Kneipengeplauder

von Fujouri
GeschichteHumor / P12
Fuu Jin Mugen
22.02.2011
22.02.2011
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Kneipengeplauder


Brotkrümel piekten ihr in den Arm. Das Lachen der besoffenen Männer hinter ihr nahm sie nur beiläufig wahr. Als sie ausatmete, zog ihr der beißende Geruch von Sake in die Nase. Sie bekam eine Gänsehaut und kniff die Augen zusammen. Fuu war sturzbetrunken.
Plötzlich tippten zwei Finger gegen ihre Stirn. Sekunden später hob sie ihren Kopf an.
»Schätzchen, du siehst nicht gut aus~.« Der Wirt hatte die Hand zurückgezogen und nach einem Schälchen in der Spüle gegriffen. Er wischte es mit einem Lappen trocken. »Liegt dir was auf dem Herzen?«, fragte er.
Fuu versuchte sich aufrecht hinzusetzen. Es gelang ihr nicht. Stattdessen entfuhr ihr ein lauter Rülpser, der unter all den Kerlen um sie herum nicht weiter auffiel. Trotzdem errötete sie und räusperte sich. »Ähm, also...« Sie blinzelte den Wirt an. »Me-Meine beiden Männer haben mich im Stich gelassen...«
»Woah, gleich zwei auf einmal?!« Der Wirt weitete die Augen. Fuu gelang es endlich, ihren Blick vollends auf sein Gesicht zu richten. Für einen Mann hatte er ungewöhnlich lange Wimpern und schöne Lippen, die er im Moment zu einem O verformt hatte. Seine Haut schien reiner als die Fuus zu sein. Aber vielleicht war es auch nur der Alkohol, der ihr das weißmachen wollte. Sie machte mit der Hand eine verneinende Geste. »Nein, nein, ich meinte meine Freu-« Sie stoppte und korrigierte sich, »-meine Gefährten. Wir, wir sind zusammen auf Reisen, um den Samurai zu finden, der nach Sonnenblumen duftet...«
Der Wirt rieb mit dem Lappen energisch über einen nassen Krug. Seine Aufmerksamkeit lag auf der betrunkenen Minderjährigen vor ihm. Dass sie so jung war, störte ihn nicht weiter. Er wollte jetzt eine Geschichte der Extraklasse serviert bekommen, alles andere spielte keine Rolle. Und genau diese würde Fuu ihm gleich liefern.
»Ach, so ist das. Und, willst du mir sagen, was passiert ist?«, fragte er mit betonter Freundlichkeit.
»Aaach, wo soll ich da bloß anfangen?« Fuu streckte die Arme in die Luft, ließ sie wieder sinken und griff sich mit beiden Händen an den Kopf. Dabei zerzauste sie ihr Haar. Dann fand sie den Faden. »Alles begann an einem Sam-..., halt, nein. An einem Freitagmorgen. Genau. An einem Freitagmorgen... Nachdem wir kilometerweit gelaufen und noch keinen Happen Essen zwischen die Zähne bekommen hatten, kamen wir...«

. . . . .

