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blood and tears / Zwischen Traum und Realität

GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Kwai Chang Caine Peter Caine
08.03.2011
08.03.2011
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2.159
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08.03.2011 2.159
 
blood and tears / Zwischen Traum und Realität
Autor: Lady Charena (2005)
Fandom: Kung Fu – Im Zeichen des Drachen (TLC)
References: Season 2 / „Caine und die tödliche Rache“ (Dragon’s Daughter)
Codes: PG-13
Beta: T’Len


Summe: Es liegt keine Schande darin, Schwäche zu zeigen – eine Lektion, die Peter Caine hart zu erlernen findet.

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern (Warner Bros etc.). Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Rechte zu verletzen.




Blood and tears / Zwischen Traum und Realität


Sie kam zu ihm. Jede Nacht. Es war nicht das erste Mal, dass er an Alpträumen litt. Und gemessen an dem, was er in der Vergangenheit in seinen Träumen durchlebt hatte, war dieser direkt harmlos. Trotzdem hatte er das Gefühl, dass er langsam den Verstand verlor.

Peter Caine setzte sich auf, machte das Licht an und rieb sich die Augen. Er warf einen Blick auf den Wecker – es war noch nicht einmal drei Uhr morgens. Er war müde und frustriert – und wenn er ehrlich war, empfand er auch Angst. Zu oft schon hatten sich seine Träume als Vorboten erwiesen.

Er hasste es, zu träumen. Hasste es, die Kontrolle zu verlieren.

Da an Schlaf – zumindest in der nächsten Zeit – ohnehin nicht zu denken war, stand er auf und ging ins Bad. Blass und unausgeschlafen blickte ihm sein Spiegelbild entgegen und Peter streckte sich selbst die Zunge raus. Dann stützte er sich mit beiden Händen auf dem Rand des Waschbeckens auf und ließ den Kopf hängen.

Als er nach einem Moment wieder aufsah, war der Spiegel milchig-trüb. Statt seines eigenen Gesichts sah er Zia vor sich. Nicht so, wie sie ihm und seinem Vater gegenüber getreten war, unter einem magischen Bann stehend – und auch nicht als die verleumdete Unschuld, als die sie vor Gericht erschienen war. Was er sah, war das Mädchen auf dem Foto, das sie auf der DragonLady gefunden hatten, Zias Versteck. Und doch gab es einen Unterschied... in seinen Visionen quollen Bluttränen unter ihren geschlossenen Lidern hervor...

Vielleicht war es das, was ihn so erschreckte. Denn weiter geschah nichts in seinem Traum. Sie erschien vor dieser verfluchten Nebelwand, wie im Park, wandte sich ihm zu und er sah die blutigen Tränen über ihre Wangen rinnen. Lange hielt er es nie aus, sie anzusehen und er erwachte meist an diesem Punkt.

Aber sie jetzt auch schon im wachen Zustand zu sehen, war zu viel! Peter ballte die Hand zur Faust und schlug sie so fest er konnte, gegen die geflieste Wand. Ein stechender Schmerz schoss durch seinen Arm - doch als er wieder zum Spiegel sah, konnte er darin nur sein eigenes, müdes Gesicht sehen.

Peter ließ sich aufstöhnend gegen die Wand sacken und bedeckte sein Gesicht mit den Händen. Langsam rutschte er auf den Boden. Was passierte nur mit ihm?

„Peter.“

Sein erster Gedanke war, erneut zu träumen. Dann spürte Peter die kühlen Fliesen an seinem unbekleideten Rücken, erinnerte sich, dass er im Bad auf dem Boden saß und hob den Kopf. Vor ihm in der Tür stand sein Vater. „Dad? Wieso... wie kommst du hierher? In meine Wohnung?“

Caine zog eine Schulter hoch und legte den Kopf zur Seite. „Was bedrückt dich, mein Sohn?“

Peter fühlte einen fast hysterischen Lachreiz in sich aufsteigen. Diese Frage war so typisch für seinen Vater! Tauchte mitten in der Nacht auf, als wäre es der normalste Zeitpunkt, sich nach dem Befinden seines Sohnes zu erkundigen. Irgendetwas von seiner Reaktion musste sich auf seinem Gesicht zeigen, denn sein Vater trat näher.

