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Know why the nightingale sings

GeschichteLiebesgeschichte / P12 / Gen
Anette Olzon Emppu Vuorinen Jukka "Julius" Nevalainen Marco Hietala Tarja Turunen Tuomas Holopainen
10.04.2011
27.03.2013
20
66.112
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10.04.2011 5.448
 
Da wollte man ein schnuckeliges, kleines letztes Kapitel schreiben und dann das:
Es ist länger geworden als alle vorherigen und auch nur halb so knuffig, wie es
werden sollte :D
Ich hoffe ihr habt trotzdem Spaß beim Lesen ;)

Know why the nightingale sings
Is the answer to everything
(Nightwish - Know why the nightingale sings)



Endlich, seit einer Ewigkeit, lies sich die Sonne zum ersten Mal seit langem wieder blicken. Der Boden, die Bäume und die Dächer der Häuser waren noch immer mit Frost überzogen, doch die Sonne lies ihn funkeln. Sie hellte das Gemüt der Menschen auf. Auch Tarja kam um einen plötzlichen Anflug guter Laune nicht herum. Diesen hatte sie weniger dem Wetter, als der Tatsache zu verdanken, dass sie endlich einen Plan hatte. Endlich wusste sie, wie sie Tuomas auf das Band antworten würde. Sie hatte ihn viel zu lange warten lassen. Aber sie würde alles wieder in Ordnung bringen. Eine Freundschaft retten, die sie eigentlich bereits für verloren erklärt hatte, nun jedoch auf keinen Fall aufgeben wollte. Tuomas hatte Fehler gemacht. Sie selbst hatte Fehler gemacht. Es hatte Missverständnisse gegeben, hässliche Worte und Tränen. Nichts von alle dem war Grund genug, um ihre Freundschaft nun endgültig zu Grabe zu tragen.
Im Gegenteil: Die wenigen Tage, die sie nach ihrem Unfall mit Tuomas verbracht hatte, waren die schönsten und unbeschwerten seit langem gewesen. Sie konnte gar nicht sagen, wann sie zum letzten Mal so glücklich gewesen war. Sie hatte sich so gut gefühlt wie lange nicht mehr. Frei das zu tun, wonach ihr gerade war. Auch, wenn sie deshalb in einen eiskalten See hüpfte und dabei riskierte sich eine Erkältung einzufangen. Es war befreiend gewesen, hatte ihr ein Gefühl von Lebendigkeit vermittelt.Vor dem Sturz hätte sie das nicht gewagt, schließlich hätte eine Krankheit Strapazen für ihre Stimme und die Unterbrechung der Tour mit sich gebracht. Zu sehr war sie mit sich und ihrer Karriere beschäftigt gewesen, um die kleinen Freuden des Lebens zu genießen.  Sie hatte das Gefühl vergessen zu haben, wer sie wirklich war. Fast schon ironisch, dass es einen Gedächtnisverlust bedurfte, um ihr dies klar zu machen. Doch die Gründe spielten keine Rolle. Wichtig war, dass ihr die Augen geöffnet wurden, dass sie begriffen hatte, viel ihr Tuomas Freundschaft wirklich bedeutete. Sie hatte sich niemandem jemals so verbunden gefühlt – nicht einmal Marcelo. Mit ihr und Tuomas war es immer anders gewesen. Eine völlig andere Ebene der Zwischenmenschlichkeit. Tiefes Verständnis, grenzenloses Vertrauen. Für den anderen ein offenes Buch. So hatte Tarja es zumindest empfunden.
Das eine oder andere Kapitel war wohl doch versiegelt gewesen. Es war ihr immer noch ein Rätsel, wie sie Tuomas Gefühle einfach hatte übersehen können. Vielleicht, weil sie diese fälschlicher Weise als die gleiche tiefe Freundschaft gedeutet hatte, die sie ihm selbst entgegenbrachte. Vielleicht, weil die Liebe zu Marcelo sie blind gemacht hatte. Sie war mit dem Argentinier so glücklich gewesen, dass sie keinen Blick für das Elend des Keyboarders hatte. Tuomas war einfach in den Hintergrund gerückt. Sie hatten weniger Zeit gemeinsam verbracht und sich von einander entfernt. Es war schade um die Freundschaft, die sie verbunden hatte. Verdammte Liebe! Alles hatte sie kaputt gemacht! Wie wäre es gekommen, wenn Tuomas sich nie in sie verliebt hätte? Oder wenn sie Marcelo nie begegnet oder ihm nicht so hoffnungslos verfallen wäre? Wäre ihre Freundschaft trotzdem an der Karriere zerbrochen, oder wären sie immer noch befreundet, zusammen durch dick und dünn gegangen ? Wären sie vielleicht sogar ein Paar geworden? Tarja schob, den Gedanken von sich, obwohl er ihr irgendwie gefiel. Was-wäre-wenn-Spielchen und Gedankenexperimente brachten sie keinen Schritt weiter. Sie hatte im Hier und Jetzt die Möglichkeit alles wieder in Ordnung zu bringen und das würde sie auch tun. Sie hatte gar kein andere Wahl. Über all die Jahre war sie zu wütend gewesen, um Tuomas wirklich zu vermissen... Seit sie ihn jedoch an seinem Ferienhaus hatte stehen lassen vermisste sie ihn schrecklich. Sie vermisste es mit ihm spazieren zu gehen, gemeinsam zu lachen, vermisste die Ausflüge in die gute alte Zeit. Sie vermisste sein erschrockenes Gesicht, dass er gemacht hatte, als sie kurz davor war die Wahrheit heraus zu finden, seine traurigen Augen, als ihn das schlechte Gewissen packten. Sie vermisste es mit dieser seltsamen Mischung aus Zuneigung und Furcht betrachtet zu werden, vermisste seine kindliche Freude über ihre bloße Anwesenheit. Sie wollte wieder neben ihm am Klavier sitzen und die Lieder singen, die er für sie geschrieben hatte. Sie wollte wieder mit ihm die sternenklaren Nächte genießen, in viel zu kalte Seen hüpfen, in Erinnerungen schwelgen. Sich mit seiner Hilfe selbst ergründen.
