schnellstens loswerden!
Endlich hatte ich die Waffe befreit und riss sie in den Anschlag. Ich hatte zwar schon mal mit einer Schrotflinte geschossen (bei meinem Onkel, der leidenschaftlicher Tontaubenschütze war), aber ich hatte noch nie mit einer Laserwaffe um mich geballert! Hoffentlich war das nicht viel anders.
Ich riss die Waffe eilig in Anschlag und nahm den vordersten Dingo aus Korn. Ich drückte ab und fast wurde mir die Waffe aus der Hand geprellt. Mit sowas wie einem Rückstoß hatte ich bei den Dingern nicht gerechnet. Und das hätte mich beinahe die Waffe gekostet. Aber wenigstens schien ich den Dingo, oder vielmehr seinen Turbomuli erwischt zu haben, denn er fiel sofort zurück und ich konnte noch gerade eben eine Rauchsäule aufsteigen sehen, bevor er zwischen den Felsen verschwand. Aber es war nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, wie ich schnell feststellen musste. Denn wirklich beeindruckt zeigten sich die restlichen Ganoven nicht. Unaufhörlich zuckten die Schüsse auf und viele davon verfehlten mich nur so gerade eben. Lange ging das nicht mehr so gut! Verdammt, wir brauchten Hilfe!
Plötzlich meinte ich Hufschlag zu hören. Und dann, wie zwei rettende Engel erschien hinter den Dingos eine gräuliche Gestalt mit einer gelben darauf, die rasend schnell näher kamen. Bravestarr und Thirty-thirty! Ein gewaltiger Stein fiel mir vom Herzen. Vor allem, als aus der Richtung der beiden Laserschüsse kamen und gleich zwei der Köter von ihren Mulis holte. Aber trotzdem waren noch drei übrig und die kamen uns immer noch näher. Und so riss ich wieder die Waffe in den Anschlag und wollte gerade einen von ihnen aufs Korn nehmen, als die Kutsche plötzlich einen wilden Schlenker machte und von einer Seite auf die andere hopste. Im letzten Moment konnte ich mich an den Dachbügeln festhalten und fiel so nicht vom Dach. Aber die Waffe wurde mir aus der Hand geprellt und verabschiedete sich scheppernd über die Dachkante.
„Scheiße!“ entfuhr es mir laut, während ich mich krampfhaft am Dach festklammerte.
„Verdammt!“ konnte ich Molly vorn brüllen hören. „Die haben uns getroffen!“
„Was?“ brüllte ich zurück.
„Unser rechtes Hintertriebwerk ist kaputt!“ schrie Molly zurück. „Ich kann die Kutsche nicht mehr richtig lenken!“
Ja wunderbar! Das wurde immer besser! Ich blickte nach vorn, wo immer noch drei Dingos auf uns zuschossen. Eigentlicher Lichtblick war, dass Bravestarr ebenfalls immer näher kam und dann den dritten Dingo von seinem Muli holte.
„Verdammt! Die Schlucht!“ kam es dann wieder aus Mollys Richtung. „Ich kann die Kutsche nicht mehr halten! Runter hier!!!!“
Wie bitte, was?!? Von der locker vierzig Stundenkilometer fahrenden Kutsche abspringen?! Das konnte doch nicht ihr Ernst sein! Aber als ich über die Schulter in ihre Richtung sah, sah ich, dass sie nicht scherzte. Die verfluchte Kutsche steuerte direkt auf eine breite Schlucht zu! Ich konnte noch gerade eben aus den Augenwinkeln sehen, dass Molly vom Kutschbock sprang.
„Gott, Kleine, runter mit dir!“ schrie sie mir noch zu und dann war sie verschwunden.