Caine kniete neben seinen Sohn und betrachtete ihn. Er streckte die Hand aus und legte sie auf Peters Schulter. „Warum wehrst du dich dagegen?“

„Wehren? Gegen was?“, fragte Peter erstaunt.

Statt einer Antwort stand sein Vater auf und streckte ihm die Hand entgegen.

Willig ließ Peter sich auf die Beine ziehen. „Manchmal bist du mir ein verdammtes Rätsel, Paps“, sagte er leise. „Du machst nie das, was ich von dir erwarte.“

Caine neigte nur den Kopf.

Einige Augenblicke später saß Peter auf seinem Bett. Den Blick auf seine Hände gesenkt, berichtete er von seinen Alpträumen. Oder genauer gesagt, von diesem einen Traum, der ihn immer wieder heimsuchte.

Und Caine lauschte aufmerksam. Erst als sein Sohn geendet hatte, sprach er: „Du hast dich noch nicht mit dem Geschehenen auseinandergesetzt, Peter. Dieser Traum erinnert dich daran, dass du nicht mit Zia abgeschlossen hast.“

„Verdammt, Dad! Natürlich habe ich noch nicht mit ihr abgeschlossen – sie läuft schließlich immer noch irgendwo da draußen frei herum! Sie kann jederzeit wieder zuschlagen.“

„Vorerst sind wir sicher.“

„Woher willst du das wissen?“ Peter rieb sich abwesend die Stirn. „Kannst du hellsehen?“

„Zia muss zuerst einen neuen Plan fassen. Außerdem weiß sie, dass wir gegenwärtig wachsam sind. Sie wird zurückkehren, wenn sie uns unaufmerksam wähnt.“ Er beugte sich vor und zog Peters Hand von dessen Stirn weg, um sie zwischen seine zu nehmen.

„Ich hoffe, du behältst recht.“ Peter musste gähnen. „Was machst du da?“

„Ich unternehme etwas gegen deine Kopfschmerzen.“ Sanft und wissend massierte Caine die Akupressurpunkte in Peters Handfläche. „Du musst schlafen.“

Peter gähnte erneut. „Das... fühlt sich gut an“, murmelte er schläfrig. Er streckte sich gehorsam aus, als Caine seine Hand losließ und ihm einen leichten Stoß gegen die Schulter gab. „Und meine Kopfschmerzen sind tatsächlich weg.“

Caine zog fürsorglich die Decke um seinen Sohn hoch.

„Gehst du schon wieder...?“ Schon im Halbschlaf, war Peters Stimme fast unverständlich.

„Nein, ich werde hier bleiben.“

„Schön, das ist wirkli...“ Und dann hatte der Schlaf Peter eingeholt.

Caine lächelte und machte es sich auf dem Fußboden neben Peters Bett bequem, um über den Schlaf und die Träume seines Sohnes zu wachen.

* * *

„Du hast das ja schon wieder gemacht!“

Caine beendete seine Meditation und öffnete die Augen, um seinen Sohn anzusehen. „Was meinst du?“

„Hör’ mal, wir sind hier nicht im Kloster und ich bin kein kleiner Junge mehr. Ich habe eine Couch. Du hättest nicht die ganze Nacht hier auf dem Boden sitzen müssen!“ Peter fuhr sich durch sein ohnehin wirres Haar.

„Wenn du wütend auf dich selbst bist, warum lässt du es an mir aus?“ Caine erhob sich und griff nach seiner Jacke, die neben ihm lag.

„Ich bin nicht...“ Peter unterbrach sich selbst und stand ebenfalls auf. „Schon gut, vergiss` es.“ Er verschwand ins Bad, um zu duschen. Als er später angezogen und mit noch feuchtem Haar in die Küche kam, dampften auf dem Tisch zwei Teeschalen. Sein Vater hatte sich einen Stuhl etwas weggezogen und wartete ganz offensichtlich geduldig auf ihn. Gerade das reizte ihn unerklärlicherweise. Sofort fühlte er sich wieder auf den kleinen Jungen reduziert, der er seit langem nicht mehr war.

