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IERO KYO' SEI

von M-i-k-u
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer / P12 / Gen
Eiko Carol Freia Crescent Garnet Till Alexandors XVII / Lili / Dagger Mahagon Coral / Amarant Vivi Orunitia Zidane Tribal
28.03.2011
19.07.2011
4
24.946
1
Alle Kapitel
11 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
28.03.2011 8.665
 
Achtung, kleine Warnung vor dem Lesen: Das Kapitel ist sehr lang! (Aber es wird das einzige SO lange Kapitel sein.) Man möge mir verzeihen...^^"

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Die kühle Luft streifte eiskalt über Zidanes Haut, als er durch den dunklen Wald rannte. Er rannte immer weiter und weiter, ohne zu wissen, wo sein Instinkt ihn überhaupt hinführte. Er hatte sich immer auf seinen Instinkt verlassen und er hatte ihn bisher noch nie enttäuscht. Warum sollte er es dann dieses mal tun?
Mit jedem schnellen Schritt, den Zidane vor den Fuß setzte, versank er immer weiter im Wald. Und er wurde ungeduldiger. Wie lange sollte er denn noch unterwegs sein? Er war schon seit einem Tag unterwegs. Ohne etwas gegessen oder getrunken zu haben. Sein Magen knurrte, aber das war ihm egal. Er hatte keine Zeit, er musste weiter.
Es wurde langsam dämmrig, als er irgendwann doch noch eine Pause machen musste. Sein Magen spielte ihm das Lied vom Tod und er versuchte seine Kopfschmerzen vom Wassermangel zu ignorieren, was sich jedoch als ziemlich schwer erwies. Schwer ließ Zidane sich gegen einen Stein auf die Wiese fallen und seufzte. Wo waren sie bloß hin? Ob es überhaupt richtig war einfach nach Gefühl in einen nicht erkundeten Wald zu laufen? Wo war er eigentlich hier? Nicht mehr in Alexandria, das stand fest. In einer anderen Stadt, weit von Alexandria entfernt. Irgendwo inmitten auf Gaia, blind dem Instinkt gefolgt.
"Das ist verrückt.", sagte er zu sich selbst. Es war wirklich verrückt von ihm, einfach loszulaufen, ohne einen Plan wohin überhaupt. Vielleicht hätte er doch in Alexandria bleiben sollen? Vielleicht hatten die anderen Garnet ja am nächsten Morgen wieder zurück gebracht? Vielleicht waren sie ja schon längst wieder zurück und er wusste es nicht, weil er sich damit beschäftigte, hungernd und ausgepauert an einem kalten Stein zu hocken und in Selbstzweifeln zu verfallen?
"Ach...", meinte Zidane und stand auf, um sich wieder auf den Weg zu machen. Selbstzweifel passten gar nicht zu ihm. Er würde seine Freunde wieder finden. Und er würde sich bei Garnet entschuldigen, dafür, dass er nicht rechtzeitig da war, zum Schauspiel der Tantalusbande.
Ja, sie hatte Recht. Er war freiwillig zu dem alten Mann gegangen. Aber aus einem guten Grund: Er wollte...
Plötzlich sah Zidane etwas großes, steiniges, als er gerade über ein paar Gräser sprang. War das etwa eine Höhle? Zidanes Neugier ließ ihn zu stehen kommen und gab ihm den Drang diesen steinigen Eingang genauer untersuchen zu wollen, wo sicherlich auch sein Instinkt wieder eine Rolle spielte. Seine Vermutung von dem steinernen Eingang hatte sich bestätigt: Es war eine Höhle, die ins Dunkle führte. Er konnte eigenartige Geräusche vernehmen, welche einem Knurren ähnlich kamen. Aber das war egal. Er wollte, nein, er musste da rein. Irgendwas sagte ihm, das er hier rein musste! Sicherheitshalber ging er zu einem nahegelegenen Fels, um seinen Gürtel mit den Dolchen noch einmal zu befestigen. Alte Angewohnheit. Als Zidane sich dann wieder zur Höhle drehte, konnte er einen leichten Nebel sehen. Das war doch wohl nicht etwa...
Natürlich! Das war Fangnebel! Ein Nebel, dessen Konsistenz von weitem bereits wahrgenommen werden konnte.
Er wurde gelockt!
Zidane schluckte. Also wartete der „Feind“ bereits auf hin... Aber er hatte keine andere Wahl. Er würde da rein gehen und Garnet wieder da raus holen. Koste es was es wolle. Wenn auch seinen eigenen Leib!
Gerüstet mit einem guten Selbstbewusstsein betrat Zidane die dunkle Höhle und folgte dem breiten Gang eine Weile. Es roch etwas modrig und der Nebel wurde zunächst dichter, bis er daraufhin irgendwann komplett verschwunden war.
Zidane wurde kalt und er streifte sich über die Arme. Plötzlich ertönte ein lautes Knurren. Zidane erschrak. Es kam von vorne und es, was auch immer für ein Wesen das sein mochte, klang nicht sehr gastfreundlich. Aber er ging weiter, dem Geräusch entgegen. Auf einmal ertönte eine ganz andere Stimme:
„Zidane? Bist du das?“, rief Lili.
Zidane blieb wie angewurzelt stehen. Sollte das etwa eine Falle sein? Logisch wäre es. Er ist ja, bis hier hin, vollkommen in die Falle getappt. So ein Mist!
„Zidane?! Geh nicht weiter! Kehr um, das ist eine Falle!“, schrie Lili. Kurz darauf wurde ihre Stimme aber von dem lauten Knurren erstickt.
Sie wollte, dass er geht? Das konnte keine Falle sein!
„Lili?“, rief Zidane und rannte los. Immer wieder ertönten Schreie von ihr, was ihn immer schneller rennen ließ. Er rannte und rannte, bis er irgendwann in einem großen Raum ankam. Die Wände aus Stein, wie eine Art großes Loch.
Schwer atmend bleib Zidane stehen und sah sich um. Es dauerte nicht lange, bis er Garnet, als auch die anderen, Vivi, Eiko, Steiner, Freya, Mahagon und Quina, entdeckte. Sie waren hinter Gittern. Das kam Zidane komisch vor. Gitter in einer Höhle... Aber das war erstmal egal. Er musste zu ihnen und sich vergewissern, dass es ihnen gut ging. Und er würde sie sicher wieder hier raus bringen!
Zidane setzte an, zu ihnen zu laufen, als auf einmal ein wolfsähnliches Wesen vor ihn sprang und ihm seinen Weg blockierte.
„Zidane, lauf! Es ist gefährlich!“, rief Garnet verzweifelt.
„Sie hat Recht! Du musst zurück kehren und Verstärkung holen!“, stimmte Freya zu. Doch das kam für Zidane nicht in Frage! Er konnte nicht zurück kehren. Nicht nach der langen Reise. Ganz zu schweigen, dass er eh keine Kraft mehr hatte. Er war müde, schlapp und hungrig. Bei dem Gedanken wurde Zidane auf einmal klar, dass ein eventueller Kampf gegen dieses Monster ganz schön problematisch ausgehen könnte.
„Zidane, bitte! Lauf!“, schrie Garnet in aller Verzweiflung.
„Nein!“, machte Zidane ihr klar und umklammerte seinen Dolch. Das Wesen kam auf ihn zu. Es war dem Wolf sehr ähnlich, nur größer, die Fangzähne spitzer, kräftiger, gefährlicher. Seine Krallen waren ziemlich lang und spitz, mit denen er Andeutungen machte jeden Moment anzugreifen.
