Professor Layton und das letzte Rätsel

GeschichteDrama / P12
Hershel Layton Luke Triton
23.03.2011
23.03.2011
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Zu dieser kurzen FF wurde ich inspiriert, nachdem ich das erste Layton-Abenteuer durchgespielt und mich im Internet weiter über die Layton-Reihe und ihre Charaktere informiert hatte.
Heute Morgen hatte ich zudem zwei Freistunden und irgendwie muss mich im morgendlichen Buss-Gedrängen die Muse gestriffen haben, auf jeden Fall habe ich, mit dem PL Soundtrack im Ohr, diese kurze, und leider auch sehr traurige FF geschrieben.
Und wer wissen möchte, was es mit dem "letzten Rätsel" auf sich hat, der kann ja mal ausknobbeln:
http://animexx.onlinewelten.com/fanart/zeichner/115176/1860374/

Und jetzt gibt es diese Geschichte auch zum anhören, und ansehen:
"Professor Layton und das letzte Rätsel - Das Fanhörspiel"
http://www.youtube.com/watch?v=_E8KH4vXFJA

So in etwa, würde ich mir das entgültige Ende der Layton-Saga vorstellen, auch wenn ich immer rnoch der Meinung bin, das Hershel ein Happyend verdient hätte. ^^ Daher hoffe ich insgeheim, das es nie ein solches Ende geben wird.
Übrigens, wer erfahren möchte, was der Professor Luke noch für eine Nachricht mit auf den Weg geben wollte, der muss, wie sollte es im Layton-Universum auch anders sein, ein Rätsel lösen. ^^
(Link siehe oben. ^^)
Viel Spaß mit dieser FF und dem Rätsel und falls es euch gefällt, seit doch so lieb und hinterlasst ein Kommi, ja? Die sammel ich nämlich. ^^

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Es war ein seltsamen Gefühl für ihn, wieder an diesem Ort zu sein. Die Lautstärke der Stadt hieß ihn willkommen als er das Schiff verließ und er dachte an die Zeit, als er zum ersten Mal diesen Hafen betreten, zum ersten Mal die Glocken des Big Ben gehört hatte und zum ersten Mal durch die Stadt gegangen war. Er erinnerte sich genau...

„Komm, mein Junge, wir müssen uns beeilen. Hier wartet niemand gerne.“ „Ich komme schon, Professor!“ So schnell er konnte, lief der Junge hinter dem Mann her, der ihn gerade ermahnt hatte und stolperte dabei prompt über seine eigenen Füße. Er strauchelte und drohte von der Gangway ins Hafenbecken zu fallen, als er im letzten Augenblick am Arm gepackt und wieder auf die Planke gezogen wurde. Er sah zu seinem Retter auf, welcher nur mit den Fingern an die Krempe seines Zylinders tippte und mit einem Lächeln meinte: „Na, na, Luke. So eilig haben wir es dann doch nicht.“ Einen Moment lang war der Junge verwirrt, dann musste er lachen. Der Professor half ihm wieder auf die Beine und während Luke seine Mütze wieder gerade rückte, schaute er sich um. Es verschlug ihm die Sprache: „Wow! Ist das alles..?“ Der Professor sah seinen Begleiter lächeln an, dann folgte er dessen Blick und sagte nur: „Ja Luke, das ist alles eine Stadt. Willkommen in London.“

Wie lange war all das nun schon her? Es mochten mindestens 25 Jahre sein, seitdem er hierher gekommen war, in Begleitung seines Mentors und, so konnte er mit Stolz behaupten, besten Freundes. „25 Jahre... Eine lange Zeit, Professor...“
Immer noch stand der Mann am Hafen und sah auf die Stadt, ehe er einen Brief aus der Jackentasche zog und die Anschrift darauf las: London Memorial Hospital.

