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Der Jäger

von MariLuna
GeschichteMystery / P16 / MaleSlash
Brave Starr Tex Hex
15.02.2011
04.04.2011
18
34.375
4
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15.02.2011 3.064
 
So, das hat jetzt sehr lange gedauert, aber dafür ist es etwas länger. So ist das eben, wenn mir die Musen davongeflattert sind … seufz …
Aber keine Angst, diese Geschichte wird beendet, auch, wenn die Kapitelabstände etwas länger werden als sonst …
Und jetzt viel Spaß!
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12. Kapitel


Mit der Petersilie in der Hand kommt der junge New Cheyenne zurück ins Haus. Es war schwieriger, die Kräuter im Garten zu finden als gedacht, und noch schwieriger, einige Pflanzen aufzutreiben, die nicht den Dodous zum Opfer gefallen sind.
Aber es hat gut getan, zehn Minuten mal mit sich und seinen Gedanken ganz alleine zu sein. Er mußte sich irgendwie mal etwas sortieren.
Genau wie gestern haben sie ein paar Stunden mit dem Kanu auf dem See verbracht, nur, hat er diesmal hinter Tex gesessen und stark mit seinem Körper zu kämpfen gehabt. Einen Körper, der anscheinend nur noch an einem interessiert ist.
Und weil ihm so etwas einfach noch niemals zuvor passiert ist, ist er reichlich verwirrt.
Natürlich genießt er diese innere Anspannung, die jetzt ständig in ihm wühlt, diese Schmetterlinge in seinem Bauch und sogar die schwitzigen Hände, aber es irritiert ihn zugleich. Schließlich ist er kein hormongesteuerter Teenager mehr.
Dies hier ist ganz anders als die kleinen, harmlosen Schwärmereien oder unzüchtigen Gedanken, die ihn manchmal in Zusammenhang mit dem Anführer der Carrion Bunch überkamen.
Es ist wesentlich mehr.
Sehr viel mehr, als er je sicher war empfinden zu können.

Er betritt das Haus durch die Terrassentür, und sein Herzschlag beschleunigt sich sofort, denn da steht Tex mit dem Rücken zu ihm am Herd, und er fühlt sich sofort wie magisch angezogen. Mit wenigen schnellen Schritten ist er hinter ihm.

„Du kochst gut.“

In der Luft hängt der Geruch von gebratenen Zwiebeln und Gewürzen. Brave Starr schnuppert genüßlich, legt seine Arme um die schmale Taille seines Liebsten und wirft einen Blick über dessen Schulter in die Pfanne.

„Und du kochst gern.“

„Hm“, brummt Tex und rupft die Petersilie aus Brave Starrs Fingern, die es sich auf seinem Bauch bequem gemacht haben.
„Es beruhigt.“

Dunkle, wache Augen verfolgen aufmerksam, wie lilafarbene Finger die dunkelgrüne Petersilie in der Pfanne verteilen., bevor sie wieder nach dem Holzlöffel greifen und in dem Gulasch herumrühren.

„Du mußt dich beruhigen?“ Leichte Sorge spricht aus seiner Stimme.

„Hm. Im Moment eher ablenken.“

Brave Starr hört den lasziven Unterton durchaus heraus und schmiegt sich unwillkürlich noch enger an Tex’ Rücken und Hintern, während er gleichzeitig mit der Nase dieses weiche, helle Haar zurückstreicht, um mit seinen Lippen die Narbe am Hals zu liebkosen.

„Ablenken willst du dich?“ schnurrt er. „Da wüßte ich aber etwas besseres als am Herd zu stehen.“
Dachte er nicht noch vor einer Minute, daß er in Tex’ Nähe zu einem hormongesteuerten Teenager wird?
Nun, schießt es ihm zynisch durch den Kopf. Quod erat demonstandum.

Tex’ legt den Kopf schief, um ihm mehr Angriffsfläche zu bieten und genießt es, hier regelrecht angeknabbert zu werden.

