SK Kölsch: No way to say goodbye

GeschichteDrama / P6
21.02.2011
21.02.2011
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21.02.2011 2.085
 
Titel: No way to say goodbye
Autor: Lady Charena (2006)
Fandom: SK Kölsch
Paarung: Jupp Schatz, Klaus Taube
Rating: PG, h/c
Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe/Hintergrund: Klaus Taube zieht aus Ellens Wohnung aus.
Counter-Story zu T'Lens "Taubes Auszug"

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Lyrics by Leonard Cohen.



.but now it's come to distances and both of us must try,
I'm not looking for another as I wander in my time,
walk me to the corner, our steps will always rhyme
it's just the way it changes, like the shoreline and the sea,
but let's not talk of love or chains and things we can't untie,
hey, that's no way to say goodbye.



"Wozu brauchst du all die Bücher?", fragte Jupp Schatz und verstaute ein weiteres, schwergewichtiges Lexikon in einer Umzugskiste. "Ich dachte, du hast das alles im Computer."

"Natürlich." Klaus Taube beschriftete gerade einen anderen Karton säuberlich. "Computer erleichtert uns die Arbeit, Bücher bereichern dagegen das Leben. In einem Datenspeicher findet man Informationen blitzschnell. Aber ein Bildschirm hat nie die gleiche... sinnliche Ästhetik wie ein Buch." Er sah Jupp amüsiert an und erntete einen verständnislosen Blick.

"Hey, ich lese auch Bücher", verteidigte sich Jupp.

Taube grinste. "Flos Batman-Comics fallen nicht unter die Kategorie Bücher, Jupp." Er stand auf, stemmte die Hände in den Rücken und seufzte leise, als seine verspannten Muskeln protestierten. "Apropos Flo - wo steckt der überhaupt?"

"Wahrscheinlich vor dem Fernseher." Jupp hatte neben den Lexika einen Bildband mit ziemlich erotischen Aufnahmen teilweiser oder völlig nackter Männer gefunden und auf dem ersten Blatt eine Widmung entdeckt. Sie war nicht auf Deutsch geschrieben, vielleicht französisch und die Unterschrift war völlig unleserlich. Neugierig blätterte Jupp um und pfiff leise durch die Zähne. Männer, die so aussahen, mussten ja schwul sein... Plötzlich räusperte sich Taube direkt neben ihm und Jupp zuckte zusammen. Er klappte den Bildband hastig zu und schob ihn zurück ins Regal. Erst dann sah er seinen Partner fragend an.

Taube grinste. "Du kannst ihn dir gerne mal ausleihen, wenn du dich weiterbilden möchtest", meinte er leichthin und lachte los, als Jupp doch tatsächlich rote Ohren bekam. Er klopfte ihm auf die Schulter und wandte sich ab, um den Rest seiner Kleidung knitterfrei in Kartons zu verpacken. Eigentlich erwartete er einen bissigen oder abfälligen Kommentar von Jupp - daran war er längst gewöhnt und er wusste auch hinter den Worten zu lesen - oder zumindest ein verächtliches Knurren, aber Jupp blieb stumm. Schließlich sah er auf und blickte Schatz an, der noch immer vor dem Regal stand – und ihn seinerseits anstarrte. "Was ist los?", fragte er irritiert.

Jupp wandte sich ab, lehnte sich mit dem Rücken an die Wand, so dass Taube nur noch sein Profil sehen konnte. "Ich bin nicht ganz sicher, ob ich verstehe, warum du gerade jetzt ausziehst. So Knall-auf-Fall."

Klaus hielt inne und starrte auf das Hemd, aus dem er gerade ein paar Knitterfältchen gestrichen hatte. Er legte es langsam auf die anderen, die bereits im Karton waren. "Es war immer nur als Übergangslösung gedacht, bis ich eine neue Wohnung habe."

"Willst du mit irgendjemand zusammen ziehen, ist es das? Hast du eine neue Beziehung?"

Taube blickte ihn mit einiger Überraschung an. "Ich weiß nicht, warum du denkst, das ginge dich etwas an - aber, nein, ich habe keine neue Beziehung und ich werde auch nicht mit jemandem zusammen wohnen."

Schatz fuhr sich gedankenverloren durch die Haare, verschränkte dann die Arme vor der Brust. "Ich dachte, du magst Flo."

"Was soll das? Natürlich mag ich Flo."

Jupp zuckte mit den Achseln. "Er hat dich nämlich auch gern und ist ziemlich traurig, dass du ausziehst. Ich meine, gerade jetzt, so kurz nach..." Er unterbrach sich.

Klaus musterte ihn. Er war nicht umhin gekommen, zu bemerken, dass Jupp es nach wie vor nicht aussprechen konnte.

