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Der Jäger

von MariLuna
GeschichteMystery / P16 / MaleSlash
Brave Starr Tex Hex
15.02.2011
04.04.2011
18
34.375
4
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Dieses Kapitel
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15.02.2011 1.791
 
14. Kapitel

„Läßt du mich mal was versuchen, Schatz?“ Unendlich sanft und zärtlich und all sein Gefühl in dieses „Schatz“ legend, greift Brave Starr nach dem Tablet-PC auf Tex’ Knien und zieht es zu sich hinüber.

Sie sitzen auf dem zerwühlten Bett, Tex in T-Shirt und Shorts, und der Marshall nur in Shorts – die er sich nach Tex’ aufgeregtem Auftritt und nachdem er endlich verstanden hatte, was eigentlich passiert ist, schnell übergezogen hat, weil dies doch nach einer längeren „Unterbrechung“ aussieht – und soeben hat Tex mit Hilfe des GPS-Empfängers den momentanen Aufenthaltsort des Vermißten bestimmen können.
Glücklicherweise hat er sich noch rechtzeitig an den kleinen Sender erinnert, den er seinem Parder vor anderthalb Jahren verpasst hat.

Und jetzt wissen sie, daß sich der kleine Rabauke zwanzig Kilometer entfernt am äußersten Rand der Shoona-Schlucht aufhält. Leider zu weit weg für Brave Starrs Falkenaugen, aber er hat schon eine andere Idee. Und bevor sich Tex einfach in einer übereilten Aktion zu seinem Parder teleportiert, greift der New Cheyenne lieber ein.

„Was machst du da?“ Neugierig rutscht Tex näher, bis sich ihre Oberschenkel berühren, und als er sich dann noch näher lehnt, um auch ja gar nichts zu verpassen, stützt er sich mit seiner rechten Hand eher zufällig auf Brave Starrs linkem Knie ab.

Brave Starrs Finger, die in Pumageschwindigkeit über den Touchpad fliegen, stocken für einen Sekundenbruchteil, denn alleine diese kurze Berührung jagt ein angenehmes Prickeln durch seinen Oberschenkel, direkt in seine Lenden.

Er ignoriert es nicht, sondern nimmt es hin und genießt die Spannung – ebenso wie er Tex’ Nähe, seinen Duft und seine Wärme genießt. Und er beweist, daß er sich weder ablenken, noch aus der Ruhe bringen läßt.

„Ich lade uns die Echtzeit-Satellitenbilder hoch“, erklärt er bereitwillig. „Die sind Infrarot unterstützt und gestochen scharf. So wissen wir gleich, was wirklich los ist.“

„Nutzt da jemand etwa seinen Marshall-Status?“ neckt ihn Tex, während er noch einige Zentimeter näher rückt. Seine Hand, die bisher auf seinem Bein lag, verschwindet und hinterläßt ein kurzes Gefühl der Leere, doch da er ihm stattdessen den ganzen Arm um die Schultern legt, verblaßt es schnell.

„Wo ich die Codes schon mal habe“, schmunzelt Brave Starr. „Aber Satellitenzeit ist teuer und nur auf den Notfall begrenzt.“

„Danke“, gerührt knabbert Tex an einem dunklen Ohrläppchen herum. „Ich hoffe, du bekommst deswegen keinen Ärger?“

„Und wenn, wär’s mir auch egal“, entgegnet Brave Starr schulterzuckend und hält den Tablet-PC wieder etwas in Tex’ Richtung.
„Da, sieh.“

Tex beugt sich etwas vor, und seine Augen werden schmal, als er versucht, aus der grünlichen Luftaufnahme schlau zu werden. es dauert ein wenig, bis sein Gehirn die Informationen verarbeitet hat, aber dann seufzt er auf. Nur, um gleich darauf das Gesicht in den Händen zu vergraben.

„Dieses blöde Vieh!“ schimpft er grenzenlos erleichtert. „Wenn der nach hause kommt, mach ich einen Bettvorleger aus ihm!“

Grinsend beobachtet Brave Starr auf dem Display, wie sich ein kleines Geschöpf – der Parder – an einem undeutlichen Bündel zu schaffen macht. Wahrscheinlich ein großes Tier, das er entweder gefunden oder selbst gerissen hat. Nicht zu sehen ist jedoch der andere parder, der daneben sitzt und ihn einfach nur gebannt beobachtet.
Soviel Brave Starr aus seinem kläglichen Wissen über diese bedrohte Tierart zusammenkratzen kann, werden sie gerade zeugen einer Brautwerbung à la Miniparder, in deren Verlauf der Kater seiner auserkorenen Kätzin ein Jagdgeschenk überreicht.

