Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

It's Blues, Brother

Kurzbeschreibung
GeschichteHumor / P12 / Gen
19.04.2011
02.06.2015
9
15.426
 
Alle Kapitel
5 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
19.04.2011 3.131
 
Chicago ist schon eine große Stadt - besonders für ein Mädchen. Ein Mädchen, wie Candy es ist. Eigentlich heißt sie ja Cathrina, doch sie hasst diesen Namen. Deswegen wird sie von allen Candy genannt. Meistens besteht der Grund eher darin, dass die meisten ihren richtigen Namen gar nicht kennen. Mit ihren 16 Jahren hat sie schon einiges mehr erlebt als ein durchschnittlicher Erwachsener. Denn Candy ist ganz anders als die anderen Mädchen in ihrem Alter. Als Vollwaise ohne weiteren Verwandten lebt sie im Waisenhaus St. Helen, wo sich Mutter Mary sehr um das Mädchen bemüht. Jedoch hat Candy alles andere im Kopf als die Tugenden einer werdenden Klosterschwester. Besonders hasst sie es, dass Mutter Mary das Mädchen ständig mit ihren Namen "Cathrina" anspricht. Sehr oft hat sie schon dagegen rebelliert. Aber nicht nur wegen dem, sondern auch, weil sie nicht zur "Pinguin-Gang" dazugehören will. So nennt sie ihre Aufpasserinnen im Heim, weil sie alle Nonnen sind.
Candy ist Mutter Mary's größte Sorge im Waisenhaus St. Helen. Normalerweise würde sich Curtis um solche Angelegenheiten kümmern, doch der Gute ist leider schon von ihnen gegangen. Das Mädchen hat nämlich ein großes Problem, von dem sie noch nichts weiß. Mutter Mary bedrückt das sehr, denn sie weiß nicht, wie sie es dem Teenager am besten sagen soll, denn darum geht es ja: Candy ist ein Teenager und damit ein Problem.
Eines Tages gelingt es ihr. Ein paar Schwestern konnten das Mädchen bei ihren Streifzügen durch die Stadt "einfangen" und nun sitzt sie im Büro der Mutter.
"Du warst wieder bei 'Jerry's', habe ich recht?", spricht Mary sie entsetzt an.
"Ja, und?", wirft Candy frech zurück.
"Mädchen, das kann nicht so weitergehen!", in der Stimme der Mutter kann man ihren tiefgründigen Trauer hören.
"Und wieso nicht? Bei Jerry bekomme ich wenigstens die Anerkennung, die mir zusteht!", Candy bleibt weiter stur.
"Meine Liebe, du bist in Not! Wir dürfen dich nicht mehr länger bei uns halten. Du bist schon zu groß. WIr müssen dich fortschicken und das bricht mir das Herz. Ob du es glaubst oder nicht!", Mutter Mary fängt fast zu weinen an. Candy verzerrt nun das Gesicht. "Aber ich dachte, ihr bildet mich zu einem Pinguin aus, wie ihr es seid und dass ich später ins Kloster kommen würde!", gibt das Mädchen zurück.
"So sollte es auch sein", es kostet der Mutter viel Kraft zu sprechen, denn sie kämpft mit den Tränen, "Doch durch deine ganzen Rebellionsattacken haben sie dich als unfähig eingestuft und das Kloster hat deinen Antrag abgewiesen. Sonst wärst du längst nicht mehr bei uns."
Candy ist entsetzt. "Soll das heißen, dass ich jetzt praktisch obdachlos bin?", fragt sie.
"Sogesehen ja. Ich weiß wie du dich jetzt fühlst. Es ist genauso schlimm für mich wie für dich, aber die Wege des Herren sind unergründlich."
"Kann ich nichts dafür machen?", fragt Candy und die Mutter antwortet ihr: "In unser Haus kannst du leidergottes nicht mehr zurückkehren. Das Einzige, was dir jetzt noch hilft, wären offene Augen, die dir zu einer Arbeit verhelfen. Wenn du willst, dann zahle ich dir ein Hotel..."
"Ach lassen Sie mich in Ruhe mit Ihrem Hotel!", unterbricht Candy sie wütend und verlässt das Büro.
Entmutigt streift sie durch die Gassen, bis sie schließlich bei "Jerry's" ankommt.
