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Der letzte Schmetterling

von blackmuse
GeschichteLiebesgeschichte / P12 / Gen
Evey Hammond V
20.04.2011
20.04.2011
1
3.319
 
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20.04.2011 3.319
 
Vorwort:

Hallo :)

Ich habe vor ein paar Wochen schon nach einer passenden Kategorie gesucht. Jetzt bin ich froh, dass ich die Geschichte doch noch nicht hochgeladen habe, da ich unter 'Filme' gesucht habe. (ich kenne das Comic/den Cartoon gar nicht ;))  Deswegen mach' ich's jetzt und erfülle diese Kategorie mit ein bisschen Schmalz. ^^  Leider ist mir kein kreativerer Name eingefallen. Ich hoffe, ihr verzeiht mir.
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Zur Stimmung:
http://www.youtube.com/watch?v=uEApf_FT25M (I found a reason)


Die Geschichte setzt an der Stelle an, in der Evey ihr Versprechen einlöst und V ein letztes mal vor der Revolution besuchen will...


Leise hallten die leichten Schritte von allen Seiten wieder, als Evey den dunklen Gang entlang ging. Sie sah nicht viel, denn alles hier wurde nur mit Kerzen beleuchtet in dieser dunklen Höhle.
Sie trat vorsichtig durch eine schwere große Tür und wie immer verschlug ihr der Anblick dieses Raumes die Sprache. Sie blieb kurz stehen, dann tappte sie lautlos in den Raum hinein. Eigentlich wollte sie zu V, als ein einziges Bild ihre ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nahm.
Sie ließ ihre zarten Finger über das Bild gleiten, auf dem ein Schmetterlinge zu sehen war. Sie mochte dieses Bild. Sie hatte lange keinen mehr gesehen. Hier konnte man viel entdecken, egal wohin man sah. Aber dies war bisher ihre schönste Entdeckung.
Der Schmetterling war der kleinste, den sie jemals gesehen hatte. Seine zarten Flügel waren hauchdünn.
Er hatte einen kleinen Rumpf und ebenso kleine schmale Flügel. Sie schimmerten in einem geheimnisvollem leuchtendem blau, das von braunen Tupfern übersät war. Das Braun glich dem Braun des Rumpfes.
Mit ihren großen braunen Augen betrachtete sie eingehend das Geschöpf vor ihr. Ganz langsam hob sie ihr Linke und berührte sachte, nur mit der Kuppe ihres Zeigefingers, das dünne Glas, dass sie von dem Schmetterling trennte. Leicht strich sie über das Glas. Wenn es nicht wäre, würde sie ihn berührte. Wenn sie nicht wäre, dann könnte sie ihn berühren....


„Evey...“, hörte sie auf einmal eine dunkle ungläubige Stimme flüstern.
Langsam ließ sie von dem Glas ab und drehte sich um. Ihr Herz schlug schmerzhaft gegen ihre Brust.
„Hallo V“, versuchte sie in einem möglichst ruhigem Ton zu sagen.
„Hallo, Evey.“

Sie mochte, wie er ihren Namen aussprach. Eigentlich mochte sie ihren Namen nie, aber wenn er es sagte klang es wie Musik in ihren Ohren.

„Ich bin ehrlich, Evey. Ich hätte nicht gedacht, dass du wiederkommen würdest.“
„Ich war mir auch zuerst nicht sicher“, flüsterte sie leise.
Insgeheim hoffte sie, er würde es nicht hören. Aber sie wusste, dass er es gehört hatte. Er sagte nichts. Aber trotz der Maske, die trug, die sein Gesicht war, fühlte sie seine Enttäuschung. Auch wenn es nur kurz war. Dann bewegte er sich nie. Keinen Zentimeter, als wäre er erstarrt. Sogleich bereute sie wieder, was sie gesagt hatte.
„Es..es tut mir leid, V, aber...“
„Nein“, unterbrach er sie,“ du bist hier. Das ist das einzige wichtige. Es ist mir eine große Freude, dich noch einmal zu sehen. Das hätte ich nicht erwartet und es wäre auch nicht zu erwarten gewesen.“