„Herzlich Willkommen!“, sagte eine unbekannte Frauenstimme. Zidane folgte dem Echo. Am hinteren Ende der Wand stand eine nur leicht bekleidete Frau mit einem langen, krummen Schwert in der Hand und blickte auf Zidane runter. Sie stand auf einer Art Podest aus Stein, jedoch behielt sie nicht lange diesen Aufenthaltsort und sprang hinunter. Während sie auf Zidane zuschreitete, grinste sie wie eine falsche Schlange. Zidane mochte sie nicht. Er hatte das Gefühl gleich von ihren Furienaugen durchbohrt zu werden. Sie kam ihm eher rüber wie eine Amazone.
„Wie ich sehe bist du meiner Spur gefolgt!“, begann sie. "Und in meine Falle getappt.", fügte sie melodisch hinzu.
"Du hast Garnet entführt!", wurde Zidane klar.
"Ja, das habe ich."
"Und wieso?"
"Na, um dich hier hin zu locken. In Alexandria bin ich äußerst unwillkommen mit meinem kleinen Haushündchen, wie du sicherlich verstehen kannst."
Zidane sah kurz zu dem "Haushündchen", welches ihm eher vorkam, wie ein Hausmonster.
"Ist er nicht ein Sahneschnittchen?", schwärmte die Fremde.
"Ich würde ihn eher als Sahnetorte bezeichnen.", meinte Zidane. Daraufhin reagierte das Monster und fauchte ihn an. Er schien also die Menschen, bzw. deren Sprache zu verstehen.
Aber das spielte erstmal keine Rolle, solange dieses Vieh ihn zumindest nicht angriff.
"Was willst du von mir?"
"Ich will deinen Segen!"
Zidane hatte sich fast an sich selbst verschluckt, als er das gehört hatte.
"Du willst was von mir?"
"Deinen Segen!"
"Sehe ich so aus, als würde ich beten?", fragte er sie sarkastisch.
"Nein, den kannst du behalten. Du wurdest von einem Stein auserwählt!"
"...was?" Zidane verstand nur Bahnhof von dem, was die fast nackte Frau ihm auftischte.
"Ich versteh kein Wort, von dem du redest."
"Und deshalb könnte ich ausrasten! Wieso wählt ein Stein jemanden aus, der die Macht der Steine noch nicht einmal kennt?! Ich würde alles tun, um einen solchen Segen zu bekommen!", fluchte die Frau.
"Äh...schön, ich habe keine Ahnung wovon du redest. Könntest du meine Freunde wieder frei lassen? ...jetzt, wo ich ja hier bin?"
"Nein."
Zidane ballte seine Hände zu Fäusten. Dieses Weib machte ihn wahnsinnig!
"Wieso nicht?! Ich bin doch hier!"
"Sie dürfen mir nicht bei meiner Arbeit im Weg stehen."
"Welche Arbeit?"
"Na, dich zu töten!", sang die Frau melodisch vor sich hin.
"Niemals!", schrie Lili durch die Gitterstangen und machte Anstalten da raus kommen zu wollen.
"Sie würden mir meine Arbeit nur erschweren, deshalb habe ich sie eingesperrt.", fuhr die Fremde fort. Bevor Zidane etwas sagen konnte, sprach sie jedoch lauter:
"Wobei...ich bin mir gar nicht sicher, ob das überhaupt nötig gewesen wäre..."
"Was?", wollte Zidane wissen.
"Nun, ich dachte, ihr würdet zusammen hier her kommen, um die Prinzessin zu retten, aber wie es mir scheint, haben dich deine Freune alleine zurück gelassen. Du scheinst ihnen also nicht so wichtig zu sein...", dachte die Frau laut und amüsiert.
"Das ist eine Lüge! Wir hatten keine Zeit mehr, um Zidane Bescheid zu geben! Wir hätten sonst die Spur verloren!", schrie Vivi.
"Ihr hättet doch jemanden da lassen können, um ihm Bescheid geben zu können?", konterte die Fremde.
"Es ist immer sehr schmerzhaft festzustellen, dass seine Freunde in Wirklichkeit keine sind und jemanden links liegen lassen, wobei man doch alles für sich tut. Aber keine Sorge, ich werde dich von deinen Schmerzen erlösen und zwar genau jetzt!"
Zidane wich reflexartig zurück zu griff seinen kleinen Dolch. Den Liliendolch würde er sich für dieses Vieh aufheben.
Die Frau lachte laut, um das Geschrei von Garnet zu übertönen. Dann ging sie zu ihrer "Sahneschnitte" und streichelte ihn zunächst. Dann sagte sie zu ihm:
"Er gehört dir. Töte ihn!"
"Neein!", schrie Garnet weinend und wackelte an den Stangen, welche jedoch keine Anstalten machten, sich zu bewegen.
Zidane jedoch versuchte sich auf den Riesenwolf zu konzentrieren und hielt planlos seinen Dolch entgegen. Er hatte schon gegen einige Wesen gekämpft, doch dieses hier schien ihm besonders gefährlich. Alleine der Anblick der Zähne und der Krallen genügte vollkommen, um dem Wunsch zu verfallen, einfach die Beine in die Hand zu nehmen und zu flüchten. Aber das konnte er nicht und das würde er auch niemals tun! Er würde seine Freunde niemals im Stich lassen!
Zidanes Gedanken wurden plötzlich von einem Aufschrei des Wolfes unterbrochen, welcher in einem Affenzahn auf ihn zu rannte und kurz vor ihm sprang. Zidane warf sich auf den Boden und konnte knapp den Fangzähnen des woflsähnlichen Wesens entkommen. Bevor das Wesen erneut angreifen konnte, wollte er bereits wieder auf den Beinen stehen, doch als er aufstand begann er leicht zu taumeln. Er war von der Reise geschwächt!
"Hopla! Da scheint wohl jemand nicht sehr gut bei Kräften zu sein!", sang die Frau. "Zu meinem Vorteil! Crasher, erledige ihn!"
Das Wesen, also Crasher genannt, gehorchte und sprang erneut auf ihn zu, doch diesmal sprang Zidane nach oben, über ihn drüber und entkam ein weiteres mal einem grausamen Tod. Als er landete, taumelte er ernuet und fasste sich an den Kopf. Er durfte jetzt nicht schlapp machen! Nicht jetzt! Aber was sollte er gegen dieses Wesen unternehmen? Das konnte doch nicht ewig so weiter gehen! Seine Kräfte verließen ihn immer weiter.
Er blickte zu seinen Freunden, welche ihn alle gebannt anstarrten. Garnets Gesicht war überströhmt von Tränen.
"Vergiss es, Junge! Sie werden dir nicht helfen. Soll ich mir etwa auch auf die Tränendrüse drücken?", äffte die Frau nach.
"Eine Unverschämtheit! Wagen Sie es nicht so abfällig von der Königin zu sprechen!", fauchte Steiner und sprang auf einer Stelle rum.
"Siehst du?", sprach die Fremde Frau zu Zidane.
"Sie sorgen sich nur um die Königin. Was mit dir geschieht, ist egal."
Daraufhin sah Steiner geschockt zu Zidane, mit einem Ausdruck im Gesicht, welcher sagte: "Erwischt", oder?
Zidane bekam Kopfschmerzen, als er sich seinen Kopf darüber zerbrach. Er fasst sich an die Schläfe und hielt seinen Dolch wieder Crasher entgegen.
"Lass dich einfach von deinen Schmerzen erlösen, mein Junge! Es geht ganz schnell und du findest ewige Ruhe!", sang die fremde Frau. Sie fummelte derweil an ihren wenigen Tüchern rum, die als einziger Stoff an ihrem Leib dienten.
"Zidane! Du darfst nicht auf sie hören!", schrie Garnet.
Zidane sah zu ihr. Nein, Garnet hatte Recht. Sie würden ihn niemals im Stich lassen. Steiner war schon immer so. Schließlich ist es seine Aufgabe, sich um die Königin zu sorgen und zu kümmern.
"Ziadane! Bitte, hör nicht auf sie!", schrie Garnet und wackelte verzweifelt an den Gitterstangen.
"Zidane, bitte! Ich liebe dich!!"