So kurz nach Ellens Tod.

Verdammt, jeder bemerkte, dass Jupp so tat, als wäre Ellen nur auf einer ausgedehnten Urlaubsreise und würde eines Tages braungebrannt und guterholt vor der Tür stehen. Bei Flo hätte er dieses Verhalten verstanden, der war noch ein Kind. Aber er schien den Tod seiner Mutter sehr viel besser zu verkraften, als Jupp mit dem Tod seiner Ex-Frau klarkam. Und Klaus hatte auch eine ziemlich gute Ahnung davon, warum das so war - Jupp hatte Schuldgefühle. Die Tatsache, dass Ellen die Straße so unachtsam überquerte um eine Spielekonsole zu besorgen, die Jupp monatelang versprochen hatte, für Flos Geburtstag zu kaufen, war nur das hässliche Ende einer ebenso hässlichen wie langen Kette an Schuldgefühlen, deren Last Jupp vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben wirklich spürte. Er hatte sie ignoriert, wie er alles ignorierte, was ihm nicht in den Kram passte. Und immer schien jemand da gewesen zu sein, der ihm half; ihm die Last ein wenig abnahm. Ellen, die seine Unzuverlässigkeit ertrug und ausbügelte. Flo, der sich längst an einen Vater gewöhnt hatte, der nie pünktlich war und immer wenig Zeit für ihn hatte. Und sogar er selbst hatte sich mit in die Linie gestellt, und Jupps Eskapaden bei der Arbeit gedeckt, ihm den Rücken freigehalten, wenn er mal wieder gegen alle Regeln verstieß. Aber jetzt konnte Jupp zum ersten Mal nicht darauf hoffen, dass ihm jemand sagte, dass alles gut sei und er sich keine Sorgen machen solle. Und mit seinen Gefühlen konfrontiert tat Jupp, was Jupp immer tat - er schob sie beiseite und versuchte, sie einem anderen aufzulasten.

"Flo kann mich jederzeit besuchen kommen, ich bin nicht aus der Welt. Daran ändert sich doch nichts, wir können weiterhin zusammen Pizza essen gehen oder zum Fußball", sagte Klaus ruhig.

Er fragte sich, ob Jupp ahnte, dass er ihn in den ersten Tagen nach Ellens Tod ein paar Mal im Schlaf weinen gehört hatte. Das erste Mal war er ins Schlafzimmer getreten und eine Weile neben dem Bett stehen geblieben, auf dem sich Jupp unruhig hin- und her wälzte, ohne wach zu werden und ohne die Tränen auf seinen Wangen zu sehen. In den folgenden Nächten war er nur an der Tür stehen geblieben, hatte dem abgehackten, oft unverständlichen Gemurmel gelauscht, das sein Partner im Schlaf von sich gab. Er konnte sonst nichts tun. Man konnte niemanden trösten, der sich weigerte, Trost oder zumindest Rücksichtnahme zu akzeptieren.

"Wenn es nicht Flo ist, dann ist es vermutlich dieses Chaos hier, dass dir auf die Nerven geht, was?", sagte Jupp. "Ich schätze mal, du kommst dir vor wie ein Hausmädchen. Aber ich... wir... sind dir echt dankbar für alles, was du getan hast. Ich denke mal, auch gerade für Flo war es gut, dass du Regeln aufgestellt hast."

"Nein, das ist es nicht."

Jupp sah ihn wütend an. "Was zum Teufel ist es dann? Habe ich etwas gesagt, oder etwas getan, dass dich gekränkt hat? Wir arbeiten weiterhin zusammen, also kann es nicht daran liegen. Oder kommst du mir demnächst auch noch mit deiner Versetzung?", fragte er heftig. "Du hast mir mal ne Predigt über Vertrauen gehalten, aber das ist offenbar wirklich ne Einbahnstraße."

Klaus spürte, dass er langsam selbst sauer wurde. Welches Recht hatte Jupp, so in seinem Privatleben herum zu schnüffeln. Auch Freundschaft hatte Grenzen. Er kickte mit dem Fuß den Karton aus dem Weg, packte Jupp am Kragen und drehte ihn herum, um ihn gegen die Wand zu pressen, den Arm quer über Jupps Kehle. "Jetzt hör' mir mal gut zu. Ich habe dieses kindische Theater satt. Du hast ein verdammtes Scheiß-Problem, Jupp. Du kannst keine Gefühle zulassen und kuckst verächtlich auf die runter, die es tun, auf die Weicheier, wie du sie nennst. Und der Himmel bewahre, dass du dazu gehörst." Jupp machte einen halbherzigen Versuch, ihn wegzustoßen, doch Taube presste ihn stärker gegen die Wand. "Aber neben dir erfriert man. Du trampelst rücksichtslos auf allen in deiner Nähe herum und bemerkst es noch nicht mal. Werd' verdammt noch mal endlich erwachsen, setz' Prioritäten in deinem Leben und kümmere dich um deinen Sohn, um seine Sorgen und Wünsche und Träume."

Jupp schüttelte ihn ab. "Ich lass' mir doch von dir nicht vorschreiben, was ich zu tun habe", schrie er zurück. "Hast du sie eigentlich noch alle? Ich kümmere mich um Flo so gut ich kann - bei diesem Job!"

Doch Klaus ließ sich nicht zurückdrängen. Es hing schon zu lange zu vieles unausgesprochen in der Luft. Und wenn es er sein musste, der diese Worte aussprach, sollte es so sein. "Zum Teufel mit dem Job, das ist doch nur eine weitere bequeme Ausrede. Ich habe dich jeden Tag hier mit ihm zusammen gesehen. Ellen ist tot. Ja, sie ist tot! Das ist entsetzlich. Aber wenn du nicht bald anfängst, ihm zu zeigen, dass du ihn liebst und für ihn da bist, dann wird Flo eines Tages feststellen, dass er nicht nur ohne Mutter, sondern auch ohne Vater aufgewachsen ist." Klaus sah den Schlag kommen und wehrte Jupps Faust ab, so dass der ihn nur an der Schulter streifte.

"Was ist los, willst du dich lieber mit mir prügeln, als der Wahrheit ins Gesicht zu sehen?", fragte er herausfordernd.

Jupp erwiderte lange nichts, starrte ihn nur mit einer Mischung aus Wut und Verständnislosigkeit an. Dann wischte er sich mit dem Handrücken über den Mund. "Ich kann das nicht", flüsterte er. "Ich kann das nicht allein. Hilf' mir, Klaus."

Taube schüttelte langsam den Kopf. "Ich kann dir nicht helfen. Das musst du alleine schaffen. Du kannst dich darauf verlassen, dass ich da bin, wenn du mich brauchst - oder Flo. Aber ich kann deine Probleme nicht für dich aus der Welt schaffen."

"So ist das also." Jupps Augen verengten sich. "Du faselst was von Freundschaft und Vertrauen, aber dann wenn's wirklich eng wird, ziehst du den Schwanz ein und läufst weg, um deine heilige Ruhe und deine verdammte Ordnung zu wahren." Er holte aus.

Klaus fing ihn erneut ab, hielt Jupps Handgelenk fest und zog ihn an sich. Einen Moment hielt sich Jupp an ihm fest, klammerte sich wie ein Ertrinkender förmlich an ihn und Klaus spürte seinen Atem, heiß und ruckartig, an seinem Hals. Dann riss Jupp sich von ihm los und wich zurück, die Hände noch immer zu Fäusten geballt. Er wandte sich ab, lehnte sich gegen die nächste Wand, die Stirn gegen das Mauerwerk gepresst. "Du lässt ns also im Stich."

"Nein." Klaus holte tief Luft und drückte Jupps Schulter. "Nein, das tue ich nicht." Er ging an ihm vorbei zur Tür. "Ich mache dir nur das Leben ein wenig unbequemer. Das ist es nämlich, was Partner tun." Klaus ließ ihn stehen und zog die Tür hinter sich ins Schloss. Tief atemholend lehnte er sich dagegen und fragte sich, ob es überhaupt irgendetwas genutzt hatte...

Nach einem Moment richtete er sich auf und machte sich auf die Suche nach Flo.

Der schlief vor dem Fernseher. Zumindest ein Glück, so hatte der Kleine nichts von ihrer Auseinandersetzung mitbekommen. Er trat zu dem schlafenden Kind, fuhr ihm übers Haar und überlegte, ob er ihn nicht besser ins Bett brachte. Klaus schaltete den Fernseher ab. Vorsichtig nahm er Flo auf den Arm und wandte sich mit ihm zum Gehen.

In der Tür stand Jupp. Er blickte ihn nicht an. "Ich mach' das schon."

Klaus nickte und ließ sich Flo abnehmen. "Ich packe den Rest meiner Sachen besser erst morgen früh ein. Vielleicht bleibst du einfach eine Weile bei Flo. Für den Fall, dass er aufwacht", sagte er leise, um den Jungen nicht zu wecken.

Erst jetzt sah Jupp ihn an und nickte. Er schob Flo in seinen Armen zurecht, so dass der Kopf seines Sohnes an seiner Schulter lag. Dann wandte er sich zum Gehen. "Danke."

Klaus sah ihm nach und fragte sich, ob er sich das letzte Wort nur eingebildet hatte, oder wirklich gehört. Er seufzte und ging langsam zurück in sein Zimmer.


Ende
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