„Der letzte Schmetterling“, flüsterte er zögerlich nach einer Weile.
„Wie bitte.“
„Der letzte Schmetterling“, wiederholte er noch einmal seine Worte und sie wusste, dass er lächelte,“ Ich habe ihn vor langer Zeit eingefangen. Als es noch welche gab.“
Langsam kam er auf sie zu. Er kam immer näher. Sie hielt die Luft an, als er direkt neben ihr stehen blieb. Sie drehte sich wieder um. Nun schauten sie beide auf den Schmetterling.
„Vor einem Jahr hat er noch gelebt“, sagte er leise,“ er lebte erstaunlich lange für einen Schmetterling. Er war das einzige Lebewesen, das mir Freude beschert hat...bis du kamst. Ich wünschte du hättest ihn erlebt“, murmelte er bedauernd.
„Ja, das kann ich mir vorstellen. Er ist wunderschön...“

Langsam löste sich ihre Spannung aus ihren Gliedern. Sie könnte ewig hier stehen bleiben, dennoch wusste sie, dass sie nicht mehr viel Zeit hatte um das zu erledigen, was sie noch vorhatte.

„V?“
„Ja.“
„kannst du mir einen Gefallen tun.“
„Nun ja, das kommt ganz und gar auf den Wunsch der Begierde an.“
„V“, fing sie ernst an,“lass mich dir einmal, nur einmal, deine Maske abnehmen. Ich will dich sehen, wahrlich dich, und nicht deine Maske. Ich will dir ins Gesicht sehen, wenn ich dir etwas sage...“

Sie rang mir sich nicht nach unten zu schauen, versucht ihre Angst zu bekämpfen, doch sie war nicht stark genug hatte zu viel Angst. Abwartend und angsterfüllt blickte sie den schönen Schmetterling an. Den wunderschönen Schmetterling. Denn trotz der Therapie empfand sie manchmal noch Angst. Angst vor Gefühlen...

„Evey“, fing er vorsichtig an,“ glaube mir, das ist keine gute Idee. Außerdem spielt das keine Rolle. Ich bin ein Mensch, der ein Ziel hat, der einen Charakter hat, der eine Vorstellung hat. Ich bin der Mann, mit dem du das letzte Jahr zusammengewohnt hast, der dir die Angst genommen hat...und nicht der, der sein Gesicht verbirgt...Irgendwann ist jedes hin und fort....“
„Das ist mir egal. Dein Gesicht gehört auch zu dir und deinem Wesen. Und es würde auch keien allzu große Rolle spielen, wenn ich dir etwas zeigen, beweisen, wollte, wozu ich mich sonst nicht im stande fühle“, sagte sie leise, flehend.“Bitte“, fügte sie noch leise hinzu.
Er zögerte. Sie merkte, wie er mit sich kämpfte.
„Ich weiß wie ich aussehe und du kannst echt glauben, wenn ich dir sage, dass das keiner sehen will. Vergiss es einfach wieder.“
Beruhigend strich er ihr durch das volle lockige Haar.
Abweisend strich sie die Hand beiseite. Darauf würde sie nicht hereinfallen.
„Das ist mir egal. Was denkst du von mir? Du kannst deine Identität nicht leugnen. Ich werde dich so akzeptieren wie du bist!“
Es machte sie wütend, dass er ihr nicht vertraute und sie konnte nicht verhindern, dass ihre Stimme lauter wurde.
Danach herrschte für längere Zeit Stille. Sie wünschte, der Schmetterling würde losfliegen...
„Evey, ich werde dir mein Gesicht nicht zeigen...“
„Ist das dein letztes Wort“, fragte sie mit erstickter Stimme.
„Ja.“
Tränen bildeten sich in ihren Augen. Schnell wischte sie sie weg.
„Na gut. Dann auf Wiedersehen.“
Enttäuscht drehte sie sich um und stürmte beinah zum Ausgang.

