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New Texas Story

GeschichteAbenteuer / P16 / Gen
Brave Starr Doc Clayton Handlebar J.B. McBride Tex Hex Thirty-Thirty
25.04.2011
08.03.2014
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96.013
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25.04.2011 2.311
 
Nur langsam kam ich aus der Schwärze der Bewusstlosigkeit zurück. Mein Gehirn weigerte sich nach wie vor wirklich zu funktionieren. Von meinem Körper ganz zu schweigen. Was war nur passiert? Wo war ich? Auch meine Erinnerungen mussten sich mühsam zu mir vorarbeiten. Doch allmählich kam wieder alles. Der Überfall, meine Gefangennahme, wie ich zu fliehen versuchte, dann wie mich dieses Sandmonster niederschlug. Und Bravestarr...
„Na endlich rührt sie sich!“ konnte ich dann eine rauchige Stimme in meiner Nähe vernehmen. Ich kannte den Sprecher, aber wer war er?
Eine sanfte Männerhand fasste mein Handgelenk und fühlte meinen Puls.
„Hallo, Fräulein! Aufwachen!“ sagte die Stimme dann noch einmal.
Doc Clayton! Also war ich wieder in Fort Kerium. Und mal wieder im Krankenhaus, vermutlich. Ich zwang mich die Augen zu öffnen und schloss sie gleich wieder, als grelles Licht in meine Netzhäute biss.
„Wie fühlen sie sich?“ fragte der Doc mich.
„Als wenn mein Kopf in einem Schraubstock steckt!“ antwortete ich flüsternd.
Tatsächlich hatte ich schreckliche Kopfschmerzen. Es fühlte sich an, als würde er nur von dem Verband zusammengehalten, den ich an meiner Stirn spüren konnte.
Der Doc grinste.
„Mit den Gehirnerschütterungen sollten sie jetzt aber erst einmal Pause machen!“ sagte er dann. „Diese ist zwar bei weitem nicht so schlimm wie die erste und sie dürften auch in ein paar Tagen wieder fit sein, aber zu häufig sollten sie das nicht machen.“
„Sie tun ja gerade so, als wenn ich das absichtlich machen würde!“ murmelte ich, grinste aber ebenfalls.
„Wie dem auch sei, sie sind ansonsten okay.“ sagte er dann noch und wollte sich gerade zum gehen wenden.
„Was ist mit Bravestarr?“ fragte ich ihn hastig.
„Dem Marshall geht es gut. Es ist sonst niemand zu Schaden gekommen.“ antwortete der Doc noch und verschwand dann ganz aus dem Krankenzimmer.
Ich schloss die Augen und atmete ein paar Mal tief durch. Gott sei dank war sonst alles okay. Jetzt hoffte ich nur, dass ich nicht zu lang flach lag und schnell wieder auf den Beinen war.
„Hey Bi! Du bist ja wach!“ kam es plötzlich von der Tür.
Überrascht sah ich auf und sah Billy Bob strahlend vor Freude in der Tür stehen.
„Hab mich schon gefragt wo du steckst, du alter Ganove!“ rief ich zurück und versuchte mich etwas aufzurichten. Aber den Versuch machte mein Kopf sofort zunichte, als sich alles um mich drehte. Billy eilte an meine Seite und nahm meine Hand.
„Oh Mann, wir hatten alle ganz schön Angst, dass dir diese Ungeheuer was angetan haben!“ sagte er.
Plötzlich fiel mir siedentheiß ein, dass ich gar nicht mehr an die Leute hier in der Stadt gedacht hatte. Was, wenn noch Leute zu schaden gekommen waren?
„Unkraut vergeht nicht! Weißt du doch!“ lachte ich dann, wurde aber sofort wieder ernst.
„Was ist mit euch und den anderen in der Stadt? Ist jemandem was passiert?“ fragte ich dann.
Billy schüttelte aber den Kopf.
„Nur einige Schäden an Gebäuden, aber ansonsten nichts Ernstes. Ich glaube die Gangster hatten es wirklich nur auf den Marshall abgesehen. Und da hast du ihnen ja einen schönen Strich durch die Rechnung gemacht.“ antwortete Billy.
„Ja, Tex wollte ihn erschießen, als er noch bewusstlos im Bett lag.“ sagte ich leise.
Bei der Erinnerung an diese Szene kochte wieder Wut in mir hoch. Wieso hatte ich das violette Monster nicht einfach kalt gemacht? Ich hatte die Gelegenheit verdammt!
