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Albträume

von cricri
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Kriminalhauptkommissar Frank Thiel Rechtsmediziner Professor Karl Friedrich Boerne
06.04.2011
03.05.2011
6
6.586
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06.04.2011 968
 

Aus der Zusammenfassung geht ja schon hervor, daß es nichts ist, was man nicht schon gelesen hätte, aber Ihr habt hoffentlich trotzdem Spaß. Es ist mein erster Versuch, mit den Dialogen hapert es noch ein bißchen. Die weitere Auflösung des Falls habe ich zugunsten der Konzentration auf die Thiel/Boerne-Beziehung verändert ... Außerdem konnte ich die Folge leider nicht nochmals ansehen (ist auf Youtube gelöscht). Korrekturen nehme ich gerne an ;)
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 „Wenigstens können Sie heute Nacht wieder in Ihrer eigenen Wohnung schlafen.“

 „Wohl eher nicht. Sie haben den Schlüssel in meiner Wohnung liegen lassen und die Tür zugezogen.“

Und schon war Boerne wieder auf dem Weg in seine – Thiels – Wohnung. Thiel seufzte innerlich. So schnell würde er den Professor also doch nicht wieder loswerden. Aber nach der ganzen Aufregung und dem nur um Haaresbreite verhinderten Selbstmordversuch erschien es ihm jetzt doch ein wenig kleinlich, das Thema noch in dieser Nacht zu klären.

 „Morgen früh ruf ich den Schlüsseldienst, das sage ich Ihnen!“, konnte er sich allerdings nicht zu sagen verkneifen.
 „Gerne, Herr Nachbar, es ist auch wirklich nicht mein sehnlichster Wunsch, auf ihrer zu kurzen Couch zu übernachten.“, war die sarkastische Antwort.
Boerne schien es ja schon wieder gut zu gehen. Thiel lag ein Kommentar auf der Zunge, aber eigentlich war er für jede weitere Diskussion zu müde. Deshalb rief er nur noch ein kurzes „Gute Nacht“ Richtung Wohnzimmer, als er in sein Schlafzimmer verschwand, um Ersatz für sein eingelaufenes T-Shirt zu suchen. Trotz der späten Stunde konnte er dann doch nicht gleich einschlafen. Der Ärger über Boerne, der ungefragt seine Wäsche gewaschen hatte, war noch der angenehmste Gedanke, der ihn wach hielt. Obwohl er in seinem Beruf schon einiges gesehen hatte, ging ihm der Anblick von Frau Dr. Arnold nicht aus dem Kopf. Die übergelaufene Badewanne, Boernes Badezimmer mit Blut überschwemmt, das war wirklich kein schöner Anblick gewesen. Das Opfer zu kennen, hatte die Sache auch nicht angenehmer gemacht.

Stunden später riß ihn ein Geräusch aus dem Schlaf. In der ersten Schrecksekunde wußte er nicht, wo er war. Dann erkannte er sein Zimmer und Boerne vor dem etwas helleren Hintergrund des Fensters.
 „Was ist los?“, fragte er alarmiert und immer noch etwas benommen.
 „Kann ich hier schlafen?“ Boernes Stimme klang anders als sonst, unsicher und bittend.
Thiel konnte sich nicht erinnern, diesen Ton bei seinem Kollegen jemals gehört zu haben. Jetzt sah er auch, daß Boerne sein Kopfkissen in der Hand hatte. Was in Gottes Namen ... Dann fiel ihm ein, daß Boerne doch ziemlich mitgenommen gewirkt hatte, nachdem sie seine Kollegin halbtot gefunden hatten. Vielleicht verfolgten ihn die Bilder ja auch noch – auch wenn Thiel das bei dem Rechtmediziner nicht erwartet hätte. „Meinetwegen“ murmelte er deswegen und schlug die Decke beiseite. Boerne zögerte nicht lange und lag zwei Sekunden später neben ihm.
 „Mein Gott Boerne, Sie sind ja eiskalt“, brummte Thiel „Wenn ich mich erkälte, geht das aber auf Ihre Rechnung.“
 „Entschuldigung.“
Thiel wurde jetzt doch langsam unruhig. Boerne klang einfach nicht nach Boerne. Weder um etwas zu bitten noch sich zu entschuldigen war seine Art, und vor allem hatte er seinen Nachbarn noch nie so still erlebt. Außerdem hätte er schwören können, daß Boerne zitterte – das ganze Bett vibrierte sachte, seit er darin lag.
 „Ist alles in Ordnung?“
 „Ja“ kam die knappe und nicht wirklich überzeugende Antwort.

Thiel mußte an seinen Sohn denken – Lukas war manchmal durch einen Albtraum erwacht und zu seinen Eltern ins Bett gekommen. Was er geträumt hatte, wollte er nie erzählen. Seinen Sohn hatte er dann einfach in den Arm genommen. Das konnte er nun ja schlecht tun. Andererseits war kaum an wieder einschlafen zu denken, so lange Boerne neben ihm stumm vor sich hin litt. Zögernd streckte er den Arm aus und berührte Boerne an der Schulter, der vor Schreck zusammenzuckte und zurückweichen wollte. O.K., vielleicht doch nicht der geschickteste Schachzug. Aber jetzt hatte er einmal angefangen und wollte wenigstens versuchen, ob er seinen Nachbarn nicht doch noch zum Reden bewegen konnte. Entschlossen zog er Boerne näher heran und legte den Arm um ihn.
 „Haben Sie schlecht geträumt?“ Es kam ihm etwas albern vor, das einen erwachsenen Mann zu fragen. Bei Lukas hatte es meist gewirkt. Zumindest das Zittern war weniger geworden, und Boerne fühlte sich auch etwas wärmer an, wenn auch alles andere als entspannt.
 „Ich ... Wir sind zu spät gekommen“, murmelte Boerne schließlich, das Gesicht an Thiels Brust vergraben.
 „In ihrem Traum?“, hakte Thiel nach.
Boerne nickte, Thiel konnte die Bewegung spüren. Er strich beruhigend über Boernes Rücken, und überlegte, ob er noch etwas sagen sollte. Aber Boerne wußte ja selbst, daß er nur geträumt hatte und daß in Wirklichkeit alles halb so schlimm war. Wenn man den Selbstmordversuch einer Freundin in der eigenen Wohnung als halb so schlimm bezeichnen konnte.

 „Früher ist mein Sohn immer zu uns ins Bett gekommen, wenn er schlecht geträumt hatte.“ Er wußte gar nicht so genau, warum er Boerne das jetzt erzählte. Vielleicht würde es ihn ablenken.
 „Mein Vater hat mich nie in den Arm genommen“, kam eine ähnlich unvermittelte Antwort von Boerne.
Thiel schluckte. Boerne klang immer noch fremd. Vielleicht sollte er ihn doch nicht weiter zum Reden bewegen, bevor er ihm Dinge erzählte, die er lieber gar nicht erzählen wollte.
 „Versuchen Sie wieder einzuschlafen, O.K.“ Es war viel weniger seltsam als er es sich vorgestellt hatte – vorgestellt hätte, wenn er je Anlaß dazu gehabt hätte – mit Boerne im Arm im Bett zu liegen. Sein Kollege hatte sich mittlerweile entspannt und es war eigentlich ganz angenehm, nicht alleine hier zu liegen. Irgendwie kam ihm das nicht richtig vor – immerhin lag er mit einem Mann im Bett, und noch dazu mit Boerne! Aber was daran jetzt genau falsch war, konnte er im halbwachen Zustand nicht mehr zusammenbringen. Er zog Boerne noch ein bißchen näher an sich und schlief ein.

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