Know why the nightingale sings

GeschichteRomanze / P12
Anette Olzon Emppu Vuorinen Jukka "Julius" Nevalainen Marco Hietala Tarja Turunen Tuomas Holopainen
10.04.2011
27.03.2013
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Reach
For a friend whoever cares
For someone whoever dares
Reach
To catch me when I fall
(Nightwish-Reach)



„Noch zwanzig Minuten. Ich bin Meistbietende. Ich hab sie gleich“, frohlockte Anette grinsend. „Was kaufst du denn jetzt schon wieder?“, wollte Emppu wissen. Im ging der Shopping-Wahn der Schwedin nämlich langsam auf die Nerven. „Konzertkarten“, lautete die knappe Antwort der Nightwishfrontfrau, die nun noch breiter grinste. „Welche Band?“, fragte Marco und nahm einen Schluck kühlen Bieres. „Tarja“, antwortete Anette und strahlte. Vor Schreck spuckte der Bassist sein Bier wieder aus und auch Emppu sah die Sängerin entgeistert an. Lediglich Jukka begann, lauthals zu lachen. „Ouh, man. Leute, ihr solltest mal eure Gesichter sehen“, gluckste er. „Du hast doch was gelernt, Nettan! Beinahe wäre sogar ich drauf rein gefallen.“ „Sie hat uns nur verarscht?“, rief Emppu aus. „Das hätte ich unserer Arska jetzt gar nicht zugetraut", stellte Marco überrascht fest. Die Schwedin schüttelte eindringlich mit dem Kopf. „Nein, ich verarsche euch nicht. Ich ersteigre wirklich Karten für das Tarja Konzert heute Abend.“, beharrte sie. „Ja, ist ja gut ,Nettie. Du kannst aufhören, wir haben dich durchschaut“, erklärte Emppu. „Aber, ich ...“, begann die Sängerin. „Lass gut sein Arska.“, murrte Marco und widmete sich erneut seiner Bierdose. Anette seufzte. „Wenn ihr mir nicht glaubt, dann kommt doch her und überzeugt euch selbst davon", forderte sie ihre Bandkollegen auf und drehte ihr Laptop so, dass die Jungs auf den Bildschirm schauen konnten.
Augenblicklich klappte Jukka die Kinnlade runter. „Du bietest ja wirklich mit“, staunte er. „Warum zur Hölle tust du das?“, wollte Marco wissen. „Ich will sie mal singen hören.“, gestand die Schwedin. „Dauernd vergleichen mich irgendwelche Leute mit ihr. Sagen, sie sänge um Längen besser als ich und ich würde ihr nie das Wasser reichen können und all so etwas. Ich will sie einschätzen können. Außerdem mag ich ihre Stimme und die Songs, die sie schreibt.“ „Und warum kaufst du dir dann nicht einfach ein Album?“, fragte Emppu. „Und nur so der Richtigkeit wegen, die meisten ihrer Songs schreibt Tarja nicht mal selbst“, fügte Marco hinzu. „Ich will sie aber live hören.“, behielt Anette ihre Meinung bei. „Ihr wisst ganz genau, dass das etwas komplett anderes ist, als bloß eine CD in den Player zu schieben. Außerdem müsst ihr ja nicht mitkommen. Höchstens einer von euch. Das sind nämlich auch nur zwei Karten, und wenn sie keiner von euch opfert, dann finde ich eben jemand anderen, der mit mir hingeht.“ „Ähm ... ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist“, wandte Jukka vorsichtig ein. „Warum nicht?“ Die Schwedin sah ihn fragend an. „Was ist daran denn falsch?“ „Naja,, du kannst doch nicht einfach so auf ein Tarja-Konzert gehen. Was wenn dich jemand sieht? Nicht alle von den Fans, die Tarjas Konzerte besuchen, finden Nightwish weiterhin gut. Ein paar von denen sind verdammt sauer, dass wir ohne sie weiter machen und das du unsere neue Sängerin bist“, gab Marco seine Besorgnis kund. „Und wenn die Presse spitzkriegt, dass du da warst, dann zerreist man sich das Maul über dich", pflichtete Jukka dem Bassisten bei.
Anette seufzte. „Es ist ja total rührend, dass ihr euch so um mich sorgt, aber das müsst ihr nicht. Ich bin ja wohl alt genug, um alleine auf ein Konzert zu gehen. Und warum sollte ich nicht auf eines, von ihren  gehen nur, weil ich in gewisser Weise ihren Platz eingenommen habe? Das heißt ja nicht, dass ich ihre Musik nicht mögen kann“, rechtfertigte sich die Sängerin. „Na gut. Wenn es dich glücklich macht, dann geh doch hin“, gab Emppu schließlich klein bei. „Aber sag Tuomas nichts davon.“ Marco und Jukka sahen den Gitarristen verwirrt an. War er jetzt auch von allen guten Geistern verlassen. Sie konnten Anette doch nicht auf das Konzert gehen lassen. Gerade wollte Marco seine Missbilligung erneut kund tun, da erklang ein: „Was soll sie mir nicht sagen?“ hinter ihnen. Tuomas hatte den Raum betreten. „Hey, Marco. Ich glaube, ich will auch  ein Bier. Kommst du mit Nachschub holen?“, beeilte Emppu sich zu fragen.
