Das Geheimnis von Avalon

GeschichteAllgemein / P16
Dschinn
11.03.2011
15.10.2011
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11.03.2011 891
 
Es war schon lauer Abend als ich sie entdeckte. Zwei hochgewachsene, bleiche Horla, die ab der fünften Ebene zwischen den Bäumen hin- und hergingen.  Spione die Wache halten sollten. Zum Glück war ich so schlau, und hatte einige Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Auf den ersten sechs Ebenen war ich eine kleine, unauffällige Elster, und auf der siebten hatte ich einen Blendezauber gewirkt, der mich auch dort wie einen Vogel aussehen ließ.
  Noch hatten sie mich nicht bemerkt, aber ich wollte es nicht darauf ankommen lassen. Zwar würden sie meine Tarnung wohl nicht durchschauen können, und ich war mir auch sicher, dass ich im Falle eines Kampfes gegen die beiden bestehen konnte, aber wenn sie Alarm schlagen würden, hätte ich es sicherlich schon bald mit einer ganzen Horde Dschinn zu tun. Also flog ich rasch weiter.
  Ich war aus der entgegengesetzten Richtung gekommen, und flog nun weiter. Ich hoffte bloß, dass dies die einzigen Wachposten waren. Es war mir noch nicht einmal klar, ob es überhaupt welche waren, aber wenn ich meiner langjährigen Erfahrung trauen durfte, wurden Horla nicht einfach irgendwo in die Wildnis geschickt um Streife zu gehen. Und ich glaubte auch nicht, dass sie einem Magier in König Artus Diensten unterstanden. Wenn der König nicht wollte, dass man irgendwo hinkommt, ließ er meist ganze Barrikaden errichten. Zwar wurden sie dann auch mit dämonischen Wachposten bemannt, aber dann richtig!
  Ich unterbrach mich in meinen Gedanken und landete auf einem nahen Buchenast. Ich hatte Stimmen gehört, und mitten in einem Wald verhieß das wahrlich nichts Gutes. Und tatsächlich. Keine dreißig Meter entfernt erkannte ich eine Reihe spitzer, dünner, in den Boden gerammter Holzpflöcke. Na also! Da hatten wir es doch. Mein Auftrag war mich in dem nahe gelegenen Wald, den Artus erst kürzlich von König Belgard im Tausch für eine große Lieferung Wein erhalten hatte. Und wenn ein Lager von dem der König nichts weiß nichts Ungewöhnliches ist, will ich die Schuhe meines letzten Herrn verspeisen(1).Also flog ich näher hin.
  Was ich sah, erstaunte mich. Ich meine ich hatte schon vieles gesehen, Das Trojanische Pferd und die Pyramiden, aber ein einwandfrei gestaltetes Lager wo vor zwei, drei Tagen noch unangetasteter Wald war, erstaunte selbst eine mit allen Wassern gewaschene Dschinnijah wie mich. Zelte, nach außen gerichtete Holzpflockreihen, unzählige Lagerfeuer, das volle Programm. Und überall waren Menschen. Aber nicht nur Menschen o nein! Schon auf der zweiten Ebene trieben sich allerhand Botenkobolde und auch der ein oder andere Foliot herum. Auf den höheren Ebenen, für niedere Wesenheiten unsichtbar sogar diewerse Dschinn: Utukku und Horla bewachten besonders prunkvolle Zelte(2) und am Rand des Lagers bewachten einige die Lücken in den Holzpflockreihen: Die Zugänge zum Lager.
  Ich wagte mich noch ein bisschen näher heran, sodass ich sehen konnte was dort vorging. Doch es half nichts. Um mehr herauszufinden, musste ich mich wohl oder übel ins Lager hineinbegeben. Ich glaubte nicht dass es sich um Reisende handelte, denn dafür war das Lager definitiv viel zu groß. Sie mussten also auf Befehl eines Königs hier sein. Leider flatterten nirgendwo Fahnen, so dass ich nicht erkennen konnte wer ihr König war. Doch eins stand fest: König Artus gehörten sie nicht an.
  Ich wirkte also einen Tarnzauber auf den ersten sechs Ebenen und funktionierte den Blendezauber auf der siebten so um, dass er meine wahre Gestalt verbarg. Derartig geschützt flog ich auf das Lager zu. Auf keiner Ebene waren Abwehrnetze oder andere magische Abwehrmechanismen zu erkennen. Und schwubbs, war ich auch schon über den Reihen angespitzter Holzpflöcke. Ich hielt einen Moment inne, für den Fall, dass ich doch irgendetwas ausgelöst hatte. Nichts. Gut so, wenigstens war ich im Lager und war noch beschossen worden. Das war ein gutes Omen!
  Ich schlich mich in die Mitte des Lagers, wo das wohl größte der vielen Lagerfeuer war. Ein Haufen wichtig aussehende Leute war darum versammelt und diskutierten. Ich verkroch mich zwischen zwei angrenzende Zelte und lauschte. Momentan redete ein großer, dicker Mann mittleren Alters in einer Lederrüstung: „Auf keinen Fall! Ich werde das nicht dulden! Wenn wir  wirklich Gefahr laufen entdeckt zu werden, dann müssen wir das dem König melden und sagen, dass es zu riskant ist.“ Ein anderer Mann sprang auf, dem Aussehen nach zu urteilen ein einfacher Bauer: „Ach Quatsch! Die Zauberer müssen einfach noch mehr Dämonen beschwören. Die töten dann einfach jeden der uns entdeckt.“ Ein typisch aussehender Zauberer rief empört: „Noch mehr!?! Nein das geht nicht, wir sind zu wenige um noch mehr Dämonen zu beschwören! Wir kommen mit der jetzigen Menge kaum klar!“ Der Dicke antwortete:,, Ist mir egal! Wenn wir nicht sofort Camelot angreifen, schicke ich eine Botschaft zu König Belgard und bitte darum abziehen zu dürfen!“
  Oha, ein Angriff auf Artus Burg. Und das von Belgards Männern. Na da wird mein Herr sich aber freuen. Der Dicke sprach nun wieder: „Apropos Abziehen. Legsis, ist der Bericht deines Dschinn schon dar.“ Der Zauberer antwortete: „Noch nicht. Seine Aufgabe war die Gegend auszukundschaften und Eindringlinge aufzuhalten. Aber jetzt wo du es sagst, sein Auftrag lautete auch mir vor fünf Minuten hier Bericht zu erstatten, ich frage mich langsam wo er steckt?“
Mir wurde eiskalt. Da begriff ich. Ich fuhr herum und löste gleichzeitig sämtliche Tarn- und Blendezauber um mich. Eine blaue Flammengarbe schoss knapp über meinen Kopf hinweg.

1 Und die waren wirklich nicht das Musterbeispiel für guten Geruch!
2 Eindeutig die der Zauberer.
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