„Das ist niedlich“, erklärt er schmunzelnd, während er Tex’ sachte über den nackten Oberarm streichelt. „Und immerhin wissen wir jetzt, daß ihm nichts passiert ist.“

Tex stöhnt leise auf, schüttelt ergeben den Kopf, schaltet den Tablet-PC aus und legt diesen dann auf den Nachttisch.

„Von Smith ist weit und breit nichts zu sehen“, ergänzt Brave Starr derweil.

Der Glanz in Tex’ roten Augen bekommt etwas Abwesendes. Er streicht sich einmal durch seinen langen Schnauzer und dann durchs Haar und gibt ganz allgemein ein sonderbar nachdenkliches Bild ab.

„Ich hätte ihn gespürt“, erklärt er leise.
Merkwürdigerweise klingt er aber nicht mehr so sicher wie in den letzten Tagen.

Brave Starr entgeht dies nicht.

„Ich finde es tröstlich zu wissen, daß die Satellitenbilder im Umkreis von zehn Meilen unserer kleinen Fellkugel kein menschliches Wesen angezeigt haben.“

Da muß Tex ihm allerdings zustimmen.

„Und jetzt beruhige dich.“ Unendlich sanft faßt er nach Tex’ linker Hand, um sich über jede einzelne Fingerspitze zu küssen.
Er spürt nur zu deutlich, wie sehr dessen Hand noch von dem ausgestandenen Schrecken zittert, und nicht zum ersten Mal berührt ihn diese verletzliche Seite seines Liebsten, die dieser all die Jahre so sorgsam vor ihm verbergen konnte.
Und er ist wirklich froh, jetzt für ihn da sein zu können.

So hätte er vor Zufriedenheit beinahe aufgeschnurrt, als er spürt, wie sich Tex mit jedem Kuß, den er sich langsam über dessen Arm hoch bis zum Ärmel seines T-Shirts arbeitet, immer mehr entspannt, bis er letztendlich zurück in die Kissen sinkt.

„Ist es nicht lustig“, raunt Brave Starr gegen Tex’ Mund, dicht vor ihrem nächsten Kuß, „daß jetzt – genau jetzt – zwei Tex Hex auf einem Planeten gleichzeitig dieselbe Art von Spaß haben?“

„Er ist ein Kater -“, beginnt Tex zu widersprechen, doch was immer er noch hinzufügen wollte, es wird von Brave Starrs Zunge verschluckt, die sich gerade frech und geschickt wie immer zwischen seine Kiefer schiebt.
Und als sich der große, starke Körper des Marshalls auch noch der Länge nach auf ihn schmiegt, hat er sowieso schon vergessen, was er noch so alles sagen wollte.

***


Draußen herrscht schon tiefste Nacht, aber ihr Zimmer wird noch immer in sanftes, gedämpftes Licht getaucht. Aus irgend einem ihm selbst unerfindlichen Grunde, fürchtet Tex Hex plötzlich die Dunkelheit. Es ist wie eine uralte, längst vergessene Kindheitsangst, die sich trotz aller Abgeklärtheit, aller Rationalität, aller Lebenserfahrung zurück gekämpft hat.
Zu seinem großen Glück ist Brave Starr im Moment viel zu träge, um zum Lichtschalter zu gehen. Und Tex’ Art, sich anzukuscheln und dabei so zärtlich über Brave Starrs breite Brust zu streicheln, trägt auch einiges zu dieser Mattigkeit bei.
In der Luft hängt der deutliche Geruch von Schweiß und Sex, herb und schwer und betäubend zugleich, und ganz plötzlich fühlt sich Tex an einen fremden Ort versetzt.


Durch das Bullauge fällt das dunkelrote Licht des Sterns, dessen Umlaufbahn sie gerade kreuzen, und dadurch wirkt der Schweißfilm auf der dunklen Haut wie frischvergossenes Blut. Gebannt verfolgt er das Spiel der beeindruckenden Muskeln unter dieser – wie er weiß – sehr samtigen Haut, und er findet es bedauerlich, zusehen zu müssen, wie dieser prachtvolle Körper langsam wieder unter dem Stoff der steifen Uniform verschwindet.
Plötzlich verspürt er das irrationale Verlangen, ihn zurückzuhalten, nur, um ein paar kostbare Minuten dazu zu gewinnen.

„Wieso sollen wir einen Decknamen benutzen?“ fragt er, während er sich – seine schmerzenden Muskeln ignorierend - in eine sitzende Position hochkämpft.

Sein General schlüpft erst einmal seelenruhig in seine Hose, bevor er sich zu einer Antwort herabläßt.

„Auf Anraten der Psychologen. Sie meinen, Decknamen schaffen die nötige Distanz. Nicht, daß ihr in Gefahr lauft, euch mit diesem Abschaum zu identifizieren, nur, weil ihr gleich ausseht.“

Er schnauft nur abfällig. „Weißkittel! Wir sind Elitesoldaten. Wir haben keine solchen Schwächen.“

Um die Lippen seines Vorgesetzten spielt ein kaltes Lächeln, als sich dieser noch einmal zu ihm hinunterbeugt. In seinen dunklen, zu schmalen schlitzen verengten Augen spiegelt sich das rote Licht wie ein gieriges Feuer.