"Jerry's" ist ein Club, den Jerry Harbour betreibt. Er selbst ist 32 Jahre alt und hat das Gebäude von seinem Onkel geerbt. Früher war es ein Bürogebäude, aber Jerry hat daraus einen Männerclub gemacht. Candy geht in diesen ein und aus, da sie ihm schon oft mit dem Geschäft geholfen hat. Sein Laden läuft sehr gut, für das, dass er ihn erst vor fünf Jahren eröffnet hat. Davor arbeitete er in einem Zustelldienst. Da haben sich auch er und Candy das erste Mal getroffen, denn er lieferte dem Waisenhaus regelmäßig Lebensmittel, die es benötigt. Anfangs führten die beiden nur Smalltalk, später sprachen sie auch schon über längere Themen, bis Mutter Mary ihn dann immer zu seinem Laster schicken musste, weil die beiden nicht mehr aus dem Reden kamen, bis dann schließlich eine Freundschaft daraus entstand. Das Mädchen wusste dann schon immer, wann Jerry mit seiner Lieferung auftauchen würde und wartete dann schon immer wie ein Hund auf den Postboten. Oft brachte er der Kleinen immer etwas von seinen "Reisen" mit, wie z.B. Plüschwürfel oder chinesisches Würzmittel.
Ja, Jerry und Candy sind schon sehr gute Freunde. Dies hat sich auch jetzt wieder einmal bewiesen, denn er nimmt sie ohne weiteres bei sich auf. Das Einzige, was das Mädchen dafür machen muss, ist, dass sie jetzt in seiner Bar als Barkeeperin tätig ist. Dafür muss Candy passend gekleidet sein. Es fällt ihr schwer auf High Heels zu gehen, da sie sonst immer mit Converses herumläuft. Auch der Mini-Rock ist für sie sehr ungewohnt. Ständig muss sie ihn hinunterziehen, welches logischerweise nicht möglich ist, denn ein Mini-Rock bleibt einfach kurz. Da ist Candy ihr Kleidungsstil viel lieber. Meistens trägt sie eine schwarze Jean und ein passendes weißes T-Shirt dazu. Damit ihr die Jean nicht hinunter rutscht, hat sie immer Hosenträger umgeschnallt, auf denen die Tasten eines Klaviers abgebildet sind. Bis vor Kurzem trug sie eine schwarze Weste, doch die Ärmel sind ihr zu kurz geworden. Deshalb hat sie diese einfach abgeschnitten. Die Ärmel sind jetzt nur mehr so lang, wie die eines gewöhnlichen T-Shirts. Auf dem Kopf trägt sie einen schwarzen Al Capone-Hut mit einem weißen Band. Auch ihre Schuhe sind schwarz-weiß. Candy will sich so einkleiden, dass man ihr abkaufen würde, dass sie aus einer modernen Blues Band abstammen würde. Ihre Idole sind nämlich die Blues Brothers, Jake und Elwood Blues. So wie sie würde Candy alles tun.
Als sie noch klein war hatte ihr Curtis immer von ihnen erzählt. Er hatte sie gekannt, habe er einmal gesagt. Candy fand Curtis deswegen cool. Sie wollte alles von ihnen wissen. Doch leider ist er nun tot und gibt so viele Dinge über die Blues Brothers, die Candy noch nicht weiß. Zum Beispiel weiß sie nicht, dass Curtis dessen Ziehvater war. Doch das tut jetzt nichts zur mehr zur Sache, denn Candy muss auch ohne ihn versuchen, ihr Leben in die Griffe zu bekommen.
Schon seit Ewigkeiten spart sie auf einen schwarzen Anzug. SIe möchten nämlich genauso aussehen, wie ihre Idole. Das Mädchen hat auch schon fast das Geld komplett, um sich den Blues Bothers-Style leisten zu können.
Jerry hat ihr versprochen, dass wenn sie ihre Sache an der Bar gut macht, er ihr das benötigte Geld gibt. Das ist auch der Grund, warum sie im Mini-Rock mit High Heelsan der Bar steht. Das pinke Tank-Top kommt durch ihre langen schwarzen Haare besonders gut zur Geltung. Candy macht generell ihren Job an der Bar gut, denn mit dem Mixen von Drinks kennt sie sich aus.
Natürlich bleibt es nur bei der Barkeeperin. Das wissen auch alle Gäste, denn Jerry hat es auf die Hausordnung gesetzt, dass niemand die Barkeeperin anfassen darf. Jerry ist zwar Clubbesitzer, aber kein Unmensch, denn das Wohl seines Personals liegt ihm sehr am Herzen und für Candy fühlt er sich verantwortlich.
Leider ist das der russischen Mafia egal. Sie will nur ihr Geld. Und wenn das nicht eintrudelt, dann gibt's Saures. AUch Candy hat von dem russischen Schutzgeldproblem mitbekommen. Sie möchte unbedingt etwas dagegen unternehmen, aber da ist sie alleine. Die anderen haben zu große Angst davor.