„Warum?“, entgegnete der sichtlich verwirrte Marco. Warum brauchte Emppu seine Hilfe um zwei Dosen Bier aus der Küche zu holen? „Komm“, murmelte der Gitarrist und packte den Bassisten beim Arm. Der, immer noch sehr verwirrte Marco folgte ihm. In der Küche angekommen erfuhr er dann auch endlich, warum  Emppu ihn dabei haben wollte: „Wir bieten mit“, verkündete der kleine Blonde. „Mitbieten?“ Marco sah ihn verwundert an. „Jaa. Auf die Konzertkarten. Damit Nettie sie nicht bekommt“, erklärte Emppu. „Toll und was sollen wir damit?“, wollte Marco wissen. „Keine Ahnung. Wir schenken sie irgendjemandem oder so, wichtig ist nur, dass Anette sie nicht bekommt“, entschied der Gitarrist. Der Bassist lachte auf. „Okay, ich schnappe mir dann gleich mal mein Laptop.“
„Was soll ich nicht wissen?“, wiederholte Tuomas seine Frage mit Nachdruck. „Ähm ...es geht um dein ... Geburtstagsgeschenk “, antwortete Jukka schnell. „Schlechte Ausrede“, kommentierte Tuomas belustigt. „Es ist Spätsommer. Mein Geburtstag ist im Dezember.“ „Man kann nicht früh genug anfangen sich Gedanken, über Geschenke zu machen“, stand Anette ihrem Bandkollegen zur Seite. „So ist es“, pflichtete der Drummer ihr bei. Tuomas lachte. „Leute, jetzt sagt schon, worum es geht“, bat der Keyboarder und ließ sich auf der cremefarbenen Couch nieder. „Nein, das ist eine Überraschung“, erklärte die Sängerin. Das war schließlich nicht einmal gelogen. Das war ja wirklich ein Überraschung, nur eben keine positive.
„Eine Überraschung? Für mich?“, fragte Tuomas und seine Augen leuchteten wie die eines kleinen Kindes. „Ja, eine Überraschung für dich“, spielte Jukka das Spiel der Schwedin mit. „Jetzt will ich noch dringender wissen, worum es geht", bemerkte der Keyboarder und grinste seine beiden Bandkollegen an. „Was machen Marco und Emppu eigentlich so lange? Wollten die nicht nur eben Bier holen gehen?“ „Das ist auch Teil der Überraschung“, improvisierte Anette weiterhin. Das diese Aussage ebenfalls nicht ganz gelogen war, wusste sie noch nicht und vermutlich würde sie es auch nie erfahren. In diesem Augenblick fiel der Blick der Sängerin auf den Bildschirm des Laptops und sie stöhnte auf. Da hatte sie doch tatsächlich jemand überboten und das, wo die Auktion nur noch acht Minuten lief. Diesen Laut des Missfallen hätte sie jedoch unterlassen sollen, denn dadurch wurde Tuomas auf den Laptop aufmerksam. Seine Augen weiteten sich, als er laß, worum es sich bei der Versteigerung handelte und beobachtete, wie Anette ihr Gebot erhöhte. „Ihr kauft Konzertkarten für Tarja, heute Abend in Helsinki?“, fragte er entsetzt. „Äh...nein. Es ist nicht so, wie es aussieht. Wir treiben nur den Preis in die Höhe“, ließ sich der Drummer eine neue Ausrede einfallen. „Das ist nämlich verdammt witzig. Das machen wir öfter. Biete doch gleich nochmal auf dieses komische Teeservice. Warte! Schau! Irgendein Idiot hat noch mehr geboten als wir.“ Der Bandleader hob eine Augenbraue. „Ihr glaubt nicht allen Ernstes, dass ich euch das abkaufe, oder?“, fragte der Keyboarder leise. „Warum wollt ihr die Karten?“ Anette und Jukka wechselten einen Blick. „Ich würde Tarja ganz gerne mal Live sehen“, erklärte die Schwedin verlegen. Tuomas nickte nur. „Das ist verständlich“, brachte er nach einem Moment des Zögerns heraus. Seine beiden Freunde und Bandkollegen sahen ihn überrascht an und der Poet lächelte schwach. „Was schaut ihr mich so an? Ich habt erwartet, dass ich laut werde und euch die Köpfe abreiße, oder etwas derartiges. Habe ich recht?“, wollte Tuomas wissen. „Ja“, bestätigte Jukka. „Wir sind davon ausgegangen, dass du wütend wirst. Ich meine, dass wäre ja auch irgendwie logisch gewesen ... du wirst immer wütend, wenn ein Wort über Tarja fällt.“ Der Bandleader lachte erneut und schürte dadurch das Unverständnis der anderen noch mehr. „Ich bin nur genervt, wenn mich irgendein Reporter danach fragt. Sie haben doch schon tausend mal gefragt, aber sie tun es immer und immer und immer wieder.  Es hatte einen Grund das der Brief öffentlich wurde und den kennt ihr auch. Wir wollten diese ganze Fragerei und all die Erklärungen vermeiden, indem wir ihnen die Möglichkeit gaben den original Wortlaut zu lesen zu bekommen. Sie kannten meine – unsere Gründe, sie wussten, was wir Tarja vorwarfen und trotzdem fragte man immer und immer wieder nach. Ich habe euch nie gesagt, dass ich nicht über Tarja reden möchte. Ihr habt euch selbst dazu entschieden ihren Namen in meiner Gegenwart nicht fallen zu lassen", erklärte der Songwriter und sah zu Boden, nachdem er geendet hatte.