Schweigend setzte er sich. Er nahm eine der Schalen und roch daran. „Ich wusste gar nicht, dass ich noch Tee da hatte“, meinte er schließlich nach einer Weile. Fast im gleichen Moment entdeckte er eine der Papiertüten aus Lo Sis Apotheke neben dem Herd. „Oh, du hast an alles gedacht, wie ich sehe.“

Caine neigte nur den Kopf

Peter stellte die Teeschale ab. „Hör mal, Paps... Dad... warum bist du heute Nacht aufgetaucht?“ Danach, wie sein Vater in seine Wohnung gekommen war, würde er erst gar nicht fragen – vermutlich verriet er ihm diesen Trick sowieso nicht.

„Du brauchtest mich.“

„Verdammt.“ Peter stand auf und wandte sich ab. „Ich habe dich fünfzehn Jahre lang gebraucht und du warst nicht da!“ Er presste die Lippen zusammen – wütend auf sich selbst, so etwas zu sagen und wütend auf seinen Vater, der ihn dazu brachte, ihn zu verletzen. „Hey...“, er wandte sich um. „Es tut mir leid, okay? Das hätte ich nicht sagen sollen. Das war nicht fair.“

Caine hob die Schultern. „Es entspricht... der Wahrheit“, sagte er leise.

Peter setzte sich wieder, stützte einen Ellbogen auf den Tisch und legte die Stirn in die Handfläche. „Ich weiß auch nicht, was mit mir los ist. Vermutlich liegt es daran, dass ich seit Tagen wegen dieser Träume keine Nacht mehr durchgeschlafen habe.“

„Der Traum ist nur ein Symptom, Peter. Die Ursache...“ Caine hob die Hand, die Handfläche nach oben.

„Ich kenne die Ursache ganz genau“, entgegnete sein Sohn scharf. „Da draußen läuft irgendwo eine Mörderin herum. Und dass nur, weil ich so bescheuert gewesen bin, zu denken, ich könnte sie alleine schnappen!“

„Genauso könntest du mir dafür die Schuld geben.“

„Wieso? Du hast alles richtig gemacht. Wenn ich daran denke, dass du im Park gegen sie gekämpft hast...“ Vor Peters innerem Auge stand wieder diese eine Szene, die er bisher erfolgreich verdrängt... das Flackern um die Gestalt seines Vaters und dann gab es ihn plötzlich zweimal! Und dann geschah das gleich noch einmal und noch einmal, bis vier Ausgaben seines Vaters Zia einkreisten. Er wagte nicht zu fragen, was er da gesehen hatte – oder wie sein Vater das vollbracht hatte – er ahnte, dass es zu den Geheimnissen der Shaolin gehören mochte, die sich ihm nie enthüllen würden.

Wieder eine unbestimmte Handbewegung seines Vaters. „Ich hätte dich in die Bar begleiten müssen.“

„Dann hätte sie sofort gewusst, dass es eine Falle ist.“ Peter zeichnete mit der Spitze seines Zeigefingers Kreise auf den Tisch. „Ich frage mich... ob ich... sie überhaupt täuschen konnte.“

„Woher hätte sie wissen können, dass du mein Sohn bist.“

„Das meine ich nicht. Aber dass ich ein Cop... ein Polizist bin. Wenn ich daran denke, dass ich sie...“ Er unterbrach sich, ballte die Hand zur Faust.

