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Der Jäger

von MariLuna
GeschichteMystery / P16 / MaleSlash
Brave Starr Tex Hex
15.02.2011
04.04.2011
18
34.375
4
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Dieses Kapitel
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15.02.2011 2.330
 
13. Kapitel

Diesmal ist es nicht so leicht.
Er kann ihn spüren, aber nicht so stark wie sonst.
Er haßt es aber unnötige Zeit zu verschwenden, und so zieht er – wenn auch widerwillig – seinen Lebenszeichendetektor heraus, der auf seine eigene DNS geeicht ist.
Wenn er seine eigene Position ignoriert, zeigt ihm das kleine Display ganz genau, wo er nach dem anderen suchen muß.
Zuerst tut sich nichts, und er ist schon bereit, das kleine, nutzlose Stück Technik über die nächste Sanddüne zu werfen, als er einer Eingebung folgend, die Suche etwas ausweitet. Das Gerät schlägt endlich an, auch wenn eine Übereinstimmung von 88,6 Prozent eher auf einen sehr, sehr nahen Verwandten als auf ihn selbst hinweist.
Doch da ist immer noch dieses Gefühl …
Reichlich verwirrt, nichtsdestotrotz aber entschlossen, setzt er sich in Bewegung.


Der junge, schwarzhaarige Mann schreckt aus seinen träumerischen Gedanken auf, als der dösende Mann in seinen Armen plötzlich zusammenzuckt. Vergessen sind die Ruhe und der Frieden, die ihm beim Anblick des von den untergehenden Sonnen blutrot gefärbten Seewassers vor ihm, erfüllt haben, all seine Aufmerksamkeit richtet sich nun auf seinen Liebsten, aus dessen Kehle sich ein leises, wimmerndes Geräusch löst.


Noch niemals mußte er einem Opfer derart hinterherlaufen.
Frustriert starrt Smith auf das Display. Der Punkt darauf hat sich schon wieder um drei Meilen verschoben – und das innerhalb von einer Sekunde! Wie, bitteschön, ist so etwas nur möglich?
Sein einziger Trost ist, daß er ihm dadurch näher gerückt ist.
Warum auch immer. Wie auch immer.
Das ist egal. Nur das Ergebnis zählt.
Smith kneift die Augen zusammen und starrt die Schlucht unter sich mißmutig an.
Dort unten irgendwo ist sein Opfer.
Nun, wurde auch Zeit, diese Hitze ist wirklich nicht zu ertragen.


Vorsichtig schüttelt Brave Starr den anderen an der Schulter, doch der wirft nur den Kopf zur Seite und stöhnt leise auf.


Er ist geschockt. Kann es nicht glauben. Doch auf perverse Weise ergeben die Anzeigen seines Detektors endlich einen Sinn.
Bei allem, wem er bisher begegnet ist – vom Junkie bis hin zum mustergültigen Familienvater – noch niemals ist er einem solchen Freak begegnet.
Verächtlich mustert er sein Gegenüber von Kopf bis Fuß und wieder zurück.
Das da soll er sein?


Mit einem erstickten Keuchen reißt Tex Hex die Augen auf. Doch sein Blick ist glasig. Er ist noch nicht in dieser Welt angekommen.


Schweratmend starrt er auf den reglosen Körper vor sich, schaudert, und läßt den altmodischen Revolver fallen. Seine Hände sind taub.
Sein ganzer Körper fühlt sich taub an.
Taub und kalt.
Obwohl die Stichwunde gegen die Oberschenkelarterie allein schon lebensbedrohlich gewesen war, wollte dieser Kerl bis zuletzt einfach nicht aufgeben.
Und jetzt platzt ihm fast der Schädel, als ihn die Erinnerungen überschwemmen.
Er kann kaum geradeaus sehen, als er die Leiche in die nahe Höhle zerrt und sie dort so gut wie möglich mit Sand bedeckt.
Irgendwann steht er auf und wankt davon, sich die blutbesudelten Hände abwesend an seinem grünem Hemd abwischend.


Eine lilafarbene Hand kratzt über dunkle, verschwitzte Haut, um sich dann blindlings in ein rotes T-Shirt zu krallen. Weit aufgerissene, rote Augen starren immer noch ins Leere.