„Aber du solltest echt aufpassen, Bi! Du bist zwar mutig und kannst kämpfen, aber Tex ist sehr gefährlich.“ meinte Billy dann.
„Man kann sich nicht immer vor solchen Leuten verstecken, Billy! Sie tun dir Böses, so oder so.“ erwiderte ich und richtete mich dann doch langsam auf. „Und wenn, sterbe ich lieber kämpfend, als verkrochen und um mein Leben bettelnd!“
Billy schüttelte lachen den Kopf.
„Was meinst du, wann kannst du hier raus?“ fragte er dann.
„Der Doc meinte dass ich bald wieder fit bin. Und ich hab auch keine Lust noch weiter hier rumzuliegen!“ antwortete ich. „Wie siehts überhaupt in der Miene aus?“
„Nun ja, in der Miene wissen wir noch nicht. Wir sind noch immer damit beschäftigt das Geröll zu beseitigen. Und da ist ganz schön was runtergekommen.“ antwortete Billy und in seinen Augen erschien ein trauriges Glitzern.
Ich wusste, wieso. Ich konnte plötzlich wieder Jacks zerschmetterten Körper vor mir sehen und meinte wieder sein gequältes Röcheln zu hören. Ich schluckte hart.
„Na, ich helfe euch bestimmt in ein paar Tagen wieder!“ sagte ich dann entschieden und versuchte die Stimmung wieder zu lockern.
„Aber vorher kurierst du dich richtig aus!“ kam dann eine weiche dunkle Stimme von der Tür her, die mich sofort erbeben ließ.
Bravestarr kam mit langsamen, gemächlichen Schritten näher und blieb auf der anderen Seite des Bettes stehen.
„Dein Kopf braucht mal Pause von den ständigen Erschütterungen!“ lächelte er mich an.
Ich wurde knallrot.
„Das gilt für deinen ja wohl auch!“ sagte ich dann und entlockte ihm ein lautes Lachen.
„Wo wir gerade schon einmal dabei sind, ich schulde dir noch Dank! Du hast mir zweimal das Leben gerettet!“ sagte er dann wieder ernst.
Verlegen sah ich runter.
„Nun, ich glaube, wir sind dann quitt! Du hast es mir ja auch zweimal gerettet! Als du mich gefunden hast und dann noch einmal im Hexagon. Wer weiß, was diese Ganoven mit mir angestellt hätten.“ gab ich eilig zurück.
„Keinen Dank nötig.“ sagte Bravestarr knapp. „Das war selbstverständlich.“
„Ist meine kleine Barkeeperin wach?“ fragte dann eine andere Stimme von der Tür her.
„Handle Bar!“ rief ich erfreut.
Der Boden wankte leicht, als der tonnenschwere Riegelaner zu meinem Bett eilte.
„Gott, bin ich froh!“ sagte er dann erleichternd und strich mit seiner großen Schaufel überraschend vorsichtig über mein Haar. „Ich hatte echt Angst, du kämst nicht mehr zu dir!“
„Ach, hab mir doch nur den Kopf leicht gestoßen!“ erwiderte ich locker. „Kein Grund sich solche Sorgen zu machen.“
„Wenn du dich selbst gesehen hättest, wie du regungslos in meinen Armen gelegen hast, dann würdest du das nicht sagen!“ antwortete er ernst. „Versprich mir sowas nie wieder zu machen!“
„Okay, ich verspreche, ich lasse mich nie wieder entführen!“ sagte ich feierlich und hob dabei meine rechte Hand. Es erreichte den gewünschten Effekt. Alle drei Männer begannen zu lachen.

Zwei Tage später wurde ich dann endlich entlassen. Meine Kräfte waren sehr schnell zurück gekehrt und bereits am Abend meiner Entlassung half ich Handle Bar im Saloon. Schwere körperliche Arbeiten waren mir aber noch untersagt und so durfte ich die nächsten zwei Tage den Jungs in der Miene nicht helfen. Obgleich die jede helfende Hand gebrauchen konnten. Aber der Doc untersagte es mir mit einem, von ihm ungewohnt ernsten Ton. Dabei erfuhr ich auch, dass ich ganze drei Tage bewusstlos gewesen war, nachdem Bravestarr und die anderen mich befreit hatten.
