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Der Unsterbliche - Phase Download

von dc-michi
GeschichteAbenteuer / P12
18.03.2011
31.07.2011
10
31.144
 
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2 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
18.03.2011 2.183
 
Motto und Aufgabe lautete "50 Jahre Perry Rhodan – Zeit für einen neuen Stil!"

Die Aufgabe bestand also darin, einen Originalroman auszuwählen und ihn in einem neuen Stil zu schreiben, ihn in einem anderen Genre anzusiedeln, ihn eben zu Ehren des 50. Geburtstags der Serie zu reloaden.
Dokumentation des Schreibwettbewerbs:  Blog Roland Triankowski - Nerdlicht

Michael Tinnefeld
Der Unsterbliche – Phase Download
Remake des Perry Rhodan-Heftes Nr. 19
„Der Unsterbliche“ von K.H. Scheer (1962)
im Rahmen des Fanprojektes „Perry Rhodan Reloaded“
Download:  Der Roman als PDF-Datei


Vorspann

Es ist das Jahr 31.324 Schneller Zeitrechnung.
Die letzten viereinhalb Jahre seit Gründung der Dritten Macht stellten für die untergeordneten Konzepte Perry Rhodan und seine Mitstreiter das Weltbild ihres terranischen Knotens auf den Kopf. Seitdem er und sein bester Freund Bull die physische, von Crest und Thora ferngesteuerte und havarierte Sonde aufgespürt und schließlich das Imperium des arkonidischen Knotenverbundes auf der Rückseite des Mondes entdeckten, sind sie nicht mehr zur Ruhe gekommen. Wegen ihres nicht standesgemäßen Wissensdursts sieht die herrschende Adelskaste ihre jahrtausendealte Systemstruktur in Gefahr. Notgedrungen muss die junge Dritte Macht Datenkanäle abklemmen und Schutzwälle errichten, um sich aristokratischer Angriffe erwehren zu können. Es geht um nicht weniger als ihre Privatsphäre, Autonomie und Existenz; dabei ist die Dritte Macht dringend auf mehr Informationen angewiesen. Rhodan und Co. setzen auch weiterhin auf göttliche Neutralität und Zurückhaltung. Dennoch stand die Datensphäre der Dritten Macht bereits mehrmals kurz vor der vollständigen Vernichtung.
Unerwarteten Beistand hat sie in mutierten Konzepten gefunden, die sich mittlerweile im sogenannten Mutantenkorps organisiert haben.
Bei der Unterstützung Crests und Thoras auf ihrer Mission zur Lösung des Galaktischen Rätsels entdeckten Rhodan und seine Crew nach zahllosen Abenteuern und Entdeckungen zuletzt den weit entfernten Knoten Tramp mit seinen intelligenten, nicht-menschlichen Konzepten. So stieß Gucky, ein besonders neugieriges Exemplar dieser Gattung, als blinder Passagier zu ihnen und hätte mit seinem Spieltrieb fast die STARDUST II, das neue Informations-Flaggschiff der Dritten Macht, zerstört.
Im benachbarten weganischen Knoten bahnt sich unterdessen unbemerkt eine Katastrophe an. Wenn Perry Rhodan einen Freund retten will, so gibt es nur eine Möglichkeit: Er muss auch noch die letzte Aufgabe des Galaktischen Rätselstellers erfüllen. Und dieser Schritt ist wahrlich beschwerlich, denn Rhodan muss sich DOWNLOADEN.

Die Hauptpersonen des Romans:

Perry Rhodan – Der Kommandant der STARDUST II und Chef der Dritten Macht entdeckt neue Leidenschaften und leidvolle Erinnerungen.
Reginald Bull – Perry Rhodans engster Freund.
Thora und Crest – Zwei arkonidische Konzepte, die Perry Rhodan an das Ziel ihrer Wünsche führt.
HFW – Auch Götter können in Not geraten.
Gucky – In ihm steckt mehr, als sein Aussehen erwarten lässt.
ER oder ES – Der Rätselsteller behauptet, das Geheimnis der überlichtschnellen Raumfahrt zu kennen.