...endlich in der Stadt an, die sie auf der Karte angepeilt hatten. Mugen begann breit zu grinsen und sich die Hände zu reiben.
»Oi, Flachland.« Auf die Bemerkung hin zog Fuu ihren Kimono fester zu und stierte Mugen feindlich an. »Gib mir das Geld, das wir zusammengespart haben. Ich werd‘ uns ein Vermögen einhandeln!«
»Ach, und wie willst du das anstellen?«, entgegnete sie schnippischer als gewollt. Mugen reckte den Hals und sah auf Fuu herab. »Käfersumō.«
»Bitte, was?!«
»Kä-fer-su-mō. Man lässt zwei Hirschkäfer gegeneinander antreten. Der, der gewinnt, bringt seinem Besitzer ordentlich Kohle ein. Geschnallt?«
Fuu schüttelte den Kopf. »Hab‘ ich das richtig verstanden? Du willst unser Mittagessen von einem Käfer abhängig machen?« Bevor Mugen antworten konnte, hatte sie weitergesprochen: »Und wo willst du so ein Vieh herbekommen? Die krabbeln nicht überall rum!«
Jin beobachtete das Szenario mit der üblichen Schweigsamkeit. Mugen hob den Zeigefinger. »Ich hab‘ bereits einen.« Sein Grinsen wurde breiter. Und fieser. »Und hab‘ ihn eben aus seiner Schachtel gelassen.«
Schließlich lenkte er den Finger in Fuus Richtung. Auf einmal spürte sie sechs Beinchen ihren Oberkörper entlangkrabbeln. Sie bahnten sich einen Weg über ihre Brüste, und plötzlich guckten zwei Fühler aus dem V-Ausschnitt des Kimonos hervor. Fuu riss die Augen auf.
»HYAAAAAHHH!!!«


»Blöde Kuh.« Mugen streichelte über den braunen Panzer. Der Käfer zog die Fühler ein und machte sich ganz klein. »Hättest ihn fast umgebracht.«
»Pff! Wenn er nicht mal sowas heil übersteht, ist er für ein Turnier noch weniger zu gebrauchen!«
»Wo sie recht hat...« Jin rückte seine Brille zurecht. Fuu hob das Kinn an und beantwortete diesen Zuspruch mit einem Grinsen. Mugen schmälerte die Lider.
»Die ganze Zeit hältst du die Klappe, aber wenn du ‘ne Möglichkeit findest, was gegen mich zu sagen, reißt du dein Maul auf. Wenn wir diesen Sonnenblumen-Samurai endlich gefunden haben, bist du der erste, den ich aufschlitze!«
»Nichts anderes habe ich mit dir vor«, sagte Jin knapp und verzog dabei keine Miene. Er saß mit durchgestrecktem Rücken auf dem Sitzkissen der kleinen Gaststädte, in der sich die drei niedergelassen hatten. Die Bedienung kam zu ihnen, um ihre Bestellung entgegenzunehmen.
»Also, ich hätte gerne fünf Fleischklöße, eine Portion Dampfnudeln, zwei gefüllte Omeletts mit Meeresfrüchten, drei-«
»Stopp, Vielfraß!« Mugen wandte sich der Bedienung zu und zog mit dem Finger einen Strich in die Luft. »Für jeden ein kleines Reisschälchen. Das war’s.«
»Bist du bescheuert? Wir haben schon tagelang nichts Anständiges mehr gegessen und genug Geld, um mal ordentlich zuzulangen! Warum nutzt ausgerechnet du das nicht aus?!«
Fuu krallte die Finger in den rosa Stoff. Jin seufzte auffällig laut und lenkte den Blick zur Seite. Mugen begann wieder den Panzer des Hirschkäfers zu tätscheln, welcher ruhig auf seiner Handfläche saß. Als die Bedienung irritiert nachhakte, bestätigte Mugen die Bestellung und schielte anschließend zu Fuu. »Dummkopf, wir können nicht alles Geld auf einmal verprassen. Ich brauch‘ doch noch Einsatzgeld für den Sumō. Und außerdem:« Er musterte Fuus Oberweite und rieb sich dabei das Kinn. »Selbst wenn du hundert Fleißklöße isst, bleiben deine Brüste platt wie eine Flunder.«
»Mugen, du Idiot!«
Jins zweiter Seufzer war lauter als der vorige.

. . . . .