Tuomas hatte ihr wieder vor Augen geführt, dass die Musik mehr was als nur ein Geschäft. Seine Kassette war der beste Beweis dafür, wozu Musik fähig war, dafür, was sie auszusagen vermochte.
Tuomas schuf Melodien, um seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Er komponierte, weil er komponieren musste. Um Dinge zu verarbeiten und sich derer bewusst zu werden. Und alles unter dem Deckmantel der Kunst verhüllt von Poesie. Aber warum sang sie? Warum machte sie Musik? Die meisten ihrer Songs schrieb sie nicht selbst, aber wenn sie einen komponierte, würdigte sie damit bestimmte Ereignisse, hielt Erinnerungen und Gefühlte fest, bannte sie in eine Melodie. Aber diese wirklich besonderen Werke machten nur einen sehr geringen Teil ihrer Songs aus. Waren mehr für sich selbst als für die Welt bestimmt. Warum dann? Vielleicht, weil sie Menschen dadurch berührte, Emotionen übertrug. Vielleicht, weil es eine Möglichkeit war sich auszudrücken, sich zu befreien. Vielleicht trugen all diese Punkte dazu bei, aber die Antwort auf die Frage war viel einfacher. Sie sang, weil Herz und Seele es ihr abverlangten: Sie sang aus Liebe.
Nichts hatte sie lieber gesungen, als die Lieder, die Tuomas geschrieben hatte. Aus diesem Grund sang sie diese immer noch auf ihren Konzerten. Natürlich, die Fans liebten es, aber sie liebte es nicht weniger.
Voll guter Dinge griff Tarja ihren Schlüssel und ihre Handtasche, bevor sie aus der Wohnungstür huschte. Sie war so sehr in Gedanken vertieft, dass sie direkt in den Postboten hinein lief. „Ohh ... Entschuldigung“, murmelte sie hastig und nahm den Brief entgegen, den ihr der Mann reichte. Vom Krankenhaus. Tarjas Finger betasteten den Umschlag. Etwas rundes war darin. Sie fischte es heraus: Ihr Ehering. Der kam ja wohl ein bisschen zu spät. Die Sopranistin hätte von sich selbst erwartet, dass sie bei dem Anblick des Ringes etwas wie  Bedauern und Sehnsucht nach der Zeit an Marcelos Seite überkam, doch dem war nicht so. Er würde sie immer an eine glückliche Zeit erinnern, eine Träne würde sie dieser jedoch nicht mehr nach weinen. Marcelo und sie waren im Guten auseinander gegangen, jeder von beiden wusste, dass es das beste war. Tarja hatte diese Einsicht viele Tränen gekostet, doch schlussendlich war sie darauf gekommen, dass es so richtig war. Die Finnin ließ den Ring in ihrer Hosentasche verschwinden und machte sich auf dem Weg zum Auto.

Tarja hatte ihr Auto am Wegesrand abgestellt und stapfte die wenigen Meter zurück zur Hauptstraße durch den Schnee, um etwas in den Briefkasten zu werfen. Sie war gerade damit beschäftigt in ihrer Handtasche nach dem Umschlag zu suchen, als ein dunkler Kleinwagen an ihr vorbei raste und sie großzügig mit Schneematsch bespritzte. Als sie den ersten Schrecken überwunden hatte, wandte sich die Sopranistin wütend nach dem Wagen um. Dieser setzte zurück und kam neben ihr zum Stehen.
Der Fahrer lies die Scheibe herunter und Tarja erkannte Marco am Steuer. Der Bassist grinste sie an. „Sorry, ich habe dich echt nicht gesehen“, entschuldigte er sich. Bei dem Anblick der triefend nassen Tarja konnte er sein Grinsen nicht unterdrücken. „Das ist überhaupt nicht witzig“, entgegnete die Sopranistin gereizt. Unter anderen Umständen hätte sie vielleicht mit dem Bassisten gelacht, doch dazu war sie in diesem Augenblick zu angespannt. Sie sah Emppu auf dem Beifahrersitz, die hinteren Scheiben waren jedoch so sehr beschlagen, dass sie die Personen auf der Rückbank nicht genau erkennen konnte. Saß Tuomas mit im Auto? Konnte sie ihm jetzt einfach den Umschlag reichen und dann direkt wieder verschwinden? Das war unhöflich, oder? Ja, das war in der Tat unhöflich. Mit ihm reden wollte die Sopranistin trotzdem nicht. Vielleicht hatte sie ja Glück und er war im Studio geblieben. Wenn Tuomas am vergangenen Abend genau so tief ins Glas geschaut hatte wie Marcelo, war das gar nicht so unwahrscheinlich.