„Erstens, mein Held, will ich mich von dir ablenken; und zweitens …“ er verstummt jedoch, als er sich der Härte gewahr wird, die da so fordernd gegen seinen Allerwertesten drückt. Es kostet ihn all seine Selbstdisziplin, sich jetzt nicht einfach umzudrehen und den jungen Mann direkt hier auf dem Fußboden zu vernaschen.

„Zweitens?“ hakt Brave Starr leise und in seinem verruchtesten Tonfall nach.

Tex’ Antwort ist nur ein leises, beinahe flehentliches Stöhnen.
„Nicht hier in der Küche.“

Ihm bleibt gerade noch genügend Zeit, die Kochplatten auszuschalten, da hat Brave Starr sie schon mit Hilfe seiner Geisterkräfte auf die Couch fünf Meter weiter befördert.

„Na, besser?“ Brave Starr kniet über ihm und läßt ihm gar keine richtige Gelegenheit zu einer Antwort, weil er erst seine Nase tief in dessen würzig duftendem Haar vergräbt und dann beginnt, sich genüßlich an Tex’ Kehle festzusaugen.

„Meiner“, erklärt er dann und betrachtet stolz den dunklen Fleck, bevor er beruhigend über die gereizte Stelle leckt.

„Wußte nicht, daß du so besitzergreifend bist“, lacht Tex leise. Er könnte diesen Knutschfleck jetzt mit Hilfe seiner Magie heilen, doch er verzichtet ganz bewußt darauf. Ein wenig ist er ja stolz, derart vom heldenhaften Marshall Brave Starr gebrandmarkt zu werden.

Brave Starr versucht ein zerknirschtes Gesicht zu machen, aber so ganz will es ihm nicht gelingen.
„Ist das sehr schlimm?“

„Nein, ganz und gar nicht.“ Tex atmet einmal tief durch und fährt dann leise fort: „Ich bin das nur einfach nicht gewohnt. Das ist fast zu gut um wahr zu sein.“

Seine Worte tropfen Brave Starr sofort ins Herz, und der sensible Mann versteht plötzlich vieles, was ihm bisher schleierhaft war. Er ist erschüttert, wie gering sich sein einstiger Erzfeind selbst einschätzt und wie gut er das immer verstecken kann.

„Ich liebe dich, Tex Hex.“

Tex blinzelt einmal, dann noch einmal; sekundenlang scheint er wie erstarrt, doch dann überzieht ein regelrechtes Strahlen sein Gesicht. Aber bevor er etwas darauf erwidern kann, klingelt es an der Haustür.
Das kommt so unerwartet, daß sie beide erst einmal heftigst zusammenzucken. Tex sieht und spürt, wie Brave Starr über ihm sich kurz versteift, und als seine Augen  glasig werden, weiß er, daß dieser jetzt seinen Falkenblick anwendet.
Und für einen kurzen, irrationalen Moment – schließlich weiß er ja, daß es noch nicht so ist – schwebt er in der Furcht, Smith könne vor der Tür stehen. Aber der hätte sich niemals unbemerkt durch die Dodous schleichen können.

„Shaman“, erklärt Brave Starr dann kurzangebunden, blinzelt, und seine Augen werden wieder klar, auch, wenn jetzt so etwas wie verhaltener Ärger in ihnen aufblitzt.
Als er sich erheben will, um zu öffnen, hält Tex ihn schnell am Arm zurück.

„Ich dich auch, Brave Starr“, sagt Tex ernst und bekräftigt seine Worte mit einem schnellen, aber sanften Kuß.

Auf den Lippen des jungen Marshalls liegt ein sehr, sehr breites Lächeln, als dieser langsam zur Tür geht.

***


Tex Hex konzentriert sich auf das, was ihm in solchen Momenten immer Sicherheit verspricht: auf seine gute Erziehung. Und so beginnt er, den Eßtisch für drei zu decken, während Brave Starr die Tür öffnet und seinen Ziehvater hereingeleitet.

Shaman schiebt einen besonders aufdringlichen Dodou zurück, wirft noch schnell die letzten Kekskrümel hinterher und beeilt sich dann, die Haustür hinter sich zu schließen.