„Evey!“
Mitten in der Bewegung blieb sie stehen, als sie die zerrissene Stimme hörte. Sie hörte wie sich Schritte ihr eilig näherten und V nur ein paar Zentimeter hinter ihr stehen blieb. Langsam drehte sie sich um und als sie ihm so nahe war setzte ihr Herz wieder aus.
Sie konnte sich einfach nicht vorstellen, dass sie diesen Menschen nicht lieben konnte, auch wenn sein Gesicht entstellt war. Und sie wusste, das sie ihm gehorchen würde. Was auch immer kam. Ja, er beherrschte sie. Denn sie liebt ihn. Von ganzem Herzen.

„Na gut“, sagte er ergeben,“  ich will aber, dass du mir eines versprichst. Ich will dir noch etwas zeigen.“
„Natürlich, V. Natürlich werde ich dir folgen. Wohin auch immer.“
Er lachte amüsiert auf.
„Du solltest keine Versprechungen geben, von denen du nicht weißt, dass du sie auch halten kannst.“
Manchmal kam sich Evey bei ihm vor wie ein kleines Kind, das noch viel bei ihm lernen musste... Sie verdrehte kurz die Augen, wurde aber dann wieder ganz ernst.
Ganz langsam hob sie etwas ihre Hände und berührte damit seine. Sie hörte, wie V die Luft scharf einsog. Sie schaute ihm genau in die Augen, als sie sich langsam an der behandschuhten Hand hocharbeitete. Sie standen sich so nahe, wie noch nie zuvor. Doch kurz bevor sie an ihrem Ziel angelangt war, unterbrach er sie:  
„Warte noch“
Er nahm seine Hand aus ihrer.
„Ich bin zuerst dran.“

Es verletzte sie etwas, dass er das wahrscheinlich machte, weil er sich nicht sicher war, ob sie es, nachdem die Maske gefallen war, überhaupt noch mit ihm kommen würde.  

Seine Berührung löste einen angenehmen Schauer in ihr aus. So hatte er sie noch nie berührt. Fast immer waren Berührungen von ihr ausgegangen, nie von ihm. Nun hat er ganz von selbst ihre Hand genommen und zauberte ihr ein kleines Lächeln auf die Lippen. Ein kleiner Triumph.

Er führte sie in ein Zimmer, das sie noch nie betreten oder gesehen hatte. Und als sie sah, wo sie sich befand, fing ihr Bauch an zu kribbeln. So etwas intimes hatte sie noch nie von ihm gesehen. Sie befand sich in seinem Schlafzimmer. Hier stand ein großes Doppelbett. Sie musste schmunzeln. Sie konnte sich ehrlich gesagt schlecht vorstellen, dass er schlief und wundere sich etwas.  Auf jeden Fall hatte sie ihn noch nie schlafen gesehen, aber natürlich hatte er auch menschliche Bedürfnisse.  
Doch nun erst entdeckte sie, worauf er hinaus wollte. Mitten in dem größeren Raum stand ein wunderschönes Klavier. Evey hatte noch nie ein schöneres gesehen als dieses. Es war aus feinem dunklem Holz gemacht und hatte viele geschnitzten Muster. Verwundert schaute sie es an.

„Du spielst Klavier,“ fragte Evey überrascht.
„Ja“, antwortete er in Gedanken versunken, als er sich an das schöne Klavier setzte und vor sich starrte, wo man normalerweise Noten vorfindet, aber keine waren.
„Meine Mutter hat mir das Klavier vor langer Zeit geschenkt als sie noch lebte,“ er fing einige zusammenhangslose Noten zu spielen, die für sie aber schön wunderbar klangen,“ sie nahmen sie mir weg kurz bevor sie mich mit zu sich nahmen, in meine Hölle.“ Er fing an den Abstand der Noten zu verkürzen. Evey nahm gar nicht mehr richtig wahr, wie sie sich zu dem großen Bett bewegte und sich auf diesem Platz nahm.  
„Ich habe sehr lange nicht mehr gespielt. Erst als ich dich kennenlernte, Evey, fand ich meine Lust diese süßen Töne zu erzeugen wieder wieder. Erst als du wieder da warst, machte es für mich wieder einen Sinn, mich mit diesen Tönen des Himmels zu beschenken. Doch die ganze Zeit dachte ich an dich, als ich spielte. Das ist mein Lied für dich, Evey. Das was ich mir von mir mitgeben will. Das, was dich mich in Erinnerung behalten lässt. Süße Klänge, Evey, die uns wieder vereinen sollen. Irgendwann. Mein Geschenk für einen Neubeginn...“