„Was?“

Die Stimme seines Vaters schien von weit her zu kommen. „Als ich Zia zum ersten Mal sah... ich wollte nicht glauben, dass sie diese wahnsinnige Mörderin ist, die in der Stadt herumläuft und junge Männer zu Tode prügelt. Sie war so...“

„Schön?“

„Ja. Lo Si hat mich noch gewarnt und gesagt, ich solle auf das Böse im Herzen der Schönheit achten... Aber als ich sie sah...“ Er schüttelte den Kopf. „Ich hatte etwas anderes erwartet. Tan war so voll Hass, so erfüllt von Tod und Schatten. Aber seine Tochter war... so strahlend, so...“

„Lebendig?“

„Nein. Ja. Du hast sie in der Bar nicht gesehen.“ Peter rieb sich die Stirn. „Wie sie lachte und wie ihre Augen funkelten. Ich dachte, ich hätte die Falsche erwischt. Ich... wollte... dass sie es nicht war. Als wir durch den Park gingen... da wollte ich daran glauben, dass sie nicht die Zia ist, die wir suchen...“

„Du fandest sie anziehend. Begehrenswert.“

„Ja, verdammt noch mal.“ In der sanften Stimme seines Vaters lag kein Vorwurf, aber Peter empfand es wie einen Schlag ins Gesicht. „Ich bin auf sie hereingefallen wie ein liebeskranker Teenager“, fügte er bitter hinzu. „Und komm jetzt nicht wieder damit, dass es nicht wichtig ist, ob man gewinnt oder verliert. Es ist verdammt wichtig!“

„Es gibt keinen Grund, sich zu schämen, mein Sohn.“

„Schämen?“ Peter sah auf. „Was meinst du damit?“

Caine griff über den Tisch, berührte ihn jedoch nicht. „Du hast ein Ungeheuer erwartet, aber es kam nicht. Stattdessen trat eine junge, sehr anziehende Frau auf dich zu.“

„Ja, mit der kleinen Zugabe, dass sie mich fast umgebracht hätte. Oh ja, das kann man auch eine Masche nennen.“

Caine erinnerte ihn nicht daran, dass es Peters Idee gewesen war, den Lockvogel zu spielen. Beide hatten die Gefahr gesehen, die darin lag. „Du bist wütend auf dich selbst, aber du musst diese Wut überwinden – oder sie wird dich eines Tages aufzehren und vernichten. Dann wird auch dieser Traum verschwinden.“

Peter schwieg.

„Deine Wut resultiert aus einem Gefühl der Schwäche. Du glaubst, du hast Zia – indem du zugelassen hast, dass du sie anziehend fandest – einen Vorteil eingeräumt.“

„Habe ich das etwa nicht?“, fragte Peter bitter. „Sie musste mich doch förmlich für das ideale Opfer halten.“

„Sie kam an diesen Ort mit dem Entschluss zu töten. Zia benötigte keine Aufmunterung von deiner Seite, Peter.“

„Aber ich war es, der sich hat ablenken lassen. Ich... war viel zu sehr damit beschäftigt, in ihren Ausschnitt zu starren.“ Er schüttelte den Kopf. „Es war meine Schuld, Dad. Ich war... zu schwach. Ich habe versagt.“

Caines Finger schlossen sich um das Handgelenk seines Sohnes. „Wenn ein Baum einen dürren Zweig hat, muss man ihn dann gleich fällen? Macht eine Schwäche dich zu einem schlechten Menschen?“

„So einfach ist das nicht.“

„So einfach ist das.“

Peter senkte den Blick. „Du kannst mit deinen Sprüchen nicht alles in Ordnung bringen, Vater.“

Caine zog die Hand weg und lehnte sich in seinen Stuhl zurück. „Ich kann nichts in Ordnung bringen, das liegt nicht in meiner Macht. Ich... möchte dir nur helfen, Peter.“

„Dann ist mir eben nicht zu helfen.“

Caine blickte ihn einen Moment lang aufmerksam an. Dann stand er auf, griff nach Hut und Tasche. „Denk’ darüber nach, was ich dir gesagt habe, Peter. Es liegt bei dir.“ Er wandte sich zum Gehen. „Du weißt, wo du mich findest.“

„Dad...“

Er warf Peter einen Blick über die Schulter zu, doch sein Sohn fügte nichts hinzu. Schließlich nickte er und ließ ihn allein.

„Verdammt.“ Peter ließ das Gesicht in beide Hände fallen.


Ende
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