„Shaman“, begrüßt ihn Brave Starr leicht beunruhigt, „ist etwas passiert?“

Der Blick der dunklen, wachen Augen des alten Mannes huscht kurz hinüber zu Tex Hex, der jetzt vor dem Eßtisch steht und ihm höflich zunickt. Für einen ganz kleinen Augenblick scheint sich Shaman zu versteifen, für eine Zehntelsekunde bleibt sein Blick etwas zu lange an dem blauen Fleck neben Tex’ Adamsapfel hängen, und seine Mundwinkel verziehen sich mißmutig, doch er hat sich schnell wieder unter Kontrolle.

„Guten Tag, Hex“, grüßt er mit ausgesuchter Höflichkeit. „Nein, mach dir keine Sorgen um mich, es ist alles in Ordnung, mein Sohn“, wendet er sich wieder an Brave Starr und mustert kritisch dessen saloppen Kleidungsstil. „Aber ich habe gehört, daß jemand hinter Hex her ist und wollte euch jetzt meine Hilfe anbieten.“

„Das ist sehr … nett“, erwidert Brave Starr zögernd und wirft Tex dann einen schnellen, entschuldigenden Blick zu. Die ganze Situation ist ihm mehr als unangenehm, und in Gedanken verflucht er seine Freunde, denn wer sonst wenn nicht sie sollte Shaman informiert haben? Andererseits kennt er die Hartnäckigkeit seines Ziehvaters und kann ihnen deswegen nicht einmal einen Vorwurf machen. Durch seinen Kontakt mit der Geisterwelt weiß der alte Schamane immer, wenn Gefahr droht.
Trotzdem gibt es Dinge, mit denen würde sich Brave Starr jetzt viel lieber beschäftigen, wie ihm auch der nur langsam abflauende Druck auf seinen Lenden verrät.

Tex schenkt ihm ein aufmunterndes Lächeln, bevor er seine Aufmerksamkeit auf ihren ungebetenen Gast richtet.

„Das Essen ist gleich fertig. Möchten Sie mit uns speisen, Shaman?“ Oh ja, seine Erziehung ist einwandfrei, auch, wenn er das sehr selten zeigen will.

Der grauhaarige Schamane nickt und begibt sich mit der Selbstverständlichkeit von jemanden an den Tisch, der sich hier – ob uneingeladen oder nicht – wie zuhause fühlt.

Als sie wenige Minuten später vor ihren gefüllten Tellern sitzen, räuspert sich Brave Starr vernehmlich und kommt aufs Thema zurück.

„Es ist sehr nett von dir, daß du uns helfen willst, Shaman, aber einerseits schaffen wir das ganz gut allein“, hier legt er seine Hand auf die des neben ihm sitzenden Tex und drückt diese sanft, „und andererseits … wenn, wie könntest du uns denn helfen?“

Shaman betrachtet nachdenklich die dunklen Finger, die sich unter seinem Blick tatsächlich mit den lilafarbenen verschlingen und ganz kurz huscht wieder dieser mißbilligende Zug um seine Mundwinkel.

Tex Hex ist das alles sehr unangenehm, aber er kann seine Hand jetzt nicht wegziehen ohne Brave Starr zu brüskieren. Und deshalb verärgert er lieber den Schamanen, denn der ist auch nichts anderes von ihm gewohnt. Daher gibt er seinem Herzen nach und führt Brave Starrs Hand hoch zu seinem Mund, um ihm einen typischen Skullhead-Kuß auf den Handrücken zu hauchen.

Shamans Miene versteinert regelrecht, als er mitansehen muß, wie die freche Zunge des gefährlichsten Verbrechers ganz New Texas über die empfindliche Haut seines geliebten Ziehsohnes tanzt.