Und er hatte nichts zu viel Versprochen. Die schweren Seiten dieses wundersames Klavieres nahmen ihre volle Pracht ein. Schienen sich in ihrer Seele auszuweiten, erlaubten ihr den Verstand zu vergessen, und ließ sie die Augen schließen. Ihr ganzer Körper zitterte, als der süße Honig durch ihre Seele floss und sie benebelte. Sie wusste nicht wie lange er spielte, aber das Stück war ihrer Meinung nach viel zu schnell beendet.

Er schaute noch einen Moment auf die Tasten des Klaviers, als er erwartungsvoll gespannt seinen Kopf hob und Evey anblickte.
„Evey!?“
So laut hatte sie ihn noch nie erlebt. Schnell ging er zu ihr und setzte sich zu ihr.
„Ist alles in Ordnung?“
Sie saß da, auf dem Bett, steif und mit glasigen  Augen.
„Ja“, flüsterte sie leise. Sie nickte heftig mit dem Kopf.
„Ja, es ist alles in Ordnung“, verdeutlichte sie mit dem Anflug eines Lächelns.

Sie war so gerührt, dass sie nichts sagen konnte. Eine Träne kullerte über ihre Wange. V wischte sie sanft hinfort.
Die ganze Situation überwältigte sie.Er hatte ihr noch nie von seinen Eltern erzählt und sie wusste diese Geste der Vertrautheit zu schätzen. Und das Lied... sie hatte nie lieblichere Klänge vernommen.
„V?“
Immer noch mit etwas glasigen Augen drehte sie sich zu ihm.
„Das war wunderschön. Ich habe nie etwas schöneres gehört“, sagte sie wahrheitsgemäß.

Er ließ ein seltsames Geräusch von sich hören und  schaute nach unten. War er etwas geschmeichelt? Sie schwor sich, dass er rot wurde und lachte einmal herzhaft. Er brachte sie immer wieder ins Staunen.
„Danke, das war die ergreifendste Antwort, die ich je bekommen habe. Keine wäre mir mehr wert gewesen.“  

„Willst du es immer noch sehen“, fragte er nach einiger Zeit. Es waren keinerlei Zweifel in seiner Stimme zu vernehmen. Nur eine leise kleine Hoffnung.
Sie wussten, dass sie das Thema nicht weiter umgehen konnten. Es stand zwischen ihnen wie die Luft zum Atmen.
„Ja“, antwortete Evey entschlossen, wenn auch etwas zögerlich.
„Evey, ich werde mich an die Abmachung halten. Sie Frage ist, ob du das immer noch willst.“  
„Ja, ich will es“, sagte sie rau.
Sie wusste, dass sie vorher keine Ruhe finden würde.

So saßen sie da: In dem Schlafzimmer von V, auf dem großen Doppelbett mit dem weißen Bezug, der viel Verzierungen hatte und dem großen schönen dunklem Klavier. Sie hörte wie er die Luft schwer aus- und einatmete.

Sie würde es tun. Da war sie sich ganz sicher. Sie brachte nur noch einen Moment.
Seine Stimme war immer sein Gesicht gewesen.Sie hörte, wenn er traurig war, wenn er lachte.... wenn er liebte...Was würde es ändern, wenn sie jetzt sein Gesicht kannte?