Das Taxi schob sich langsam durch den dichten Verkehr der Londoner Innenstadt und seinem Fahrgast kam es vor, als wäre er in einer trägen Masse undefinierbaren Ausmaßes gefangen. Er seufzte und sah auf den Brief, den er schon die ganze Zeit in den Händen hielt. Zitternd öffnete er ihn und begann zu lesen, ungeachtet dessen, dass er dies schon tausendmal getan hatte.
„Lieber Luke.
Nein, verzeih, ich muss ja nun sagen:
Lieber Professor Triton.
Aber ich denke doch, dass ich dich auch weiterhin mit Luke ansprechen darf, oder sollte ich mich da irren?“

Luke lachte leise. Das war typisch für den Professor und fast war es ihm, als könne er dessen verschmitztes Lächeln vor sich sehen.
„Es ist viel Zeit vergangen, seit wir gemeinsam unseren letzten Fall gelöst haben, und ich habe lange nichts von mir hören lassen. Ich hoffe, du kannst mir dies verzeihen, die Umstände erlaubten mir lange nicht, auch nur eine Zeile an dich zu verfassen. Dies möchte ich mit diesem Brief nachholen und dich bitten nach London zu kommen. Es gibt da noch einen Fall, den es zu lösen gilt. Doch leider bin ich selbst dazu nicht mehr in der Lage.“

Luke starrte aus dem Fenster. Er wusste, was der Professor mit diesen Zeilen meinte, auch wenn er es lange nicht wahrhaben wollte. Er hatte einen Brief vom Memorial Hospital erhalten, kurz nachdem er geheiratet hatte. Darin hatte er erfahren, dass der Professor zusammengebrochen war und es sehr schlecht um ihn stünde. Damals hatte Luke keine Möglichkeit, nach London zu reisen und befürchtete schon, er habe seinen Mentor bei ihrem vergangenen Abenteuer das letzte Mal gesehen. Doch als er diesen Brief bekam, musste er erkennen, das sich ein Hershel Layton nicht so einfach unterkriegen lies, aber auch, dass selbst die Kräfte eines Layton nur begrenzt waren... Verstohlen wischte Luke sich eine Träne aus dem Augenwinkel, ehe er die letzten Zeilen des Briefes las.
„Ich hoffe, dass meine Lehrstunden von damals nicht umsonst waren, und ich bald den englischen Gentleman treffen werde, der du immer werden wolltest und in meinen Augen schon immer warst.
Ich freue mich auf unser Treffen und darauf, dir noch ein letztes Rätsel zu stellen.

Hochachtungsvoll, Professor Hershel Layton“


Der Wagen hielt vor dem Krankenhaus und der Fahrer riss den jungen Mann aus seinen Gedanken. Noch vollkommen perplex drückte dieser dem Fahrer das Fahrgeld in die Hand und stieg aus dem Taxi, wo er einen Moment lang stehen blieb und das Gebäude betrachtete, ehe er seine Schritte Richtung Haupteingang lenkte. Doch mit jedem Schritt war es ihm, als würde eine schwere Last auf sein Herz geladen und er musste sich eingestehen, dass er bei weitem noch nicht bereit war... für einen Abschied.

Zögernd trat er in das Zimmer und für einen Augenblick war es ihm, als würde er wieder das Büro des Professors betreten. Überall stapelten sich Ordner und Akten, Fossilien und Knochenfunde lagen in Regalen und an den Wänden hingen verschiedene Zeitungsartikel über die großen Taten des berühmten Professor Layton. Viele der Fotos zeigten auch Luke, als er noch nicht selbst Professor sondern noch Schüler Laytons war. Er blieb vor einem dieser Fotos stehen und schien für einen Moment die Zeit vergessen zu haben, als ihn eine Stimme wieder in die Gegenwart zurückholte. „Lang, lang ist’s her. Nicht war, Luke?“ Er sah zum Fenster, wo ein Rollstuhl stand. Der Herr der dort saß, hatte ihm den Rücken zugewandt, doch Luke erkannte ihn sofort, denn er trug immer noch den selben, dunklen Seidenzylinder mit dem roten Band. Luke lächelte, dann trat er ans Fenster und sah hinaus. „Ja, es ist lange her. Aber manches ändert sich wohl nie, nicht war, Professor?“ Er lächelte und als er das leise Lachen des Mannes neben ihm hörte, sah er zu Layton... und erschrak zutiefst.