„Nun, mein Sohn“, erwidert er etwas steif, „ich könnte dir bei der Bewachung von Tex Hex behilflich sein. Wir könnten uns abwechseln, damit du auch einmal zur Ruhe kommst.“

Das fehlte ihm noch! Ungebeten drängen sich Brave Starr bei dem Wort „abwechseln“ ein paar sehr unsittliche Bilder auf, und er hätte beinahe laut aufgelacht.

„Das klingt, als wäre es eine Strafe, Tex zu beschützen“, erklärt er mit einem Schmunzeln, wobei seine Finger immer noch mit denen von Tex verschlungen sind. „Aber das ist nicht so. Ganz und gar nicht. Wir genießen es richtig.“ Er hält einmal kurz inne und sieht seinem Ziehvater bedeutungsvoll in die Augen. „Wir verstehen uns richtig gut.“

Shamans Wangenmuskeln verspannen sich sichtlich, und er läßt die Gabel mit dem Gulasch, die er eben zum Mund führen wollte, wieder sinken, nur, um ihn finster anzustarren.

„Brave Starr. Erinnere dich an deine Pflichten. Setze nicht das Wohl der Menschen auf diesem Planeten aufs Spiel, nur, weil du dich trügerischen Hoffnungen hingibst.“

Man muß nicht Gedanken lesen können um zu verstehen, worauf genau der alte Schamane anspielt.
Tex Hex wirft dem Mann neben sich einen teils überraschten, teils absolut gerührten Blick zu, als er begreift, daß sein Marshall schon länger an ihm Gefallen gefunden und dies wohl schon zu ziemlichen Debatten mit seinem Ziehvater geführt hat. Stolz auf diesen unglaublichen jungen Mann erfüllt ihn. Nein, dieser Brave Starr geht seinen eigenen Weg, und das ist beileibe nicht jener, den andere für ihn vorgesehen haben.

Bestrebt, das zu verteidigen, was ihm selbst sehr am Herzen liegt, fällt er seinem Liebsten ins Wort, noch bevor dieser richtig den Mund aufgemacht hat.

„Es ist keine trügerische Hoffnung, Shaman“, erklärt Tex leise und beschenkt seinen Marshall neben sich mit einem überaus zärtlichen Lächeln.
In Brave Starrs dunklen Augen erwacht ein Strahlen, das seinesgleichen sucht, und das entgeht Shaman keinesfalls.

„Du bist ein gefährlicher Mann, Tex Hex“, Shamans Stimme bekommt einen selten eisigen Klang. „Wäre nur ein Funken Anstand in dir, würdest du Brave Starr zu seinem eigenen Wohl von dir weisen. Ich dachte, ich wäre damals deutlich genug gewesen.“

Tex starrt ihn nur verständnislos an, während seine Gedanken regelrecht rasen. Damals … was auch immer Shaman meint, er erinnert sich nicht, jedenfalls nicht so auf die Schnelle, und das kann nur bedeuten, daß er mit dem anderen Tex Hex gesprochen hat.
Schnell setzt Tex sein bestes Pokerface auf und starrt den alten Mann herablassend an.

„Ich lasse mir von Ihnen nichts sagen.“

Brave Starr, der zu demselben Ergebnis gekommen ist wie er, lehnt sich lauernd etwas nach vorne.
„Was hast du getan, Shaman? Ich habe dir schon hundertmal gesagt, daß du dich aus meinem Leben heraushalten sollst. Es geht dich nichts an, und ich lasse mir nicht vorschreiben, was ich fühle. Von niemandem. Auch nicht von dir. Also, was hast du getan?“

„Frag ihn“, knurrt sein Ziehvater in Tex Hex’ Richtung.

„Ich frage aber dich“, knurrt Brave Starr ungehalten zurück.

Shamans Lippen pressen sich zu einem schmalen Strich zusammen, und es kostet ihn zusehends Überwindung, sich zu einer Antwort herabzulassen. Aber letztendlich will er nicht, daß sein Ziehsohn ihm ernstlich böse ist.

