Lebenswert

GeschichteDrama / P16
Anthony Benjamin Barker Johanna Barker Mrs. Lovett
17.04.2011
12.01.2014
12
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Vorwort der Autorin: Hier ist es nun. Was vor mehr als zwei Jahren als bloße Abregung begonnen hat, hat nun in Form eines größeren Projekts über ein mögliches alternatives Ende Gestalt angenommen. Insgesamt gibt es ja Alternative Enden zu Sweeney Todd bereits wie Sand am Meer. In einige habe ich auch reingeschaut, aber irgendwo stelle ich mir ein alternatives Ende dann doch etwas anders vor. Wichtig ist mir dabei, dass die ganze Sweeney Todd Thematik und Atmosphäre weiterhin aufrecht erhalten bleibt. Deswegen sage ich schon einmal vorweg, was den lieben Leser NICHT erwarten wird:
-Turpin ist tot = Friede, Freude Eierkuchen
-Sweeney, der wieder zu Benjamin Barker „mutiert“
-eine geschwängerte Mrs Lovett

Und nun zum Inhalt: Wie viele andere habe ich mir beim Ende ausgemalt, was passiert wäre, wenn Mrs Lovett nicht den Flammen des Ofenfeuers zum Opfer gefallen wäre. Dabei kamen mir folgende Fragen in den Sinn:
Was für eine Auswirkung wird das auf ihre und Sweeney Todds Beziehung haben, nun da der Tod Lucys zwischen ihnen steht?
Werden sie einfach weitermachen wie zuvor?
Und welchen Sinn können beide (vor allem jedoch Sweeney) dem Weiterleben abgewinnen?
Die Fanfiction beinhaltet:
-viel Gewalt (Rating 16)
-Sweenett (Andeutungen)
-eine ganze Menge Melodramatik
Wer bestimmte Infos zum Inhalt haben möchte, soll einfach mal fragen ;)

EDIT: Da es ja jetzt so ein hilfreiches Add-on namens Proxytube gibt, poste ich mal den Link zu einem kleinen Trailer, den ich für die FF gemacht habe,falls jemand weitere Einblicke bekommen möchte http://www.youtube.com/watch?v=eqxzOw64Ml4&feature=plcp

So das war es dann auch. Ich wünsche viel Spaß beim Lesen.
Sweeney L



Lebenswert



Prolog: Wohlverdiente Rache

Blut hatte seine Kleidung durchtränkt, klebte in seinem Haar und lief ihm warm über das bleiche Gesicht. Das Blut Richter Turpins. Nach all den Jahren hatte dieser endlich sein verdientes Schicksal erhalten!
Genießerisch kostete Sweeney Todd den Nachklang seiner Rache aus, während er versonnen seinen Freund in die Höhe hielt. Er hatte seine Aufgabe erfüllt, nun sollte er ruhen. Doch bevor er das blutbesudelte Rasiermesser der ewigen Ruhe übergeben konnte, drang plötzlich ein Geräusch an sein Ohr, das klar und deutlich in seinen vom Wahnsinn getrübten Gedanken widerhallte.
Ruckartig wandte er sich um. Sein Blick fiel auf die Truhe, deren Deckel unmerklich angehoben war. Wieder spürte er, wie ihm jegliche Kontrolle entglitt. Hatte er anfangs noch geglaubt, seine Mordgelüste würden mit Vollendung seiner Rache getilgt sein, so wurde er nun eines Besseren belehrt.

Langsam richtete Sweeney sich auf und schritt auf die Truhe zu. Seine Gedanken waren zäh und doch zerrannen sie wie Wasser zwischen den Fingern. Einzig und allein die Gewissheit blieb zurück, erfüllte ihn voll und ganz. Die Gewissheit, dass es nicht vorbei war – noch nicht.
Mit einem heftigen Ruck stieß er den Truhendeckel auf und starrte auf einen Jungen, der sich ängstlich zusammengekauert hatte und voller Furcht unter dem Rand seiner Schirmmütze zu ihm empor spähte.
„Willst du dich rasieren lassen, mein Junge?“
„N-nein, ich …“, doch bevor der Bursche mit seinem Anliegen herausrücken konnte, hatte Sweeney ihn schon gepackt. „Jeder kann eine Rasur gebrauchen“, erwiderte er mit unheilschwangerer Stimme, zerrte den Jungen aus der Truhe und stieß ihn grob auf den Rasierstuhl, auf dem wenige Minuten zuvor Turpin sein Ende gefunden hatte. Sweeney wollte keine Zeit verlieren. Dieses neugierige Bürschlein sollte dem elenden Richter folgen!
In einer geübten Bewegung holte er aus und erstarrte.

