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Ein Leben in Kokoto

von kyanite
GeschichteAbenteuer / P12 / MaleSlash
12.04.2011
16.11.2011
5
2.903
 
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12.04.2011 632
 
Tag eins, mittags

Kokoto


Ich wachte auf. Sonne schien mir ins Gesicht und blendete mich. Noch erschöpft von dem gestrigen Kampf gegen einen Rathalos kroch ich aus dem Bett. Mein Schwein guckte mich müde an. Ich streichelte es. Es schien mir wie ein Grinsen auf seinem Gesicht. Ich lächelte zurück. „Ach Speckie!“, dachte ich.
Als ich durch den blauen Vorhang in meiner Haustür trat, begrüßten mich Herr Wyrg und Frau Brim, die eifrig miteinander diskutierten. Ich konnte Wortfetzen wie „großer Rathalos“ und „blaue Schuppen“ heraushören. Doch das interessierte mich nicht besonders. Ich ging erst einmal zur Dorf-Oma. „Und? Was hast du heute so im Angebot?“, fragte ich. Daraufhin fing die Alte an zu erzählen: „Ich habe im Wald ein paar Rathalos- und Rathianschuppen gefunden. Die kosten 5000z, wobei ich für dich heute mal eine Ausnahme mache. Du bekommst sie für 4900z. Sonst habe ich das übliche: ein paar Kräuter, ein paar Beeren und sogar Pilze.“. Ich lehnte dankend ab. Diese Materialien brauchte ich schon lange nicht mehr. Ich ging zurück ins Haus. Dort nahm ich meinen Hammer aus meiner großen, ein bisschen vermoderten Truhe. Er hatte ein paar Kratzer von dem Rathalos. Dieser hatte nämlich mit seinem kräftigen Maul nach mir geschnappt, woraufhin ich die Chance genutzt habe, ihm meinen Hammer genau dorthin zu rammen. „Oh!“, rief ich erstaunt aus, als sogar noch ein Zahn in dem Hammer steckte. Ich rüttelte kräftig daran, doch er löste sich nicht. „Besser, ich gehe damit zum Schmied, der kriegt das sicher wieder hin…“, dachte ich, nahm den Hammer und ging los.
„Guten Morgen, Dragg!“, rief mir der Schmied schon von weitem entgegen. Woher konnte er nur wissen, dass ich immer genau zu ihm wollte? „Guten Morgen!“, rief ich zurück. Als ich beim Stand ankam, zeigte ich ihm den Hammer. Er musterte ihn neugierig. „Eieiei, der sitzt tatsächlich tief drin. Ich hol mal eben eine Zange, damit müsste das funktionieren.“. Er eilte los, in den hinteren Teil seines Ladens und kam mit einer riesigen Zange wieder hervor. „So!“, rief er scheinbar erfreut: „Dann mal her mit dem Hammer. Rygald, hilfst du mir mal?“ Rygald, sein Assistent, eilte herbei, um den Hammer festzuhalten. Der Schmied ergriff mit der Zange den Zahn und rüttelte stark daran. Er fing schon an zu wackeln. Auf einmal hörte ich ein lautes Geräusch, eine Mischung aus knacken und splittern. Ein langer Riss querte von der Stelle mit dem Zahn einmal quer über den Hammerkopf. Dann fiel zuerst ein Teil, dann weitere Teile zu Boden. „Mein Hammer!“, brachte ich mit einem heiseren Krächzen hervor. Der Schmied verzog sein Gesicht: „Das tut mir leid. Ich fertige einen neuen für dich an. Sofort.“. Er eilte wieder in den hinteren Teil seines Ladens und lies mich mit meinen Hammertrümmern stehen.
Ich musste mit mir kämpfen, nicht zu weinen. Dieser Hammer hatte mich schon mein ganzes Jägerleben begleitet, von meinem ersten Kampf mit einem Kut Ku bis zum heutigen Tag. Er erweckte unzählige Erinnerungen in mir, vor allem, weil er ein Familienerbstück war. Er gehörte meinem Großvater, dann meinem Vater und nun mir. Und jetzt…
Der Schmied kam mit einem großen Hammer wieder hervor. Es schien, als das dieser ein riesiger Diamant war. Er glänzte in der Sonne und reflektierte das Licht in alle Richtungen. Er schien fast selbst zu Leuchten. „Das ist das Mindeste, was ich dir als Entschädigung anbieten kann.“, sagte er in einem tröstenden Tonfall. Ich versuchte zu lächeln, doch es gelang mir nicht. Ich nickte stattdessen nur und nahm den Hammer entgegen. „Ich werden versuchen, deinen alten Hammer wieder zu reparieren.“ Ich nickte erneut und watschelte langsam wieder in Richtung Haus. „Heute gehe ich nicht mehr auf die Jagt. Erst morgen wieder.“, sagte ich zu mir, als ich den Hammer in die Truhe packte und mich aufs Bett fallen ließ.
 
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