Garnet war es nun völlig gleichgültig, ob sie vor allen endlich ihre Gefühle in die Luft geschrien hatte. Er durfte nicht falsch über sie denken! Nein, ihm durfte nicht passieren!
Zidane starrte wie gebannt auf Garnet und bekam somit nicht mit, dass Crasher auf ihn zu gelaufen kam. Zidane schreckte auf, bewegte sich noch einige Meter zurück, als die Krallen des Wesens plötzlich mit voller Wucht über seinen Bauch schrabten. Der plötzliche Schmerz, der Zidane dabei durchfuhr ließ ihn schmerzvoll schreien und zu Boden fallen. Vor lauter Schreck brüllte Garnet aus lauter Verzweiflung.
"Neeeeein!!!", heulte sie laut und wackelte mit voller Wucht an den Gitterstangen.
Doch Garnets Schreie wurden leiser. Alles wurde leiser.
Zidane lag seitlich auf dem Boden, atmete schwer und fasste sich an seinen Bauch. Er spürte etwas nasses und warmes an seinen Händen. Als er nach unten blickte, sah er, dass sein Bauch bereits blutüberströhmt war.
Er keuchte schwer und versuchte die Schreie, die in seinen Ohren weh taten zu ignorieren. Den Schmerz spürte er bereis gar nicht mehr.
Die Frau kam auf ihn zu und hockte sich zu Zidane nach unten und strich ihm eine Strähne aus dem Gesicht.
"Eigentlich ja schade....tja. Aber jetzt ist es leider zu spät. Und ich werde den Segen und somit die Macht des neuen Steines bekommen!"
Daraufhin stand die Frau lachend auf und griff nach ihrem Schwert. Teuflisch lachend hielt sie es über Zidane und machte Anstalten ihn jeden Moment zu töten. Doch bevor sie dies tun konnte, ertönte hinter ihr ein gefährliches Knurren. Ersckrocken drehte sie sich um und sah, wie der in Trance verfallene Mahagon zwei Gitterstangen auseinander bog. Der Rest der Gruppe war vorsichtig zurück getreten. Garnet mit einer Hand vor dem Mund am weinen.
Mit einem Ruck sprang Mahagon aus dem kleinen Gefängnis und schlug mit voller Wucht, den gerade angelaufenen Crasher, aus dem Weg, welcher heulend nach hinten taumelte.
Die fremde Frau knurrte wütend und tadelte ihr wolfsähnliches Wesen aus:
"Du Nichtsnutz! Du sollst ihn erledigen! Muss ich jetzt noch alles selber machen?!"
Die Fremde packte ihr Schwert und stellte sich Mahagon offensiv entgegen, welcher in hoher Geschwindigkeit direkt auf sie zu lief. Doch gerade, als sie ihn mit ihrem Schwert attakieren wollte, sprang er über sie drüber, an ihr vorbei und packte Zidane. Die Fremde folgte seiner Aktion und lachte:
"Was soll das werden?"
Mahagon jedoch ignorierte sie und sah zu seinen Freunden.
"Ich werde ihn weg bringen! Ihr müsst euch um dieses Weib kümmern!", befahl er der Gruppe.
"Einverstanden!", kam es von Vivi.
Mahagon packte sich Zidane und hob ihn auf den Rücken, um so schnell wie möglich flüchten zu können.
"Halt! Wo willst du hin?", schrie die Fremde.
"Ihn weg bringen. Du bist doch krank im Kopf.", meinte Mahagon.
"Mahagon! Lauf nicht nach Alexandria zurück! Lauf weiter gerade aus! Hier in der Nähe ist eine Stadt! Such da Hilfe!", rief Freya.
"Das könnt ihr vergessen!", fauchte die Fremde und wollte ihrem Wolfswesen den Befehl zum Töten geben. Dieses jedoch war nicht mehr an der gewünschten Stelle, sondern abgehauen. Zurück gelassen hatte er einen Reißzahn, welcher wohl beim Schlag Mahagons ausgefallen sein musste.
"Dieses elende Mistvieh!", keifte die fremde Frau, griff ihr Schwert und ging in kampfbereite Pose. Zwar waren die anderen nun frei, aber das durfte sie nicht ablenken von ihrer eigentlichen Aufgabe, also drehte sie sich zu Mahagon, welcher Zidane auf seinem Rücken hatte. Sie wollte ihn gerade attakieren, als Mahagon los lief und flüchtete. Im Bruchteil einer Sekunde folgte sie den beiden, wurde aber plötzlich von einer Feuerwand aufgehalten. Wütend drehte sie sich zu der Truppe rum, welche sich bereits kampfbereit versammelt hatte. Vivi streckte seine Arme empor, um den Feuerzauber, den er soeben verübt hatte, aufrecht zu halten.
"So, meine liebe! Jetzt gehts dir an den Kragen!", meinte Freya.
"Genau! An den Kragen!", stimmte Eiko zu.
"Das werden Sie bitte bereuen!", fluchte Steiner mit einem wutentzerrten Gesicht und hielt sein Schwert fest umklammert.
Wütend über ihren Verlust wendete die Frau sich der Truppe zu, doch ohne ihren Wolf war sie machtlos gegen die Truppe, da diese sehr mächtig zu sein schien. Auch den dicken Ritter mit der schweren Rüstung und dem kantigen Gesicht sollte sie besser nicht unterschätzen.
"Tse.", fauchte sie, lief mit voller Geschwindigkeit auf die Truppe zu. Kurz bevor sie mit dem Schwert zu schlug, sprang sie über sie drüber, an die Wand, kletterte hoch und verschwand in einem Loch in der Wand. Eine kurze Zeit später war sie noch zu hören, dann war sie ganz verschwunden.


"Was? Dieses feige Weib! Wie kann sie es wagen? Erst versuchen Zidane zu töten und jetzt den Schwanz einziehen und abhauen?!", brüllte Steiner, außer sich vor Wut.
"Wir müssen ihr folgen!", befahl Eiko, die ebenfalls ziemlich an ihrer Wutgrenze stand und wütend auf einem Fleck tanzte.
"Nein, das ist eine schlechte Idee.", meinte Freya.
"Was? Wieso?!", fauchte Steiner.
"Nun", fuhr Freya fort. "Erstens könnte das wieder eine Falle sein und sie versucht uns raus zu locken. Vermutlich wartet dieses Vieh draußen auf uns. Gegen dieses Wesen haben wir keine Chance. Es ist zu schnell und zu gefährlich. Zweitens müssen wir so schnell wie möglich Mahagon folgen. Zidanes Zustand ist erstmal wichtiger, als dieses Vieh und diese Frau."
"Freya hat Recht!", meinte Vivi. "Sie ist doch abgehauen! Lasst uns nach Zidane schauen gehen! Ich mache mir Sorgen!"
"Genau! Genau!", stimmte Eiko zu.
"Außerdem sollten wir auch an Garnet denken. Ich glaube kaum, dass sie in diesem Zustand kämpfen kann.", fügte Freya hinzu.
Die Blicke fielen auf eine stark weinende Garnet. Ihr Gesicht war Tränen überströhmt, ihre Gesichtshaut und ihre Augen gerötet. Freya trat zu ihr und legt ihr eine Hand auf die Schulter, in der Hoffnung, sie irgendwie beruhigen zu können.
"Das ist alles meine Schuld!", schluchzte Garnet.
"So ein Quatsch. Dieses Vieh ist einfach gefährlich und stark."
"Er war awer auch geschwächt, mampf!", meinte Quina.
Die Truppe blickte sie an. Das konnte gut sein, immerhin war er lange unterwegs gewesen. Ob er überhaupt währenddessen etwas gegessen oder getrunken hatte? Ob er zwischendurch mal eine Pause gemacht hatte? Wohl eher nicht, wenn es um Garnet ging.
"Das ist meine Schuld!", heulte Garnet erneut.