Nackte Todesangst griff nach mir und ich versuchte mich vom Dach abzustoßen. Lieber ein paar gebrochene Knochen, wenn ich auf dem Wüstenboden landete, als dass ich zerschmettert und tot am Grunde der Schlucht lag! Ich versuchte mich mit den Füßen abzustoßen und ans Ende des Daches zu kommen, aber meine Füße rutschten weg auf dem glatten Dach. Und als die Kutsche im selben Moment noch einmal heftig bockte, rutschte ich komplett zurück und auf den Kutschbock. Ich konnte mich noch so gerade eben an der Fußstütze festklammern und kam so nicht unter die Kutsche, was ich wahrscheinlich genauso wenig überlebt hätte. Aber das wäre wohl auch nicht weiter tragisch gewesen. Denn als ich nach unten sah, kippte die Kutsche gerade über den Rand der Schlucht und alles, was ich noch tun konnte, war mich noch tiefer in die Fußmulde des Kutschbockes zu quetschen und meine Todesangst gellend raus zuschreien. Als die Kutsche dann endgültig stürzte, wurde alles schwarz um mich herum.

Fassungslos starrte Bravestarr auf die Kutsche, die gerade über dem Rand der Schlucht verschwand. Harsch stoppte Thirty-thirty vor der am Boden liegenden Molly. Sie hatte es geschafft abzuspringen. Aber scheinbar auch zu einem hohen Preis. Bravestarr konnte sie laut vor Schmerz stöhnen hören und ihr linkes Bein war unnatürlich verdreht. Zudem umklammerte sie mit einer Hand ihren Arm. Es wäre aber auch mehr als ein Wunder gewesen, hätte sie diesen Sturz ohne Verletzungen überstanden!
„Molly! Großer Gott, Molly!“ rief er und sprang eilig aus dem Sattel.
Während er neben der verletzten Kutscherin auf die Knie fiel, transformierte Thirty-thirty in seine zweibeinige Gestalt. Vorsichtig strich Bravestarr Molly über die Wange.
„Uh!“ stöhnte diese gequält.
„Molly, was ist mit dir?“ fragte er. Obgleich das eine ziemlich überflüssige Frage war.
„Uh! Mein Bein! Mein Arm! Ahh!“ stöhnte Molly vor Pein.
„Bleib ganz ruhig! Ich rufe Doc Clayton!“ sagte Bravestarr und wollte sein Funkgerät greifen.
„Wo...wo ist die Kleine?“ fragte Molly plötzlich.
Die Frage ließ die Angst in seinem Gehirn hoch kochen. Gott, Bianca! Er hatte sie auf der Kutsche erkennen können. Aber wo war sie jetzt? War sie etwa...?
Entsetzt starrte er zu der Schlucht.
„Such...die Kleine!“ keuchte Molly schwer.
„Ja, Partner, los! Ich rufe den Doc und sammel diese verfluchten Wüstenratten ein!“ mischte sich nun auch Thirty-thirty ein.
„In Ordnung!“ sagte er nur knapp, sprang auf die Beine und eilte zur Schlucht.
Bianca musste mit der Kutsche abgestürzt sein, denn es war keine Spur von ihr zu sehen. Er konnte nur hoffen, dass sie sich irgendwie hatte an einen Felsen klammern können, oder dergleichen. Wenn er sie tot finden würde... Nein, daran mochte er nicht denken!
Vorsichtig sah er die kantige Felswand hinab und konnte etwa fünf oder sechs Meter unter sich die Kutsche erkennen, die sich scheinbar irgendwie an den Felsen fest gehakt hatte, denn sie hing an der Wand. Und darunter ging es mal mindestens noch zwanzig Meter weiter in die Tiefe.
Doch am Boden der Schlucht konnte er nichts erkennen, auch mit seinem Optivisor nicht. Lediglich das zerschmetterte Zugmuli. Aber keinen menschlichen Körper. An der Felswand war also auch nichts zu sehen. War sie vielleicht in der Kutsche? Es gab wohl nur einen Weg das heraus zufinden. Zum Glück war die gesamte Felswand – zumindest auf der einen Seite sehr rau, überall waren kleine Risse und Vorsprünge. Nicht nur, da die Kutsche so nicht ganz abgestürzt war, er konnte auch einigermaßen runter klettern. Und so machte er sich auf. Unendlich langsam, denn wenn er das Gleichgewicht verlor, oder abrutschte, so hätte er ein echtes Problem.