Er wusste das die Zeit auch vor seinem Lehrer und Freund nicht halt gemacht hatte, doch er hatte nicht geahnt, dass sie ihm so zusetzen würde. Professor Layton, der athletische, englische Gentleman, jung und selbstsicher, der trotz drohender Gefahren immer einen kühlen Kopf behielt, war blass und müde geworden. Silbergraues Haar lugte unter dem Zylinder hervor und tiefe Falten zeichneten sein Gesicht. Auch hatte seine Krankheit ihren Tribut verlangt, so war er seit seinem Zusammenbruch an den Rollstuhl gefesselt. Luke schluckte. Er hatte nicht erwartet seinen alten Freund so zu sehen. Der Professor schien seinen Blick bemerkt zu haben, denn er sprach mit leiser Stimme, während er weiterhin aus dem Fenster sah: „Gräme dich nicht, mein Junge. Die Zeit macht vor niemandem halt. Auch nicht vor uns.“ Er sah seinen ehemaligen Schüler an und ein verschmitztes Lächeln umspielte seine Lippen. „Und dies ist für manchen durchaus ein Vorteil.“ Luke sah den Professor fragend an, dann lachte er, als er begriff, worauf Layton hinaus wollte. Ja, auch er selbst hatte sich sehr verändert. Aus dem kleinen, übereifrigen Jungen von damals, war ein hochgewachsener, schneidiger Gentleman geworden. „Ich habe viel von ihnen gelernt, Professor.“ „Das hörte ich bereits. Und? Hast du inzwischen selbst einen... Eliteschüler?“ Luke lachte: „Ich fürchte, ich habe eine Menge davon. Meine Klassen sind ständig überfüllt. Ich hätte nie gedacht, dass Archäologie auch heute noch so ein reges Interesse bei der Jugend hervorruft.“ Professor Layton sagte nichts, sah nur gedankenverloren aus dem Fenster, immer noch lächelnd. Doch dann schien im etwas einzufallen, er drehte mühsam den Rollstuhl herum und ergriff einen Brief, der auf einem nahegelegenen Tisch gelegen hatte. „Weswegen ich dich hergebeten habe, mein Junge...“ Er reichte Luke den Brief. Dieser sah Layton fragend an, bekam aber keine Antwort, sodass er schließlich zu lesen begann. Er legte eine Hand ans Kinn, während er grübelnd im Zimmer auf und ab schritt, der Professor beobachtet ihn dabei sichtlich amüsiert. Fast war es ihm, als würde er sich selbst beobachten. Nach einer Weile blieb Luke stehen und sagte, immer noch auf den Brief blickend: „Das scheint ein recht schwieriger Fall zu sein, Professor.“ Er sah auf. „Meinen sie wirklich, dass ich...“ Professor Layton sah seinen Freund einen Moment schweigend an. „Meinst du ich hätte dir diesen Brief gegeben, wenn ich nicht der Meinung wäre, dass du diesen Fall lösen könntest?“ Luke sagte daraufhin gar nichts, ging nur zum Fenster zurück und sah hinaus, seinen Rücken dem Professor zugewandt. Er sollte nicht sehen, wie sehr in diese Geste rührte. Erst nach einer Weile fand er seine Sprache wieder. „Danke Professor. Für ihr Vertrauen.“ Layton sagte nichts, wusste er doch genau, wie viel es Luke bedeutete, diese Anerkennung bekommen zu haben. Dieser sah wieder auf den Brief, als ein plötzliches Husten ihn herumwirbeln ließ. Erschreckt sah er zum Professor, der von einem Anfall geschüttelt wurde und sich mit schmerzverzerrtem Gesicht an die Brust griff. „Professor!“ Mit einem Satz war er an der Seite seines Mentors, der ihn nur für einen kurzen Augenblick ansah, ehe in ein erneuter Hustenanfall zusammensinken ließ. Luke war es, als müsste sein eigenes Herz stehen bleiben, doch in den Augen des Professors hatte er nicht das geringste Zeichen von Angst gesehen.
Luke sprang auf und rannte auf den Flur, wo er beinahe eine Krankenschwester umgerannt hätte. Verwirrt starrte sie ihn an, doch er hatte keine Zeit für Entschuldigungen. „Professor Layton...“, mehr brachte er nicht hervor. Doch die Schwester verstand sofort, machte auf dem Absatz kehrt und rannte den Flur entlang, einen völlig verzweifelten jungen Mann zurücklassend.