Vorsichtig glitten ihre zarten Hände über das weiche Laken des Bettes. Er saß nur wenige Zentimeter entfernt und sie spürte sichtlich seine Anspannung. Als erstes berührten ihre Fingerkuppen seine Fingerspitzen des behandschuhten Hand. Er zuckte einmal kurz zusammen. Sie hielt inne und wartete, dass er sich daran gewöhnt hatte. Nun war sie seine Lehrerin... Als sie merkte, dass er sich wieder etwas entspannte, nahmen ihre Finger weiter ihren Weg. Erst über seine restlichen Finger, dann über seine Mittelhand bis sie unter seinem Mantel verschwand und sich an der Öffnung seiner Handschuhe entlang tastete.
Sie merkte wie er sich wieder anspannte, als sie ihm langsam den seidenen schwarzen Stoff von den Händen zog. Ihr Herz schlug etwas schneller, als sie ihm nun den ganzen Handschuh abstreifte. Entsetzt zückte er seine Hand zurück, aber als er merkte, was er tat, nahm er sie wieder etwas hervor. Sie nahm sanft die geschundene Hand sanft und begann sie zu streicheln. Daraufhin hob- und seknte sich Vs Brustkorb schneller.
Ohne seine Hand loszulassen widmete sie sich nun dem anderen Handschuh und zog ihm auch diesen aus. Dieses mal ging es aber um einiges schneller.  Aber nun war erst der eigentliche, wichtige, Moment gekommen.  
Ganz langsam strich sie mit ihren Fingern über den Stoff seines Mantels. Sie konnte mit jedem einzelnen ihrer empfindlichen Fingern jeden Muskel unter seinem Mantel spüren.
Evey hielt den Atmen an, als sie bei seinen Schultern angelangt war.  Sie berührte sanft sein Knie mit ihrem, als sie sich etwas zu ihm vorbeugte um mit ihrer Hand in seinem Nacken zu verschwinden. Sie waren sich ganz nah. Sie nestelte an seiner Maske herum, bis sie den fest sitzenden Knoten, der seit Jahren wohl nicht mehr geöffnet oder geschlossen wurde, entfesselt hatte. Langsam holte sie das Band hervor und ließ die Maske fallen.

Evey verzog keine Miene.  

Gerade wollte er sich von ihr entfernen, vor Scham, dass sie nun wusste, wie er aussah, vor Reue, es zugelassen zu haben, vor Schmerz, dass sie so reagierte, als sie etwas tat, womit er wohl nicht im Entferntesten gerechnet hätte.  
Sie wollte es erst machen, dann hielt sie inne.
„Küss mich“, hauchte sie.
Erschrocken schaute er sie an und wich etwas zurück. Doch dann sah er ihr in die Augen. In ihre wunderbaren braunen Augen und er kam wieder näher, denn er wusste, dass sie ihn nicht anlog. Zweifelnd sah er sie an. Sie verblieb jedoch in ihrer Position.
Vorsichtig näherte er sich ihr bis sich ihre Lippen fast berührten. Evey schloss die Augen, wodurch er sich endgültig nicht mehr zurückhalten konnte und seine Lippen leicht auf ihre legte.
Evey fing an zu lächeln und schlang ihre Arme um ihn. Nach langer Zeit lösten sie sich kurz und sahen sich in die Augen. Dann fing Evey an zu lachen und fing an ihn zu küssen. Ihn zu küssen, wie noch nie jemand ihn geküsst hatte. Sie nahm seine Hände und küsste jede erdenkliche Stelle auf ihr, bis sie sich nach langer Zeit einer neuen Stelle widmete, bis sie bei seinem Gesicht ankam und merkte, dass etwas feuchtes sein Gesicht herunterlief. Augenblicklich ließ sie von ihm an und schaute ihn besorgt an.

„Soll ich aufhören,“ fragte sie enttäuscht.
„Nein nein,“ schniefte er entsetzt,“ es ist nur... es schmerzt dieses Glück. All die Jahre..immer war ich...“
„Ja, ist schon gut.“
„Siehst du es denn gar nicht?“
„Ich sehe einen wundervollen Menschen, der all die Jahre über übersehen wurde...“
Er lachte:“Du musst blind vor Liebe sein!“

Sie kam ihm wieder näher und machte weiter wie zuvor: Sie küsste seine verbrannte Haut, die immer noch viele Blasen hatte. Ganz sanft, sodass sie ihm nicht wehtat. Sie strich über seine Stirn, seine Augen, aus denen all der Schmerz lief, seine Nase, seine Ohren.... Seinen Mund hielt sie sich bis zum Schluss auf.  

So glücklich waren beide seit langem nicht gewesen.  Sie hatten sich nichts sehnlicher gewünscht als das.