Es ist wieder einmal einer dieser Tage, an dem Jerry das Haus einfach nicht voll bekommt. Unterfordert geht Candy in das kleine Abrechnungsbüro. Aus ihrem Decoltée fischt sie ein silber glänzendes Ding heraus. Es ist eine seltene Mundharmonika aus dem Jahre 1962. Sie hat diese schon seit sie als kleines Baby vor der Tür von St. Helen lag.
Candy fängt zu spielen an. Es ist ein selbstkomponiertes Lied, das sie den "Heimweh Blues" nennt. Wenn sie nicht spielt, dann singt sie. Das tut Candy vor Allem in diesem Lied oft, aber es passt auch perfekt zusammen.
"Der Weg ist weit, doch das ist mir gleich,
ich will nur weg von diesem Schreckensreich.
Am Weg nach Haus' hör' ich Musik ganz viel,
doch nur der Blues, der ist mein Stil.
Und bin ich auch noch so weit weg von dir
ich bleibe niemals nie hier.
Ich würde nie verzichten auf ein Rennen nach Haus',
denn das schöne Ziel liegt immer gradeaus.
Für mich ist das alles, was zählt,
weil mich das Heimweh so sehr quält...", singt sie.
Plötzlich kommt Jerry ins Büro. "Es tut mir so leid", sagt er mit trauriger Stimme. "Was denn?", Candy hört zu spielen auf und ist überrascht. "Dass du so großes Heimweh hast, dass du es in einem Lied herauslässt. Ich wünschte, ich könnte dir das bieten, was St. Helen dir geboten hat", spricht er. Dann kurze Stille.
Wenige Augenblicke später unterbricht das Mädchen das Schweigen mit einem lauten Lachen. Jerry versteht dies nicht und schaut sie nur mit einem fragendem Blick an. "Ach Jerry! Das ist echt lieb von dir, aber ich habe kein Heimweh! Gut, ich singe zwar darüber, aber ich habe mir den TText nur ausgedacht, weil ich so gerne mal nach New Orleans möchte!", erklärt sie ihm lachend. Nun kann Jerry es auch nicht mehr verkneifen und fängt auch zu lachen. Wenig später hört er aber auch schon wieder damit auf und stellt Candy eine Frage: "Wenn wir aber schon von Heimweh sprechen, vermisst du denn gar nicht Buster?" "Nach dem ganzen Ärger, den er mir bereitet hat...", antwortet das Mädchen kalt, "...nach den vielen Nächten, wo ich Mutter Mary die verrücktesten Geschichten, die ich mir nicht mal selbst abkaufen würde, erzählt habe. Nur, um dieses kleine Monster zu decken. Wobei ich nicht einmal wusste, wo er immer blieb...
Nach und nach verschwindet die hoffnungsvolle Miene aus Jerry's Gesicht und Candy setzt fort: "Fehlt er mir doch sehr. An den Pfannkuchentagen kämpften wir immer um das letzte Stück, das uns immer wieder auf's Neue Strafarbeiten bereitete. Auch die nächtlichen Kissenschlachten oder die Klopapier-Mumien-Streiche haben uns zwar eine Menge Ärger, aber auch einen Haufen Spaß bereitet. Mann, waren das vielleicht Zeiten! Ich hoffe trotzdem, dass es ihm jetzt besser geht. Hoffentlich hat er eine Familie gefunden, die ihn liebt und auf ihn aufpasst...", Candy senkt ihren Kopf.
"Hey, wenn du willst, kannst du dir heute frei nehmen und du schaust mal bei St. Helen vorbei", schlägt Jerry dem Mädchen vor. "Ist das dein Ernst? Ich meine... Was ist mit der Bar?", Candy kann ihre Gefühle kaum in Zaun halten. "Na hör mal. Das hast du dir verdient. Außerdem gleicht die Bar heute sowieso einer Geisterstadt!", Jerry vergönnt dem Mädchen die Freude. "Aber was ist mit Joey und Louie?", sie muss ständig an ihre Pflichten an der Bar denken. "Jetzt zerbrich dir doch wegen denen nicht den Kopf. Du weißt doch, dass die beiden am liebsten gleich bei uns übernachten wollen. Um die zwei Vögel werde ich mich gerade noch kümmern können! Und jetzt geh' schon. Wer weiß, vielleicht wartet ja der Kleine schon auf deinen Besuch...", mit diesen Worten hat Jerry es doch noch geschafft. Voll Freude wird er von Candy umarmt, die in diesem Augenblick nur ein schwaches "Danke!" herausbringt, um den Guten nicht in ihrem Übermaß an Glücksgefühlen zu erdrücken. Gleich darauf macht sie sich auch schon auf den Weg ins Waisenhaus und singt dabei voll Freude "Oh Happy Day", das ihr noch Mutter Mary beigebracht hatte.
Mit dem Bus ist der Weg nicht weit. So kommt es auch, dass Candy ihr Ziel in binnen 10 Minuten erreicht hat. Eine Zeit lang steht sie nervör vor der Eingangstüre des Waisenhauses. Es dauert etwas, bis sie sich hinein traut.

