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Hilf mir durch die Nacht!

Kurzbeschreibung
SongficAllgemein / P12 / Gen
08.03.2011
08.03.2011
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850
 
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Jedesmal, wenn ich diese Strophe plus den Refrain gehört habe, musste ich an Ollowain denken.
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Es ist Nacht. Ich sitze im Dunkeln auf einer kleinen Bank im Schlossgarten.  Vor mir liegt das Schloss.  Dort regiert meine Herrin Königin Emerelle die Albenmark. Es ist ein wunderbares Gebäude voller Schönheit. Doch heute Nacht habe ich keinen Blick dafür.  Heute ist es 500 Jahre her. So viel Zeit…
Und doch eigentlich wenig für einen Elfen.

Ich dachte ich könnt‘ ganz von neu beginnen,
doch nie gibt die Vergangenheit mich frei.
Wie konnte ich nur glauben, dass ich sie vergessen kann?
Ich schließ die Augen und sehe nur …


Lyndwyn. Ich denke an die kurze Zeit, die wir miteinander verbracht hatten. Wäre sie doch hier. An meiner Seite. Ich hatte es damals zu spät erkannt. Ich war verblendet gewesen. Hatte sie für eine Verräterin gehalten. Wie dumm ich gewesen bin! Hätte ich mir die Zeit genommen, hinter die Fassade zu blicken, wäre alles ganz anders gekommen. Wir hätten mehr Zeit gehabt, als nur diese Stunde damals im Wasser. Sie hätte nicht diesen Kompromiss mit meinem Vater schließen müssen. Eine Stunde mit mir und dafür hat sie beim Kampf gegen das Feuer geholfen. Das hatte Landoran damals wirklich klug eingefädelt.  Wäre sie nicht davon geschwächt gewesen, wäre sie noch hier. Davon bin ich überzeugt.  
Ich stütze den Kopf in meine Hände und schaue blicklos nach vorne. Ein Gefühl der Müdigkeit schlägt über mir zusammen.

Die Wahrheit ist, ich weiß nicht wer ich bin.
Ich habe mich verloren.
Nirgendwo Hoffnung, überall Lüge.


Seit dieser Zeit ist mein Leben nicht mehr das Selbe. Ich habe das Gefühl, ein Ritter wie ich würde nicht mehr gebraucht. Der Hof ist voller Intrigen. Ich versuche, mich da rauszuhalten. Ich versuche es wirklich! Doch ich werde immer tiefer hineingezogen. Es ist wie ein Moor. Geh einmal rein und du kommst nie wieder raus…
Ich habe das Gefühl zu ertrinken. Ja, ich ertrinke regelrecht in all den Intrigen, all den großen und kleinen Lügen.  Die Zeiten haben sich geändert. Und ich kann sie nicht mit mir in Einklang bringen. Ich war zur Ehrlichkeit erzogen worden. Ich war Ritter geworden, um mich für Albenmark einzusetzen und zu helfen wo ich kann.  Meine Bemühungen, die Tugenden von damals aufrechtzuerhalten, scheinen zwecklos. Es entgleitet mir. Ich bin so müde vom Leben. Von den Kriegen, den großen sowie den kleinen.

Hilf mir durch die Nacht!
Gib mir die Kraft, durch die Dunkelheit zu geh’n.
Halt mich ganz fest, wenn das Gestern mir Angst macht.
Und wenn ich gelernt hab‘, wie man vergisst,
zeig mir, was Liebe ist!


Dazu kommt noch, dass ich die ganzen Jahre nicht vergessen kann, was damals geschah. Ich sehe immer noch das Feuer des Vulkans vor mir. Ich sehe den Krieg und all das Leid, das er verursacht hat. Feuer, Tod, Schrecken, Alptraum …. Und mittendrin wieder Lyndwyn.
Ich sehe vor mir, wie sie da saß. Bis zum Schluss hat sie auf ihre Art um Phylangan gekämpft. Bis zum Schluss hat sie nicht aufgegeben. Im Gegensatz zu ihr komme ich mir so schwach vor. Ich hatte sie damals einfach auf die Arme genommen und bin mit ihr über das Eis geflohen. Wir waren fast in Sicherheit, doch das Glück war uns nicht hold gewesen. Wieder und wieder spielt sich diese letzte Szene vor meinen Augen ab.  Wie ich auf der Suche nach ihr durch die Überreste des Trolllagers gegangen bin. Wie ich sie schließlich gefunden hatte, verletzt und schwach. Doch im Geiste immer noch stark.  Wenn ich die Augen schließe, kann ich immer noch ihre Nähe spüren. Sie ist damals ins Mondlicht gegangen. Vor meinen Augen. Im ersten Moment hatte ich sie wieder gefunden und im nächsten Moment wurde sie mir wieder genommen. Es blieb nichts von ihr zurück als der Duft nach Blumen und Licht, der  sich im nächsten Moment auch schon verflüchtigte.
Einsamkeit breitete sich in mir aus.

Hilf mir durch die Nacht!
Gib auf mich Acht! Lass mich nicht den Mut verlier’n!
Halt mich ganz fest, wenn mir kalt ist im Dunkeln.
Und hast du die Zweifel mir fortgeküsst,
zeig mir, was Liebe ist!


Doch ich bin nicht alleine. Ich war nie alleine gewesen in den letzten hundert Jahren. Falrach, die Stimme in meinem Kopf, mein früheres Ich, war immer da. Verfolgte mich auf Schritt und Tritt.  Und er wird immer stärker. Manchmal weiß ich nicht, ob das was ich tu von ihm oder von mir ausgeht. Ich habe Angst, dass ich eines Tages verloren gehe. Dass er die Überhand bekommt über diesen Körper. Doch andererseits weiß ich, dass er das nicht tun würde, oder? Falchrach hat mich damals zurückgeholt. Doch die Zweifel und Ängste in mir werden immer mehr.  Ich fürchte, eines Tages werde ich mich verlieren. Wenn es nicht schon geschehen ist…
Wer bin ich?
Ich bin nicht mehr derselbe, dafür ist in den letzten Jahrhunderten zu viel passiert.
Ich stehe auf und blicke hinauf in die sternenklare Nacht. Der Vollmond leuchtet am Himmel.
„Hilf mir, Lyndwyn!“
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