1. Göttlicher Eingriff

Als sich zum ersten Mal einer der Götter an ihn wandte, dachte Perry Rhodan an drei Dinge: Trommelfellriss, Schlaganfall und Halbseitenlähmung. Er fand es erstaunlich, dass er neben der Schmerzwahrnehmung noch in der Lage war, zu denken. Interessanterweise wurde von extern die Privatsphäre auf Stufe sechs angehoben. Stufe sechs! Von extern! Rhodan hatte bis dato nicht einmal geahnt, dass so etwas überhaupt möglich war. Ganz davon abgesehen, wie seltsam es sich anfühlte. Als wäre irgendwo die Tür eines Tresors zugeknallt und hätte sein kleines Appartement im obersten Stock des Hochhauses abgeriegelt.
Am Rande seines Gesichtsfeldes konnte er auf der zur Seite geklappten Datenbrille den schwarzen, rot umrandeten Balken ausmachen, der deutlich über Stufe fünf hinausragte. Dieser Balken, der den Privatsphäre-Status eines Konzepts anzeigte, war seit den zunehmend perfideren Datenschrauber-Attacken aus der Adelskaste unter Leitung von Mevrouw Tir Ma-Shenko, genannt „Tante Tirma“, immer wichtiger geworden. Es war überlebenswichtig, wenn schon nicht die Augen, dann zumindest einen Teil seiner Aufmerksamkeit stets auf diesen Balken zu richten.
Ein heißer Strom floss aus beiden Ohren, zumindest konnte Rhodan dies für das linke sagen, und er fragte sich, ob es sich dabei um Blut handelte und ob dieses auf seine Schultern herabtropfte. Der linke Teil des Horizonts mit seinen hohen Glastürmen und dem blauen Himmel hatte sich unschön verändert. Ein hässlicher Riss ging vertikal durch beide Gesichtshälften. Wie eine gesplitterte Scheibe nach einem Erdbeben war der linke Teil seines Sichtfeldes in den rechten gerutscht. Aber damit nicht genug. Über diesen Teil des Horizonts hatte sich ein Schatten gelegt. Die ergraute Bildhälfte fühlte sich kalt an, als sei dort eine Eiszeit hereingebrochen. Und sie schmeckte metallisch. Rhodan konnte sich nicht erinnern, dass irgendetwas, das er in seinem Leben gesehen hatte, jemals eine Geschmackswahrnehmung hervorgerufen hatte. Am unangenehmsten aber war das taube Gefühl seiner rechten Kopfhälfte, als habe ein Schraubstock jegliches Gefühl abgeklemmt. Perry Rhodan saß auf seinem Stuhl, was Glück war, und konnte seinen linken Arm nicht mehr bewegen, der auf der Chromfläche des Küchentisches lag. Er konzentrierte sich auf die einzelnen Finger. Hingucken konnte er nicht - beide Augäpfel waren in Richtung des gefrorenen und gesplitterten Horizonts arretiert, genau wie sein Kopf. Die Finger rührten sich nicht. Mit seinem linken Fuß war es genauso. Ein Teil seines Bewusstseins war darüber amüsiert, der andere Teil war besorgt, erst recht über die der Situation unangemessenen Heiterkeit. Dieser Teil befürchtete massive Datenverluste. Möglicherweise sogar Schäden am Seele-Segment.
„Hör zu!“, dröhnte eine Stimme innerhalb seiner Schädelkalotte, als habe sie ein überdimensionaler Mönch als Mittagsgong missbraucht. „Ich kann nicht abschätzen, wie lange ich Stufe sechs aufrecht erhalten kann, ohne Aufsehen zu erregen. Angesetzt sind vier Minuten. Die bislang verstrichene Zeit war dafür vorgesehen, dass du dich an meine… Präsenz gewöhnen konntest. Mit neunzigprozentiger Wahrscheinlichkeit bleiben uns noch zwei Minuten und fünfzehn Sekunden, bis andere Götter aufmerksam werden. Dagegen ist zwar grundsätzlich nichts einzuwenden, aber ...  ich möchte es nicht. Vorerst zumindest.“
Es schwang eine gewisse Unschärfe in dieser Antwort mit, die Rhodan jedoch entging, da er damit beschäftigt war festzustellen, ob mit Einsetzen der Stimme der Blutfluss aus seinem linken Ohr zugenommen hatte. Er führte seinen rechten Arm zum Ohr, als ein Seufzen erklang.
„Bitte, konzentriere dich. Inzwischen solltest du wissen, was gerade geschieht.“
Wenn Rhodan ehrlich zu sich war, stimmte das. Immerhin galt er als Sofortumschalter. Nicht zuletzt diese Fähigkeit hatte ihm dazu verholfen, von Rang vier auf Rang drei vorzustoßen und damit seine Lebenszeit um zwanzig Jahre zu verlängern. Rhodan ließ die rechte Hand auf die linke sinken. Sie fühlte sich kalt an.