„Ich habe in seinen Träumen zu ihm gesprochen und ihn gebeten, dir seine unpassenden Gefühle für dich niemals zu zeigen.“

„Und womit hast du ihm gedroht?“

„Ich tat es zu deinem Besten.“

„Shaman! Antworte!“

„Sonst würde ich allen alles verraten“, gibt Shaman schließlich widerwillig zu.

Bei dieser Antwort kann sich Tex Hex ein kleines Grinsen nicht verkneifen.
„Das wäre kein Problem“, erklärt er an Brave Starr gewandt und mit einem kleinen Schulterzucken. „Desperados sind nicht im Geringsten intolerant. Das sind nur die feinen Bürger und Siedler, und was die über mich sagen, ist mir eh egal.“

Er sieht Brave Starrs Stirnrunzeln und fährt leise fort.
„Katastrophal wäre es allerdings, wenn Stampede davon erfahren sollte.“ Noch bevor sein Marshall seinem Entsetzen Ausdruck verleihen kann, lehnt er sich zur Seite und haucht in ein dunkles, wohlgeformtes Ohr:
„Für mich gilt das nicht. Für mich ist Stampede kein Problem. Was nicht heißt, daß es für euren Tex nicht doch ein riesiges Problem war.“

Er hört, wie sein Liebster zischend die Luft einzieht und zuckt leicht zusammen, als sich dessen Griff um seine Hand verstärkt. Für einen Moment ist der Marshall tatsächlich so fassungslos, daß er unbewußt seine Bärenkräfte einsetzt. Aber bevor er Tex’ Hand zerquetschen kann, kommt er wieder zur Besinnung.

„Shaman!“ Noch niemals zuvor hat Brave Starr seinen Ziehvater angeschrien – bis jetzt. „Du bist zu weit gegangen! Wie konntest du nur?“
Er ist aufgesprungen, holt nun einmal tief Luft und fährt dann mit eisiger Stimme fort:
„Geh. Wir brauchen deine Hilfe nicht.“

„Es war nur zu deinem Besten, mein Junge“, beharrt Shaman, schiebt aber gehorsam seinen Teller von sich und erhebt sich langsam.

„Geh“, wiederholt sein Ziehsohn mit mühsam beherrschter Wut. „Geh, bevor ich mich vergesse. Aber wenn ich deine Gegenwart noch weiter ertragen muß, weiß ich nicht, ob ich mich noch länger beherrschen kann.“

„Brave Starr…“

„Geh. Ich melde mich, sobald ich nicht mehr das Bedürfnis verspüre, dir den Hals umzudrehen.“

„Eines Tages wirst du mir noch dankbar dafür sein.“

„Du weißt, wo die Tür ist.“

Der alte Mann wirft ihm noch einen langen, ungehaltenen Blick zu und Tex einen wahren Todesblick, bevor er sich schließlich umdreht und hoheitsvoll abrauscht.

Als die Haustür hinter ihm lautstark ins Schloß fällt, atmet Brave Starr einmal tief und zitternd durch.

„Es tut mir leid.“

Tex brummt nur etwas Unverbindliches vor sich hin, steht auf, wobei er Brave Starr kurz die Hand auf die Schulter legt und zudrückt, nimmt den noch gut gefüllten Teller von Shaman an sich und geht damit hinüber zur Terrassentür. Kaum hat er den Teller in den Garten gestellt, springen schon die ersten Dodous heran.
Schnell schlüpft er zurück ins Haus, wo er von einem überaus nachdenklichen Brave Starr empfangen wird.

„Bitte sag mir, daß nicht Shamans Drohung ein Grund war, wieso sich … der andere Tex umbringen wollte“, fragt er, während sich Tex wieder zu ihm an den Eßtisch setzt.

Tex zögert und denkt angestrengt darüber nach. Leider sind seine Erinnerungen ziemlich verwaschen, was aber auch daran liegt, daß er sich an einiges lieber nicht erinnern will. Er ist nicht dieser Tex, und will sich von dessen Gefühlen daher nicht infiltrieren lassen.
Außerdem will er nicht, daß sich sein Marshall in sinnlosen Schuldzuweisungen ergeht.
Er will ihn aber auch nicht belügen.

