Geschichte: Fanfiction / Bücher / Alex Rider / Stille

Stille

GeschichteSchmerz/Trost / P6
10.04.2011
10.04.2011
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Noch einmal: Spoilerwarnung, aber mittlerweile müsste das Buch ja jeder gelesen haben.... oder? :P


"Stille"



Im Flur blieb Alex noch einmal stehen, stellte den Koffer ab und drehte sich um.
Die Räume schienen zurück zu starren und obwohl er kaum etwas mit sich nahm, obwohl alles aussah, wie immer, schien es ihm leerer und trostloser, als je zuvor.
Er wusste, dass es das letzte Mal sein würde, dass er in diesem Flur stand, aber es könnte ihn nicht weniger kümmern. Es war, als hätte er eine Brücke überquert, ohne es wirklich wahrzunehmen. Und irgendwann, als er das andere Ufer erreicht hatte, war sie hinter ihm zusammengebrochen. Es gab keinen Weg zurück.
Er warf einen Blick durch die offene Tür, die zur Küche führte und erwartete fast, Jack würde ihren Kopf zu ihm herausstrecken; sie habe jetzt keine Lust zum Kochen, sie würden sich etwas vom Chinesen bestellen. Danach würden sie sich mit einer Schüssel Microwellen-Popcorn auf das Sofa setzten, darum rangeln, welche DVD sie heute Abend ansehen würden und irgendwann, viel zu spät, ins Bett gehen.
Die Küche blieb still. Das Haus war still.
Es gab keinen Weg zurück.
Edward hatte ihm angeboten, dass er die ganzen Möbel mitnehmen könnte, alles was er wollte. Es war die richtige Entscheidung gewesen, alles hier zu lassen. Das Haus würde verkauft werden, samt allem darin. Fort. Das Sofa, die Popcornschüssel, die DVDs.
Fort, genau wie Jack.
Alex kniff die Augen zu, versuchte die Bilder auszusperren.
Nicht jetzt.
Er hatte getobt, geweint, geschrien, und mittlerweile fühlte er sich einfach nur hohl, innerlich ausgebrannt. Erschöpft und leer. Er hätte es besser wissen müssen. 14 Jahre alt? Spion? Natürlich hätte es kein gutes Ende nehmen können. Nicht für ihn. Für den Rest der Welt vielleicht, aber hatte es den MI6 jemals gekümmert, wie er sich fühlte? Er hatte nie für sie arbeiten wollen, hatte keine Wahl, und jetzt…
Zu spät flüsterte eine leise Stimme in seinem Kopf. Zu spät, zu spät...
„Alex?“ Edward Pleasure trat durch die offene Haustür. Alex musste sich nicht umdrehen, um zu wissen, wie Sabinas Vater ihn ansah: Traurig, und mit dem kläglichen Versuch, das Mitleid in seinen Augen zu verbergen. Alex mochte kein Mitleid.
„Ich komme“, murmelte er und bückte sich, um seinen Koffer aufzuheben. Er war leicht, zu leicht, wenn man bedachte, dass der Inhalt das Einzige war, das er mit nach Amerika nehmen würde. Aber war das nicht der Punkt dabei, wenn man ein neues Leben begann?
Edward nahm Alex den Koffer ab und legte ihn in den Kofferraum des Taxis, das sie zum Flughafen bringen würde. Alex ließ sich auf den Rücksitz fallen und schloss die Tür. Er wollte es nicht, doch konnte es auch nicht verhindern… noch einmal kehrte sein Blick zurück zum Haus, so unscheinbar und gewöhnlich. Der kleine Vorgarten, der Parkplatz… ein Parkplatz, auf dem vor vielleicht eineinhalb Jahren Polizeiautos gestanden hatten. Ein Klingeln um drei Uhr nachts.
Alex lehnte den Kopf an die Fensterscheibe. Das Auto setzte sich in Bewegung. Aus den Augenwinkeln betrachtete er die ihm so bekannte Nachbarschaft, die an ihm vorbei glitt, doch ohne den Versuch, sie sich besonders einzuprägen.
Sich von Tom zu verabschieden, war schwerer gewesen, als gedacht. Sie hatten abgemacht, sich zu schreiben, doch Alex wusste nicht, ob ihre Freundschaft das aushielt. Er würde für lange Zeit nicht nach England zurückkehren.
Den MI6 ließ er hinter sich und so würde es bleiben (Mrs. Jones hatte es ihm versichert), aber wie war es mit der Welt der Geheimdienste? Alex war erst vor wenigen Tagen aus Kairo zurückgekehrt und kurz vor seiner Abreise hatte Joe Bryne, von der CIA mit ihm gesprochen und gemeint, er solle sich doch einmal melden… Alex war sich sicher, dass er nicht von einer Einladung zu einem Kaffeekränzchen sprach.
Alex wusste, dass er sich etwas vor machte. Ein Umzug würde nichts bringen. Was er erlebt hatte, würde er niemals vergessen.
„Es wird dir gefallen“, sagte Edward, versuchte, die unangenehme Stille zu durchbrechen. Er drehte sich vom Beifahrersitz aus zu Alex um. „Du warst doch schon einmal bei uns und San Francisco ist eine schöne Stadt.“ Er verstummte kurz. „Und ich weiß, dass Sabina sich darauf freut, dich zu sehen.“
„Ich freue mich auch.“
Es gab keinen Weg zurück. Alex wusste das. Das Einzige, was ihm blieb, war vorwärts zu gehen. Ohne Ian, Tom. Ohne Jack. Aber nicht allein.
Neun Missionen hatte er durchgeführt. Eine härter und tödlicher, als die andere. War unterschätzt worden, hatte Dinge gesehen, die er nie hatte sehen wollen.
Doch vielleicht war das Leben selbst die schwerste Mission von allen. Alex lehnte den Kopf wieder gegen die kühle Scheibe.
Er war nie gescheitert. Und er hatte es auch nicht vor. Er würde sich nicht unterkriegen lassen.
Ein neues Leben. Neuanfang.
Und mit jedem Meter, den das Auto zurücklegte, fühlte er sich ein wenig besser.




Ich habe vor vielleicht fünf Jahren angefangen, dieses Serie zu lesen... und diese Woche hatte ich dann das letzte Buch... den Abschluss in den Händen... Ein passendes Ende, finde ich, wenn auch so offen! Was macht Alex in Amerika? Wird er irgendwann für die CIA arbeiten? ... Ich musste etwas schreiben.
Vielen Dank fürs Lesen, ich hoffe, ich habe niemanden zu Tode gelangweilt ;)

Tintenzauberin
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