„Was machst du überhaupt hier?“, wollte Emppu wissen. „Eigentlich wollte ich nur etwas für Tuomas in den Briefkasten werfen“, erklärte Tarja. „Sitzt er bei euch im Auto?“ „Nee, der pennt“, meldete sich Jukka zu Wort, der offenbar auf der Rückbank saß. „Wir können dich mitnehmen und du kannst es ihm selbst geben“, schlug Marco vor. „Dann mache ich dir auch einen Kakao – als Entschädigung“ „Ich kann dir auch was Trockenes zum Anziehen leihen“, bot Anette an, die neben Jukka saß. „Dann können wir ein bisschen quatschen, haben ja eine Weile nichts voneinander gehört“, erweiterte der Drummer die Einladung. „Das ist echt lieb gemeint, aber es geht nicht“, winkte die Sopranistin ab. „Ich freue mich total euch zu sehen und ihr seit auch alle herzlich eingeladen mal bei mir vorbei zu schauen,aber Tuomas möchte ich heute beim besten Willen nicht begegnen. Es wäre allerdings nett, wenn ihr ihm etwas von mir geben würdet“ „Klar, solange es kein Küsschen ist“, willigte Emppu ein. „In dem Fall müsstest du mit rein kommen und das selbst erledigen“ Anette konnte ein Kichern nicht unterdrücken, doch Marco rammte Emppu einen Ellenbogen in die Seite, was zugegebenermaßen recht komisch aussah. „Was denn?“, entgegnete der Gitarrist. „Alles ist möglich“ Tarja wusste nicht, ob sie Emppu böse anfunkeln, oder über seinen Kommentar lachen sollte. Sie entschied sich für letzteres. „Mit dir kann man auch keine zwei Minuten lang ein ernstes Gespräch führen, oder?“, fragte sie belustigt. „Wenn ihr jetzt den Versuch starten wollt, ein ernstes Gespräch zu führen ... könntet ihr das bitte drinnen tun?“, bat Anette. „Mir ist nämlich verdammt kalt“ „Du musst dir auch keine Sorgen um Tuomas machen. Der schläft“, ermutigte Marco seine ehemalige Bandkollegin. „Ihr wollt nicht locker lassen, oder?“, fragte Tarja halb genervt, halb gerührt. „Wir werden nicht locker lassen“, berichtigte Jukka sie. „Wir sind einfach froh dich zu sehen“, fügte Emppu hinzu. „Gut, ihr habt gewonnen“, gab die Sopranistin klein bei. „Ich komme auf ein Pläuschen mit rein, aber nur wenn ihr mir versprecht, dass ich Tuomas wirklich nicht über den Weg laufe“ „Versprochen“, antworteten die vier anwesenden Nightwishler wie aus einem Mund. Die Sopranistin stieg, immer noch ein bisschen widerwillig ins Auto der Nightwishler und fuhr mit ihnen zum Studio. Dort angekommen folgte Tarja ihren Freunden ins Wohnzimmer und lies sich auf der gemütlichen Couch nieder. „Was willst du Tuomas eigentlich geben?“, fragte Anette beiläufig. Tarja war sofort klar, dass  diese Frage der Schwedin schon die ganze Zeit über auf der Zunge brannte. „Ich will ihm nur etwas zurückgeben, was ihm gehört“, entgegnete die Sopranistin knapp. Es war mehr als offensichtlich, dass sie es nicht verraten wollte. „Mysteriös, mysteriös“, murmelte Emppu. „Rätselhaft“, pflichtete Marco ihm bei.Tarja musste lachen. Jetzt wusste sie wieder, warum sie die Bande so vermisst hatte.
Ihr Blick viel auf den Fernseher, der einen Spielstand anzeigte. „Müsst ihr nicht irgendwann auch mal arbeiten?“, fragte sie, um das Thema zu wechseln. „Das wollten wir heute wirklich mal tun", berichtete Jukka. „Aber Tuomas kleines Gelage gestern Abend hat ihn außer Gefecht gesetzt“ „Das mit Marcelo tut mir echt leid“, erklärte Anette und schenkte Tarja einen mitleidsvollen Blick. Tarja seufzte. Na, das war ja mal ein gelungener Themenwechsel. Über ihre Trennung von Marcelo wollte sie nun alles, aber überhaupt nicht reden. „Muss es nicht. Manchmal lebt man sich eben auseinander“, entgegnete sie betont gelassen. „Ist ja jetzt nicht so schade drum, oder? War doch eh ein Idiot“, tat Marco seine Meinung kund.
