Ohne ihn [BBC Robin Hood]

GeschichteDrama / P12
Much Robin
26.03.2011
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26.03.2011 1.152
 
Much war einfach alles was Robin hatte.
Er war sein Diener, seine Welt, seine Heimat, seine Hoffnung und seine Liebe.
Sein bester Freund.
Ohne ihn, würde es das alles nicht mehr geben.
Ohne ihn, gab es einfach keinen Robin.


Much hielt die Tränen zurück, als Robin mit einem Grinsen vor ihm stand. Ein Grinsen, welches einfach nicht zu seinen Augen passen wollte, weil sie so viel Schmerz verrieten.

„Much…du bist mein bester Freund.“

Er spürte Robins Finger in seinem Nacken, seine warmen Hände zwangen ihn sein Gegenüber anzusehen.
Sein Tuch rutschte ihm vom Kopf, seine Augen brannten, als salzige Tränen sich nun doch herauskämpften wollten.

Robin zog ihn zu sich und Much konnte nicht anders, als sein Gesicht in die Schulter seines Freundes zu vergraben. Ein Keuchen entwich ihm, als er seine Arme um seinen Herrn schlang, ihn festhielt, als wollte er ihn nie wieder loslassen.

Much atmete hastig, jeder Atemzug flackerte wie Feuer in seinen Lungen und doch sog er gierig den Duft ein, der von dem schmutzigen Leinen ausging, in welches Much seine Nase drückte.
Es roch süßlich, nach Erde und Moos. Nach Blättern und Beeren.
… nach Robin.  

Doch sein Freund riss sich los, nahm den Duft sowie die tröstende Wärme seines Körpers mit sich und ließ Much in eisiger Kälte zurück.
Der Diener wandte sich ab, als Robin sich auch von der restlichen Truppe verabschiedete.
Verloren ging er ein paar Schritte und wirbelte totes Laub vor sich auf, blickte auf den Boden, ohne wirklich etwas zu sehen.

Er hörte die Stimmen hinter sich kaum, in seinen Ohren rauschte es, sein eigener Herzschlag pochte in seinem Kopf. Der letzte Kampf war geschlagen, doch der Preis war hoch. Viel zu hoch.

Much wollte schreien, doch jeder Laut in seiner zugeschnürten Kehle wurde von Grund auf erstickt.
Sie hatten so viel gekämpft, so viel erreicht und auch so viel verloren. In diesem Moment war der Sieg über den Sheriff einfach nur nichtig und klein. Es war einfach nicht fair.

Little Johns Hand auf seiner Schulter fühlte sich seltsam schwer und dumpf an. Er blinzelte, klärte seinen Tränenschleier und blickte zu Robin auf, der zur Lichtung vor ihnen wankte und dort kurz stehen blieb.

Sonnenlicht ließ sein braunes Haar schimmern und seine blasse Haut noch kränklicher wirken, sein schwerer Atem konnte Much nur zu deutlich hören.
Das Gift in seinem Körper schwächte ihn, lähmte ihn, bald würde es ihn töten.
Der Diener wusste viel Zeit blieb nicht mehr.
Sein Herr setzte seinen Weg fort und Much blickte wie gebannt auf seinen Rücken, fühlte den starken Impuls ihm zu folgen. So wie er es all die Jahre lang getan hatte.

Robin wollte alleine sein, deswegen zog er sich zurück. Wie ein verletztes Tier, um einsam zu sterben.
Doch Much konnte diesen Wunsch nicht respektieren, dieses eine Mal noch, würde er sich seinem Herrn widersetzen. Er konnte Robin nicht einfach so gehen lassen.

Niemand hielt ihn auf, als er losging, entschlossen und dennoch vorsichtig.
Seine Füße traten sachte auf die Blätter, verursachten kaum einen Laut, als sie Robins Weg tiefer in den Wald hinein folgten. Er wischte sich über die Augen, schluckte den Kloß im Hals hinunter, er musste jetzt stark sein. Egal wie sehr ihm das Herz dabei wehtat.

Robin lehnte seinen kraftlosen Körper gegen einen Baumstamm, die Atemzüge unregelmäßig, die leisen rasselnden Geräusche aus seinem Mund ließen Muchs Herz weiter zusammenkrampfen.
Es war seine Aufgabe Robin zu beschützen. Seit er zurückdenken konnte, war er an seiner Seite gewesen.
Seinen Herrn so schwach und verwundbar zu sehen, konnte er kaum ertragen.

