Know why the nightingale sings

GeschichteRomanze / P12
Anette Olzon Emppu Vuorinen Jukka "Julius" Nevalainen Marco Hietala Tarja Turunen Tuomas Holopainen
10.04.2011
27.03.2013
20
66.112
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10.04.2011 2.182
 
Ein Lebenszeichen. Es gibt mal wieder etwas neues von mir. Leider nicht die versprochene Away-Fortsetzung - ich kann mich irgendwie nicht damit anfreunden- aber eine nette kleine Story für zwischendurch.
Der Einstig ist recht düster und ich entschuldige mich im Vorraus schon mal für Tarjas Verhalten.
So, genug gequatscht, ich wünsch euch viel Spaß ;D


Kept my thoughts buried in a box,
With each shot I still kept it locked
You drew a play written with my blood,
Went ahead just to feed the lot!
(Tarja - Enough)


Der Blick auf die Uhr verriet Marcelo Cabuli, dass es bereits zwei Uhr nachts war, das leere Bett neben ihm, dass seine Gattin keinen Schlaf finden konnte. Trotz seiner Müdigkeit stieg der Argentinier aus dem Bett, um sich auf die Suche nach Tarja zu machen. Es kam ab und an vor, dass sie nachts das Bett verließ, um sich eine Tasse Tee zu kochen, oder ein Buch zu lesen, wenn der Schlaf fern blieb. Er hatte sie sogar schon das ein oder andere Mal beim Klavierspielen, mitten in der Nacht, erwischt. Nichts davon war bedenklich und dennoch machte sich Marcelo jedes Mal Sorgen, wenn er aufwachte und Tarja nicht mehr neben ihm lag.
In dieser Nacht fand er seine Gattin weder in der Küche, noch im Wohnzimmer, sondern vor dem Kamin im Arbeitszimmer. Tarja saß so regungslos da, dass ihr Ehemann zuerst glaubte, sie schliefe, doch dann vernahm er ihr leises Schluchzen.
„Tarja?“, fragte er vorsichtig. Sie antwortete nicht. Sein Blick fiel auf den Zettel, den sie in den Händen hielt und er verstand. Augenblicklich loderte Wut in dem Argentinier auf. Die Wut auf den Mann, der seine Liebste immer wieder zum Weinen brachte, die Wut auf Tuomas Holopainen.
Marcelo jedoch, bemühte sich ruhig zu bleiben, als er vor Tarja in die Hocke und beruhigend auf sie einzureden begann.
Die Finnin beobachtete ihren Ehemann aus den Augenwinkeln heraus, ging allerdings nicht auf seine sanften Worte ein. Seine Stimme umschmeichelte sie, brachte sie dazu langsamer zu atmen und lies sie wieder zur Ruhe kommen. Tarja wollte sich allerdings nicht beruhigen. Immer hatte sie sich wieder beruhigt, immer hatte sie Ruhe gegeben, immer hatte sie sich mit ihrer Situation abgefunden. Das wollte sie nun nicht mehr. Sie wollte sich nicht damit abfinden, dass man sie einfach so raus geworfen hatte. Sie wollte den alten Zeiten nicht mehr nachtrauern. Sie wollte mit dem Kapitel Nightwish endgültig abschließen. Aus diesem Grund hatte sie Tuoma‘s Brief ein letztes mal herausgekramt. Sie wollte ihn noch ein Mal lesen. Ein letztes Mal, bevor die Sache endlich erledigt war, bevor die Geister der Vergangenheit schließlich von ihr ab ließen.
Die Sopranistin überflog den Brief zum letzten Mal, dann übergab sie ihn den Flammen. Das Feuer des Kamins verschlang den Zettel. Flammen hinterließen verkohltes Papier dort, wo vor Sekunden noch Worte gestanden hatten, die Tarja zu tiefst verletzten. Worte die ihren Zorn, dem Feuer gleichsam auflodern ließen. Ein Liedschlag und von dem Brief war nichts mehr übrig als Asche.
Voll Genugtuung beobachtete die Sängerin die tanzenden Flammen. Es fühlte sich so gut an. Es kam ihr so richtig vor. Sie hätte es schon viel früher tun sollen. Womöglich konnte sie sich jetzt endlich von den Erinnerungen lossagen, vielleicht verblassten letztendlich der Schmerz und die Trauer, die der Brief und ihr Rausschmiss mit sich gebracht hatte.
Nun realisierte auch Marcelo, was soeben geschehen war. Überrascht und sichtlich verwirrt starrte er seine Gattin an. „Warum hast du das getan?“, fragte er die, zufrieden lächelnde, Tarja entsetzt.
„Ich konnte das Ding nicht mehr sehen“, lautete die knappe Antwort seiner Ehefrau. „Aber du kannst doch nicht einfach so den Brief verbrennen“, erklärte er verunsichert. „Warum nicht?“, fragte Tarja vergnügt, ihr Tränenstrom war schon lange versiegt. „Weil ...“, begann Marcelo und wusste nicht genau, wie er dass, was er sagen wollte, in Worte fassen konnte. „Es ist doch irgendwie ein Erinnerungsstück, keine schöne Erinnerung ... dennoch muss es dir doch irgendetwas bedeuten. Was, wenn du ihn doch noch mal ansehen willst. Irgendwann?“
„Wenn ich eines Tages das unwahrscheinliche Bedürfnis verspüren sollte, diesen Bockmist zu lesen, dann google ich das einfach. Den findet man ja auf keine Ahnung wie viel verschiedenen Seiten im Internet. Es gibt nämlich Personen, die glauben man müsse solch private Auseinandersetzungen an die Öffentlichkeit tragen. Es gibt ja Menschen, die es als ich Pflicht sehen der Welt zu offenbaren, was für ein arrogantes, selbstverliebtes, geldgeiles Miststück ich doch bin“, erklärte die Sopranistin und ihr kurzzeitiger Frohsinn wich der Wut.
„Schhhh. Tarja, jetzt fang bitte nicht schon wieder damit an. Wir wissen beide das nichts von dem, was Tuomas geschrieben hat, stimmt und deine Fans wissen das auch. Wir haben auch schon gefühlte 100 Mal darüber gesprochen wie feige und dumm es von Tuomas war, dich einfach so mit einem Brief abzuspeisen und wie mies es war das Ganze öffentlich zu tun. Aber jetzt hör auf davon zu reden, dass macht dich nur traurig“, murmelte der Argentinier.
„Traurig?“, kreischte Tarja. „Das macht mich nicht traurig! Das macht mich verdammt noch mal wütend. Wütend und enttäuscht. Ich habe Tuomas nämlich für einen Freund gehalten. Ich habe sie fälschlicher Weise alle für meine Freunde gehalten!“ Erneut steigen ihr Tränen in die Augen. „Ich glaube nicht, dass sie dir nur etwas vorgemacht haben“, versuchte Marcelo seine Gattin zu beschwichtigen. Er wollte seine Meinung noch Begründen, doch dazu kam er nicht mehr, denn Tarja tobte weiter. „Ich glaube es aber! Nein, Ich weiß es! Ich habe ihnen nie etwas bedeutet. Keinem von ihnen. Ich war nur ein Mittel zum Zweck. Sie brauchten eine Stimme. Tuomas brauchte eine Marionette an deren Fäden er ziehen konnte. Tuomas ist wie ein kleiner Junge. Sobald ihm ein Spielzeug zu langweilig wird wirft er es weg und so hat er auch mich weggeworfen. Ich war so naiv“, wetterte sie. „Also, ich halte Tuomas jetzt nicht...“, begann der Argentinier, doch Tarja schnitt ihm das Wort ab:
„Warum nimmst du ihn in Schutz? Warum? Er hat nie ein einziges freundliches Wort zu dir gesagt. Er hat sich nicht einmal die Mühe gemacht seine Abneigung, dir gegenüber, zu verbergen“, fauchte die Finnin. „Du hast Recht, er war nie besonders freundlich zu mir. Allerdings war er nur nicht nett zu mir, weil ich das erreicht habe, was er immer erreichen wollte: Ich habe dein Herz gewonnen. Er war einfach nur eifersüchtig, er hat dir dein Glück nicht gegönnt. Er hätte mich am liebsten erwürgt, aber dafür ist er zu edelmütig- oder zu feige gewesen“, erklärte Marcelo. „Er war sauer, weil du ihm im Weg standest. Er dachte, du wolltest ihm sein liebstes Spielzeug nehmen“, knurrte Tarja.
„Och, komm schon. Deine Zeit bei Nightwish war nicht schlecht. Du hast mit den Jungs wundervolle Momente erlebt und vielleicht war es sogar die beste Zeit deines Lebens. Du musst das jetzt nicht alles schlecht machen nur, weil du nicht mehr dabei bist“, entgegnete der, inzwischen ein wenig genervte, Argentinier.
„Ich finde es so lieb von dir, dass du immer hinter mir stehst!“, fuhr Tarja ihren Ehemann an. „Schön, dass du mir jetzt auch noch in den Rücken fällst! Außerdem bin ich nicht traurig, weil ich nicht mehr dabei bin! Pah! Ich will doch gar nicht zu denen zurück! Das wollte ich nie. Selbst, wenn Tuomas mich auf Knien anflehen sollte, würde ich nicht zu Nightwish zurückkehren! Niemals. Ich könnte nämlich keinen von den Texten, die er schreibt, mehr singen . Ich könnte es nicht, wo ich jetzt weiß, dass es nichts als poetische Lügen sind. Früher haben mir die Texte wirklich was bedeutet, sie haben mich berührt. Jetzt lassen sie mich vollkommen kalt. Es sind nichts weiter als schöne Worte. Und auch die neuen Songs! Hast du dir schon mal DPP angehört?!“
„Ja, habe ich“, gestand der Argentinier. „Aber ich muss zu geben, dass die Songs gar nicht soo schlecht sind. Gut, es gibt das ein oder andere Lied, das mir von Inhalt nicht so ganz zusagt, um welche es sich dabei handelt, muss ich ja wohl nicht erwähnen, aber ansonsten. Diese Anette singt wirklich nicht schlecht. Okay, sie ist bei weitem nicht so gut wie du, aber man kann es sich anhören“ „Das war wieder klar“, schnaubte die Finnin. „Was denn?“, wollte der verwirrte Marcelo wissen.„Ich mag die Musik nun mal. Ich kann ja nichts dafür, dass dir das Album so gut gefallen hat, dass du es während der Autofahrt aus dem Fenster werfen musstest.“
„Du Verräter!“, fuhr die Sopranistin ihren Ehemann an. „Warum bin ich jetzt ein Verräter? Nur, weil ich meinem Musikgeschmack treu geblieben bin?“, fragte der Argentiner ein wenig belustigt. „Nein!“, rief Tarja in einem Anflug von Verzweiflung. „Du bist ein elender Verräter, weil ...“, die Finnin stockte. Sie wusste selbst nicht was, sie sagen sollte. Marcelo bemerkte dies natürlich und musste schmunzeln. Der Argentinier  verlor jedoch kein Wort über die Sprachlosigkeit seiner Ehefrau, da er den Streit nicht noch weiter anheizen wollte. „Du bist ein Verräter, weil du mir immer in den Rücken fällst!“, startete die Sängerin einen erneuten Versuch. „Du verbrüderst dich mit dem Feind! Du unterstützt sie in dem du ihre CDs kaufst und du hintergehst mich, wenn du ihre Musik gut findest“, zeterte Tarja. Ihr Gatte seufzte. Das Tarja aus allem immer so ein Drama machen musste. Er hatte doch lediglich gesagt, dass Nightwish immer noch gute Musik macht. Er verbrüderte sich doch mit niemandem. Sich mit Holopainen zu verbrüdern wäre so ziemlich das letzte was er jemals tun würde. Aber das verstand Tarja ja nicht, oder vielleicht wollte sie es auch gar nicht verstehen. Ihrer Meinung nach war ja mal wieder die ganze Welt gegen sie.
„Jetzt sag irgendwas!“, kreischte Tarja. „Oder fällt dir nichts zu deiner Verteidigung ein?“ „Ich will mich gar nicht verteidigen“, erklärte Marcelo. „Hör mal , Liebes, ich will nicht mit dir Streiten, also lass uns diese kleine Meinungsverschiedenheit einfach vergessen. Wenn du weiterhin so schreist, dann hast du morgen keine Stimme mehr und musst dein Konzert absagen. Außerdem könntest du ein wenig Schlaf gebrauchen, damit du morgen fit bist“, versuchte er erneut seine Ehefrau zu beruhigen.
„Ich schreie, wann ich will und soviel ich will“, maulte die Sopranistin. „Und deine größte Sorge ist also, das das morgige Konzert ausfallen könnte? Das ist mal wieder so typisch! Dir ist es total egal, wie es mir geht und das es mir schlecht geht! Du willst doch nur, dass ich auftrete, damit Geld reinkommt. Du bist doch keinen Deut besser als Tuomas und die anderen. Du willst doch auch nur Profit mit mir machen!“ Tarja war aufgestanden und stand direkt vor ihrem Ehemann, während sie ihn anschrie.  „Ich denke mal, dass du mir sowieso nicht glaubst, wenn ich dir sage, dass ich mich wirklich um deine Gesundheit sorge und, dass ich dich liebe“, erklärte  der Argentinier, der sich sehr bemühte, sie nicht im Tonfall zu vergreifen. Langsam reichte es ihm. Er war immer für sie da, er bemühte sich stetig, ihr jeden Wunsch von den Lippen abzulesen und er ertrug ihre Wutausbrüche immer ohne zu Murren. „Du willst mir nämlich gar nicht glauben“, wisperte er traurig. „Nein. Ich kann es dir nicht glauben! Du lügst mich auch nur an. Du nutzt mich auch nur aus! Du verarscht mich doch! Warum ist mir das nicht schon viel früher aufgefallen? Du bist immer so fürsorglich und zuvorkommen und du betüddelst mich dauernd. Das machst du nur damit, ich keinen Verdacht schöpfe. Das machst du nur, um mir vorzugaukeln, dass du dich um mich sorgst und mich wirklich liebst. Das kann gar nicht echt sein. Nach acht Jahren Ehe bemüht sich doch niemand noch so sehr um den anderen“, fuhr sie ihn an. „Verstehe ich das richtig! Du glaubst ich verarsche dich, weil unsere Beziehung so gut läuft?“, entgegnete Marcelo wütend. „Sag mal, hast du noch alle Tassen im Schrank? Du bist doch paranoid! Vielleicht bemühe ich mich um dich, weil du das Wichtigste in meinem Leben bist ? Weil ich dich nicht verlieren will ... nicht verlieren wollte ... gerade weiß ich gar nicht, warum ich mir das überhaupt noch antue!“ „Ich? Paranoid? Das muss ich mir von dir nicht sagen lassen! Und du hältst es mit mir nicht mehr aus?! Bitte, dann geh doch! Es hält dich nichts hier! Los, verschwinde!“, fuhr sie ihn an.
„Weißt du was? Das mach ich doch glatt. Du kannst ja anrufen, wenn du dich wieder beruhigt hast, wenn du wieder zu Verstand gekommen bist!“ mit diesen Worten verließ der Argentinier das Haus, stieg ins Auto und fuhr in die Nacht hinein.
Tarja blieb alleine in der Wohnung zurück. Sie wusste nicht, ob sie nun wütend oder traurig sein sollte. Traurig darüber, dass sie und Marcelo sich nach all den Jahren zum ersten mal wirklich gestritten hatten und das er sie jetzt allein ließ, wo sie ihn doch brauchte. Oder wütend darüber, dass er einfach so gegangen war und das er sie vielleicht nur verarschte. Die Sopranistin widerstand dem Drang ihrem Ehemann nachzulaufen, sondern sank auf dem Boden zusammen. Das noch immer glimmende Feuer und die glühenden Überreste des Briefes warfen ein schwaches, orangefarbenes Licht auf das Antlitz der Sängerin und lies die Spuren ihrer Tränen in der Dunkelheit schimmern.
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