„Bianca?“ rief er, während er unendlich vorsichtig mit Händen und Füßen nach festem Halt suchte.
„Bianca, hörts du mich?“
Keine Reaktion. Vielleicht war sie ja auch verletzt und konnte nicht antworten. Er konnte nur hoffen, dass er sie dann wieder einigermaßen sicher nach oben bringen konnte. Doch die Sorgen um die Kleine ließen ihn doch seine Vorsicht vergessen, denn mit einem Male rutschte er mit dem Fuß ab und gleichzeitig brach der Stein, an den er sich klammerte ab. Erschrocken krallte er sich an die Wand, rutschte jedoch mit Fingern und Stiefeln einfach nur daran herab, wobei er sich schmerzhaft einen Fingernagel einriss. Zwei, vielleicht drei Meter rutschte er so runter, bis er mit der linken Hand und dem rechten Fuß plötzlich wieder halt fand. Wild griff er um sich und ertastete mit der rechten Hand eine kleine Ritze, die gerade groß genug für seine Finger war.
Heftig keuchend und zitternd blieb er kurz hängen. Verdammt, das war haarscharf gewesen!
Vorsichtig sah er nach oben und stieß einen leisen Fluch aus. Durch seine Unachtsamkeit waren die meisten Vorsprünge, über die er geklettert war abgebrochen und der Weg nach oben versperrt. Also konnten sie wohl nur noch runter klettern. Er atmete ein paar Mal tief durch und kletterte dann weiter.
Nach mehreren Minuten hatte er die Kutsche endlich erreicht und sah durch das Seitenfenster ins Innere. Aber es war bis auf durcheinander gewirbelte Ladung nichts zu sehen. War sie vielleicht doch komplett abgestürzt und hatte unter dem Muli gelegen?!
Vorsichtig kletterte er weiter, versuchte die Panik zu unterdrücken. Und erreichte schließlich den Kutschbock. Und was er dort sah, ließ ihm einen ganzen Steinbruch vom Herzen fallen. Bianca lag zusammen gekrümmt in den Kutschbock gepresst, die Augen geschlossen. Sie schien auch nicht verletzt zu sein, zumindest sah er nirgendwo Blut.
„Bianca?“ sagte er noch einmal leise und mit möglichst ruhiger Stimme.
Und endlich schlug sie die Augen auf.

„Bianca?“
Die sanfte dunkle Stimme erreichte nur langsam mein Gehirn und ich fragte mich im ersten Moment ernsthaft, ob sie einem Engel gehörte. Den Sturz konnte ich doch nicht überstanden haben! Aber dann erkannte ich sie und schlug überrascht die Augen auf.
Ich konnte es mir nicht wirklich erklären, aber scheinbar war ich doch nicht abgestürzt. Zumindest nicht so richtig, denn ich hing noch immer in dem Kutschbock. Aber wie war das möglich?
Bravestarr, der neben der Kutsche hing kletterte vorsichtig mit einem Bein in den Kutschbock um festeren Halt zu haben. In seinen fast schwarzen Augen stand Sorge, aber auch Erleichterung.
„Ist alles okay?“ fragte er. „Alles gut?“
„Bravestarr...was...?“ stotterte ich noch immer geschockt und leicht weinerlich.
„Alles okay, ganz ruhig!“ sagte er beruhigend. „Bist du verletzt?“
„Ich...ich glaube nicht.“ sagte ich langsam.
Ich meinte ihn leise seufzen hören zu können.
„Okay.“
Er streckte die Hand zu mir aus und hielt sich mit der anderen irgendwo außerhalb der Kutsche fest.
„Gib mir deine Hand.“
Ich sah unsicher seine Hand an und blickte dann vorsichtig zur nur wenige Zentimeter entfernten Kante des Kutschbockes. Scheinbar schien die Kutsche irgendwo am Hang festzuhängen. Aber wer weiß, wie tief es da noch runter ging.
„Ich pass auf dich auf, keine Angst!“ sagte Bravestarr leise und versuchte die Hand noch weiter in meine Richtung zu recken.