Nachdem sie sich voneinander gelöst haben, standen sie stumm in der voreinander in dem großen Saal. Sie wusste, dass es Zeit war Abschied zu nehmen. Denn manche Wunden konnte man niemandem nehmen.



„Muss ich wirklich schon gehen?“
„Keinesfalls für immer, meine Liebe. Nur Abschieden, für immer sollte man nachtrauern.“
Evey munterten die Worte nicht auf.
„Weißt du, was ich seltsam finde?“
„Was denn, meine Liebe?“
Dass ein Mensch wie du gläubig ist und an den Himmel denkt.“
„Ein Mensch wie ich? Definiere 'ein Mensch wie ich'.“
„V, ich habe keine Lust auf Spielchen! Du weißt genau, was ich meine.“
„Evey, man könnte vielleicht meinen, dass ich mich nicht immer wie ein Anhänger Gottes verhalten habe. Dennoch hege ich meine Hoffnungen. Evey, ich hatte immer gehofft, einmal Frieden zu finden. So wie jeder andere Mensch auch und seid ich dich kenne, sehne ich mich so sehr danach wie noch nie zuvor. Ich wollte erst nicht daran glauben, bis ich mein Lied für dich fand. Du weißt doch: Ich glaube nicht an Zufälle, Evey. Und unser Zusammentreffen, Das Klavier... Wir werden glücklich werden. Da bin ich inzwischen sicher.“
Evey musste schmunzeln, konnte sich ein Grinsen aber nicht verkneifen.
„Ja, V, jetzt glaube ich auch daran“, lachte sie.

Plötzlich hob er seine rechte Hand.
„Warte noch einen Moment.“
Neugierig sah ich zu, wie er in die andere Richtung verschwand und etwas abnahm....
Er kam wieder zurück und gab es mir.

„V, das ist wunderbar. Versteh mich nicht falsch. Aber meinst du nicht, dass er bei dir besser aufgehoben ist? Ich meine du hast ihn gefangen!“
Evey freute sich sehr über dieses Geschenk und wusste es auch zu schätzen, dennoch fühlte es sich falsch an.
„Nein Evey, nimm du ihn. Ich will, dass du ihn behältst“, seine Stimme wurde etwas traurug,“ ich werde sowieso nicht mehr lange Vergnügen daran finden.“
Kurz überkam auch Evey Trauer, aber schnell war sie wieder verschwunden. Immerhin war es kein Abschied für immer...
„Danke“, flüsterte sie gerührt.
„Nicht zu danken.“

Evey trat einen Schritt zurück. Sie fühlte sich noch gar nicht in der Lage zu gehen, aber sie wusste, dass ihnen nicht mehr viel Zeit blieb. Sie zog an ihnen wie reißende Hunde. Sie wusste, dass er sich nicht um entscheiden würde. Er war der letzte Mensch auf der Welt, der uns retten konnte.Und sie wusste, dass er sterben würde.

„Evey?“
„Ja.“
„Eines noch: Behalte mich als der in Erinnerung, der ich war...“
Jetzt war es zu viel. Dicke Tränen liefen ihre Wangen hinunter und kamen auf dem steinernen Boden auf.
„Ja, V, ja. Natürlich“, flüsterte sie erstickt.

Bevor sie noch mehr leiden musste, trat sie noch weiter zurück. Ein Stich mehr für ihr zerbrechliches Herz. Nicht für lange Dauer....

„Ich liebe dich“
„Ich liebe ich auch, V.“


Dann drehte sie sich um und ging hinaus.





Das Lied benebelte ihre Gedanken. Das Parlament ging in wilder Musik auf.

Evey betrachtete das Glas:
Wenn sie nicht wäre, dann könnte sie ihn berühren.... und so wie das Glas den Schmetterling schützte, schützte seine Maske ihn...und verbarg gleichzeitig etwas wundervolles...

Sie war irgendwie traurig, dass er da so eingesperrt war. Der wunderschöne Schmetterling...

Einige Monate später starb Evey Hammon. Man wusste nicht, warum, aber sie hatte ein Lächeln auf den Lippen. Denn sie hörte ein Lied spielen...


Der Schmetterling war fort.
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