Er starrt hinunter in die Tiefe, ohne den Abgrund wirklich zu sehen.
Seine Gedanken sind erstaunlich scharf und klar.
Er hat keine Chance.
Hatte sie nie.
Er hat eine Grenze überschritten.
Es gibt Dinge, die verzeiht ihm der Marshall nie.
Er ist es nicht wert.
Er hat es versaut.
Und damit seine letzte Hoffnung zerstört.
Stampede ist stinksauer. Seine offene Auflehnung heute, sein Angriff auf den Semidrachen, wird ein Nachspiel haben.
Er könnte betteln.
Flehen.
Besserung versprechen.
Seine Strafe von Stampede empfangen, und es ertragen wie so unzählige Male zuvor.
Aber er ist zu müde, um sich zum Weitergehen zu zwingen.
Denn da ist nichts mehr, für das es sich lohnt zu atmen.
Er holt noch einmal tief Luft, schließt die Augen und macht einen Schritt ins Leere.


Mit einem lauten Keuchen kehrt Tex Hex in die Wirklichkeit zurück. Das Gefühl zu fallen verblaßt, und jetzt, wo er weiß, woher es stammt, hat es seinen Schrecken für ihn verloren.

Das erste, was er wirklich wahrnimmt, sind diese braunen Augen, die jetzt vor Sorge jedoch beinahe schwarz wirken.

Nur ganz am Rande seines Bewußtseins registriert er die starken Arme die ihn halten, den vertrauten Duft und die Wärme des Körpers des anderen, der ihm soviel Sicherheit verspricht, und noch viel langsamer erinnert er sich, daß sie zusammen am Seeufer sitzen und eigentlich nur den Sonnenuntergang betrachten wollten.
War er eingeschlafen? Anzunehmen.
Haben seine Träume Brave Starr erschreckt? Eindeutig.

Schuldbewußt löst er seine Finger aus dessen T-Shirt und murmelt eine leise Entschuldigung.
Brave Starr schenkt ihm nur ein leises Lächeln und haucht ihm einen Kuß auf die Stirn. Dann fragt er nur ein einziges Wort.

„Smith?“

Tex nickt. Und so gut auch immer er sich in Brave Starrs Armen fühlt, jetzt braucht er etwas Abstand. Langsam setzt er sich wieder eine aufrechte Position, duldet aber Brave Starrs Arm um seine Schultern. Er braucht diesen Hauch von Wärme und Geborgenheit.

„Ist er hier?“ erkundigt sich der junge Marshall leise, behutsam, aber nichtsdestotrotz alarmiert.

Tex lauscht kurz in sich hinein. Irgend etwas ist nicht wie sonst, und es hängt mit seinem psychopathischen Alter Ego zusammen, aber in der Nähe ist er nicht.

„Nein. Aber … ach, ich weiß auch nicht.“

Frustriert streicht er sich erst durch seinen Schnurrbart, und dann durchs Haar, schnappt sich dann einen kleinen Kieselstein und wirft ihn hinaus in den See.
Düster starrt er auf die kleinen, kreisförmigen Wellen, die sich mit den anderen vermischen und versucht das plötzliche Gefühl, ebenfalls wie dieser Stein langsam in die schwarze Tiefe zu trudeln, zu ignorieren.

„Das wird immer seltsamer.“ Eine leichte Berührung an seinem nackten Fuß läßt ihn nach unten blicken. Stirnrunzelnd fischt er den kleinen blauen Plastikfetzen aus dem Wasser. Noch während er sich mißmutig fragt, wer hier diese traumhafte Oase als Mülleimer benutzt, redet er weiter.
„Langsam weiß ich nicht mehr, was davon aktuelle Ereignisse oder einfach nur Erinnerungen sind.“

Brave Starr beobachtet einigermaßen konsterniert, wie Tex den kleinen Plastikrest, der wohl von einer Mülltüte stammt, nervös in seinen Fingern hin und her dreht.

„Nun“, erklärt er, während er seinen Griff um dessen Schulter festigt, „es wundert mich sowieso, daß du noch einigermaßen bei Verstand bist.“

„Danke, für das einigermaßen“, kommt es mit einem schiefen Seitenblick zurückgeschnauft.

„Immer gerne wieder.“ Lachend beugt sich der Marshall zu ihm hinüber und gibt ihm ein Küßchen auf die Wange.

„Und?“ will er dann wissen, weil Tex sich ausschweigt und stattdessen nur abwesend auf das blaue Plastik starrt.

Tex, der das nagende Gefühl nicht los wird, daß ihn die Farbe an etwas erinnern müßte, schreckt bei dieser Frage aus seinen Gedanken.