"So ein Quatsch. Wie kommst du denn darauf?", wollte Freya wissen, sie immer noch zu beruhigen versuchend.
"Wenn ich...wenn ich ihn...nicht abgelenkt hätte,...dann...dann...ich", stotterte Garnet mit voller Mühe.
"Garnet, es ist nicht deine Schuld. Wir sollten Mahagon folgen, bevor wir seine Spur verlieren!", meinte Freya, woraufhin alle anderen zustimmten. Garnet nickte nur.
Daraufhin stetzte sich die Gruppe in Gang und folgte Mahagon so schnell sie konnten. Das Laufen tat Gernet gut. Mit dem wenigen Adrenalin konnte sie ihren Tränenfluss unterdrücken. Sie betete innerlich, dass es Zidane noch gut ergehen würde.


Mahagon lief so schnell er konnte. Zidane war nicht gerade schwer. Er hatte das Gefühl, dass Zidane Schritt für Schritt leichter werden würde. Außerdem strahlte er eine enorme Hitze aus, was Fieber auszusagen hatte. Die Äste der Bäume schlugen ihm ins Gesicht, aber das war ihm egal. Er konnte nur noch gerade aus rennen. Rennen und rennen und rennen. Aber wo sollte er nachher hin? Wer konnte ihm helfen? Oder besser gesagt Zidane? Das würde nicht einfach werden, aber er würde schon einen Arzt finden. Sicherlich würden die Leute in der nächst liegenden Stadt ihm helfen, wenn sie Zidanes Zustand sehen würden.
Einige Minuten lief Mahaon noch, bis er endlich das Waldende erblickte. Ohne stehen zu bleiben und sich um zu gucken, lief er einfach weiter. Dabei keuchte er schwer. Bei dem Tempo hätte er eine Pause gebrauchen können, aber er konnte nicht. Nicht wenn Zidane gerade am sterben war. Bei dem Gedanken an dieses Wort fuhr Mahagon ein Schauer über den Rücken. Nein! Er würde nicht aufhören nach Hilfe zu suchen, bis er wen gefunden hatte! Auch wenn er seine Lunge dafür überstrapazieren musste!
Mahagon sah eine Stadt, eine ziemlich große Stadt. Die Straßen sahen denen von Alexandria ähnlich. Offenherzig, bewohnt, mit freundlichen Leuten bevölkert. Nur fehlte das große Schloss der Königin. Er hoffte, dass die Leute auf der Straße auch wirklich so freundlich waren, wie sie erschienen.
Ohne sich zurück zu halten, blieb er kurz stehen, Zidane noch immer auf seinem Rücken und rief:
"Hilfe! Ich brauche einen Arzt!"


Keuchend blieb Vivi an einem Baum stehen und meinte: "Ich kann nicht mehr!"
"Nein, wir müssen zu Zidane!", sagte Garntet mit wackeliger Stimme.
"Wir sollten erst einmal eine Pause machen.", stimmte Freya zu.
"Genau! Eiko braucht auch eine Pause.", meinte Eiko und ließ sich erschöpft auf den Boden fallen.
"Aber wir müssen ihnen folgen! Ich will zu ihnen!", flehte Garnet erneut.
Freya seufzte. Sie konnte Garnet unmöglich hier fest halten.
"Steiner?", fragte Freya.
"Was ist?", wollte dieser wissen.
"Du läufst mit Garnet weiter. Ich werde mit Vivi, Eiko und Quina eine Pause machen. Wir kommen später nach. Schickt uns aber jemanden ans Stadtende, um uns abzuholen, okay?"
Ohne zu zögern oder nachzudenken, nickte Steiner und machte sich mit der Königin weiter auf, zur nächsten Stadt.
Seufzend ließ Vivi sich fallen. Erst jetzt kam Qina angeplumpst und ließ sich hörbar auf ihren Bauch fallen und ahmte ein sterbendes Tier nach.
"Ich hawe Hunger, mampf!"
"Wir sind bald da.", meinte Freya und sah den beiden voranschreitenden hinterher.
"Hoffentlich.", dachte sie sich.


Schwer keuchend kamen Garnet und Steiner an einer Lichtung an. Es war eine Wiese, die ein kurzes Stück hinunter führte, direkt zum Einang der Stadt. Steiner machte kurz eine Pause, um erst einmal atmen zu können, doch Garnet lief sofort weiter, blindlings, ohne zu wissen, wo sie hin lief. Seufzend lief Steiner loß und folgte ihr.
Auf einer belebten Straße wusste Garnet nicht weiter oder wohin.
"Wo sollen wir jetzt hin?", fragte sie den bereits wieder neben ihr stehenden Steiner.
"Ich weiß nicht, meine Königin. Vielleicht sollten wir ein paar Leute befragen, ob jemand die beiden gesehen hat?", schlug Steiner vor.
"Steiner.", meinte die junge Königin ernst. "Sprich mich bitte nicht mit Garnet oder Königin an."
"Wie bitte?", meinte der Ritter erschrocken.
"Vielleicht hat diese Stadt auch schon erfahren, dass ich entführt worden bin. Wenn die wissen, wer ich bin, werden sie mich sofort wieder nach Alexandria schicken! Ich muss zu Zidane!"
Nach einem kurzen Zögern nickte Steiner. Sie hatte Recht. So einen großen Trouble konnten sie sich im Moment wirklich nicht leisten.
"Nenn mich hier bitte Lili.", befahl die junge Königin. Sie hätte niemals gedacht, dass sie diesen Decknamen eines Tages wieder annhemen würde. Aber das war jetzt egal.
Ohne zu zögern lief sie auf einen Passanten zu und hielt ihn an, um diesen zu befragen. Es war eine ältere Frau, die sie angehalten hatte.
"Entschuldigung!", meinte Lili und wollte sie gerade ansprechen, als die ältere Dame meinte:
"Junges Fräulein, ist alles in Ordnung bei Ihnen? Sie sehen ja schrecklich aus!"
"Ich...ich suche zwei Freunde. Sie sind eben hier her gekommen. Einer ist schwer verletzt. Ich muss zu Ihnen! Bitte, haben Sie sie gesehen?", drängelte Garnet, ohne auf die Frage der alten Frau einzugehen.
"Ähm...nein, tut mir leid. Ich habe niemanden gesehen.", antwortete die alte Dame.
Lili versuchte erneut ihre Tränen zu unterdrücken. Sie würde nicht aufgeben!
"Köni...äh, Lili!", rief Steiner.
Lili drehte sich zu ihm und sah ihn heranwinkend, zusammen mit einer jungen Dame.
"Trotzdem vielen Dank für Ihre Hilfe!", meinte Lili schnell zur alten Dame und rannte zu Steiner und der jungen Frau.
"Was ist denn, Steiner?", wollte Lili wissen.
"Die junge Frau hier meint, die beiden gesehen zu haben.", erklärte Steiner und deutete auf die junge Dame neben ihr.
"Sie haben sie gesehen?", fragte Lili die junge Dame.
"Ja. Da war ein großer Mann mit roten Haaren. Er hatte jemanden auf dem Rücken getragen. Einen Jungen mit blonden Haaren. Der sah nicht gut aus.", erklärte die junge Frau und rieb eine Gabel an ihrer Schürze ab.
Lili konnte nicht warten und legte ihr die Hände auf die Schultern.
"Bitte, sagen sie mir, wo sie hin sind! Bitte, ich muss es wissen!"
"Nun", fuhr die junge Frau fort. "Der große Mann hatte um Hilfe geschrien. Ein paar Leute haben sie zu unserem Dorfarzt geführt."
Die junge Frau drehte sich in Richtung des Dorfinneren und zeigte auf ein olivgrünes Haus, am andenderen Ende der kleinen, gepflasterten Straße.