„Er ist kein Idiot“, entgegnete jemand, der definitiv nicht Tarja war. Tuomas war soeben im Türrahmen aufgetaucht. „Tuomas?“ entfuhr es Tarja, augenblicklich war ihr jegliche Farbe aus dem Gesicht gewichen. Sie war nicht darauf vorbereitet gewesen ihn zu sehen. Jetzt stand er vor ihr.
„Tarja“, entgegnete er nicht weniger überrascht, als sie selbst. „Schön dich zu sehen“ Der Keyboarder freute sich wirklich, die Sopranistin zu sehen. Er hatte so lange nichts von ihr gehört und jetzt war sie da, einfach so. Sie saß auf dem Sofa und quatschte mit seinen vier Bandkollegen. So, als wäre nichts gewesen. So, wie vor Monaten. Ihn überraschte das Bild, dass sich ihm bot, doch es befremdete ihn nicht. Tarja gehörte zu ihnen. Sie hatte immer dazu gehört und sie würde immer dazu gehören. Ihr Platz war dort auf dem Sofa zwischen den anderen.
Und dann ganz plötzlich, ohne Vorwarnung bekam er weiche Knie. Tarja war dort. Bislang hatte er keine Antwort auf sein Band erhalten, vielleicht würde er sie nun bekommen. Wollte er sie überhaupt hören? Hatte er nicht gerade damit begonnen Tarja loszulassen? Hatte er sich nicht fest vorgenommen glücklich zu sein, wenn sie es war, auch, wenn er nicht derjenige war, der sie glücklich machen konnte? Waren all seine Vorsätze jetzt schon wieder dahin? Nein, waren sie nicht. Er freute sich Tarja zu sehen und er würde sich auch noch immer über ihren Anblick freuen, wenn sie ihm einen Korb gegeben hatte. Wenn sie schon kein Paar werden konnten, dann konnten sie doch wenigstens Freunde sein. So wie damals. Seine Liebe hatte ihre Freundschaft schon einmal kaputt gemacht. Er würde nicht zulassen, dass dies ein zweites Mal geschah.
„Hallo Tuomas“, begrüßte Tarja ihren alten Freund. Seine Grußformel erwiderte sie nicht. Es wäre gelogen. Sie freute sich überhaupt nicht darüber, ihn zu sehen. Die Sopranistin geriet ihn Panik. Ihr Plan war dahin. Sie konnte Tuomas je schlecht etwas in die Hand drücken und gleich darauf wieder das Weite suchen. Das gehörte sich nicht. Aber was sollte sie dann tun? Versuchen weiterhin ein ungezwungenes Gespräch mit Tuomas und den anderen Nightwishlern führen und einfach so tun, als hätte es die Kassette niemals gegeben? Vielleicht genügte ihre bloße Anwesenheit ja auch als Antwort aus. Das zeigte schließlich, dass sie ihm verziehen hatte. Die Dinge, die sie ihm jedoch sagen musste, brachte sie nicht zum Ausdruck. Sie könnte auch einfach aufstehen und gehen. Aber damit würde sie ihre Freundschaft wohl endgültig ruinieren. Ihr fiel nichts ein. Alles, was ihr in den Sinn kam waren nur weitere Möglichkeiten, ein klärendes Gespräch aufzuschieben. Ihr Plan selbst war nichts als ein Aufschub gewesen. Vielleicht war es das Beste, wenn sie jetzt einfach über ihren Schatten sprang und tat, was getan werden musste. Es ewig vor sich her zu schieben brachte die Finnin schließlich auch nicht weiter. Leichter wurde es davon definitiv nicht.
Bevor sie es sich wieder anders überlegen konnte, erhob sich die Sopranistin und tat einen Schritt auf Tuomas zu. „Gehen wir eine Runde spazieren?“, fragte sie. „Ich muss mit dir Reden“
Es herrschte vollkommene Stille im Raum. Nicht mal Emppu wagte es, einen Kommentar abzugeben. „Natürlich.“ entgegnete Tuomas mit belegter Stimme. Obwohl er sich kurz zuvor noch selbst eingeredet hatte, dass er mit jeglicher Reaktion von Seiten Tarjas leben könnte, wurde er unglaublich nervös.
Schweigend gingen die beiden hinaus und schlugen den Pfad ein, den sie zu Beginn von Tarjas Aufenthalt im Nightwishstudio schon einmal gegangen waren. Damals war es eine Reise in die Vergangenheit gewesen, nun war es ein Weg in die Zukunft.
Tarja wusste nicht, wo sie anfangen sollte. Sie wusste nicht einmal genau, was sie Tuomas sagen wollte, von dem wie ganz zu schweigen. Bevor sie losgefahren war, hatte sie sich alles so einfach vorgestellt: Sie dachte, sie würde das Foto, dass ihr Tuomas damals im Krankenhaus gegeben hatte, einfach mit einer Notiz versehen und in den Briefkasten werfen. Dann wäre es an Tuomas gewesen sich bei ihr zu melden. Sie hätte ihre Pflicht getan und dem Keyboarder eine Antwort gegeben. Alles andere hätte bei ihm gelegen. Viellicht hätte er sie angerufen, sie hätten sich totgeschwiegen, oder stundenlang gequatscht. Eins von beidem. Sie wusste es nicht. Es war ja eigentlich auch egal. Jetzt war sie hier, jetzt musste sie handeln.