Er trat weiter vor, aller Konsequenzen zum Trotz, er wollte, dass Robin wusste, dass er hier war. Bei ihm.
Auch wenn er sauer werden würde. Und insgeheim wollte Much, dass er sauer wurde, dass er ihn wegschickte, dass er ihn anschnauzte, ihn anschrie und egal was passierte, Much würde bleiben.

Die eiserne Mine, mit der er seinem Freund gegenüber stand, bröckelte in Sekundenbruchteilen.
Tränen traten in seine Augen zurück, als Robin zu ihm aufblickte, den Kopf noch immer gegen die Baumrinde gelehnt, zu wenig Kraft um ihn anzuheben. Ihre Blicke trafen sich für einen Moment, Muchs Hände ballten sich zu Fäusten und seine Fingernägel bohrten sich in sein Fleisch, den Schmerz spürte er kaum.

Robins blaue Augen überzog ein glasiger Schleier, Much war sich nicht sicher, ob er ihn überhaupt noch richtig sehen konnte, trotzdem sahen sie weiter einander an.
Die zittrige Hand, die sich nach ihm ausstreckte, ließen seine Tränen wieder über seine Wangen rollen.
Much wollte sie ergreifen, sie festhalten, doch sein Körper bewegte sich nicht.

Stumm und mit geröteten Augen sah er zu, wie das Gift in Robins Körper seinen Tribut forderte und seine Hand schlaff auf seinen Schoß zurückfiel. Der leise Seufzer, der nach seinem Namen klang, war das Letzte was Much hörte.

Stille.

Stille herrschte um ihn herum. Sein eigener Atem drang nicht mehr an seine Ohren, selbst sein Herz gab kein Pochen mehr von sich, vielleicht hatte es auch ganz einfach vergessen weiter zu schlagen, Much war es gleich.

Seine Sicht verschwamm, vor seinem Freund fiel er auf die Knie, seine Hand streckte sich nach jener aus, die er viel zu spät zu fassen bekam. Sie war eiskalt. Genauso wie Much sich fühlte. Eiskalt.

Much schüttelte den Kopf, wollte nicht wahrhaben, was soeben passiert war, doch tief in sich drin, wusste, er, dass dies das Ende war. Er atmete keuchend und unkontrolliert, presste sein Gesicht in das schmutzige Leinen. Es roch nach Erde und Moos. Nach Blätter und Beeren. Aber nicht nach Robin.

Er schlang seine Arme um seinen Herrn und drückte den leblosen Körper an sich, als wollte er ihn nie wieder loslassen. Ein Wimmern entkam seinen Lippen, denn die Umarmung blieb unerwidert.

Much konnte Schreie hören. Wehklagend und schmerzlich. Schreie von Robins Namen, die seltsam dumpf und weit entfernt klangen.
Er schloss die Augenlider, sehnte sich die Stille zurück, doch die Schreie wurden nur lauter.
Und als seine Augen verquollen, seine Wangen von den vielen Tränen aufgeweicht, sein Körper taub und sein Hals heiser war, da merkte er, dass er es war, der schrie.

Er verstummte augenblicklich, japste nach Luft, während sich seine verkrampften Finger nur langsam von Robins Oberteil lösten.

Er zwang sich seinen Freund anzusehen, er blickte in das bleiche, leblose Antlitz. Er hätte alles getan darauf noch ein letztes Mal ein Lächeln zu sehen.

„Robin…du bist…warst mein bester Freund.“

Much hatte keine Tränen mehr, die er zurückhalten konnte und wie zum Abschied drückte er sanft Robins Hand, eiskalt, wie seine eigene. Als er ihn endgültig losließ, war in seinen Augen nichts als Schmerz zu sehen.
Es war, als hätte sein Herz nun endgültig aufgehört zu schlagen.


Robin war einfach alles was Much gehabt hatte.
Er war sein Herr und Meister, seine Welt, seine Heimat, seine Hoffnung und seine Liebe.
Sein bester Freund.
Ohne ihn, gab es das alles nicht mehr.

Ohne ihn, gab es einfach keinen Much.
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