Ein markerschütternder Schrei drang an sein Ohr, riss ihn für einen winzigen Moment aus seinen von Rache getrübten Gedanken. Es konnte sich nur um Mrs Lovett handeln, die da geschrien hatte. Ob was geschehen war? Flüchtig entsann er sich wieder seines unfreiwilligen Kunden. Warum musste diese Frau immer im falschen Moment dazwischen kommen?
Erneut widmete sich Sweeney der schmächtigen Gestalt des zu Tode geängstigten Jungen. Und plötzlich handelte sein Körper wie von selbst. Statt sein Rasiermesser dem Genuss des frischen Blutes zu übergeben, beugte er sich vor und hielt es drohend vor das zarte Gesicht. Sein mordlüsterner Blick bohrte sich in den der furchtsam dreinblickenden blauen Augen, als er zischte: „Vergiss mein Gesicht!“
Dann machte er auf dem Absatz kehrt und verließ mit großen Schritten den Barbier Salon. Die Schreie im Keller waren wieder verstummt. Dennoch beschlich ihn das ungute Gefühl, auf schnellstem Wege dorthin zu müssen. Etwas war dort unten, etwas von höchster Wichtigkeit.
Der Junge im Barbier Salon hingegen konnte warten. Wenn er noch nicht die Flucht ergriffen hatte, so würde Sweeney ihn bei seiner Rückkehr umbringen. Ansonsten würde ihn das soeben Erlebte heimsuchen, in den tiefen Schatten der Nacht auflauern und Albträume bescheren. Ob er sich in seiner Angst an die Gesetzeshüter wenden würde, war fraglich. Aber selbst wenn, was machte das schon aus?

Sweeney hatte die Kellertür erreicht. Sie stand offen und gab den Blick auf Mrs Lovett frei, die sich mit einem Leichnam abmühte.
„Warum haben Sie geschrien?“, fragte er, als er den Keller betrat.
Erschrocken sah Mrs Lovett auf, hielt dabei jedoch nicht inne, die Leiche fortzuzerren. „Ach nichts. E-er hat nach meinem Kleid gegriffen, aber jetzt ist er hinüber.“
Sweeneys Gesicht verfinsterte sich. Es war eine Sache zu behaupten, er übe seine Arbeit nicht sorgfältig genug aus, zumal er bei Turpin ein wahres Blutbad veranstaltet hatte, aber war es etwas ganz anderes ihn mitten beim Morden wegen irgendwelcher Belanglosigkeiten zu stören! Wut brodelte in Sweeney auf und während er Mrs Lovett weiterhin beobachtete, fasste er einen Entschluss.

„Ich erledige das“, bestimmte er und ging auf die Leiche zu, die er für Turpin hielt. Ungehalten stieß er Mrs Lovett beiseite, als sie keinerlei Anstalten machte, von dem Leichnam zu weichen. „Machen Sie auf“, befahl er und schob sich die Ärmel hoch, bereit den toten Körper seinem endgültigen Schicksal zu übergeben. Es war ohnehin am besten, würde er sich eigenhändig um dessen Entsorgung kümmern. „Öffnen Sie die Tür habe ich gesagt!“
Da endlich befolgte Mrs Lovett seinen Befehl. Widerwillig trat sie in den Hintergrund zurück und entriegelte die schwere Ofentür. Licht ergoss sich in den dunklen Keller und entriss den Schatten die leblosen Körper, gab dem Betrachter ihre blutigen Gestalten wieder frei.
Geblendet kniff Sweeney die Augen zusammen und sah auf die vermeintliche Leiche des Richters hinab. Es war nicht Turpin! Doch konnte es möglich sein…?

Wie in Trance ging Sweeney in die Hocke, den Blick unverwandt auf den Leichnam der Bettlerin gerichtet. Eine dunkle Vorahnung war in ihm erwacht, die wuchs, je näher er dem leblosen Körper kam. Noch war es nicht zu spät, noch konnte er umkehren.
Mrs Lovetts seltsames Verhalten hatte jedoch sein Misstrauen geweckt – Sweeney musste sich Gewissheit verschaffen!
Vorsichtig beinahe schon zögerlich drehte er den ausgemergelten Körper ins warme Licht des Ofenfeuers und strich behutsam das dreckige verfilzte Haar aus dem Gesicht der verwahrlosten Frau. Plötzlich zog sich alles in ihm schmerzhaft zusammen. Der verzehrende Wunsch, das alles nie getan zu haben, übermannte ihn. Der ganze Unglaube, den er kurz zuvor noch empfunden hatte, war mit einem Mal von der grausamen Realität fortgespült. Voller Entsetzen erkannte er, dass sich seine schreckliche Vorahnung bestätigt hatte, der wirre Traum zu einem Albtraum geworden war, der bloß einen einzigen Gedanken zuließ: Das alles durfte nicht wahr sein!
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