Er glaubte es nicht. Konnte es nicht, wollte es nicht glauben. Doch je länger er in diesem Zimmer stand, desto klarer wurde es ihm. Es war vorbei. Luke bemühte sich seine Tränen zurückzuhalten, doch er kämpfte schwer. Als eine Schwester den Raum betrat, biss er sich auf die Lippe. Ein Gentleman weinte nicht, schon gar nicht vor einer Dame. „Professor Triton?“ Sie trat neben ihn und legte etwas auf den Tisch, der nahe des Fensters stand. „Professor Layton wollte, dass sie dies bekommen.“ Sie wartete, doch als sie keinerlei Antwort bekam, wandte sie sich zum gehen. In der Tür blieb sie noch einmal stehen und sagte leise: „Mein herzlichstes Beileid...“ Dann schloss sie die Tür.

Er konnte die Tränen nicht länger zurückhalten. Verzweifelt ließ er sich auf die Knie sinken, das Gesicht in den Händen vergraben und zum ersten Mal in seinem Leben war es ihm egal, ob er nun ein englischer Gentleman war, oder nicht. Professor Hershel Layton war tot. Sein Mentor und guter Freund, von dem er so viel gelernt und dem er so viel zu verdanken hatte, war fort. Für immer.
Luke blieb noch für einen Moment sitzen, dann erhob er sich langsam und wischte energisch die Tränen fort. Er durfte sich nicht so gehen lassen. Was sollte der Professor sonst von ihm denken? Luke musste lachen, als er sich vorstellte was Layton wohl jetzt zu ihm sagen würde. „Ein echter Gentleman weiß seine Gefühle im Zaum zu halten.“ Dabei würde er ihn ansehen, mit dieser Mischung aus tadelndem Ernst und väterlichem Mitgefühl. Luke lächelte und wandte sich zum gehen, dabei fiel sein Blick auf das, was die Schwester auf den Tisch gelegt, was der Professor ihm hinterlassen hatte. Zögernd, mit zitternden Händen nahm er den Gegenstand vom Tisch und wäre fast wieder in Tränen ausgebrochen. Es war der Zylinder des Professors. Langsam glitt Luke mit den Fingern über den dunklen Seidenstoff, der auch nach all den Jahren nahezu tadellos aussah. Er wollte nun entgültig gehen, blieb aber erneut stehen, als er einen Zettel bemerkte, der auf dem Boden lag. Erstaunt hob er ihn auf und umso erstaunter war er, als er auf dem gefalteten Papier die Handschrift Laytons erkannte. „Ein kleiner Trost“, war darauf geschrieben und Luke wusste genau was ihn erwartete, wenn er den Zettel öffnen würde. Er wurde nicht enttäuscht. „Das letzte Rätsel...“

Als die Schwester nach einer Weile wieder ins Zimmer trat, war sie sehr erstaunt es leer vorzufinden. Sie trat ans Fenster und sah gerade noch, wie ein junger Mann einer Dame die Tür eines Taxis aufhielt, kurz grüßte und dann selbst seinen Weg zu Fuß fortsetzte. Dabei fiel ihr besonders der Zylinder auf, den dieser trug. Sie schüttelte den Kopf. „Komisch. Ich könnte schwören...“
Ihr Blick fiel auf einem Zettel, der auf dem Tisch lag. Sie hob ihn auf und betrachtet ihn eingehend, legte ihn dann jedoch wieder an seinen Platz.
„Merkwürdig...“ In der Tür stehend, blickte sie noch einmal zurück und lächelte: „Aber typisch, Professor Layton.“


ENDE
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