Ich sah abermals ängstlich zur Kante, rutschte dann aber trotzdem ganz vorsichtig in seine Richtung und griff nach seiner Hand. Irgendwie musste ich ja hier weg kommen. Ich hatte schon irrsinniges Glück gehabt, überhaupt noch am Leben zu sein!
Seine starke große Hand umschloss meine sanft, aber dennoch fest und er zog mich runter vom Kutschbock.
„Steig auf meinen Rücken.“
Ich sah ihn unsicher an.
„Meinst du nicht, das wird zu schwer?“ fragte ich dann langsam.
Auch, wenn ich kein Schwergewicht war, es war bestimmt für ihn schon schwer genug hier an der Felswand rum zuklettern, auch ohne die zusätzlichen ca. 60 Kilo auf seinem Buckel.
„Das schaffe ich schon. Hier ist es zu eng für zwei zum Klettern.“ erwiderte er.
Ich nickte und schwang mich gehorsam auf seinen Rücken. Dabei fiel mein Blick auf seine rechte Hand. Der weiße Handschuh war am Ringfinger blutgetränkt. Es versetzte mir einen leichten Stich, denn der Anblick seines Blutes erinnerte mich wieder schmerzhaft an die Sache in der Miene.
Doch meine Gedanken wurden auch beinahe im gleichen Moment wieder auf etwas anderes gelenkt, als Bravestarr mit beiden Händen und Füßen festen Halt an der Wand suchte und dann nach unten zu klettern begann. Und es würde ein langer Abstieg werden, ein vorsichtiger Blick nach unten verriet mir, dass wir noch gut und gerne zwanzig Meter vor der Brust hatten. Und auch, wenn Bravestarr ein Kavalier war, durch und durch und auch sehr stark, so merkte ich jedoch sehr bald, dass es ihm immer schwerer fiel. Sein Nacken und auch sein Gesicht waren schon sehr bald schweißgetränkt und ich konnte in seinem Gesicht auch Schmerz erkennen. Zudem begannen seine Arme merklich zu zittern. Es brachte alles nichts, ich musste selbst klettern! Ich sah mir den Felsen an und stellte erleichtert fest, dass ich das wohl auch über eine ganze Strecke neben ihm würde können. Der Fels war übersät mit kleinen Ritzen und Vorsprüngen.
„Bravestarr, lass mich selbst klettern!“ sagte ich dann auch.
„Nein...ist...schon okay!“ gab er keuchend zurück und biss die Zähne aufeinander, als er nur an einem Arm hing und mit dem nächsten nach einem Vorsprung tastete.
„Nein, ist es nicht! Ich merke doch, dass es zu schwer wird.“ hielt ich dagegen.
Bravestarr klammerte sich an den nächsten Vorsprung und blieb dann keuchend hängen.
„Na gut!“ sagte er schließlich. „Aber pass auf!“
Das musste er mir nun wirklich nicht extra sagen!
Aber ich sagte nichts weiter, griff mit der linken Hand in eine Ritze im Fels und tastete mit meinem linken Fuß nach einem Vorsprung.
Auch, wenn Bravestarr sich nichts anmerken lassen wollte, so merkte ich ihm seine Erleichterung doch deutlich an.
„Los, weiter!“ sagte er dann und wir kletterten weiter.
Und ich wusste bald, was er mit mir auf dem Rücken durchgestanden hatte, denn schon nach einigen Minuten begann auch ich ziemlich zu schwitzen und meine Muskeln begannen zu brennen. Aber jeder für sich kamen wir auch schneller voran. Schon bald waren nur noch wenige Meter unter uns.
„Fast geschafft!“ keuchte Bravestarr und hielt kurz inne. Ich blieb neben ihm hängen und sah ebenfalls kurz runter. Vielleicht noch fünf Meter und wir hatten sicheren Boden unter den Füßen. Endlich! Klettern war definitiv nicht mein Ding!
Plötzlich konnte ich ein lautes Knacken und das Knirschen von Metall über uns hören. Eine kleine Staublawine regnete auf mich herab und ich sah erschrocken hoch. Gerade rechtzeitig um zu sehen, wie sich die Kutsche langsam in Bewegung setzte und runter rutschte. Zwar nur etwa einen Meter, weil sie dann wieder irgendwo festhing. Aber wer wusste, wie lang.