"Dort hinten wohnt er! Sie können jederzeit dort hingehen. Sie werden noch da drin sein. Sie sind erst vor 10 Minuten hier angekommen."
"Vielen Dank!!", rief Lili, bereits im halben Sprint.
"Junges Fräulein!", rief die junge Dame und hielt Lili am Arm fest.
Lilis Ungeduld wuchs.
"Was ist?", versuchte sie noch so höflich wie möglich zu fragen.
"Der Arzt und seine Frau sind wirklich sehr alt! Bitte seien sie sehr freundlich zu ihnen und achten Sie auf sein altes Herz!"
"Das werde ich!", versprach Lili und rannte los, ohne darauf zu achten, ob Steiner ihr folgte oder nicht.
Ohne auf die Leute zu achten rannte Lili den langen, gepflasterten Weg hinunter, weigerte sich gegen das Keuchen ihrer wieder aufkommenden Schwäche und kam am alten, olivgrünen Haus an. Vorsichtig öffnete sie die Tür und versuchte so leise wie möglich zu sein, was ihr durch die kleine Atemnot jedoch sehr schwer fiel.
Als sie eintrat, sah sie bereits Mahagon, welcher an einer Theke angelehnt stand und scheinbar auf sie wartete. Er versuchte wohl Ruhe auszustrahlen, doch Lili konnte sehen, dass er leicht zitterte und seine Gesichtszüge, soweit man diese unter seinen Haaren sehen konnte, stark angespannt waren. Das beunruhigte sie umso mehr.
"Mahagon!", rief Lili und rannte zu ihm. "Wo ist Zidane? Wie geht's ihm?", wollte Lili wissen.
Mahagon hingegen stieß sich langsam von der Theke ab und versuchte sich zu fassen.
Lili erschrak. Zidane war doch wohl nicht etwa...?
"Was ist mit ihm?!", wollte Lili ungeduldig wissen.
Mahagon seufzte.
"Es geht ihm nicht gut.", meinte er. "Der Arzt kümmert sich um seine Wunden, aber...."
"Aber was?!"
"Es sieht schlecht aus."
Lili hatte mit einer solchen Antwort gerechnet, wollte sie aber nicht wahrhaben.
"Der Arzt sagt, seine Überlebenschance liegt bei 2%. ...und das ist nicht viel.", meinte Mahagon ruhig. Sein innerer Kampf jedoch war nicht zu überhören.
Lili wurde unruhig.
"Habt ihr es schonmal mit Potion probiert? Und Mega Potion oder gleich eine Phönixfeder!"
Mahagon schwieg zunächst. Er suchte nach den richtigen Worten.
"Mahagon! Rede mit mir!"
Während Mahagon versuchte sein Gedankenchaos zu ordnen, kam Steiner zu Tür hinein und löschte die Stille mit dem grässlichen Klappern seiner Rüstung.
"Meine Köni....Lili! Ihr seit zu schnell für mich!", keuchte der Ritter.
Lili jedoch blickte nur auf Mahagon.
"Die Zauber funktionieren nicht.", meinte Mahagon auf einmal.
Steiner und Lili sahen Mahagon fragend an.
"Wir haben selbstverständlich einige Zauber zuerst ausgetestet, doch zeigen sie keine Wirkung! Es funktioniert gar nichts! Wir haben alles probiert, aber irgendwas scheint Magie allgemein abzublocken."
In Lilis Augen sammelten sich bereits wieder Tränen.
"Soll das heißen....wir können ihn nicht heilen? Warum nicht? Warum soll das nicht funktionieren?!"
Steiner legte der jungen Königin eine Hand auf den Arm.
"Wo ist er?", wollte Lili wissen.
"Er ist oben, in einem kleinen Behandlungszimmer. Der Arzt kümmert sich um ihn.", antwortete Mahagon.
Daraufhin riss Lili sich von Steiners beruhigender Hand los und rannte gleich die Treppen rauf.
Reflexartig rannte Mahagon ihr hinterher und packte sie am Arm, um sie aufzuhalten.
"Du darfst ihn nicht besuchen!", meinte er.
Lili jedoch versuchte sich loszureißen.
"Ich will zu ihm!"
"Der Arzt sagte, er müsse ihn in Ruhe behandeln!", druckste Mahagon weiter.
"Ich will zu ihm!! Wie kannst du nur so gelassen sein?!", schrie Lili, ohne ihren Tränenlauf zu beachten.
Sollte es ihr doch egal sein, ob sie die Erlaubnis hatte, ihn zu besuchen oder nicht! Sie liebte ihn! Sie konnte nicht einfach hier rumstehen und warten. Sie liebte ihn doch...!
Bei dem Gedanken schossen Lili Vorstellungen der Zukunft durch den Kopf. Eine Zukunft ohne Zidane...Lili erschrak. Nein! Das drufte niemals passieren! Und wenn er sie nicht lieben würde! Und wenn er die Truppe verlassen und nie wieder zurück kehren würde! Er musste überleben! Er musste leben! Weiterleben! Er hatte es sich nicht verdient zu sterben und das war alles ihre Schuld! Ohne sie und diesem dähmlichen Streit wäre es gar nicht erst so weit gekommen. Und sie hätte ihn nicht während des Kampfes ablenken dürfen. Dann wäre das alles vielleicht gar nicht passiert! Nein, ohne sie wäre das alles nicht passiert.
Lili sank auf die Knie. Gegen Mahagons Griff hatte sie keine Chance. Aber sie musste zu ihm...
Die Tränen rannten Lili hemmumgslos über das Gesicht, ihre Augen waren bereits rot und leicht geschwollen. Mahagon duckte sich zu ihr runter und versuchte ihr auf zu helfen. Nur schweren Leibes raffte Lili sich auf ihre Beine und schluchzte.
Wieso durfte sie nicht zu ihm?
Plötzlich ging eine knarrende, alte Holztür auf. Erst jetzt registrierte Lili, dass sie drei paar Treppen hinauf gelaufen war und sie sich in einem alten, engen Flur aufhielten. Das komplette Haus schien aus Holz zu bestehen. Es schien wohl nicht jünger zu sein, als sein Besitzer, stellte Lili fest, als sie einen alten, kleinen Mann aus der Tür kommen sah. Er war wirklich klein, sein Gesicht von Falten eingenommen. Er trug einen olivgrünen Blazer und eine braune Hose. Sein Gewicht stützte er auf seinen Gehstock ab. Unter den Falten guckten große Augen hinaus. Sein kleiner Bart über den schrumpeligen Lippen hatte eine geschwungene Form und ließen ihn etwas lustig aussehen. Doch Lili war nicht nach Lachen zu mute. War das etwa der Arzt?
Als der alte Mann Lili sah, riss er seine ohnehin schon großen Augen noch weiter auf.
"Um Himmels willen, meine junge Frau! Kann ich Ihnen helfen?", wollte der alte Mann wissen. Seine Stimme hatte etwas warmes und wirkte auf Lili beruhigend.
"Ich will zu ihm!", meinte Lili. "Bitte! Ich muss ihn sehen!"
Der alte Mann gestellte sich zu Lili und Mahagon und seufzte.
"Nun...", begann der Alte. "Der Zustand des Jungen ist sehr schelcht. Wir haben versucht ihn mit Zaubern zu heilen, doch diese scheinen ohne Wirkung. Was ich nur noch tun kann, ist mich um seine Wunde etwas zu kümmern."
"Dann bitte beeilen Sie sich!", flehte Lili.
Der alte Mann sah hoch zu Mahagon.
"Großer Mann, ich kann Ihre kräftigen Arme gut gebrauchen."
"Was haben Sie vor?", wollte Mahagon wissen.
"Nun. Ich müsste seine Wunde zuerst einmal säubern, das schaffe ich allerdings nicht alleine. Ich brauche zwei Hände, die mich unterstützen."
Der alte Mann stockte kurz.