Tarja kramte in ihrer Handtasche nach dem Foto. Sie fand den Umschlag, zog das Bild heraus, betrachtete es schweigend. Es zeigte Tuomas und sie an ihrem Abschlussball. Beide strahlten in die Kamera. Damals hatten sie noch nicht gewusst, dass sie mal eine Band namens Nightwish weltberühmt machen würde.Damals hatte keiner von beiden erwartet, dass sie sich einmal so sehr streiten würden, dass sie Jahre lang nicht mehr miteinander redeten. An diesem Abend waren sie einfach nur glücklich gewesen, unbeschwert, hatten Spaß gehabt. Tarja erinnerte sich noch gut daran, wie Tuomas ihr beim Tanzen dauernd auf die Füße getreten war, auf ihre wunderschönen neuen Lackschühchen. Es war ihr egal gewesen. Sie hätte Tuomas alles verziehen. Er war schließlich ihr bester Freund.
Sie erinnerte sich daran, wie der Keyboarder ihr im Krankenhaus das Bild gegeben hatte. Er hatte beweisen wollen, dass sie Freunde waren. Es hätte keinen Beweis bedurft, sie hatte sich ihm von Anfang an verbunden gefühlt. Trotzdem hatte das Foto schöne Erinnerungen geweckt. An einen schönen Abend und an eine durch tanzte Nacht. Und da war noch etwas gewesen. Etwas, an das sie sich ihm Krankenhaus nicht erinnert hatte, was ihr später beim Betrachten des Bildes jedoch wieder eingefallen war. Sie hatte das Bild betrachtet, die Verse auf der Rückseite gesummt und den Abend Revue passieren lassen.

The night you left with a kiss so kind only a send of beauty left behind.

Tuomas hatte sie an diesem Abend geküsst. Sie erinnerte sich nur noch verschwommen daran. Zu dem Zeitpunkt hatte sie damals bereits ganz schön einen über den Durst getrunken. Lange war sie sich nicht sicher gewesen, ob Tuomas sie an diesem Abend wirklich geküsst, oder ob sie es einfach nur geträumt hatte. Es war nicht nur ein Traum gewesen. Die Zeilen waren der Beweis.
Das Bild musste Tuomas mehr bedeuten, als sich zuerst angenommen hatte. Dieser Kuss war vermutlich, dass Erste der vielen Liebesgeständnisse gewesen, die er ihre gemacht hatte und somit auch das Erste, dass sie einfach so übersehen hatte. Er hatte das Foto im Portemonnaie gehabt, immer bei sich getragen. Es war ihm wichtig.
„Ich hab etwas, dass dir gehört“, durchbrach die Sopranistin das Schweigen. Tuomas war kurz davor zu fragen, was außer seinem Herzen sie meine, doch er biss sich auf die Zunge. Er würde Tarjas Entscheidung akzeptieren, egal wie diese lautete. Also musste er sich nicht noch mehr unter Druck setzte. Zu seiner Überraschung hielt sie ihm das Foto vom Abend ihres Abschlussballs hin.
Tuomas nahm es entgegen, betrachtete es eine Weile, während er stumm neben Tarja herging.
Irgendwann drehte er es,um die Zeilen zu lesen, die er auf dir Rückseite geschrieben hatte. Es waren nicht mehr nur die vier Verse, die er in der Woche nach dem Ball auf das Foto gekritzelt hatte. In einer feinen Handschrift waren fünf weitere ergänzt worden:

Ah dear friend I remember the night
The moon and the dreams we shared
Your trembling paw in my hand
Dreaming of that northern land
Touching me with a kiss of a beast

Tuomas las die Zeilen. Las sie wieder und wieder. Sollte das heißen, sie erinnerte sich? Dann hatte sie es vielleicht all die Jahre über gewusst. Seine Gefühle einfach ignoriert. Vielleicht hatte sie dem Kuss auch keine weitere Bedeutung zu gedacht. Oder es war ihr nicht weniger peinlich gewesen als ihm selbst? Aber was kümmerte ihn das? Was würde das schon groß ändern? Er konnte ja nicht erwarten, dass Tarja aus bloßer Rücksicht ihm gegenüber ohne Marcelo durch die Welt getourt wäre.