„Du bist also kein Bisschen sauer?“, fragte Anette zaghaft. „Nein“, entgegnete Tuomas und hob den Blick, um ihr in die Augen schauen zu können. „Warum auch? Ihr solltet eigentlich wissen, dass ich immer der größte Fan ihrer Stimme war. Ich habe früher mal gesagt, dass sie wie ein Engel singe und ich bleibe dabei. All das, was zwischen uns vorgefallen ist, ändert ja nichts an ihrem Talent. Sie ist eine großartige Sängerin und das sie eine weniger großartige Person ist beeinträchtigt ihre Stimme ja nicht, oder?“
Die Schwedin lächelte. „Also hast du kein Problem damit, dass ich - VERDAMMT! Dieser Idiot hat schon wieder drauf geboten! Eigentlich wollte ich doch gar nicht so viel für die Karten bezahlen ...Egal! Ich will auf dieses Konzert und die letzten Minuten laufen, der wird schon nicht noch einmal höher gehen“, entschied Anette und setzte ihr Gebot.      
„Geh du ruhig hin, wenn du die Karten bekommst. Du solltest sie wirklich mal live hören, das lohnt sich“, munterte Tuomas sie auf und erhob sich dann vom Sofa. „Ich geh wieder hoch, da wartet noch ein gutes Buch auf mich“
Zurück in seinem recht spartanisch eingerichteten Zimmer ließ sich der Keyboarder auf sein Bett fallen, das den größten Teil des kleinen Raumes einnahm. Sein Blick fiel auf einen großen Kunstdruck, der an der gegenüberliegenden Wand hing. Eine detailgetreue Reproduktion des original Century Child Gemäldes, welches eine Wand bei ihm zu Hause zierte. Zu der Zeit, als dieses Bild noch das Cover ihres neuesten Albums schmückte, bekam seine heile Welt bereits die ersten Risse. Zwei Jahre, nachdem Tarja diesen fehlgeleiteten Möchtegern Latino Cabuli kennen lernte, ein Jahr, bevor sie ihn heiratete und drei Jahre, vor dem Ende einer Ära. Das alles sprach für sich selbst. Doch in seinen dunkelsten Tagen entstanden immer genau Songs, die ihre Alben am erfolgreichsten machten. Century Child erreichte innerhalb von wenigen Stunden Gold und mit Dark Passion Play war es nicht anders. Aber war es nicht ein sehr hoher Preis, den er für den Erfolg zu zahlen hatte? Er hatte mit ansehen müssen, wie seine beste Freundin sich von ihnen abwandte und eine Wandlung durchmachte – ganz und gar nicht zum Positiven. Das Berühmtsein hatte sie alle ein bisschen verändert, doch keinem außer Tarja war es zu Kopf gestiegen. Sie blieben alle am Boden. Mit Sicherheit konnte Tuomas jedoch nicht sagen, dass es der Ruhm war, der Tarja verwandelt hatte. Vielleicht war auch Cabuli schuld daran, oder die Mischung aus beidem? Der Keyboarder bemühte sich die Tränen zurück zu halten. Er dachte nicht gerne darüber nach, wie er den Menschen verloren hatte, der ihm am Meisten bedeutete. Sie war seine beste Freundin gewesen: Die Schulter, an der er sich ausweinte, die Hand, die ihn aus der Dunkelheit führte. Tarja war diejenige, die immer für ihn da war, immer an ihn glaubte und ihn immer unterstützt hatte. Doch Plötzlich war alles anders. Er kam nicht mehr an sie heran, sie wollte nichts mehr mit ihm zu tun haben und sie verbrachte nur noch die Zeit mit ihm, die für den Job erforderlich war. Ihr verhalten hatte ihn total verunsichert und er war ebenso hilflos gewesen, wie ein kleines Kind. Erst hatte sie ihn traurig gemacht, danach wütend und dann war alles aus den Fugen geraten. Es kamen ihnen Ausdrücke über die Lippen, die niemals hätten laut ausgesprochen werden dürfen, wurden Worte verfasst, die niemals hätten geschrieben werden dürfen und etwas zerbrach...
Aus der unteren Etage erklangen ein Freudenschrei und ein Laut der Frustration, doch Tuomas nahm keines von beidem wahr, denn seine Gedanken vereinnahmten ihn gänzlich.
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