"Na ja...ich glaube kaum, dass er dabei ruhig sein wird. Das könnte sehr schmerzhaft werden."
Daraufhin hielt Lili sich die Hand vor ihren Mund. Das durfte doch alles nicht wahr sein! Welchen Schmerzen hatte sie ihn da bloß ausgesetzt?
"Danach werde ich mal sehen was ich tun kann. Um ehrlich zu sein...ich weiß es nicht."
"Gibt es denn keine Möglichkeit seine Wunde zu schließen?", wollte Mahagon wissen.
"Na ja, das weiß ich noch nicht. Ich denke eher darüber nach, wie ich die inneren Wunden heilen kann. Seine Organe wurden schwer beschädigt. In diesem Zusatnd kann ich die Wunde nicht einfach schließen.", erklärte der alte Mann.
Lili hielt das nicht mehr aus. Sie spürte nur noch, wie ihre Beine wackelig wurden, bis alles um sie herum schwarz wurde.


Gespannt wartete die, sich bereits komplett eingefundene Truppe auf eine Nachricht des Arztes. Steiner saß am Sofa, auf welches sie Lili gelegt hatten, nachdem sie ohnmächtig geworden war. Auch sie hatte zu leiden, dachte Steiner sich. Doch er wollte sich nicht ausdenken, was Zidane zu leiden hatte.
"Eiko will, dass der Arzt jetzt kommt!", plärrte Eiko beleidigt in die Stille. Doch niemand reagierte, außer Vivi, welcher ab und zu vor sich hin schluchzte. Freya hatte einen stützenden Arm um den kleinen Schwarzmagier gelegt.
"Wie sollen wir dieses Chaos bloß wieder in Ordnung bringen? Alleine die Entführung der Königin, diese komische Tussi mit dem Hund und jetzt das noch!", grummelte Steiner, welcher verbissen darauf wartete, dass die junge Königin aufwachen würde.
"Darüber will ich gar nicht nachdenken.", meinte Mahagon. Darauf drehte Steiner sich rum und schenkte Mahagon einen beledigten Blick.
"Und worüber denkst du anstattdessen gerade nach?", wollte er angriffslustig wissen.
"Ich denke momentan über gar nichts nach."
"Lasst uns erstmal einfach warten. Uns jetzt den Kopf zu zerbrechen bringt uns gerade herzlich wenig.", warf Freya ein.
"Jaa...", schluchzte Vivi.
"Uh....", kam es von Lili.
Steiner drehte sich ruckartig zur jungen Königin um und sah, dass du junge Königin erwachte.
"Meine Köni...Lili! Seit Ihr in Ordnung?", wollte Steiner wissen, als diese ihre Augen öffnete und sich um sah. Ohne zu antworten setzt sie sich auf und blickte sich um, dann wanderte ihr Blick zu den Anwesenden, dann zu Steiner.
"Kein Traum...", meinte Lili.
"Was?", wollte Steiner wissen.
"Das war kein Traum...?", fragte Lili mit wackeliger Stimme.
"Äh....nein.", antwortete Steiner betroffen.
Geschockt blickte Lili auf ihre Decke. Dann riss sie diese ruckartig von sich runter und wollte aufstehen, doch Steiner hielt sie fest und drückte sie wieder auf das Sofa.
"Tut mir leid, aber Ihr braucht Ruhe.", meinte der Ritter.
"Ich kann jetzt nicht ruhig bleiben!!", fauchte Lili.
Erschrocken über diese Reaktion, versuchte Steiner jedoch sie weiterhin festzuhalten.
"Lili.", begann Freya und setzte sich zu ihr.
"Wir haben eine wichtige Information vom Arzt bekommen."
Lili sah sie gespannt an.
"Was? Was ist mit ihm?", wollte sie wissen.
"Nun", fuhr Freya fort. "Zidanes Zustand hat sich verschlechtert. Er hat starkes Fieber dazu bekommen, die Reinung seiner Wunde war sehr schmerzhaft für ihn. Er hat viel Energie verloren."
Lili wurde schlecht vor Angst.
"Was soll das heißen?", wollte sie verängstigt wissen.
"Der Arzt meint, er könne nichts mehr für ihn tun.", antwortete Freya. Auf diese Antwort war Lili wie versteinert. In diesem Moment regte sich in ihr keine Emotion mehr. Doch Mahagon fuhr fort:
"Aber jemand andereres kann das."
Daraufhin fasste Lili sich wieder und hörte Mahagon gespannt zu.
"Der alte Mann meinte, dass er Zidane zu einem speziellen Arzt bringen würde. Er meinte, dieser Arzt sei der beste Arzt, den Gaia gesehen hat."
"Wo ist dieser Arzt? Und wann bringen sie ihn weg?"
"Nun...", meinte Freya. "Der Arzt hat seine Frau eben raus geschickt, um ihn wohl zu holen. Ich denke mal, sie werden vielleicht gleich kommen."
"Hmh...", kam es aus Lili. Gespannt blickte sie auf ihre Decke.
"Kann ich zu ihm?", fragte sie leise, kaum hörbar.
"Ja, ich denke das dürfte gehen.", sagte eine alte Stimme. Die Truppe blickte auf den alten Mann, welcher sich in einen bunten Schlafanzug gekleidet hatte, dazu eine Zipfelmütze mit Bommel. Sein Krückstock begleitete ihn jeden Meter.
"Sein Zustand hat sich zwar nicht gebessert, aber er hat sich beruhigt. Ich wollte ihm kein Beruhigungsmittel verarbreichern, aus Angst, dass sein Körper dies vielleicht nicht mehr verträgt und sich sein Zustand noch weiter verschlechtert."
Lili wollte, ohne zu zögern, direkt aufstehen und zu ihm gehen, doch der alte Mann hielt sie auf:
"Es gibt da allerdings noch etwas."
"Was denn?", fragte Steiner für alle.
"Hmh....", dachte der alte Mann laut. "Also...ich denke, ihr könnt ihn alle nochmal besuchen, denn ich werde ihn nicht länger hier behalten, wie ich bereits erwähnt hatte."
Steiner wollte gerade protestieren, doch der alte Arzt fuhr fort:
"Um es kurz zu sagen: Ich kann nichts mehr für ihn tun. Magie funktioniert nicht. Seine Wunde kann ich nicht heilen, weil seine Organe ebenfalls beschädigt sind und mal ganz davon abgesehen, dass ich eh nicht weiß, wie ich das machen soll."
"Was soll das jetzt heißen?", fragte Vivi, der sich mittlerweile wieder gekriegt hatte.
"Hört gut zu.", begann der Arzt. "Ich habe eben meine Frau losgeschickt, um nach jemandem zu suchen. Ich werde den Jungen nicht hier behalten, sondern weiter geben. An einen besseren Arzt als ich. Er gilt als der beste Arzt, den Gaia momentan besitzt."
Steiner staunte nicht schlecht über den gerade gefallenen Titel.
"Wo ist dieser Arzt?", wollte Freya wissen.
"Tjaaa....das ist das Problem. Er ist ziemlich mobil. Er hält sich jeden Tag wo anders auf. Meine Frau ist momentan noch auf der Suche. Ich denke aber mal, dass sie bald zurück kommen wird. Weit ist der Arzt eh nie."
Vivi seufzte. Ihm schlug das ganze auch gehörig auf's Herz.
"Wenn meine Frau mit dem Arzt da ist, werde ich euch Bescheid geben. Soll ich jemanden wecken? Ich werde nähmlich heute Nacht Wache schieben. Man weiß ja nie, was alles noch passieren kann.", erzählte der alte Arzt.
"Hören Sie...", begann Freya.
"Nennen Sie mich doch bitte einfach Buck.", grinste der alte Mann.
"Ähm...okay, Buck. Also, es wäre sehr nett von Ihnen, wenn sie uns wecken würden. Aber bitte, lassen sie die beiden kleinen schlafen, okay?"