„Falls du dich fragst, ob ich seit diesem Abend geahnt habe, was du für mich empfindest: nein. Ich muss zugeben, dass ich mir bis ich die Verse auf der Rückseite gelesen habe nicht sicher war, ob der Kuss real oder nur ein Hirngespinst meinerseits war. Hätte ich von deinen Gefühlen gewusst, dann wäre ich sicher rücksichtsvoller mit dir umgegangen. Es tut mir leid, Tuomi. Es tut mir leid, dass ich so fürchterlich ignorant war, dass ich blind war und dir nicht wirklich zugehört habe. Deine Songs – die auf der Kassette – haben mich unglaublich berührt. Du hast mich zu Tränen gerührt. Es tut mir alles so fürchterlich leid. Ich hatte keine Ahnung wie sehr du leidest. Hätte ich doch bloß sie Augen aufgemacht und das offensichtliche erkannt....Es tut mir leid, dass ich dich dazu gezwungen habe mich aus der Band zu werfen. Ich weiß, du gibst dir selbst die Schuld daran. Du glaubst, dass deine enttäuschte Liebe dich hat überreagieren lassen. Du trägst nicht alleine die Schuld an dem Splitt. Hätte ich dir ein bisschen mehr meiner Aufmerksamkeit geschenkt, hätte ich zwischenmenschlichen Beziehungen mehr Bedeutung zu gemessen als unserem Erfolg, dann wäre vielleicht alles anders gekommen. Du magst anderes behaupten, aber ich glaube, dass an deinen Vorwürfen aus dem Brief etwas dran ist.“ erklärte die Sopranistin. Tarja legte eine kurze Atempause ein, ergriff das Wort jedoch direkt wieder, als Tuomas den Mund öffnete, um ihr zu widersprechen. „Ich kenne dich, Tuomi. Gut sogar. Man könnte dich noch so sehr kränken, enttäuschen und beleidigen, du würdest niemals falsche Gerüchte streuen.
Es kann gut sein, dass ich mir die eine oder andere divenhafte Allüre angeeignet habe, aber du kannst dir sicher sein, dass ich diese vom heutigen Tage an endgültig ablegen werde. Das verspreche ich dir, wenn du mir im Gegenzug versprichst, dass wir unsere Freundschaft wieder aufleben lassen“
„Du redest dir vollkommene falsche Dinge ein“, begann der Keyboarder, doch Tarja legte ihm einen Finger auf die Lippen. „Schhht. Ich will das gar nicht hören“, unterbrach sie ihn. „Wir könnten jetzt  noch stundenlang darüber diskutieren, wer von uns beiden jetzt schuld ist oder wer den größeren Anteil zum Bruch beigetragen hat, aber das würde zu nichts führen. Ist es nicht vollkommene egal, wer inwiefern schuld ist? Ist es nicht viel wichtiger unseren Streit endgültig zu begraben ? Ich vermisse dich, Tuomi. Du glaubst gar nicht, wie sehr ich dich in den letzten beiden Monaten vermisst habe.“ „Du nimmst mir also nicht mehr übel, dass ich dich in dem Glauben gelassen habe, zwischen uns sei nie etwas vorgefallen?“, fragte der Poet ungläubig. „Es war falsch von dir, aber jeder macht Fehler. Ich verstehe, warum du geschwiegen hast. An deiner Stelle hätte ich wohl dasselbe getan. Ich war verdammt wütend auf dich, allerdings musste ich feststellen, dass ich die Zeit mit euch im Studio wirklich genossen habe. Ich war wirklich glücklich, trotz der schwierigen Situation. Es muss für die anderen auch nicht gerade einfach gewesen sein. Es war ein Neuanfang. Ich bin vollkommen vorbehaltlos auf die Jungs und Nettie und auch auf dich zu gegangen. Und siehe da: wir kamen alle bestens mit einander aus. Ich habe euch wirklich alle liebgewonnen. Wenn das mal kein Zeichen ist unseren Streit endlich bei zu legen! Was hältst du davon, wenn wir ein neues Kapitel anfangen? “, wollte seine alte Freundin wissen.
Tuomas seufzte. „Ein neues Kapitel? Das klingt gut. Du weißt, dass ich dich noch 1000 Mal um Verzeihung bitten und noch 10000 Dinge gerade rücken würde, wenn du mir den zu hören wolltest. Aber vielleicht hast du auch in dem Punkt recht. Jeder trägt einen Teil der Schuld, eine Diskussion wäre aussichtslos. Das kennen wir ja schon. Ein Neuanfang, jeder ist wieder ein unbeschriebenes Blatt Papier“, murmelte er nachdenklich, schwieg einen Moment und wandte sich dann an Tarja:
„Ich bin übrigens Tuomas“, stellte er sich vor. Tarja knuffte ihn in die Schulter, ein Grinsen konnte sie nicht unterdrücken. „Spinner! Soweit vorne wollte ich eigentlich nicht wieder anfangen. Ich bin recht froh darüber, dich bereits zu kennen. Außerdem will ich die eine oder andere Erinnerung nicht missen“, entgegnete sie. „Sieh es als symbolischen Neuanfang“, riet Tuomas, der ihr noch immer die Hand hinhielt. „Tarja“, entgegnete die Sopranistin kichernd, als sie seine Hand ergriff. Sie kam sich dabei furchtbar albern vor. Ihr Lachen verebbte, der Händedruck blieb. Eine ganze Weile standen die beiden einfach nur schweigend da, reichten sich die Hände und sahen sich an. Plötzlich kam sich Tarja überhaupt nicht mehr lächerlich vor. Der Moment schien kostbar, schien bedeutsam.
Sie wagte es nicht, das Schweigen zu brechen. Sie fröstelte trotz der von Anette geborgten Winterjacke, doch es störte sie nicht weiter. Es war nicht wichtig. Nichts war wichtig. Nichts, außer der Tatsache, dass sie und Tuomas sich hier gegenüberstanden. Ein Wendepunkt. Die Wende zum Guten.