„So spricht ein wahrer Soldat“, wispert er zufrieden und kratzt selbstgefällig über die langen Wunden auf der Brust seines Gespielen, dort, wo er noch vor wenigen Minuten in Ekstase seine Nägel hineingeschlagen hat.
Er fordert noch einen letzten, harten Kuß, bevor er sich gelangweilt wieder abwendet und zur Tür hinübergeht.
Seine Hand schwebt schon über dem Öffnungsmechanismus, als er noch einen kurzen Blick über seine Schulter zurückwirft.

„Ich habe mich sehr anstrengen müssen, um in meinem Bett einen adäquaten Ersatz für dich zu finden.“

Er wartet, bis das pflichtgemäße „Danke, Sir“ an seine Ohren dringt, dann geht er.
Das Geräusch der Weinflasche, die kurz darauf an die wieder geschlossene Tür geworfen wird und dort zersplittert, ist von außen glücklicherweise nicht zu hören.


Ungewollt verkrallen sich Tex’ Nägel in Brave Starrs Muskelfleisch und läßt diesen überrascht zusammenzucken. Und noch während Tex begreift, daß seine Angst vor der Dunkelheit einer gewissen Verlustangst geschuldet ist, überrollen ihn schon die nächsten Bilder.


„Du hast mir keine Wahl gelassen. Die MP ist hinter dir her.“

Sprachlos starrt er auf die beiden Zeilen auf dem Display seines PDAs. Er weiß nicht, ob er entsetzt oder beeindruckt sein soll von den technischen Möglichkeiten seines ehemaligen Generals, der ihn anscheinend auch über hundert Universen hinweg problemlos irgendwelche Nachrichten schicken kann.
Muß er sein PDA etwa genauso in den nächsten Mülleimer werfen wie sein Headset, nur, um endlich seine Ruhe zu haben?

„Sie sind nur noch drei Universen hinter dir! Ergib dich ihnen kampflos oder verschwinde!“

So sehr es ihm auch mißfällt, sein diesmaliges Opfer ungeschoren davonkommen zu lassen – er hat noch nicht einmal dessen Aufenthaltsort lokalisiert – er entscheidet sich fürs Verschwinden.
Bevor er allerdings den entscheidenden Knopf an seinem tragbaren Transporter drückt, erweitert er dessen Reichweite. Vielleicht verlieren seine Verfolger ja seine Spur, wenn er diesmal etwas weiter springt.


Brave Starr zischt schmerzerfüllt auf, als sich ihm Tex’ Finger noch tiefer ins Fleisch graben, doch ein Blick in dessen kalkweißes Gesicht und die schreckensstarre Miene, und er weiß, was hier gerade wieder geschieht.
Und so schlingt er nur beschützend beide Arme um seinen Desperado und wartet geduldig.
Aber selbst als der glasige Glanz aus diesen großen, roten Augen endlich verschwindet, starrt Tex noch lange nachdenklich vor sich hin. Nur die verkrampfte Haltung seiner Finger löst sich etwas, um nahtlos mit den Zärtlichkeiten fortzufahren.
Brave Starr wartet, und seine Geduld wird irgendwann belohnt.

„Warum ist es mir nie aufgefallen?“ murmelt Tex, wenn auch mehr zu sich selbst als zu dem Mann neben sich. „Seine Opfer waren allesamt ganz normal. Genau wie er … Keine Skullheads. Stampede hat mich damals völlig neu erschaffen. Die genetischen Unterschiede sind groß genug für eine dickere Membran zwischen den Universen … Aber er hat die technischen Möglichkeiten, das zu überbrücken. Holy Shit, sein Equipment ist so fortschrittlich…“

Brave Starr unterbricht ihn nicht, hört ihm nur aufmerksam zu und drückt ihn bei seinen letzten Worten einfach nur fester an sich. In ihm erwacht eine gewisse Beklemmung, als er versteht, was Tex’ Worte bedeuten.

„Wir werden ihn aufhalten“, schwört er inbrünstig, „er darf nicht weiterspringen. Er wird nicht weiterspringen! Bis hierher und nicht weiter!“

„Ja“, flüstert Tex leise.

Ein Fingerschnippen später erlischt das Licht, und dann spürt Brave Starr, wie sich der Mann in seinen Armen vertrauensvoll zu ihm unter die Decke kuschelt.
Durch den dunklen Raum weht ein einziges, geseufztes Wort. Ein samtschwarzes, erschöpftes Raunen, das weitaus mehr umfaßt als es auf den ersten Blick erscheint.

„Danke.“

***
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