»So, so... platt wie eine Flunder also...«
Der Wirt musterte Fuu eindringlich, die bereits bei ihrem achten Becher Sake war. Nachdem sie diesen in einem Zug geleert hatte, stützte sie den Ellbogen auf der Theke und den Kopf mit der flachen Hand ab. Die Ärmel des Kimonos hatte sie nach oben gekrempelt. Die Brotkrümel an ihrem Arm störten sie nicht weiter. Sie zog einen Schmollmund und sprach dann weiter:
»Aber das ist noch längst nicht alles. Mugen, dieser Volltrottel, hat dann wirklich bei diesem Käfersumō teilgenommen und...«

. . . . .

...verlor alle Ersparnisse, die sie seit dem Verlassen der letzten Stadt mühevoll zusammengekratzt hatten. Und seinen Käfer obendrein auch - er war beim letzten Kampf verunglückt.
»Potchi ist nur wegen dir gestorben!«
Fuu zog eine Augenbraue hoch. »P-Potchi?«
»Mein Käfer.«
»...du hast deinem Käfer einen Namen gegeben. Deinem... Käfer.«
Mugen verschränkte die Arme. »Er war der Schlüssel zum Reichtum, ein Name ist ja mal das Mindeste.« Er stand auf und zeigte auf Fuu. »Und er konnte nur nicht gewinnen, weil du ihn davor mit deinem hysterischen Händerumfuchteln verwundet hast!«
Fuu plusterte die Wangen. »Selbst schuld, hättest ihn ja auch von mir fernhalten können. Außerdem hast du dir das Geld einfach genommen, ohne zu fragen.«
»Ich hatte gefragt. Und du hast rumgezickt, wie immer. Was wundert’s dich also?«
»Mugen, du bist so...« Fuu verstummte und sah sich in der winzigen Hütte um, die sie für wenig Geld als Übernachtungsstätte hatte ergattern können. Zumindest für eine Nacht. »Wo ist Jin eigentlich?«
Mugen zuckte mit den Schultern. »Keinen Schimmer. Ist doch egal, die Brillenschlange braucht eh keiner.«
»Es ist mir nicht egal. Im Gegensatz zu dir macht er uns wenigstens nicht bankrott!«

Plötzlich wurde die Tür aufgeschoben und Jin trat herein. Er hielt den Kopf gesenkt und an seinen Haarspitzen perlten Regentropfen. Erst jetzt hörte Fuu den Regen von draußen plätschern.
»Da ist ja unser Ausreißer«, stellte Mugen fest. Fuu lächelte matt; irgendwie stimmte es sie glücklich, nach all den Streitereien Jins Gesicht zu sehen. Sie kam auf ihn zu und sah zu ihm auf. »Du bist ja ganz nass, hattest du keinen Schirm dabei?«
Er hob den Kopf langsam an. Nach kurzem Zögern sagte er: »Doch. Aber...«

. . . . .

»Der eine ein talentfreier Zocker und der andere ein hoffnungsloser Romantiker. Ganz im Ernst, Kleines, mit deinen Begleitern hast du eine verdammt schlechte Wahl getroffen.«
Mittlerweile war es ruhiger geworden. Es war schon nach Mitternacht, und die meisten der Gäste hatten die Kneipe torkelnd und lallend verlassen. Fuu saß als Einzige vorn an der Theke und fühlte sich immer träger.
»Warum drückt dieser Idiot auch irgendeiner dahergelaufenen Frau seinen Regenschirm und die letzten paar Münzen in die Hand, nur weil sie ihm irgendwas von ihrem verstorbenen Sohn und ihrem bösen Ehemann vorwimmert? Wie kann man nur so naiv sein?!«
Der Wirt klopfte auf Fuus Schulter. »Du bist vom Pech verfolgt, Liebes~«, flötete er, wofür Fuu ihm am liebsten eine verpasst hätte. Jedoch war der Mann im Moment der Einzige, der ihr Gehör schenkte. Augenrollend setzte sie ihre Erzählung fort.
»Nun ja, und als Jin sich bei mir für seine dumme gute Tat entschuldigte...«

. . . . .