Tuomas musterte Tarja. Sie strahlte ihn an, schien glücklich und sorglos zu sein. Seine Hand lag noch immer an der ihren und der Keyboarder wünschte sich, dass dieser Moment endlos wäre. Er hatte sich nichts sehnlicher gewünscht, als mit Tarja wieder glücklich zu sehen. Dafür hätte er sogar in Kauf genommen, dass Cabuli und sie wieder zusammenkamen. Ein Opfer, das es jedoch nicht bedurfte. Tarja schien glücklich zu sein. Es schien sie wirklich glücklich zu machen, dass sie wieder Freunde zu waren. Er schien sie glücklich zu machen. Diese Erkenntnis ließ in dem Poeten trotz der eisigen Kälte ein warmes Gefühl aufsteigen. Er war unfähig einen weiteren klaren Gedanken zu fassen, unfähig irgendetwas zu tun, was darüber hinaus ging, Tarja anzulächeln.
„Ich glaube, es ist gut, dass die Dinge nicht so verlaufen sind, wie ich sie geplant hatte“, gab Tarja nach einer Weile zu. Sie durchbrach die Stille, doch den Zauber brach sie nicht.
„Ich hatte Angst mit dir zu sprechen, weil ich dachte ich wäre noch nicht dazu bereit. Ich wollte vor einer direkten Konfrontation davon laufen. Ich wollte sie vermeiden, in sicherer Entfernung sein. Ich wollte nicht reden, weil die Worte, die gesagt werden mussten, nicht leicht waren. Unangenehme Situationen vermeidet man wieder, man läuft davor weg. Das ist unser Problem, glaube ich.
Es wäre anders gekommen, wenn du mit mir gesprochen hättest, statt den Brief zu schreiben. Vielleicht hätte ich es dann verstanden. Vielleicht hätten wir uns damals ausgesprochen und dadurch verhindert, dass es zu dem Streit, zu dem Bruch gekommen wäre. Möglicherweise hätte ein Gespräch unsere Freundschaft retten, uns viele Tränen ersparen können.
Hätte mich das Schicksal nicht ins kalte Wasser geworfen, stünde ich jetzt nicht hier. Dann hätte ich das Foto in den Briefkasten gesteckt und wäre wieder gegangen. Dann wären wir nicht hier. Wer weiß, was passiert wäre. Vielleicht hättest du keine Antwort gewusst, keine Reaktion gewagt. Vielleicht hätten dir die Worte gefehlt. Dann wäre es zwar die symbolische Versöhnung, aber trotzdem das Ende einer Freundschaft gewesen. Funkstille. Wortlosigkeit. Ende. Das wäre es gewesen.Von nun an sollten wir mit dem Weglaufen und dem Versteckspiel aufhören. Das führte zu nichts. Wir sollten aufhören uns ständig die Worte zurecht zu legen und einfach anfangen zusagen oder zu tun, was wir für richtig halten, was wir denken, was wir fühlen. Ganz direkt. Versprichst du mir das?“
Tuomas antwortete nicht. Sie verlangte viel von ihm. Er wusste nicht, ob er das Versprechen würde halten können. Es lag in seiner Natur, Worte mit Bedacht zu wählen und Dinge zu verschleiern. Er sprach manche Sachen einfach ungern direkt aus. Wenn er ein Mensch direkter Worte wäre, dann hätte es wohl kaum einer Kassette bedurft, um seine Gefühle auszudrücken. Trotzdem hatte Tarja Recht. Es war an der Zeit mit dem Rätselraten auf zu hören und mit offenen Karten zu spielen. Der Keyboarder wollte sagen, dass es eine gute Idee sei und ihr versprechen, von nun an das Gespräch zu suchen, doch seine Stimme wollte ihm nicht gehorchen. Warum war ihm ein Rätsel. Tarjas Lächeln, ihr Blick, ihre Berührung benebelten seinen Verstand. So sehr sich der Poet auch bemühte, er wurde nicht mehr her seiner Sinne. Und dann, ohne das er sich selbst darüber im Klaren war, was er tat ließ Tuomas ihre Hand los. Den Bruchteil einer Sekunde später ertappte er sich selbst dabei wie er die Sopranistin küsste. Als er realisierte war er da gerade tat, ließ Tuomas sofort von Tarja ab und tat hastig einen Schritt zurück. Das Herz rutschte ihm in die Hose? Was in aller Welt hatte ihn denn da geritten? Hatte er die gerade erst wiedergewonnene Freundschaft direkt wieder kaputt gemacht?
Die Sopranistin war vollkommen überrumpelt. Damit hätte sie beim besten Willen nicht gerechnet. Gut, sie hatte ihn dazu aufgefordert immer direkt das zu sagen oder zu tun, was er dachte oder fühlte – doch das war jetzt ein bisschen zu direkt, oder? Was viel Tuomas eigentlich ein? Er wusste doch, dass sie sich gerade erst von Marcelo getrennt hatte. Da sollte er doch wissen, dass alles noch zu frisch war und sie noch Zeit benötigte. Das war falsch!