"Eiko und Vivi sind nicht klein!", protestierte Eiko. "Außerdem möchte Eiko auch wissen, wie es Zidane geht!"
"Schon klar, aber ihr seit noch so jung. Ihr braucht euren Schlaf.", meinte Freya freundlich.
Daraufhin lachte Buck: "Ha ha ha ha! Ich wünschte das würde meine Frau auch mal zu mir sagen!"
Freya lächelte ihn an, stand auf und vermachte Eiko und Vivi zu Bett zu gehen.
"Vielen Dank, dass Sie uns einige Betten zur Verfügung stellen.", bedankte sich Freya und ging mit den beiden kleineren in ihre Schlafräume. Quina folgte ihnen kurz darauf. Übrig blieben Mahagon, Steiner und Lili.
"Ich möchte zu ihm.", bat Lili, diesmal freundlich.
"Das kannst du, aber der starke Bursche sollte Sie vielleicht begleiten."
Das war Lili sehr recht, auch wenn sie nicht ganz wusste warum.
"Der Junge sieht nicht sehr gut aus, vielleicht sollten sie einfach jemanden dabei haben. Ich werde mich auf den Beobachtungsstuhl neben seinem Bett gesellen und Wache halten."
"Ich möchte auch dabei bleiben.", forderte Lili.
"Junges Fräulein.", sagte Buck und legte ihr eine Hand auf die Schulter. "Ich nehme mal an, dass Sie und der Junge eine engere Beziehung zueinander haben und ich weiß, wie es ist, in einer Situation wie Ihrer zu sein. Glauben Sie mir. Ich übe meinen Job schon seit 50 Jahren aus. Und aus dieser Erfahrung weiß ich, dass sie sich zu viele Vorwürfe machen. Sie sollten unbedingt zu Bett gehen. Das übernächtliche Wachen ist bloß meine Aufgabe oder die meiner Frau. Gäste haben nur Besuchszeiten und die müssen eingehalten werden. Also, bitte besuchen Sie ihn nochmal und dann gehen sie zu Bett, einverstanden?"
Lili rang wohl mit sich selbst.
"Ich werde Sie wecken, sobald der Arzt eingetroffen ist. Versprochen."
Lili blickte in das alte, aber freundliche Gesicht Bucks. Seine Worte und seine Mimik wirkten auf sie beruhigend und irgendwo hatte er ja schon Recht. Aber so wie sie sich kannte, würde sie sicherlich nicht mehr aus dem Zimmer hinaus gehen wollen. Und erst jetzt begriff sie, warum Buck auf Mahagons zusätzliche Anwesenheit bestand:
Falls sie sich wehren würde, den Raum zu verlassen, würde er sie mitnehmen.
Lili seufzte. "Okay..."
Buck grinste. "Na schön. Folgen Sie mir bitte."
Lili und Mahagon folgten dem alten Arzt, welcher sie zu dem kleinen Zimmer führte, indem Zidane war. Als Buck die Tür öffnete, musste er erst Licht anmachen. Doch Lili wartete nicht darauf, sondern eilte direkt zum Bett.
Dort lag er. Zidane. Lili erkannte seine Gesichtszüge im Dunkeln. Doch sie konnte erkennen, dass diese nicht sehr entspannt aussahen. Sie hörte ihn schwer atmen. Er atmete unregelmäßig und sehr schwer, nahezu keuchend. Das beunruhigte Lili. Sie wollte ihm gerade über die Stirn fassen, als Buck das Licht angezündet hatte und Lili auf einmal Zidane in dem Licht vollkommen erkennen konnte. Sie schrak zurück über seinen Anblick:
Er war nahezu leichenblass! Er war nassgeschwitzt und sein Gesicht strahlte gehörige Schmerzen aus. Meinem Ruck kamen Lili wieder die Tränen. Er sah so scheußlich aus....so erbärmlich. Und das nur wegen ihr! Das war alles ihre Schuld! Vorsichtig wollte sie ihm eine blonde Strähne aus dem Gesicht streichen. Als sie seine Haut berührte, spürte sie die ungeheure Hitze, die er ausstrahlte. Sein Fieber war ebenfalls nicht zu unterschätzen.
Mahagon hatte sich mittlerweile neben ihr eingefunden und starrte wie versteinert auf den blonden Genom, der gerade wie ein Häufchen Elend im Bett lag und um sein Überleben kämpfte. Buck gesellte sich zu den beiden und meinte:
"Meine Frau und der Arzt dürften bald wieder hier sein. Bitte versuchen Sie nicht ihn zu wecken, er muss schlafen."
Lili wischte sich verzweifelt die Tränen vom Gesicht, wobei diese immer wieder die Oberhand ergriffen. Dann nahm sie Zidanes linke Hand in ihre und betete in sich hinein, dass er überleben würde. Dass es ihm bald wieder gut gehen würde und sie sich bei ihm entschuldigen könnte. Ob er ihr verzeihen würde oder nicht, das war ihr egal.
Es vergingen einige Minuten, die Lili und Mahagon schweigend den jungen Genom betrachteten. Niemand sagte etwas. Man konnte nur das schwere Atmen Zidanes vernehmen.
Nach einiger Zeit begann Buck wieder zu reden:
"Junges Fräulein, mein starker Herr. Ich muss Sie jetzt leider bitten zu gehen. Sie sollten zu Bett gehen."
Lili drückte Zidanes Hand fester, in der Hoffnung, er würde dies vielleicht mitbekommen. Doch Zidane reagierte nicht. Mahagon legte Lili eine Hand auf die Schulter und deutete an, zu gehen. Daraufhin stand Lili auf, gab Zidanes Hand einen Kuss auf die Handoberfläche und ließ diese dann erst sinken. Nach einem weiteren Blick auf sein schmerzverzogenes Gesicht ließ sie sich endlich von Mahagon nach draueßen bringen.
Lili war sich ziemlich sicher, dass sie nicht schlafen könnte. Doch ihre Augen brannten so vor lauter Weinerei, dass sie binnen Minuten eingeschlafen war.


"POK POK POK!"
Ein dreifaches Klopfen ließ Buck, der nun seit zwei Stunden Wache gehalten hatte, aufstehen. Seine Frau kam zur Tür hinein, gefolgt von einem jungen Mann.
"Aaah, Guten Abend!", begrüßte Buck den Arzt und wollte ihm die Hand geben. Doch bei einem Blick auf das Gesicht des Mannes, sah Buck, dass es sich nicht um den bestellten Arzt handelte.
"Oh! Sie sind es, junger Mann! Haben Sie denn den Arzt nicht dabei?", fragte Buck freundlich.
"Nein.", meinte der junge Mann und stellte an einem Nachtschrank, direkt neben der Tür, ein schweres Schwert, gekröhnt mit einer Art Feuerdrachen unter dem Griff, ab. Das Schwert sagte bereits aus, dass es Kraft forterte.
Bucks Frau nickte ihm zu und schloss dir Tür hinter sich. Danach folgte sie die drei Schritte dem jungen Mann, welcher an das Bett getreten war, um zu sehen, um wen es sich handelte.
"Ist er das?", wollte er wissen.
"Ja.", antwortete Buck.
Der junge Mann sah sich Zidane an und meinte: "Wie schwer sind seine Verletzungen?"
In seiner Stimme klang nicht viel Gefühl, als auch gar Interesse mit. Buck jedoch kannte ihn und wusste, wer er ist. Er kannte den jungen, starken Mann, der gerade neben ihm stand. Vielen kannten ihn.
"So schwer, dass wir keine Zeit haben, um dies zu besprechen. Bitte tun Sie etwas und zwar schnell!"
"Ich sehe seinen Zustand. Ich bin kein Arzt, der ist nicht hier. Ihre Frau ist mir über den Weg gelaufen und hat mich gebeten mit ihr zu kommen. Unser Chef ist momentan nicht auf festem Boden, deshalb werde ich ihn mitnehmen."