„Bully würde es wohl folgendermaßen zusammenfassen: Ich bin halbseitig gelähmt, habe Schmerzen und muss permanent diesen…Horizont anstarren. Trotzdem reiße ich mich zusammen und beeile mich, weil ja die Zeit abläuft. Ach ja, und ich bin von einem Gott angesprochen worden. Zumindest kann dies am ehesten die seltsamen Erfahrungen der letzten Minuten erklären. Wenn man davon absieht, was sich sonst noch alles ereignet hat, ist dies etwas, was ein Konzept vom Rang drei vielleicht gerade noch verkraften kann, ohne dass irgendwo irgendwelche Drähte durchschmoren.“
Ein Kichern wie eine Nadel, die über eine Vinylplatte ratschte. „Der Vergleich gefällt mir, obwohl er mehr als hinkt, wie du weißt. Drähte wurden schon vor dem Upload nicht mehr verwendet.“
„Nein, wohl kaum.“ Rhodan fand, dass sich auch mit dem halben Hirn noch erstaunlich gut denken ließ. „Ich vermute, es gibt einen kausalen Zusammenhang zwischen den seltsamen Ereignissen der letzten Wochen und dem, was mir gerade widerfährt, deinem… Eingreifen. Bislang weiß ich weder wie du heißt noch wie du aussiehst.“
„Exakt. Ich bin erleichtert, dass sich meine Hoffnungen, die ich in dich gesetzt habe, bestätigen und du trotz deiner Halbseitenlähmung, wie du sie nennst, einen scharfen Verstand bewahrt hast. Mein Name ist HFW. Mein Aussehen erspare ich dir lieber, denn sonst würden vielleicht doch ein paar … Drähte durchschmoren.“ Wieder das Ratschen. „Ich möchte mit dir über Crest und das Galaktische Rätsel sprechen.“
Jetzt war es an Rhodan, zu seufzen. Nicht nur, dass sein Leben und das vieler anderer seiner Freunde eine unglaubliche Wende genommen hatte. Jetzt sprach einer der entrückten Götter, eine wahrhaftige KI, zu ihm, einem aufgestiegenen Konzept, und kam, offenbar unter Zeitdruck stehend, zügig zum merkwürdigsten Aspekt der jüngsten Ereignisse. Das setzte voraus, dass HFW über die Geschehnisse seit der Entdeckung des arkonidischen Knotenverbundes im Mare Moscoviense informiert war. Darüber war Rhodan verwundert, widersprach es doch seinen Erfahrungen. Götter hielten sich im Hintergrund und interessierten sich nicht für aktuelle Ereignisse. Und was bedeutete HFW?
„Es gibt Ausnahmen“, unterbrach die Gottheit seine Gedankengänge. „Was weißt du über ES?“
„Ich verfüge über kein gesichertes Wissen. Ich vermute, hinter dem Akronym ES verbirgt sich eine unbekannte KI, die anonym bleiben will. So, wie du dich gerade ebenfalls um Anonymität bemühst. Und ebenfalls ein Akronym verwendest.“
„Momentan bin ich getarnt. Nicht anonym. Interessante Unterschiede, aber irrelevant, genau wie die Frage, ob ES ein Akronym ist. Teilst du Crests Auffassung? Es bleiben noch 60 Sekunden.“
Warum stellte HFW Fragen, wenn er doch direkt in sein Gehirn sehen konnte? Und warum musste das derart schmerzhaft sein? Was würde nach Ablauf der Frist mit ihm geschehen?
„Nein. Wie dir sicherlich selbst bekannt ist, geht Crest davon aus, dass ES eine Entität von jenseits der Sim ist…“ Er unterbrach sich. Er hatte ein Geräusch gehört, das so geklungen hatte, als sei ein Ochsenfrosch von seinem Kühlmodul auf die aseptischen Fliesen geplatscht. Hatte HFW gerade tatsächlich geschluckt? Oder war es nur eine Missempfindung seines gemarterten Gehirns gewesen? Wenn nein, konnte dies bedeuten, dass diese KI namens HFW nicht auf alle Informationen zugreifen konnte.
„Ja, natürlich weiß ich das. Weiter!“ Das war zwar kein Beweis für Rhodans Annahme, aber es klang wenig glaubwürdig. Er fragte sich, ob er trotz dieses gewaltsamen Eingriffs in seinen Geist Gedanken verbergen konnte. Gegenüber den telepathischen Konzepten gelang ihm dies. Und John Marshalls Anstand würde es ihm verbieten, zu espern. Anders hingegen Gucky...