Aber warum fühlte es sich dann so richtig an? Tarja erinnerte sich daran, wie sie am Abend des Streits das Bedürfnis überkommen hatte, Tuomas um den Hals zu fallen. Sie dachte an all die unbeschwerten Stunden, die sie gemeinsam verbracht hatten. Daran wie sie seine Nähe gesucht, wie sie auf dem Weg nach Kitee mit ihm geflirtet hatte, wie „Feel for you“ sie berührt hatte.
Als sie neben ihm vor dem Keyboard gesessen hatte, hatte sie einen Satz verloren, dessen Bedeutung sie sich nicht bewusst gewesen war: „ ... die Frau, für die du das geschrieben hast, kann sich wirklich glücklich schätzen, so sehr geliebt zu werden.“ Tarja hatte nicht gewusst, dass dieser Song für sie war. Sie hatte nicht gewusst, dass seine Liebe zu ihr jenes Gefühl war, dass seiner Aussage nach auch hunderte von Melodien nicht ausdrücken konnten. Es schmeichelte ihr, ging ihr nahe, es löste ein seltsames Gefühl aus. Sie erinnerte sich daran, wie viel Stunden sie weinend auf dem Sofa gesessen und Tuomas‘ Kassette gelauscht hatte. Wie sehr er ihr gefehlt, wie sehnlich sie sich die Tage im Studio zurück gewünscht hatte. War sie sich nicht selbst schon lange darüber im Klaren, dass das was sie mit Tuomas verband von ganz besonderer Natur war? Was wenn sie diese Verbindung bislang fälschlicher Wiese als tiefe Freundschaft interpretiert hatte. Was, wenn es mehr war?
Ihr Verstand hielt ihr vor, dass sie noch nicht so weit, sich noch nicht sicher wäre, doch ihr Herz wusste bereits Bescheid und hämmerte heftig gegen ihren Brustkorb.
„T...ttut mir Leid“, stammelte Tuomas verlegen. Seine Gesichtsfarbe glich der einer überreifen Tomate. „Ich weiß nicht, was in mich gefahren ist“ Tarja schenkte ihm ein Lächeln. „Das nenne ich mal direkt“, stellte sie fest. „Das heißt, du versprichst es mir?“ Tuomas nickte lediglich. Er war viel zu überrascht darüber, dass Tarja ihn noch nicht geohrfeigt hatte, um dem Mund auf zu bekommen.
„Es ist nicht mal zwei Minuten her, dass wir uns darauf geeinigt haben diese ganze Schuldfrage zu vergessen und schon entschuldigst du dich wieder?“, fragte die Sopranistin belustigt. „Warum? Es gibt Dinge, für die man sich nicht entschuldigen muss. Vielleicht habe ich gegen einen Kuss ja gar nichts ein zu wenden“ Tuomas sah sie entgeistert an. Er konnte nicht ganz folgen. Als die Erkenntnis über das Gesagte endlich zu seinem Verstand durchgesickert war, war Tarja auch schon an ihn herangetreten und sah ihn erwartungsvoll an.
„Gibst du mir noch einen?“, fragte sie verschmitzt grinsend. Tuomas kam der Bitte augenblicklich nach. Er zog Tarja in seine Arme und küsste sie erneut. „Das ist zwar alles total romantisch mit dem gefrorenen See, dem ganzen Schnee und so, aber können wir bitte zum Studio zurückgehen? Mir ist nämlich verdammt kalt“, bat die Sopranistin, nachdem sie sich wieder voneinander gelöst hatten. „Außerdem muss ich Emppu noch erzählen, dass ich seinen Auftrag ausgeführt habe«  „Natürlich. Was für einen Auftrag?“, fragte der Keyboarder skeptisch. „Na ja ... eigentlich wollte ich die Jungs ja dazu überreden dir den Umschlag von mir zu geben, damit ich dir nicht über den Weg laufen muss“, begann Tarja zu erklären. „Auf jeden Fall hat Emppu gesagt, das er dir alles von mir geben würde, nur keinen Kuss. Er meinte, dass müsse ich dann schon selbst machen. Und das habe ich ja eben, getan oder nicht?“ „Genau genommen habe ich dich geküsst“, berichtigte Tuomas sie mit einem Zwinkern. „Soso, ich dachte, es gehören immer zwei dazu“, stellte Tarja belustigt fest. „Aber wenn du so darum bettelst ...“ Die Sopranistin stellte sich auf die Zehenspitzen und gab Tuomas einen Kuss, bevor sie nach seiner Hand griff und ihn mit sich in Richtung Studio zog. Tuomas folgte ihr. Er würde ihr überall hin folgen. Es war zu schön um wahr zu sein. Es viel dem Keyboarder schwer zu glauben, dass das gerade alles wirklich geschah. Er hätte sich nie träumen lassen, dass Tarja seine Gefühle irgendwann wirklich erwidern würde. Natürlich hatte er immer darauf gehofft, doch war es nie mehr als eine Wunschvorstellung gewesen.
Ein Nachtwunsch, der nun in Erfüllung ging.


ENDE



So, das war es dann mal wieder. Ich hoffe ich konnte eucht mit der Story ein wenig Freude bereiten.
Fühlt euch frei ein letztes Mal euren Senf dazu zu geben ;)
lg
B.B

Heute ist nicht alle Tage - ich komm wieder, keine Frage :P
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