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Eine etwas andere Oktobernacht

von -L-
GeschichteMystery / P12 / Gen
20.04.2011
20.04.2011
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Es war eine dunkle, kalte Oktobernacht in Baltimore. Über der Stadt hing ein Nebel, der so dicht war, dass man seine eigene Hand kaum vor Augen sah. Keiner der Einwohner konnte sich erklären wodurch dieser Nebel entstanden sein mag. Am Tag war es nicht warm genug und die Nächte waren bereits so kalt, dass morgens an den Fenstern die typischen Frostmuster zu sehen waren.

An diesem Abend jedoch waren die Muster bereits zur frühen Abendzeit erschienen. Sie waren nicht wie sonst weiß, sondern schillerten in den verschiedensten Rottönen. Auch im städtischen Krankenhaus waren diese Muster zu sehen. Hier jedoch erstreckten sie sich auch über die Wände und pulsierten in den verschiedensten Farbtönen. Dieses Phänomen war in allen Zimmern zu sehen. Außer in einem! Es war das Zimmer des alten Mr. Fuller.

Mr. Fuller lag bereits seit sieben Jahren im Koma, er war die Art von Mensch, die keiner vermisste. Er lebte zurückgezogen in einer Blockhütte im tiefen Wald, eines Tages aber kam er in die Stadt. Die Menschen mieden ihn. Nicht wegen seiner Erscheinung, die allein schon angsteinflössend genug war mit seinem tiefsitzenden grauen Augen, seinem langen verfilzten Haar und seinen scharfen gelben Zähnen, sondern wegen seiner Art. Er starrte jeden, der ihm entgegenkam kalt an. Einige berichteten sogar sie hätten etwas in seinen Augen aufblitzen sehen. Dieser Mann also schritt ins Krankenhaus, er knurrte die Schwester an und schrie plötzlich, sodass es allen anwesenden das Blut in den Adern gefrieren lies. Danach brach er einfach zusammen und ist seither nicht erwacht.

Doch an diesem Abend hörten die Patienten plötzlich seltsame Geräusche aus seinem Zimmer dringen. Keiner von ihnen traute sich die Tür zu öffnen, also beschlossen sie eine der Schwestern zu rufen. Doch es kam niemand. Sie drückten den Notknopf, sie schrieen nach Hilfe! Aber keiner kam um ihnen zu helfen. Da öffnete plötzlich einer die Tür zum Treppenhaus. Dicker Nebel drang augenblicklich in den Flur und sie hörten Stimmen rufen. Als die Patienten näher hinhörten erkannten sie, dass es ihre eigenen Stimmen waren, die durch den Nebel seltsam verzerrt zu ihnen drangen und aus einer anderen Welt zu kommen schienen. Sie gerieten in Panik und versuchten einen Weg aus der Station zu finden, doch es war unmöglich.

Plötzlich erklang ein rauschen aus dem Nebel, eine Schockwelle schleuderte die Patienten zu Boden. Nur einer von ihnen erwachte nach kurzer Bewusstlosigkeit, benommen sah er zu der Tür von Mr. Fuller, die nun geöffnet war. Doch was er dort sah überstieg alles was er je gesehen hatte. Dort in der Tür stand nicht mehr der Mann, den keiner vermisste, dort stand ein Ungetüm. Es hatte rote Augen und schwarze Flügel, die jedoch so zerrissen waren, dass sie das Monster unmöglich getragen hätten. Es bleckte seine Fangzähne und kam auf den Patienten zu. Es kam vor ihm zum stehen. Jedoch riss es nicht ihn, sondern einen der neuen Stationsärzte in die Höhe. Der Patient war überrascht, denn er hatte die Anwesendheit des Arztes vorher nicht wahrgenommen. In diesem Moment verwandelte sich der Arzt in ein krähenähnliches Ding mit einem Dreiecksschwanz und schwarz schimmernden Schuppen. Die beiden Monster kämpften miteinander und waren plötzlich von Nebelschlieren umgeben, die sie bald gänzlich verhüllten.

Als der Patient sich seiner selbst wieder bewusst wurde, verschwand der Nebel und mit ihm die beiden Gestalten. Die anderen Patienten erwachten und schienen sich an nichts, von dem was sie erlebt hatten, erinnern zu können. Die Nacht war vorbei und keiner erinnerte sich an den alten Mr. Fuller oder an die Dinge, die in dieser Nacht passiert waren. Keiner bis auf einen. Dieser Patient zog sich aufgrund der Erlebnisse dieser Nacht aus der Gesellschaft zurück und lebte seither allein in einer Blockhütte tief im Wald. Jahre später, so sagen sich die Einwohner, sollte er ins städtische Krankenhaus kommen und für sieben Jahre in einen tiefen Schlaf fallen…
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