Zur selben Zeit wird gerade ein Häftling aus dem Staatsgefängnis von Chicago entlassen. Ihm wurde vor geraumer Zeit Kindesentführung vorgeworfen. Während man versucht hatte, diesen Vorwurf nachzuweisen, wurde der Sträfling in Untersuchungshaft gestellt. Ein gutes Jahr dauerte für ihn der Prozess. Das angeblich entführte Kind wurde nach zahlreichen psychologischen Untersuchungen als zurechnungsfähig erklärt. Dies hat den "Entführer" zum Freispruch gebracht, da das Kind ständig die Unschuld des Mannes beteuerte und angab freiwillig mit ihm mitgegangen zu sein. Nun wird der Mann freigelassen und das Kind, welches sich herausstellte, dass es keine weiteren Angehörigen mehr hat, wurde erfolgreich an eine liebevolle Familie vermittelt.
"Elwood Blues", sagt der Gefängniswärter und der Angesprochene nickt mit dem Kopf, "Da haben Sie ja noch einmal Glück gehabt!" Kurz darauf liest er sich die Akte des nun Ex-Sträflings durch und kommt wenige Momente später mit einem Karton zurück. "Diese Dinge wurden Ihnen bei Ihrer Haft entnommen: Ein Kugelschreiber, ein Papierfetzen, auf dem eine Telefonnummer draufsteht, und 23 Dollar und 76 Cents in bar", nach diesen Worten werden dem Mann die gesagten Dinge überreicht und zwei Polizeibeamten führen ihn zum Ausgang hinaus.
Nun steht er alleine am Straßenrand, doch er weiß, dass er nicht warten kann. Jetzt weiß er ja, dass sein Bruder Jake tot ist und ihn nicht abholen kommen kann. Und die alte Band weiß auch nicht, dass Elwood entlassen wurde. Er muss nun schnell handeln, denn der Weg bis zur nächsten Busstation liegt noch meilenweit vor ihm. Er hat keine andere Wahl, als diesen langen Weg auf sich zu nehmen.