Er zögert, doch Brave Starrs gespannte Miene läßt ihm keine Möglichkeit für Ausflüchte. Und so erzählt er ihm so präzise wie möglich von dem Wenigen, woran er sich noch erinnert, aber noch während er spricht, fällt ihm auf, wie verworren das alles in den Ohren seines Liebsten doch klingen muß.
Und doch spricht er weiter, denn es hat auch etwas extrem Befreiendes an sich, als würde er sich eine bisher unbekannte Last von den Schultern reden.

Das blaue Plastik löst sich durch einen kleinen magischen Impuls in Luft auf, und nimmt dieses merkwürdige Gefühl, sich an irgend etwas dringend erinnern zu müssen, mit sich.

„Ich bin wirklich froh, daß du da bist“, schließt er leise und verlegen, aber auch absolut ehrlich.

„Wo sollte ich sonst sein?“ erwidert Brave Starr schlicht, zögert kurz und fügt dann genauso verlegen hinzu: „Außer an deiner Seite?“

Tex verschlägt es für einen Moment glatt die Sprache. Das warme Gefühl, das ihn bei Brave Starrs Worten erfüllt, macht ihn beinahe schwindelig.

„Danke.“ Es ist nur ein rauhes Flüstern, was seine Kehle verläßt, als er seinen Marshall umarmt.

***


Sie sitzen noch lange zusammen auf diesen Felsen am Seeufer. Brave Starr hat sich hinter Tex Hex gesetzt, die Arme locker um dessen schmale Taille geschlungen, das Kinn auf dessen Schulter abgestützt, während sich Tex völlig entspannt an ihn lehnt. Ihre Finger haben sich miteinander verschlungen, irgendwo auf der Höhe von Tex’ Gürtelschnalle, und so, wie Tex Brave Starrs Atem lauscht, spürt dieser dem Gefühl nach, wie sich Tex’ flacher Bauch unter jedem seiner Atemzüge hebt und senkt.
Daß sie in genau demselben Rhythmus atmen, fällt ihnen nicht bewußt auf, aber beide baden sie in der Nähe und Wärme des anderen und genießen das Gefühl der Vertrautheit, das sich zwischen ihnen entwickelt hat.

Sie sitzen an derselben Stelle wie an ihrem ersten Abend, und genau wie vor drei Tagen, sehen sie der Nacht zu, wie diese sich langsam über die kleine Oase senkt, wie das rote Licht immer matter wird, wie die Bäume und Häuser am anderen Ufer allmählich dunkel werden, bis sie nur noch als pechschwarze Silhouetten vor einem dunkelblauen Nachthimmel stehen. Sie sehen, wie die Lichter in den Fenstern oder kleine Gartenlampions langsam eingeschaltet werden und den ersten Sternen Konkurrenz machen.

Und wie am ersten Abend sitzen sie schweigend beieinander, während sich die Welt um sie herum der späten Stunde anpaßt. Die Dodous, tagsüber sonst nur zu hören, wenn sich jemand ungebeten ihrem Revier nähert, schnattern und girren mit den Vögeln um die Wette und verstummen dann beinahe gleichzeitig, und machen Platz für das Konzert der Zikaden und Frösche.
Über den See weht ab und zu der Ruf eines Wasservogels, und es plätschert lauter als sonst, wenn ein Fisch die Wasseroberfläche durchstößt, um nach einem Insekt zu schnappen.
Und irgendwo vom jenseitigen Ufer wehen die leisen Töne eines Gartenfestes zu ihnen hinüber.

Alles sanfte, beruhigende Geräusche, die ihre Seelen und Herzen berühren und ihnen beiden einen gewissen Frieden schenken. Sie wissen beide, daß sie etwas ganz besonderes miteinander teilen, und vor allem Brave Starr ist glücklich.
Denn wer hätte je gedacht, daß ausgerechnet Tex Hex in dieser Hinsicht ihm so ähnlich ist?

„Du?“ bricht Brave Starr das Schweigen zwischen ihnen irgendwann.