„Auch, wenn sie scheinbar wieder ganz fit sind, ihr Kopf merkt sich solche Verletzungen sehr lange und je häufiger so was passiert, desto mehr Schaden können sie anrichten!“
Und so musste ich es dabei belassen Handle Bar leichte Tätigkeiten abzunehmen und mich von Billy Bob über den aktuellen Stand der Dinge auf dem laufenden halten zu lassen.
Das einzige, wirklich aufregende, was in den nächsten paar Tagen dann passierte war ein Besuch der geschätzten Richterin J.B. an einem Montag Morgen.
„Da wir leider immer noch nicht herausgefunden haben, wie sie hier her gekommen sind, Bianca, halte ich es für das beste, sie als Bewohnerin von New Texas einzutragen.“
„Sie meinen, nen Personalausweis und sowas?“ fragte ich.
Sie schüttelte lachend den Kopf.
„Nein. So wird das schon seit über einem Jahrhundert nicht mehr gehandhabt!“ antwortete sie.
Wie überraschend!
„Nein, ich nehme ihre Hand- und Fingerabdrücke von ihnen auf und ihre Personalien. Wenn sie einmal von irgendjemandem überprüft werden, so müssen sie demjenigen nur ihre Hand zeigen.“ erklärte sie.
„Aha, so wie im Krankenhaus, was sie gemacht haben, ja?“ fragte ich dann.
„Ganz genau.“ nickte sie.
„Am besten kommen sie gleich zu mir ins Gericht. Es dauert auch nicht lang.“
Dann verließ sie den Saloon und ich beeilte mich Handle Bar noch in der Küche zu helfen. „Na, dann bist du ja bald eine vollwertige Bürgerin!“ sagte Handle Bar und schlug mir leicht auf die Schulter.
Ich rang mir ein gequältes Lächeln ab. Klar, es war der letzte Beweis, dass ich zu ihnen gehörte. Aber irgendwie hatte es so etwas...endgültiges. Denn auch wenn es mir hier gefiel, ich Freunde und Arbeit hatte und mich auch bis über beide Ohren verliebt hatte, so gehörte ich doch in eine andere Zeit und auf einen anderen Planeten. Dort war meine Familie, meine Freunde, mein Heim, mein Leben. Und ich wollte dorthin zurück. Aber wie? Was, wenn ich hier bleiben musste? Für immer?
„He, was ist denn, Kleines?“ fragte Handle Bar mich. Meine Gedanken mussten geradezu in meinem Gesicht gestanden haben.
„Ach, ich musste nur an Zuhause denken.“ antwortete ich dann wahrheitsgemäß. Ich wusste, dass ich mit Handle Bar offen darüber reden konnte.
„Hast du Heimweh?“ fragte er.
„Ja, aber es ist nicht nur das. Glaub mir, Handle Bar, es gefällt mir hier. Und ich fühle mich hier sehr wohl, aber...ich gehöre nun mal in eine andere Zeit, auf einen anderen Planeten. Dort sind meine Familie und mein ganzes Leben.“ sagte ich.
„Ich verstehe dich schon, Mädchen. Und du wirst bestimmt irgendwann wieder zurück kehren können.“ meinte er dann aufmunternd.
Aber es ging ins Leere. Er wusste so gut wie ich, dass die Wahrscheinlichkeit eher gering war, dass jemand herausfand, wie ich hierher kam. Geschweige denn, wie ich wieder zurück kam.
„Nun komm! Lass den Kopf nicht so hängen. Und selbst wenn du hier bleiben musst, dann weißt du, dass du hier akzeptiert wirst und Freunde hast.“ fügte er dann noch hinzu.
Er hatte recht. Was nutzte es wieder in Grübeleien zu verfallen?
Und so machte ich mich fünf Minuten später auf den Weg zum Gericht, in dem die Richterin bereits auf mich wartete. Sie blickte von einem riesigen Aktenberg auf, als ich ihr Büro betrat.
„Ah, Bianca. Setzen sie sich. Es dauert wirklich nicht lang.“ sagte sie und stand auf.
Ich ließ mich gehorsam auf dem Stuhl vor ihrem Schreibtisch nieder, während sie aus einem Regal ein paar Gerätschaften heraussuchte.
„So, nun reichen sie mir bitte die rechte Hand.“ sagte sie dann und ich streckte gehorsam meine flache rechte aus.
Dann fuhr sie mit einem surrenden Gerät über meine Hand, dass dabei scheinbar mit Laser meine Handfläche abtastete. Mit einem lauten „Piep“ gab es ihr dann wohl zu verstehen, dass es fertig war und sie nahm es mit zu ihrem Computer. Dort las sie die Daten dann ein.