Das durfte doch jetzt echt nicht wahr sein!
Entsetzt sah ich Bravestarr an, der nun gerade ebenfalls seinen Blick senkte.
„Oh nein!“ stöhnte er dann.
„Bianca los!“ setzte er dann heftig nach und begann sofort mit dreifacher Geschwindigkeit zu klettern. Und ich tat es ihm sofort nach. Ganz besonders, als ich oben wieder Knirschen hören konnte und dann auch wieder Steinchen auf meinem Kopf landeten. Das verdammte Ding konnte langsam runter rutschen, uns aber auch im nächsten Moment unter sich begraben! Und obgleich ich noch vor wenigen Sekunden gedacht hatte, dass wir „nur noch“ wenige Minuten vom Boden entfernt waren?!
Hastig mit Händen und Füßen immer weiter nach Ritzen und Vorsprüngen tastend versuchten wir der Todesfalle zu entkommen.
Aber scheinbar sinnlos, denn kaum hatten wir drei Meter geschafft, als ein lautes Rumpeln erklang und die Kutsche sich endgültig in Bewegung setzte. Zwar stürzte sie nicht in einem runter, sondern rumpelte weiter über die leicht stoppenden Vorsprünge. Und dennoch kam sie unbarmherzig näher.
„Oooohh!! Los los los! Los Bi!!“ schrie Bravestarr entsetzt und etwa einen Meter schafften wir mit schnellem Klettern noch, doch dann war die Kutsche so nahe, dass sie uns im nächsten Augenblick erreichen würde. Und platz walzen!
„Bianca, spring!“ schrie Bravestarr und stieß sich mit einem mächtigen Stoß vom Felsen ab. Ich dachte gar nicht nach, sondern tat es ihm gleich und landete nach einem etwa Eineinhalbmeter-Sturz neben ihm auf dem Wüstenboden. Im allernächsten Moment erklang ein lautes Krachen, als die Kutsche hinter uns gegen die unteren Felsen an dem Hang knallte. In Erwartung, dass sie uns doch noch irgendwie erwischte, wappnete ich mich für den finalen Schlag, der mein Leben auslöschen würde. Aber er kam nicht. Scheinbar blieb die Kutsche nun endgültig hängen. Ich schlug die Augen wieder auf und sah zu dem demolierten Gefährt zurück.
„Weiter, Bi!“ rief Bravestarr neben mir, packte meinen Arm und zog mich von der Kutsche weg.
Und das aus gutem Grunde! Denn bei einem raschen Blick über die Schulter sah ich, wie  die Kutsche nun mit einem lauten Knarren von der Wand weg kippte. Und uns nun doch schließlich unter sich begraben sollte. Wir würden es nicht schaffen! Unmöglich! Als der Schatten der Kutsche über uns erschien, schloss ich innerlich mit dem Leben ab. Nur wie durch Nebel nahm ich wahr, wie Bravestarr mich plötzlich zu Boden stieß und im nächsten Augenblick spürte ich seinen starken Körper über meinem. Und dann krachte die Kutsche ohrenbetäubend auf uns. Aber es tötete uns nicht.
Als sich der Staub und der Lärm gelegt hatte, wagte ich es die Augen zu öffnen. Und wollte beinahe nicht glauben, was ich sah!
Nun war es ironischer Weise unser Glück gewesen, dass wir nicht so weit von der Kutsche weggekommen waren. Denn so hockten wir jetzt an der Stelle des Kutschbockes, der wenigstens einen Meter tiefer als das Dach lag. Die Situation hatte beinahe was witziges.
„Tja, jetzt hocken wir wieder im Kutschbock!“ sagte ich dann auch laut, ein Kichern unterdrücken müssend.
Ich spürte, wie Bravestarrs Brust bebte.
„Wenigstens hängst du jetzt nicht mehr am Hang!“ kam es dann lachend von ihm.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast