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Albträume

von cricri
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Kriminalhauptkommissar Frank Thiel Rechtsmediziner Professor Karl Friedrich Boerne
06.04.2011
03.05.2011
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06.04.2011 698
 

Hauptkommissar Thiel fühlte sich wohl, als er am nächsten Tag erwachte. Er hatte gut geschlafen, sein Bett war mollig warm und gemütlich, und ... jemand umarmte ihn. Er brauchte einen Moment, um sich an die Ereignisse der letzten Nacht zu erinnern. Offensichtlich hatte Boerne seine Scheu überwunden und hielt ihn jetzt in einer ziemlich besitzergreifenden Umarmung, sein Gesicht in Thiels Nacken gepreßt.

Thiel mußte nach der ersten Schrecksekunde grinsen. Während er noch überlegte, ob er Boerne in dieser doch etwas peinlichen Lage wach werden lassen sollte, oder ob er sich einfach frei winden und aufstehen sollte, rührte sich sein Kollege bereits. Ehe er richtig einordnen konnte, was passierte, wurde er noch fester umarmt und Boerne begann damit, seinen Nacken zu küssen, während er schläfrig etwas unverständliches murmelte. Thiels Herzschlag verdoppelte sich. So peinlich hatte er die Situation nun doch nicht werden lassen wollen. Außerdem fühlte sich Boernes Mund auf seiner Haut warm und weich und feucht an, und Thiel konnte sich nicht erinnern, wann ihn zuletzt jemand ... in diesem Moment zuckte Boerne, der wohl gerade erst richtig wach geworden war und die Situation erfaßt hatte, erschrocken zusammen und versuchte, hastig von Thiel abzurücken. Thiel dachte nicht weiter nach, es war ein Reflex. Er wollte nicht, daß sich sein Kollege schlecht fühlte wegen etwas eigentlich doch ganz harmlosen. Deshalb griff er schnell nach dem Arm des andern, bevor der ihn ganz zurückziehen konnte, und hielt ihn fest. Was sollte er jetzt bloß sagen?
 „Alles in Ordnung“, war das einzige, was ihm auf die Schnelle einfiel. Er spürte, wie die Anspannung wieder aus Boernes Körper wich. Und dann, als er sich gerade dazu gratulieren wollte, die Situation gekonnt entschärft zu haben, merkte er, daß er einen großen Fehler gemacht hatte.

Boerne hatte „Alles in Ordnung“ offenbar in einem deutlich weitergehenden Sinn verstanden, und fuhr nun fort, seinen Hals, sein Ohr und seine Schläfe zu küssen. Diesmal wach und wesentlich zielstrebiger. Was sich ... eigentlich ... sehr gut anfühlte. Wenn er ehrlich war. Überraschend gut. Großartig, genaugenommen. Und während er sich noch mit diesem ungewohnten Gedanken beschäftigte, arbeitete Boerne sich weiter vor, drehte ihn auf den Rücken, küßte sein Kinn, Nasenspitze, Augenbrauen ... bis Thiel endlich seine Gedanken soweit sortiert hatte, daß er zu einer Reaktion in der Lage war. Mit seiner freien Hand stoppte er Boerne, der ihn fragend ansah. Verflucht, warum war das so schwierig. Er mußte hier erst mal raus und wieder einen klaren Kopf kriegen.
 „Ich ... ich muß früh zur Arbeit“, stammelte er schließlich. Er schob sich aus der Umarmung und stand auf. Zum Glück versuchte Boerne nicht ihn zurückzuhalten. Thiel kam sich ziemlich mies vor, als er wortlos ins Bad verschwand, aber über Gefühle zu reden war noch nie seine Stärke gewesen. Vor allem, wenn er selbst nicht so genau wußte, was er gerade fühlte.

Als er eine halbe Stunde später aufbruchbereit in die Küche kam, schien sich die Lage wieder etwas normalisiert zu haben. Boerne hatte sich zwischenzeitlich auch angezogen und saß mit der Tageszeitung und einer Tasse Kaffee am Tisch.
 „Ich habe Kaffee gekocht. In Ihrem Haushalt wirklich eine Herausforderung, muß ich sagen. Ich mußte zehn Minuten suchen, um die Kaffeefilter bei den Kochtöpfen zu finden. Wissen Sie, es gibt mittlerweile professionelle Hilfe für so was, „Haushaltsorganisation“ nennt sich das. Wollen Sie auch eine Tasse?“
 „Ähm ...“ Thiel war leicht aus der Bahn geworfen. Boerne schien wieder der Alte zu sein. Trotzdem wollte er kein Risiko eingehen „Danke, ich hab’s eilig.“
Boerne quittierte diese Aussage nur mit einem kurzen ungläubigen Blick, erinnerte ihn aber zum Glück nicht daran, daß er eigentlich Urlaub hatte.
 „Kümmern Sie sich um den Schlüsseldienst?“, fragte Thiel dann doch noch. Er wollte möglichst schnell wieder zur Normalität zurückkehren, und mit Boerne zusammen zu wohnen war eindeutig nicht normal.
 „Ich nehme heute frei und sehe zu, daß meine Wohnung wieder bewohnbar wird“, war die knappe Antwort.
Verdammt, daran hatte er gar nicht gedacht. In Boernes Wohnung mußte es ja noch so aussehen wie gestern Nacht. Keine schöne Aufgabe. „Rufen Sie an, wenn Sie Hilfe brauchen.“
Boerne hob den Blick nicht von der Zeitung, aber er nickte. Gut, mehr konnte er jetzt wirklich nicht tun. Mit einem knappen Tschüß war er aus der Tür.
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