Auf dem Weg ins Büro von Mutter Mary wird sie von keinem erkannt. Eigentlich kein Wunder, denn Candy sieht diesmal anders aus, als sie sonst immer gekleidet ist. Ein weißes, trägerloses Top ziert ihren Oberkörper und betont ihre schöne Firgur, während der zerrissene Jeans-Minirock auf sich aufmerksam macht. Passende High-Heels kündigen das Mädchen schon von Weitem an.
"Herr im Himmel, das arme Kind!", hört sie plötzlich Schwester Jocelyn hinter ihr entsetzt rufen. Candy dreht sich zu ihr um. "Hey Jocey! Erkennst du mich nicht mehr?", spricht sie mit freudiger Stimme zu der Schwester. "Ist das möglich? Ist das tatsächlich...?", weiter kommt die Schwester nicht, denn sie wird von dem Mädchen unterbrochen: "Ja, ich bin es - Candy!" "Oh, gesegnet sei der Herr!", Eleichterung macht sich jetzt über Jocelyn her, "Aber wie siehst du denn aus?" "Ich bin jetzt Barkeeperin bei 'Jerry's'", antwortet das Mädchen stolz. Schwester Jocely mustert sie daraufhin von oben bis unten mit einem skeptischen Blick. "Ich weiß, die Wege des Herren sind unergründlich!", grinst das Mädchen. "Warst du schon bei Mutter Mary?", fragt die Schwester weiter. "Nein, aber ich wollte geradeeben zu ihr gehen", antwortet Candy, verabschiedet sich auch gleich darauf und geht mit bester Motivation weiter Richtung Büro.
Mutter Mary seitzt gerade im Drehstuhl und liest die Bibel, als es plötzlich an der Tür klopft. "Herein!", ruft sie und ist überrascht, als sie auf einmal Candy durch die Türe hereintreten sieht.
"Um Himmels Willen, ist das möglich?", spricht die Mutter entsetzt. "Guten Tag, Mutter Mary! Lange nicht mehr gesehen!", grüßt Candy ganz freundlich. "Zu lange, wenn du mich fragst. Ein Jahr. Eine lange Zeit, in der sich viel getan hat!", antwortet Mary. "Ja, in der Tat. Jetzt bin ich 17, Barkeeperin bei Jerry in der Bar und wunschlos glücklich!", sagt Candy ganz fröhlich. "Soso, also hat dich dieser Rüpel noch nicht hinausgeschmissen...", Mutter Mary's Blick ist starr vor Enttäuschung. "Jerry ist kein Rüpel und das wissen SIe ganz genau! Er ist mein bester Freund!", unterbricht das Mädchen empört. "Soll so sein, aber was treibt dich dann hierher?", fragt die Mutter. Nun ist Candy nicht mehr so selbstsicher, wie vorher. Stumm sieht sie sich im Raum um und stellt fest, dass sich fast nichts geändert hat. Außer einem Foto am Schreibtisch der Mutter, ist sonst alles wie vorher. Ein Foto, auf dem Candy und Buster darauf zu sehen sind. Beide starren in die Kamera und lachen quietschvergnügt.
Beim Anblick des Fotos kommen dem Mädchen fast die Tränen. Fast ohne Stimme antwortet sie nach einer Weile Stille: "Ich möchte zu Buster!"

Elwood hat schon einige Meilen zurückgelegt, als er plötzlich eine Telefonzelle entdeckt. Er wirft ein paar Münzen hinein und wählt die Nummer, die auf dem Papierfetzen draufsteht, ein. Kurz ist die Leitung tot, aber wenig später schon fängt es an zu klingeln. "Hallo?", eine Herrenstimme ist auf der anderen Leitung zu hören. "Lou Marini?", fragt Elwood die Stimme. "Ja, aber woher...", antwortet Lou, "Elwood?!" Dieser freut sich, als Marini seinen Namen nennt und antwortet: "Ja, ich bin es! Man hat mich heute aus dem Gefängnis entlassen!" "Das ist ja toll! Wo bist du denn?", auch Lou Marini ist nun erfreut. Elwood nennt ihm die Straße und Lou spricht weiter: "Bleib, wo du bist. Ich komme dich abholen!" Dann hängt er auf und auch Elwood hängt den Hörer an die Gabel, verlässt die Telefonzelle, stellt sich neben diese hin und fängt an zu warten.

Das Schweigen scheint kein Ende zu nehmen. Plötzlich steht Mutter Mary auf und fängt an zu sprechen: "Es tut mir leid, mein Kind", die Stimme der Mutter ist mit großem Trauer umhüllt, "Aber Buster hat, kurz nachdem du uns verlassen hast, eine Familie gefunden." "Nachdem ich Euch verlassen habe?!", Sarkasmus liegt in der Stimme von Candy, "Rausgeschmissen habt ihr mich!" "Aber Kind, verstehe doch, dass es nicht unsere Absicht war!" versucht Mutter Mary das Mädchen zu beruhigen.
Plötzlich kehrt wieder Stille in den Raum hinein, doch diesmal nur für kurze Zeit. Als sich die Mutter in ihrem Sessel niederlässt, fängt Candy an zu fragen: "Haben Sie eine Adresse von dieser Familie?" "Leider darf ich sie dir nicht geben. Das musst du verstehen", bedauert Mary. "Schon gut, ich habe verstanden!", zornig verlässt Candy den Raum. Neben der Wut hat sich auch Trauer in ihre Stimmung eingeschlichen. Als sie vor dem Ausgang steht, kommt plötzlich Schwester Jocelyn zu ihr angerannt: "Cathrina! Das soll ich dir von Mutter Mary geben!" Sie überreicht ihr das Foto, das Candy vorher noch auf dem Schreibtisch hat stehen sehen. Sie schaut mit dankendem Blick die Schwester an und verlässt kurz darauf das Waisenhaus.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast