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Dämon unter Kirschblüten

von -mau-
GeschichteMystery / P16 / Gen
17.02.2011
17.02.2011
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"Dort haben wir noch nicht nachgeschaut!!"
"Da finden wir bestimmt etwas. In abgelegenen Häusern verstecken sich meistens solche Scheusale ..."
"..."
Sie mussten ein ganzes Stück laufen, um an das äußerste Haus im Dorf zu kommen. Es stand auf einem kleinen Felsvorsprung. Hier ging es steil nach unten, auch wenn man es nicht vermutete, wenn man vor der Haustür stand; dieser Fakt schien den Jägern seltsam.
"Noch ein Grund, sich die Bewohner vorzuknöpfen! So ein trügerischer Fels sollte gesprengt werden!", schnaubte Kino verächtlich.
"Vergiss nicht, warum wir hier sind!"
"Natürlich, Kyo, wir sollen Dämonen jagen. Aber was bringt uns das?"
"Still, Kino."
Kyo, der ältere und vernünftigere der beiden, klopfte an der Haustür. Ein wunderschönes Mädchen öffnete die Tür. Was gleich an ihr auffiel, waren ihre riesigen, rehbraunen Augen. Auch sonst war sie wunderschön. Sie trug einen hellrosanen Kimono, der wunderbar mit ihrem hübschen Gesicht harmonierte.
"sag, schönes Kind ... wohnst du hier alleine?"
"..."
Sie schwieg. Schwieg und starrte die fremden Krieger teilnahmslos an, als würde sie durch sie hindurchsehen.
"Meine Eltern sind tot. Ich wohne alleine."
Während sie diese Worte sprach, ließ sie sich keine Gefühlsregung anmerken. Dennoch hätte jeder nebenstehende schwören können, aus diesen Worten Freude heraus zu hören. Nein, keine warme, kindliche Freude, sondern das eiskalte, streitlustige Lachen eines Dämons.
"Kommt herein, ich habe nichts zu verstecken."
"Woher weiß sie ..."
"Unsere Uniformen, Kino."
In der Tat, die Krieger waren in Kleider der kaiserlichen Garde gehüllt und bis an die Zähne bewaffnet. Sie betraten das kleine Haus, ohne zu wissen, dass sie hiermit ihr eigenes Todesurteil gefällt hatten. Die Kirschbäume am Haus standen in ihrer vollen Blüte; die Blüten hatten die selbe Farbe, wie der Kimono des Mädchens.

-

Die Krieger waren der Einladung des Mädchens gefolgt und blieben für die Nacht. Sobald die Sonne untergegangen war, sahen sie nichts mehr von ihr.
Kino schlief sofort guten Gewissens ein, Kyo jedoch blieb wach, ohne zu wissen warum.
Er verließ das Haus durch die Hintertür; ihn trennte noch etwa ein Meter von der Felswand. Plötzlich sah er, wie in der Dunkelheit etwas auf ihn zu kam. Das Mädchen hatte ein schwarzes Nachtkleid an.
Kyo konnte nicht sagen, ob sie hier gewesen war oder ganz plötzlich auftauchte. Es war einfach zu dunkel.
Aber ihre am Tag noch rehbraunen Augen glühten in roter, nein blutroter Farbe. Oder waren sie immer schon rot gewesen?
Kyos Kopf wurde ganz leer, als er die roten Augen anstarrte. Er war, wie die Beute eines Raubtiers, die nicht mehr entkommen konnte. Plötzlich besinnte sich Kyo wieder und sprang durch ein zufällig geöffnetes Fenster ins Haus.
Er wollte seinen Kameraden retten, doch als er in die Schlafgemächer kam, sah er Kino auf dem Boden liegen, tot.
Um ihn herum war viel Blut, er musste verblutet sein. Kyo stürmte zurück auf den Platz hinter dem Haus, wo sich nach wie vor das gruselige Mädchen befand und schwang schon sein Schwert, als er bemerkte, dass sie nicht mehr dort war.
Da packte jemand den Arm, in dem Kyo das Schwert führte, von hinten. Sie war es. Sie biss hemmungslos zu, als ob sie eine Lammkeule vor sich hätte.

-

"Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaah ...." ...das war Kyos letzter Schrei, bevor er auf dem Grunde der Schlucht aufschlug. Oder war es der Schrei eines Raubtiers, dessen Beute den freiwilligen Tod vorgezogen hatte?
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