„So, jetzt fehlt uns nur noch ein Bild.“ sagte sie und deutete auf eine Ecke, in der ein einsamer Hocker stand.
„Setzten sie sich einfach dort hin und sehen sie in die Kamera.“
Gehorsam trabte ich dorthin und tat wie mir geheißen. Kaum saß ich auf dem Stuhl gab es einen grellen Blitz und ich war einen Moment geblendet. Die Augen reibend ging ich zu ihr rüber.
„So, dass wäre geschafft! Sie sind nun offiziell New Texanierin!“ sagte sie laut.
Auf dem Bildschirm vor ihr erschien mein gerade geschossenes Bild mit persönlichen Daten und einer Abbildung meines Handabdrucks.
„Und...was ist, wenn ich mich mal irgendwo ausweisen muss? Dann muss ich nur meine Hand ablesen lassen, oder wie?“ fragte ich.
Sie nickte.
„Wenn man sie zweifelsfrei identifizieren will, ja.“
„Obwohl das hier wohl nicht nötig sein wird.“ erklang plötzlich eine dunkle Stimme hinter uns.
Wir zuckten beide heftig zusammen und wirbelten herum. Wir hatten beide nicht mal im Ansatz gehört, dass jemand reingekommen war.
„Oh Gott!“ entfuhr es J.B.
„Nicht Gott, nur ich!“ lachte Bravestarr und trat zwischen uns.
Er beugte sich leicht runter und sah sich mein Profil an. Ich spürte wieder deutlich seine Wärme und seinen verführerischen Geruch und sofort begann mein Herz heftig zu schlagen.
Dann wandte er sich mir leicht zu.
„Nun bist du offiziell New Texanerin.“ stellte er dann fest und lächelte mich an.
Ich kämpfte verzweifelt gegen die Röte in meinem Gesicht an und lächelte zurück.
„Sieht so aus.“ meinte ich dann knapp.
Wieso musste er mich immer so aus dem Konzept bringen? Verflucht! Ich kam mir jedes Mal so lächerlich dabei vor.
„Damit genießen sie natürlich auch alle Rechte einer Bürgerin, Bianca.“ schaltete sich plötzlich die Richterin wieder ein und ich meinte Eifersucht in ihrer Stimme zu hören.
„Sie können Verträge abschließen und natürlich unterstehen sie im vollen Umfange der Gerichtsbarkeit dieses Planeten.“
Wenigstens lenkte mich ihre Predigt ein wenig von Bravestarr ab. Ihre Stutenbissigkeit brachte mich sogar dazu ein Lachen unterdrücken zu müssen.
„Dessen bin ich mir bewusst, Richterin. Aber ich kann ihnen versichern, dass ich nicht die Absicht habe das Gesetz zu brechen.“
Ich wandte mich nun ganz kokett Bravestarr zu.
„Erst recht nicht bei einem so starken Hüter des Gesetzes.“
Bravestarr lachte und J.B. schien mich mit den Blicken töten zu wollen. Irgendwie machte mir die Tatsache, dass sie mich als Konkurrentin einstufte unglaublich froh. Vielleicht hatte Handle Bar ja recht und ich könnte vielleicht...
„Nun, ich wäre auch alles andere als erfreut, wenn du dir die Zellen von innen ansehen müsstest.“ meinte er dann. „Nun, ich muss jetzt wieder los. Es gibt Ärger in Shilo. Irgendeiner hat es da wohl auf die Mienenarbeiter abgesehen.“
Er tippte sich an die Hutkrempe.
„Schönen Tag noch, den Damen.“
„Bis später, Bravestarr.“ antwortete J.B.
„Bis später.“ gab auch ich leise zurück und bewunderte seine knackige Kehrseite, während er das Büro verließ.
„In Ordnung, Bianca. Das war auch dann alles.“ meinte J.B. dann an mich gewandt.
„Gut, ich muss auch zurück. Handle Bar wartet auf mich.“
Stimmte zwar nicht, aber ich hatte auch keine Lust mehr hier zu bleiben.
„In Ordnung.“ sagte die Richterin auch nur knapp und wandte sich wieder ihren Akten zu.
Schmunzelnd verließ ich das Büro und machte mich auf den Rückweg. Ja ja, sei du nur eifersüchtig! Ich würde ihn dennoch kriegen!
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