"Gut....ähm...Und wann kann ich mit dem Jungen wieder rechnen?", erkundigte sich Buck.
"Das kann ich Ihnen nicht sagen. Sobald er geheilt ist, werde ich ihn wieder hier hin bringen. Sind noch andere hier?"
"Ja, ein paar Freunde von ihm sind hier. Ich werde ihnen Bescheid geben, dass sie ihn mitgenommen haben."
"Einverstanden. Wie lautet sein Name?", wollte der junge Mann wissen.
"Er heißt Zidane!", antwortete Bucks Frau, da Buck selber sehr mit Altsheimer zu kämpfen hatte.
"Charline, meine liebe. Geh doch bitte schon schlafen. Ich werde noch mit raus gehen. Danach gebe ich Zidanes Freunden dann Bescheid."
"Okay. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg! Gute Nacht!", wünschte Charline und verließ den kleinen Raum.
"Soll ich Ihnen noch irgend etwas mitgeben?", erkundigte sich Buck.
"Nein, das dürfte gehen.", antwortete der junge Mann und legte Zidanes Decke zur Steie.
"Bitte, seien Sie sehr vorsichtig! Er hat eine große Wunde am Bauch, als auch an den Organen. Bitte, bitte seien Sie sehr vorsichtig."
Der junge Mann sah Zidane erneut an. Währenddessen sah Buck zu dem jungen Mann. Trotz der Desinteresse in seiner Stimme, konnte Buck unter seinen Haaren, welche den Blick auf das Gesicht schier erschwerten, einen ernsten Ausdruck erknenen.
"Wird er es überstehen?", wollte Buck wissen.
"Ich weiß es nicht.", meinte der junge Mann, packte Zidane und nahm ihn auf den Rücken. Dabei stöhnte Zidane schmerzerfüllt und verzerrte sein ohnehin schon Schmerz verzerrtes Gesicht noch mehr.
Buck folgte dem jungen Mann nach draußen in die sternklare Nacht.
"Wo werden Sie ihn hinbringen?", fragte Buck.


Nach zwei vergangenen Minuten fand Buck sich in dem Behandlungszimmer wieder, wo zuvor der blonde Junge gelegen hatte. Wie war sein Name noch gleich?
....ach egal, dachte er sich.
Er legte seinen Gehstock kurz zur Seite und griff nach einem Glas Wasser. Doch währenddessen würde ihm schwindelig und er begann leicht zu taumeln. Daraufhin ließ er das Glas fallen, welches in tausende Scherben zersprang und laut aufknallte.
Diesen Knall hatte Charline, welche noch wach gewesen war gehört und beschloss nochmal gucken zu gehen. Als sie den kleinen Raum betrat, sah sie ihren Mann am Boden liegen und schrie.


Warme Sonnenstrahlen kitzelten die leicht gereizte Haut der jungen Königin. Als Lili ihre Augen öffnete, erhoffte sie auf eine weiße Decke zu blicken, wie sie es aus ihrem Gemach gewöhnt war. Doch die alte Holzdecke, auf die sie starrte, sagte ihr, dass sie in dem alten Arzthaus war, in das sie Zidane gebracht hatten.
Zidane?
"Zidane!", rief sie leise. Sofort schlug sie ihre Decke zur Seite und weckte somit Freya und Eiko. Ohne Rücksicht zu nehmen fiel sie gradewegs über die beiden nun wach gewordenen Frauen fast drüber und eilte zur Tür hinaus. Bei dem Gepolter, welches sie hinterließ, hatte sie auch wohl die Jungs geweckt, aber das war ihr im Moment völlig egal.
Leise öffnete sie die Tür, in der sie Zidane drinne zu liegen gehoffte hatte, doch sie sah bloß sein leeres Bett. Sofort kam in ihr ein unwohles Gefühl auf. Er war doch wohl nicht etwa...?
Lili schluckte diesen Gedanken runter und rannte die Treppen hinunter, um nach Buck zu sehen und ihn zu fragen. Doch sie fand ihn nicht. Irgendwann fand sie die Küche, in der seine alte Frau weinend an dem Esstisch saß und in das wohl hundertste Taschentuch schniefte. Ohne zu zögern eilte Lili zu ihr und wollte wissen, was passiert war:
"Charline, was ist passiert? Wo ist Buck? Und wo ist Zidane? Wie geht es ihm?"
Charline schluchzte, was Lilis ungutes Gefühl immer mehr unterstrich.
"Buck....Buck ist...." Charline schluchzte erneut und schniefte in ihr aktuelles Taschentuch.
"Charline, bitte!", druckste Lili herum.
"Er ist tot.", heulte Charline und Lili durchfuhr ein Schock. Zidane war tot?!
"Buck....Buck ist tot." Erneut jagte Lili ein Schauer über den Rücken.


Währenddessen hatte sich der Rest der Truppe im großen Gästeesszimmer eingefunden.
"Wo ist Lili?", wollte Vivi wissen, der gerade seine Bommelschlafmütze zurecht rückte, die Buck ihm letzte Nacht geschenkt hatte.
"Sie ist sicher nach Zidane sehen.", meinte Freya.
"Eiko will auch nach Zidane gucken gehen!", protestierte Eiko.
"Wir werden gleich nach ihm sehen. Zuerst einmal sollten wir Buck begrüßen und ihn um Erlaubnis fragen.", erklärte Freya.
"Aber Lili ist auch ohne Erlaubnis gegangen!", wehrte die kleine Esper ab.
"Nun ja, Lili hat auch eine etwas andere Bindung zu ihm.", antwortete Freya.
Daraufhin kam plötzlich Lili aus der kleinen Küche hinaus. Ihr Gesicht war tränenüberströhmt und sie sah strickt auf den Boden. Kurz bevor sie stolprte, konnte Steiner sie rechtzeitig auffangen.
"Garne....Lili! Was ist passiert?"
Lili jedoch antwortete nicht, sondern sah weiterhin auf den Boden.
Steiner rüttelte leicht an ihr und fragte sie lauter:
"Lili! Was ist passiert?!"
Erst jetzt sah Lili langsam zu ihrem Ritter hoch.
"Ist...ist Zidane etwa.....tot?", wollte Eiko geschockt wissen.
Bei diesem Satz spannten sich die Anwesenden an.
"Buck....", begann Lili. "Buck ist tot."
"Was?", erschrak die Truppe und riss ihre Augen auf.
Lili fuhr fort:
"Er hatte einen.... Herzinfakt und....Charline hat ihn heute Nacht gefunden. Er war zu alt."
"Und was ist mit Zidane?", fragte Mahagon.
Darafhin liefen neue Tränen an Lilis Wangen hinunter.
"Er...er ist weg! Er war einfach nicht mehr da! Und Charline weiß nicht, wo er sein könnte. Er war einfach weg. Buck wusste es sicherlich, aber....er ist tot. Und keiner weiß nun, wo er steckt."
Es brach ein Schweigen aus. Zidane war weg? Er konnte doch nicht weit gekommen sein?
"Charline sagt....ein junger Mann war hier. Er war nicht der Arzt. Was sie gemacht haben, weiß sie nicht, weil sie sich schlafen gelegt hat. Sie macht sich Vorwürfe."
Daraufhin kam keine Antwort. Man hörte nur noch Lilis Schluchzen und das Schluchzen Charlines im Nebenraum.
Keiner wusste was zu sagen. Zidane konnte unmöglich alleine fort gegangen sein! Seine Wunden wären über die Nacht niemals verheilt. Er war zwar immer für Überraschungen zu gebrauchen, aber das war wirklich vollkommen ausgeschlossen.
Doch wo sollte er jetzt sein?
Freya ging zu Lili und legte ihre Arme um sie, um sie zu trösten.
Wo sollte Zidane hin sein?
Wo...?
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