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Zuhause im Doppelglück

von Kringla
Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P16 / Gen
Eva Brenner John Kosmalla
24.03.2011
24.03.2011
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24.03.2011 1.792
 
Seufzend wischte sie sich die Schweißperlen von der Stirn. Eigentlich war es viel zu warm zum Arbeiten, aber in zwei Tagen musste das Haus fertig sein. Also musste sie weiter arbeiten. Obwohl gegen eine kleine Pause wohl nichts einzuwenden war. Außerdem musste sie sowieso noch einmal einen Blick auf die Baupläne werfen. Mit schnellen Schritten machte sie sich auf den Weg zum Bürocontainer. Ihre Freude auf ein paar Minuten alleine sein wurde zerstört, als sie die Tür öffnete. Es war bereits jemand dort.

„Hey John.“ Er drehte sich um und lächelte sie kurz an. „Eva, alles klar?“ Die Angesprochene nickte nur und stellte sich neben ihn. Stille herrschte, während sie die Pläne auf dem Tisch vor ihnen musterten, aber eigentlich beide ihren eigenen Gedanken nachhingen. „Nachtschicht?“ Seufzend sah sie ihn an, nickte dann aber. Es war wirklich noch viel zu tun. „Ich werd‘ mich dann wieder an die Arbeit machen.“ Sie drehte sich um und wollte wieder gehen, doch er hielt sie am Handgelenk fest. Erstaunt sah Eva ihn an. „Was ist los, John?“ Mit der freien Hand strich er ihr die losen Haarsträhnen aus dem Gesicht, wobei er sanft über ihre Wange streichelte. „Ich will dir – und mir – nichts mehr vormachen“, murmelte er. Dann drückte er seine Lippen auf ihre.

Zuerst stand sie nur wie versteinert da, doch als die Architektin realisierte, was gerade passierte, seufzte sie leicht und erwiderte den Kuss. Ihre Hände wanderten in seinen Nacken, während seine an ihrer Hüfte lagen. Nach einigen endlos erscheinenden Minuten lösten sie sich schwer atmend wieder von einander. „Du kannst dir nicht vorstellen, wie lange ich mir das gewünscht habe.“ Wieder strich John ihr die Haare zurück. „Doch“, erwiderte sie mit heiserer Stimme, „Ich kann es mir denken.“ Beide lächelten, bevor sich ihre Lippen wieder trafen. Sie keuchte auf, als er sie hochhob und vor sich auf den Schreibtisch setzte. Seine Hände wanderten unter ihr T-Shirt, welches er ihr schließlich einfach über den Kopf zog. Auch sie war gerade dabei, sein Hemd aufzuknöpfen, als sie draußen Schritte hörten.

In Panik geratend griff sie zu ihrem Oberteil und streifte es wieder über. Auch er knöpfte eilig sein Hemd wieder zu. Die Schritte kamen näher. „Deine Haare“, raunte Eva ihm zu, worauf er sich schnell durch die Haare fuhr, um sie wieder in ihre normale Form zu bringen. Währenddessen sprang sie vom Tisch herunter und ordnete die durcheinandergeratenen Baupläne wieder etwas. Die Türklinke wurde heruntergedrückt. Die Tür ging auf. „Eva, John, gut, dass ich euch treffe.“ „Was gibt’s denn, Wolfgang?“, fragte sie sogleich nach. „Wir haben ein Problem in der Küche. Die Arbeitsplatte passt nicht.“ Seufzend erwiderte John: „Ich komme gleich und schau’s mir an.“ Der Bauleiter nickte und verließ den Container wieder. Der Architekt drehte sich zu Eva. Er zog sie wieder in die Arme. Sie lehnte ihren Kopf gegen seine Schulter. „Ich mag dich wirklich mehr, als ich sollte“, flüsterte er und hauchte einen sanften Kuss auf ihr Ohr. Sie sah zu ihm hoch und murmelte leicht lächelnd: „Ich mag dich auch verdammt gerne.“ Ihre Lippen trafen sich erneut zu einem schüchternen Kuss. „Ich muss jetzt los“, murmelte er gegen ihre Lippen, von denen er sich am liebsten nie wieder trennen wollte. Sie löste den Kontakt und nickte. Er hielt noch ihre Hand, als er sich umdrehte und ließ sie auch erst los, als er die Tür erreichte.