„Ich habe mir darüber keine Gedanken gemacht“, gibt er widerstrebend zu. „Aber eines ist definitiv klar: man braucht einen unerschütterlichen Glauben an die Zukunft, ganz egal, wie klein auch immer, wenn man für Stampede arbeitet. Wenn man nämlich erst einmal für ihn arbeitet … arbeiten muß …läßt er einen nie mehr gehen. Nicht freiwillig. Und schon gar nicht lebendig.“

„Und wieso fürchtest du die alte Echse dann nicht auch so?“

Um Tex’ Mundwinkel zuckt ein schmales, hintergründiges Lächeln.
„Das hat mehrere Gründe. Willst du sie wirklich alle hören?“ Und als sein Liebster nur heftig nickt, mit funkelnden Augen, lehnt er sich etwas in seinem Stuhl zurück und zwirbelt verschmitzt seinen langen Schnauzer.
„Was soll ich sagen? Ich war schon immer ein Querulant. Ich habe schon meinem Stampede oft die Stirn geboten, ganz egal, welche Konsequenzen das für mich hatte.“ Sie grinsen sich vielsagend zu, als sie beide dasselbe denken, nämlich, daß eine der besagten Konsequenzen nun jene ist, daß er in diesem Paralleluniversum gelandet ist.

„Na ja, und als ich hier landete, verwechselte mich dieser Stampede zuerst mit seinem Tex. Dem er kurz vorher die Magie entzogen hatte. Und so gab er also nicht seinem Tex, sondern mir dessen Magie zurück.“ Wobei er das letzte Wort mit entsprechenden Gesten in angedeutete Gänsefüßchen setzt. „Als er seinen Irrtum bemerkte, war es zu spät. Unsere Magie hatte sich vermischt und ist daher zu etwas völlig eigenständigem geworden. Zu etwas, was er mir nicht mehr wegnehmen kann. Das heißt, ich habe jetzt ein doppelt so hohes Magielevel wie zuvor. Es ist immer noch nichts im Vergleich zu Stampedes, aber doch sehr beeindruckend. Außerdem fühlt er sich schuldig, weil sich euer Tex in den Tod gestürzt hat. Zumindest denkt er das. Er weiß nichts von dem Parder.“

Brave Starr hat ihm aufmerksam gelauscht und kommt nicht umhin, einen leisen Stich zu verspüren.

„Er hat dich erkannt“, etwas beschämt kratzt er die letzten Reis- und Gulaschkrümel von seinem Teller. „Und ich nicht.“

Tex schüttelt nur den Kopf, denn das findet er wirklich niedlich.
„Vielleicht tröstet es dich, wenn ich dir sage, daß es meiner Gang immer noch so ergeht. Und die-“ ergänzt er mit einem theatralischen Verdrehen der Augen, „wohnen mit mir zusammen.“

„Hm. Ich schätze, wenn denen was komisch vorkäme, würden sie dich trotzdem nicht darauf ansprechen. Du bist ihr Boß. Und den zweifelt man besser nicht an. Schon gar nicht“, an dieser Stelle schleicht sich ein verschlagenes Grinsen auf Brave Starrs Gesicht, „wo doch jeder dein aufbrausendes Temperament kennt.“

„Soooo?“ gedehnt, gehaucht und begleitet von einem anrüchigen Augenaufschlag. „Ich habe also zuviel Temperament für den lieben Marshall?“

„Aber nicht doch“, lächelt dieser charmant zurück, diese leicht aggressive Form des Flirtens, eine andere Art des Duellierens, sichtlich genießend, „ich wüßte da schon einiges, bei dem deine wilde Seite sehr vorteilhaft sein kann.“

Tex kann gerade noch ein herausforderndes „ach ja?“ schnurren, da setzt der Marshall schon seine Bären- und Pumakräfte ein.
Und keine zwei Sekunden später kann und darf Tex Hex auf der Couch sein Temperament zu Brave Starrs vollster Zufriedenheit unter Beweis stellen.

***
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