...platzte Fuu der Kragen. »Jin, was sollte das?! Wegen dir sind wir jetzt endgültig pleite! Schon mal daran gedacht, dass die Tussi dich über’s Ohr gehauen hat?!«
Mugen brach darauf in schallendes Gelächter aus. »Von wegen, er macht uns nicht bankrott!«, rief er, nachdem er nach Luft gerungen hatte.
»Die Summe, die du verloren hast, ist um Welten größer, Mugen«, merkte Jin monoton an und setzte sich im Schneidersitz auf den hölzernen Boden. Mugen sah aufmerksam auf. »Wie war das, Brillenheini?«
Als er die Hand auf den Griff seines Schwertes legte, stellte Fuu sich zwischen die beiden. »Hey, jetzt streitet ihr zwei nicht auch noch! Wir werden schon eine Möglichkeit finden, wieder an Geld zu kommen...« Sie schenkte ihren eigenen Worten keinen Glauben.
»Wozu überhaupt? Um noch weiter zu reisen? Und deinen dummen Samurai zu finden, der sich mit Blümchenparfum einsprüht? Ich hab‘ keinen Bock mehr, nach jemandem zu suchen, von dem ich überhaupt nichts weiß!«
»Mir fehlt auch der nötige Drang, diesen Mann zu finden«, warf Jin aus der Ecke des Raumes ein. Fuu sah zwischen den beiden hin und her. Dann blickte sie zu Boden.
»Nun, ich... mir ist es sehr wichtig, ihn zu finden. Reicht euch das nicht als Grund...?«
Mugen wandte sich der Tür zu. »Nö«, sagte er prompt. »Und den Leibwächter einer so zickigen Göre zu spielen, kotzt mich langsam auch an. Such deinen Samurai doch alleine, ich steig‘ aus der Sache aus!«
»Aber du hast es mir versprochen, Mugen!«
»Ich scheiß‘ auf das Versprechen.« Er schob die Tür auf, setzte einen Fuß nach draußen, drehte sich kurz zu Fuu und Jin um und verschwand schließlich. Fuu sah ihm fassungslos nach. Zögernd wandte sie sich Jin zu. »Wenn du willst, kannst du auch gehen...«
»Hm?«
Fuu schlang die Arme um ihren Körper. »Mugen hat ja recht. Ich möchte den Samurai finden, nicht ihr. Es war dumm von mir, zu denken, dass ich Leibwächter finde, die mich bis zum Ende begleiten. Ich hab‘ mich zu lange auf euch verlassen.« Fuu schluckte den Kloß im Hals runter und sah Jin mit festem Blick in die Augen. Er stand auf und ging an ihr vorbei.
»Sicher?«, fragte er mit dem Wissen, dass es bereits entschieden war. Fuu nickte. Ohne ein weiteres Wort verließ auch Jin die kleine Hütte. Er schob die Tür hinter sich zu. Das Regenplätschern wurde lauter. Fuu sank in die Knie.

. . . . .

Fuu starrte ausdruckslos in den halbleeren Becher. Ihr Gesicht spiegelte sich in der Flüssigkeit. Die Tränen, die in ihren Augen brannten, hielt sie krampfhaft zurück.
»Gibst du die Suche nach deinem Samurai jetzt auf?«
»...is‘ wohl besser, was? Vielleicht is‘ er auch schon tot. Oder in einem ganz anderen Land. Ich weiß‘s nich‘.« Sie atmete einmal tief durch. »Un‘ mein Tantō is‘ auch weg. Da war ein wichtiger Anhänger dran, ohne den ich die Suche nach dem Samurai erst recht vergessen kann... Bestimmt hat Mugen ‘n mir geklaut, um ‘n als Wetteinsatz zu benutzen...!«
»Armes«, beteuerte der Wirt. Dann weitete er die Augen. »Was du mir erzählt hast, ist gestern hier in dieser Stadt passiert, oder?« Fuu nickte.
»Dann bedeutet das, dass du momentan pleite bist, oder?« Wieder empfing er ein Nicken als Antwort.
»Oh, Schätzchen... das ist aber gar nicht gut~.« Er beugte sich über die Theke zu ihr nach vorn und studierte ihre glasigen Augen. »Wie willst du denn den ganzen Sake bezahlen?«
Fuu legte den Kopf schief. Auf einmal verstand sie, worauf der Wirt anspielte. Vorsichtig hievte sie sich vom Barhocker und wich ein paar Schritte zurück. Doch bevor sie verschwinden konnte, hatte ein kräftiger Mann sie am Arm gepackt und zu sich gezerrt. Der Wirt kam hinter der Theke hervor und hob Fuus Kinn auf seine Augenhöhe an. Sie versuchte sich loszureißen, aber gegen den Mann, der sie festhielt, kam sie nicht an. Schließlich gab sie nach und hielt still.
»Was sollen wir mit ihr machen, Boss?«, fragte der kräftige Kerl. Der Wirt betrachtete Fuus verängstigtes Gesicht. Er begann zu grinsen.
»Jeder, der nicht mit Geld bezahlt, bezahlt mit seinem Kopf. So lautet die Regel. Aber bei dir, Kleines...« Er dachte kurz nach. »In unserem Bordell wärst du sicher gut aufgehoben.«

»Das seh‘ ich aber anders!«

Ehe Fuu sich versah, lag der kräftige Kerl mit einem gezielten Schwerthieb durch die Brust am Boden. Das rote Hemd und die unbändige Frisur konnten nur auf einen schließen lassen.
»...M-Mugen!«
»Dummes Gör, geh in Deckung!« Unerwartet hatte der Wirt einen Dolch unter seiner Weste hervorgezogen und einen blitzschnellen Angriff auf Mugen gestartet. Das feminine Äußere täuschte gewaltig. Mugen hatte noch rechtzeitig parieren und einen sicheren Abstand herstellen können. Wenige Gäste waren nach draußen gestürmt, während sich die übriggebliebenen als Gehilfen des Wirtes herausgestellt hatten. Sie hatten sich im Halbkreis um Mugen gescharrt und ihre Waffen gezogen.
»Ihr geht nicht besonders freundlich mit euren Gästen um. Da braucht ihr euch nicht wundern, dass ihr nicht bezahlt werdet.« Obwohl er sich in die Enge getrieben vorfand, grinste Mugen breit und wartete den richtigen Zeitpunkt zum Angriff ab. Die acht Männer, die gleichzeitig auf ihn losstürmten, erledigte er mit ein paar gezielten Hieben und Ausweichmanövern im Handumdrehen. Es dauerte nicht lange, bis sie allesamt keuchend und blutend am Boden lagen. Mugen wandte sich zum Wirt. Als er sah, wie dieser Fuus Handgelenke festhielt und den Dolch auf ihre Kehle richtete, erstarrte er augenblicklich.
»Du bist zu weit gegangen, Freundchen. Niemand hinterlässt ungestraft so ein Chaos in meinem Schuppen.« Die Klinge schnitt sich in Fuus Haut. Sie presste die Augen zu und hielt die Luft an. Tränen rannen über ihre Wangen.
»Sag deinem Freund schon mal ›lebe wohl‹, Kleines.«
Mugen tat einen Schritt nach vorn. »Halt!«

Der Wirt hielt tatsächlich inne. Jedoch nicht, weil er auf Mugens Ausruf gehört hatte. Seine Hände verkrampften, und er spuckte Blut, wovon ein paar Spritzer auf Fuus Kimono landeten. Als sich sein Griff um ihre Handgelenke löste, befreite sie sich vollends von ihm und rannte zu Mugen herüber. Dieser starrte auf die Schwertspitze, die sich durch den Leib des Wirtes gebohrt hatte. Kurz darauf wurde sie wieder herausgezogen, und eine große Gestalt baute sich hinter dem Wirt auf. Es war Jin. Mugen atmete auf. Dann schob er das Schwert in die Scheide und fand sein Grinsen wieder.
»Dich gibt’s ja auch noch, Brillenheini.«
»Unterlass diesen Spitznamen«, mahnte Jin und fuhr mit einem Tuch über die blutige Klinge, ehe er sie in der Scheide verschwinden ließ. Als sie zu Fuu herübersahen, konnte diese sich kaum auf den Beinen halten.
»Mugen... Jin... ihr seid wied-« Bevor sie zusammenbrach, hatte Jin sie aufgefangen.
»War wohl zu viel Action für sie.«
Er nahm sie huckepack. Ihr Kopf lag auf seiner Schulter und ihr Mund war seiner Nase gefährlich nahe. Jin wedelte mit flacher Hand ihren Atem davon.
»Wohl eher zu viel Sake...«

-:-

Fuu lag mit einem feuchten Tuch auf der Stirn in einem Futon und rang mit dem schlimmsten Kater ihres Lebens. Das Pochen ihrer Schläfen kam dem Sechzehntel-Rhythmus eines Schlagzeuges gleich.
»Du hast ihn mir nicht gestohlen?«
»Nö, wozu auch? Das Ding ist wertloser als meine benutzte Unterwäsche.« Mugen legte den Tantō neben Fuu auf den Boden. Sie schien ihn auf der Straße verloren zu haben, und Mugen hatte ihn, kurz nachdem er Fuu verlassen hatte, in einer Pfütze liegen sehen und mitgenommen. »Nur deshalb bin ich wieder zurückgekommen - um dir dieses Ding zu bringen. Also bilde dir bloß nichts ein!«
Mugen verschränkte die Arme und drehte sich weg. Fuu antwortete mit einem schwachen Lächeln. »Was ist mit dir, Jin?«
»Ich habe von Anfang an nichts davon gehalten. Ich stehe in deiner Schuld und das Versprechen ist weiterhin gültig.« Er machte eine kurze Pause. »Vorausgesetzt, du willst den Samurai, der nach Sonnenblumen duftet, noch finden.«
Mugen horchte auf. Fuu brauchte nicht lange zu überlegen. »Natürlich will ich das! Und wenn ich am Ende herausfinde, dass er nicht mehr am Leben ist... nun, dann war es zumindest diese Gewissheit wert.« Sie griff nach ihrem Tantō, betrachtete den Totenkopfanhänger, der daran baumelte, und schmunzelte. »Und solange ich euch an meiner Seite hab‘, kann es ja nur schiefgehen.«
»Dann bleibt mir wohl keine Wahl, als mitzumischen. Naja, mir soll’s recht sein. Wenn wir den Samurai gefunden haben, kann ich Jin endlich abmurksen, deshalb springt sogar für mich was dabei raus.«
»Wenn unsere Reise zu Ende ist, wollt ihr euch garantiert nicht mehr bekämpfen.«
Das sagte Fuu mit einer solchen Zuversicht, dass Jin und Mugen es fast geglaubt hätten. Mugen schüttelte den Kopf. »So ein Quatsch.«

-:-

»Mugen?«
»...hm?«
»Als dieser Wirt mich ins Bordell verfrachten wollte und du plötzlich aufgetaucht bist und gesagt hast, du sehest das anders...« Fuu schaute verlegen zur Seite. »Seit wann gibst du so heldenhafte Sprüche von dir?«
»Pff, was heißt ›heldenhaft‹? Du hast wirklich nichts in ‘nem Bordell verloren. Mit so flachen Titten will dich doch eh keiner.«
»...du IDIOT!«

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e n d e.


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Kleiner Fun-OS zu den drei Chaoten. Ich liebe sie. <3 Sie sind Balsam für die Seele, wenn man im Abistress ist.

Liebe Grüße,
Fujouri
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