Eva blieb noch einen Moment an ihrem Platz stehen und versuchte ihre Gedanken zu ordnen. So lange hatte sie schon davon geträumt, ihrem Kollegen endlich näher zu kommen, aber er war immer eher distanziert gewesen und nur der gute Freund. Sie hatte die Hoffnung aufgegeben, doch jetzt war sie so glücklich wie schon lange nicht mehr. Mit einem zufriedenen Seufzer verließ nun auch sie das Büro und machte sich wieder an die Arbeit.


Der Abend kam und das ganze Team kam überein, dass eine Nachtschicht dringend benötigt wurde. So schufteten sie weiter. Kurz vor Mitternacht verließen die Ersten die Baustelle und gegen ein Uhr waren die beiden Architekten alleine. Sie standen im Flur des Hauses und sahen sich nur an. „Machen wir noch einen Rundgang?“, fragte John und küsste sie sanft, bevor sie antworten konnte. „Ja“, erwiderte sie, nachdem er den Kuss gelöst hatte, „Dann wissen wir morgen, wo wir noch besonders drauf achten müssen.“ Er nickte, nahm ihre Hand und gemeinsam gingen sie so durch die Räume.


Eine Stunde später standen sie auf dem Flur vor ihren Hotelzimmern. Er hielt sie fest im Arm und raunte ihr sanft ins Ohr: „Ich will heute Nacht nicht alleine sein.“ Sie sah ihn aus müden Augen an und lächelte leicht. „Ich auch nicht“, flüsterte sie zurück. Und so zog er sie mit in sein Zimmer. Natürlich wollten sie am liebsten das fortsetzen, wo sie am Nachmittag von Wolfgang gestört worden waren, doch sie waren einfach zu müde. Mit einer Boxershort und einem T-Shirt von ihm bekleidet, kuschelte sie sich unter die Bettdecke, während er noch kurz im Bad verschwunden war. Alles roch nach ihm. Sie atmete seinen herben Geruch tief ein. Die Augen hatte sie geschlossen, aber sie schlief noch nicht. Als er sich zu ihr legte, öffnete sie die Augen wieder. Sein Gesicht war ihr verdammt nah. Sie konnte seinen Atem auf ihrer Haut spüren. Sachte hauchte sie ihm noch einen Kuss auf den Mund, bevor sie sich in seine Arme kuschelte. Er drückte seine Lippen auf ihren Scheitel. Beide schliefen mit einem glücklichen Lächeln im Gesicht ein.


Am nächsten Morgen brauchte Eva nach dem Aufwachen einen Moment, um sich zu orientieren. Doch als sie realisierte, dass jemand von hinten die Arme um sie geschlungen hatte, wusste sie wieder, wo sie sich befand. In seiner Umarmung drehte sie sich um und rückte noch etwas näher an ihn. „Schon wach?“, hörte sie seine Stimme an ihrem Ohr. Sie gab nur ein leises Brummen von sich. Zärtlich fuhr John ihr durch die Haare. „Wie spät ist es eigentlich?“, nuschelte sie ein paar Augenblick später. „Wir haben noch eine halbe Stunde, bevor der Wecker klingelt“, antwortete er. Zufrieden seufzend legte sie ihren Kopf auf seinen Bauch, welchen sie in eben diesem Moment zu ihrem neuen Kuschelkissen ernannt hatte.

Ihnen waren aber nur noch ein paar Minuten der Zweisamkeit gegönnt, dann meinte jemand an die Tür klopfen zu müssen. Grummelnd stand John auf. „Wolfgang?“, fragte er etwas erstaunt. „Tut mir leid, dass ich dich schon wecken muss, aber Eva scheint mich nicht zu hören und es ist wirklich dringend.“ Seine Wangen wurden leicht rot, als der Bauleiter Eva erwähnte, aber er konnte ja nicht wissen, dass sie ihn in ihrem Zimmer gar nicht hören konnte. „Was ist denn los?“, wollte der Architekt nun wissen. „Wir haben einen Rohrbruch im Haus“, antwortete der Ältere. „Was?“, rief John erstaunt aus. „Das ist nicht wahr, oder?“, fragte auch Eva, die aus dem Bett gesprungen und zu den beiden Männern gelaufen war. Als sie den verwirrten Blick des Bauleiters bemerkte, lief sie augenblicklich rot an und auch Johns Gesichtsfarbe ähnelte eher der einer reifen Tomate. „Na, da brauch ich mich ja auch nicht wundern, warum ich erfolglos an deine Tür geklopft habe“, sagte er grinsend und fügte noch hinzu: „Ich hab mich schon gefragt, wann dieser Tag endlich kommen wird.“ Jetzt war er es, der zwei irritierte Blicke erntete. Also erklärte er: „Es ist ziemlich offensichtlich, dass ihr ineinander verliebt seid. Nur ihr habt es nicht bemerkt. Im Team gibt es sogar schon Wetten, wann ihr es endlich begreift.“ Er fing an zu lachen, während die beiden Verliebten sich etwas verzweifelt ansahen. „Was ist denn jetzt mit der Baustelle?“, fragte Eva schließlich, um wieder auf sein eigentliches Erscheinen zurückzukommen.