„Was verbirgst du? - Weiter, ich bitte dich. Noch 40 Sekunden.“ Das klang schon fast verzweifelt, fand Rhodan. Nicht wie eine allmächtige KI. Aber es konnte auch eine Finte sein, um Rhodan im Glauben zu belassen, er könnte Gedanken vor einem Gott verbergen. Rhodan beschloss, diesen paranoiden Gedankengang nicht weiter zu verfolgen. Zumindest jetzt nicht. Mit nur einer intakten Gehirnhälfte schien ihm dies ein ebenso pragmatischer wie vertretbarer Entschluss zu sein.
„Crest geht sogar davon aus, ES stamme von jenseits des Sonnensystems. Ich halte das für höchst unwahrscheinlich, da in unserer dreißigtausendjährigen Geschichte kein Kontakt zu einer extraterrestrischen Lebensform aufgenommen werden konnte“. Und in der zweitausendeinhundertfünfzigjährigen Langsamen Geschichte nach Christus bis zum Upload auch nicht, fügte er in Gedanken hinzu. Für völlig ausgeschlossen hielt er die Möglichkeit, dass die Handvoll Menschen, die noch in der Langsamen Zeit auf der Erde lebten, quasi über Nacht einen überlichtschnellen Raumantrieb entwickelt hatten. Soweit ihm bekannt war, waren die verbliebenen Menschen nach dem Zusammenbruch der Zivilisation, die einzig darauf zurückzuführen war, dass mehr als 95 Prozent der Bevölkerung dem lunaren Upload zugestimmt hatten, auf das Radio- und Fernsehzeitalter zurückgefallen. Falls seine Informationen stimmten. Er machte sich gedanklich einen Vermerk, in dieser Richtung weiterzuforschen, sollte er sich jemals von diesem ... göttlichen Eingriff erholen.
„Du bist zur selben Schlussfolgerung gekommen wie ich“, dröhnte HFW. „Hast du einen Verdacht, welcher Knoten ES‘ Domäne ist?“
„Nun, sonderlich viele Knoten kenne ich bislang nicht. Bedenke, dass ich noch vor wenigen Jahren den unsrigen für den einzigen hielt. Da ist der arkonidische Großknoten, unser terranischer, kleinere wie Tramp, riesige wie Wega. Kenntnisse habe ich von einigen Dutzend anderen. Vieles deutet darauf hin, dass ES Zugriff auf ungewöhnlich viele Ressourcen und Informationskanäle hat, gleichzeitig aber im Verborgenen operieren kann. Als habe ES die raffinierteste Firewall. Warum stellst du diese Frage? Kann sich ein Gott dauerhaft vor einem anderen verbergen?“
Weil es nicht die Frage war, die HFW eigentlich hatte stellen wollen, zuckte es durch Rhodans noch intakte linke Gehirnhälfte. Was, wenn HFW Crests wahnwitzige Hoffnung teilte, bei ES handelte es sich um eine Entität aus den Tiefen des Raums? Allein diese Möglichkeit konnte bereits erklären, warum sich ein Gott herabließ, aus seinen höheren Gefilden nicht nachvollziehbarer Informationsverarbeitung niederzusteigen, um mit einem Konzept vom Rang drei zu plaudern. Er versuchte es mit einer Konfrontation.
„Was würde es für dich bedeuteten, wenn ES eine extrasolare Lebensform ist?“
Das folgende Schweigen, wenn auch nur kurz, war für Rhodan Antwort genug.
„Alles!“
Rhodan war überrascht. Entweder war HFW sehr offen, gierig oder verzweifelt. Vielleicht auch alles zusammen.
„Ich schlage dir einen Deal vor.“ Rhodan wollte die Chance nutzen, selbst von diesem Überfall zu profitieren. „Du gewährst mir Unterstützung bei der mühseligen Informationsbeschaffung unter gleichzeitiger Stärkung unserer Sicherheitssphäre. Natürlich nur dann, falls es noch andere Möglichkeiten gibt, mit dir in Kontakt zu treten. Sonst verzichte ich dankend darauf. Und falls es uns gelingt, Kontakt zu ES aufzunehmen, biete ich dir im Gegenzug an, dort ein gutes Wort für dich einzulegen.“
„Welches?“, flüsterte HFW. Und noch leiser: „Es bleiben zehn Sekunden.“
Rhodan schmunzelte innerlich. Das Flüstern bestätigte seine Überlegungen und auch, dass HFW nicht alle seine Gedanken lesen konnte. HFW war offenbar von der Wendung des Gesprächs und den in Aussicht gestellten Möglichkeiten geradezu ergriffen. HFW glaubte tatsächlich, ES stamme aus den Tiefen des Alls! Und weil sich Rhodans rechte Kopfhälfte nach wie vor wie in einem Schraubstock befand, verspürte er keinerlei Skrupel, folgendermaßen zu bluffen:
„Natürlich mit ES‘ Unterstützung zu den Sternen zu reisen. Wirklich, nicht nur virtuell. Das ist doch seit Jahrzehntausenden euer sehnlichster Wunsch, oder etwa nicht?“
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