„Ja?“

„Wenn das hier … also, ich meine das mit Smith … hinter uns liegt … wiederholen wir das hier dann mal? Ich meine, wenn sich J.B. mit ihrem Parr Luke hier immer herumtreibt, kann ich mich ja wohl auch öfters mit meinem Freund hier vergnügen. Das Haus gehört mir schließlich auch zur Hälfte.“

Tex schweigt verblüfft. Hat er das eben richtig verstanden?
Kann sich sein Marshall tatsächlich so etwas wie eine gemeinsame Zukunft mit ihm vorstellen?
Ist er wirklich schon so weit?
Tex hofft, daß es sich nicht nur um jugendlichen, kurzlebigen Übereifer handelt, denn dem New Cheyenne muß doch klar sein, daß da gewaltige Probleme auf ihn zurollen können. Kaum jemand würde es verstehen, geschweige denn billigen.
Aber noch bevor er seine leisen Zweifel ansprechen kann, fällt ihm rechtzeitig ein, daß er es hier mit dem Rebellen Brave Starr zu tun hat, mit demjenigen, der erst heute Mittag Shaman so eindrucksvoll die Stirn geboten hat.
Er sollte wirklich endlich lernen, sich nicht mehr von seinen schlechten Erinnerungen beeinflussen zu lassen. Er sollte endlich lernen zu vertrauen.

„Das klingt gut“, erwidert er daher leise.

„Ich bin nicht so wie er.“ Es scheint, als habe Brave Starr seine Gedanken gelesen, als dieser ihm sanft das Haar zurückstreicht und sich über die dunkle Narbe an Tex’ Hals küßt. „Ich weiß zwar nicht, wie wir das alles unter einen Hut bringen sollen – ich meine unsere beiden Jobs … vielleicht geht es wirklich erst einmal nur mit heimlichen Treffen, aber eines weiß ich ganz sicher:  das zwischen uns ist mir zu wichtig, als nicht darum zu kämpfen.“

„Ich warne dich, Brave Starr: ich bin sehr besitzergreifend.“

Doch dieser lacht nur leise. „Na und? Ich auch.“

Grinsend dreht sich Tex in seiner Umarmung zu ihm um, nur, um ihn in einen sanften, zärtlichen Kuß zu ziehen. genüßlich die Augen schließend, heißt Brave Starr dessen heiße, feuchte Zunge in seinem Mund willkommen, läßt sich nach hinten fallen und zieht Tex mit sich.
In seinem Rücken spürt er rissige Felsen, Gras und Sand, doch dieser Sinneseindruck verblaßt schnell vor dem, wie sich der geschmeidige Körper des anderen an ihn schmiegt, und als sich ihre beiden Erregungen berühren, nur gebannt durch den Stoff ihrer Hosen, entringt sich nicht nur Brave Starrs Kehle ein sehnsüchtiges Keuchen.

„Rein“, stöhnt er etwas atemlos in ihren Kuß und spürt sofort darauf dieses typische Teleportationskribbeln und dann …
kühle Laken unter seiner Haut, ein vor Erregung bebender Körper über ihm, gierige Finger, die ihn Stück für Stück aus seiner Kleidung pellen, heiße Küsse, die sich mit zärtlichen Berührungen abwechseln, und dann versinkt seine Welt in glühender Leidenschaft.

***


Zitternd und noch ganz benommen liegt er auf dem Rücken im Bett und blinzelt in das gedimmte Licht. Sein ganzer Körper glüht noch von dem Vorhergehenden. Er ist ganz einfach noch zu geschafft, um auch nur an eine Dusche zu denken – egal, wie nötig er sie hätte – und er staunt ein wenig über Tex’ Selbstdisziplin und Verantwortungsbewußtsein, die diesen dazu veranlaßt haben, sich jetzt nach unten zu quälen, um den herumstreunenden Kater endlich hereinzuholen. Was nicht lange dauern sollte, denn es ist schon spät, und wie er in den letzten Tagen hatte verfolgen können, saß das Tier immer zu einer bestimmten Uhrzeit wartend vor der Haustür.
Um Brave Starrs Lippen spielt ein kleines Lächeln, als er sich erinnert, als vor seinem inneren Auge das Bild eines rotbraunen Parders auftaucht, der Tex’ erst einen vorwurfsvollen Blick aus großen orangeroten Augen zuwirft, beschwerend miaut und dann hoheitsvoll an ihm vorbei in die Küche rauscht, um dort sein Abendessen in Empfang zu nehmen.
So, wie er es an den letzten Abenden immer erlebt hat.

Tex kann sagen, was er will, dieser Parder hat verdammt viel Ähnlichkeiten mit unserem Tex Hex.

Das Geräusch von nackten Füßen, die die Treppe hinaufhasten, schreckt ihn aus seinen Gedanken, und noch bevor sein Liebster völlig aufgelöst vor ihm im Raum steht, zieht sich sein Herz ahnungsvoll zusammen.

„Er ist weg!“ Tex versucht, Fassung zu bewahren, aber so ganz will es ihm nicht gelingen. „Ich kann ihn nicht finden! Mein Katerchen ist weg!“

***
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