Eine Stunde später war das gesamte Team auf der Baustelle. Das totale Chaos war ausgebrochen. Tatsächlich hatte es im Keller einen Rohrbruch gegeben, der jetzt möglichst schnell wieder behoben werden musste. Zum Glück waren dabei keine der renovierten Zimmer beschädigt worden, sodass dort die Arbeit halbwegs normal weitergehen konnte.

Für die Zeit der Mittagspause kehrte endlich etwas Ruhe ein. John saß bereits mit Wolfgang, Matti und Danilo an einem Tisch, als Eva hineinkam. Zielstrebig kam sie auf ihn zu, blieb lächelnd vor ihm stehen und beugte sich vor, um ihn leicht zu küssen. Alle Gespräche im Raum verstummten. Alle Blicke waren auf sie gerichtet. Die beiden grinsten, während ihr Team anfing zu klatschen. „Endlich!“, rief Mike und Danilo fragte nur: „Wie lange?“ Die beiden sahen sich an, dann antwortete Eva grinsend: „Seit gestern. Und wer hat jetzt die Wette gewonnen?“ „Ihr wisst davon?“, fragte Matti nun erstaunt und diesmal sorgte der Bauleiter für die Erklärung: „Ich hab’s den beiden heute Morgen erzählt, als ich sie in einem Zimmer angetroffen habe.“ „Wer hat denn jetzt gewonnen?“, meldete John sich nun ebenfalls grinsend zu Wort. „Matti, hast du die Liste?“, fragte Danilo seinen Tischnachbarn, welcher kurz nickte und einen zusammengefalteten Zettel aus seiner Jackentasche holte. Nach einem prüfenden Blick verkündete er: „So wie’s aussieht, hat keiner darauf gewettet, dass es bei dieser Baustelle noch soweit ist.“ Kollektives Seufzen und Aufstöhnen war die Folge. „Und was machen wir jetzt? Wer ist denn am nächsten dran?“ Wieder prüfte Matti die Liste. „Betti. Nächste Baustelle, zweiter Tag.“ Die Malerin grinste: „Na dann mal her mit meinem Gewinn.“ Wolfgang stand auf und holte etwas aus einem kleinen Schrank, der an der Wand stand. Als Eva und John genauer hinsahen, erkannten sie, dass es sich um ein kleines Glas handelte, welches gefüllt war mit Kleingeld. „Aber zählen musst du selber“, sagte der Bauleiter lachend, als er ihr das Glas überreichte. „So, und wer hat am schlechtesten gewettet?“, wollte Mike jetzt wissen. Nach einem weiteren Blick, antwortete Matti: „Mit der Aussage, dass sie es wahrscheinlich in den nächsten zwei Jahren noch nicht gerafft haben, hat ganz eindeutig verloren unser lieber Wolfgang.“ Lachen brach aus, während die Frischverliebten gespielt beleidigt zum Bauleiter sagten: „Du hast wirklich gedacht, dass wir so lange brauchen?“ Der Angesprochene zuckte nur mit den Schultern und murmelte dann: „Nachdem das jetzt schon ein Jahr lang so geht, hätte mich echt gar nichts mehr gewundert.“ „Ihr macht das schon ein Jahr?“, rief Eva entsetzt und auch Johns Gesichtsausdruck sprach Bände. Währenddessen hatte Matti eine Sprühdose herbeigezaubert, die er nun vergnügt schüttelte. „Darf ich den Herrn dann bitten sich zu setzen?“ Er deutete auf den leeren Stuhl, auf dem Wolfgang sich seufzend niederließ. Breit grinsend begann Matti, seine Haare mit der Farbe zu besprühen, sodass der Bauleiter sich nun über eine pinke Haarpracht freuen konnte.

Die beiden Architekten beobachteten das Ganze schmunzelnd und als sie sich einen Moment unbeobachtet fühlten, zog er sie auf seinen Schoß und verwickelte sie in einen zärtlichen Kuss. „Ich liebe dich, John“, murmelte sie gegen seine Lippen. „Ich liebe dich auch, Eva“, erwiderte er. Dann wurde der Kuss leidenschaftlicher.
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