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Der Jäger

von MariLuna
GeschichteMystery / P16 / MaleSlash
Brave Starr Tex Hex
15.02.2011
04.04.2011
18
34.375
4
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96 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
15.02.2011 1.343
 
An dieser Stelle nochmal ein herzliches Danke an alle meine Reviewschreiber, diese Geschichte hier lebt tatsächlich davon – ich brauche diesen Ansporn, vor allem in Zeiten der Erkältungsbeschwerden *hust* *nies* *Antriebslosigkeit*

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10. Kapitel

Der Lippenkontakt dauert nicht länger als eine Zehntelsekunde und ist vorbei, bevor er auch nur von einem der beiden richtig realisiert wird. Doch er hinterläßt Herzklopfen und Magenkribbeln.
Für einen kurzen Moment versinkt Brave Starr in Tex’ roten Iriden, ganz gefangen von diesem, ihnen eigenen Feuer, sieht die Überraschung und die Hoffnung und all die Wärme, die darunter liegt.
Ohne einen weiteren Gedanken daran zu verschwenden, legt er seine Hand in Tex’ Nacken und zieht diesen in einen weiteren Kuß. Er hält sich nicht lange mit diesen warmen, weichen Lippen auf, er taucht gleich tiefer, sucht nach dem Geschmack und der Zunge des anderen, und es dauert gar nicht lange, da hat er beides gefunden, und das Kribbeln in seinem Magen wird zu einem aufgeregten Flattern.
Doch etwas stört.
Etwas ist … falsch.

Bedauernd zieht er sich zurück. Seine Hand ist aus Tex’ Nacken nach vorne gewandert, wo er nun abwesend dessen Kinnlinie nachfährt.
Falsch … einfach nur falsch.

Und ehe er es verhindern kann, hat er es auch schon ausgesprochen. Nur ganz leise zwar, aber Tex hat es gehört. Ganz kurz flackern in seinen Augen Schmerz und Enttäuschung, bevor sich die Leere der Ausdruckslosigkeit darüber senkt.

„Du hast recht.“ Seine Stimme – leise, traurig, verloren, aber sehr fest und klar. „Du bist Marshall, du…“

„Halt die Klappe.“

Brave Starr unterbricht ihn, denn er spürt, wie Tex Anstalten macht, nicht nur wieder körperlichen Abstand zwischen sie zu bringen.
Seine Hand noch immer an Tex’ Kinn, bringt er seine Lippen so nahe an die des anderen, daß er nicht nur dessen warmen Atem auf seiner Haut spüren kann, sondern auch die winzigen Spuren der Feuchtigkeit – Reste ihres Kusses -  die ein sanftes Schimmern auf diesen vollen Lippen hinterlassen.
Aber genau das ist das, was ihn so stört.

„Ich will dich so nicht küssen“, raunt Brave Starr leise, und wirft einen kurzen, sichernden Blick auf den Veranstalter und all die anderen um sie herum, die die kleine Szene noch nicht wirklich richtig mitbekommen haben und ausgelassen weiterfeiern.

„Bring uns hier raus. Und dann gib mir meinen einzigartigen, unglaublichen Skullhead zurück.“

Tex nickt wie betäubt. Er hört die Worte, aber er versteht sie nicht. Jedenfalls nicht, was den letzten Satz betrifft. Aber er erkennt den befehlsgewohnten Tonfall und reagiert schon aus reiner Gewohnheit darauf.

***


Das Teleportationskribbeln vermischt sich mit der Schmetterlingsfarm in seinem Magen, der Pokal endet achtlos auf einem nahestehenden Sideboard, und seine nun freie Hand landet sofort auf diesem warmen, geschmeidigen Körper, genauer gesagt auf einem jeansbedeckten Hinterteil.
Und als Brave Starr ihn dieses Mal küßt, ist alles richtig.
Alles ist, so, wie es sein soll, wie es sein muß, und so stürzt er sich begeistert auf diesen Mund.

Tex seinerseits kann sein Glück noch immer nicht fassen. Er befürchtet aber auch, daß ein Großteil von Brave Starrs Überschwang schlicht und einfach dem Alkohol zuzuschreiben ist.
Nichtsdestotrotz genießt er dessen besitzergreifende Art, und vor allem natürlich dessen Zunge tief in seinem Hals – von seinen gierigen Händen, die mal über, mal unter seiner Kleidung auf Wanderschaft gehen, mal ganz zu schweigen.

Brave Starr hört, wie Tex genüßlich in ihren Kuß hineinseufzt und lächelt unwillkürlich, während er ihn gleichzeitig noch fester an sich zieht.

„So ist’s besser“, murmelt er, während  seine Lippen eine feuchte Spur über Tex’ jetzt wieder gewohnt markante Kinnlinie zu dessen hohen Wangenknochen ziehen.
„Sehr viel besser“, bestätigt er zufrieden und streicht geradezu andächtig durch Tex’ langen Schnauzer.
„Du bist wunderschön.“

Verwirrt zieht Tex die Stirn kraus, und sofort fahren Brave Starrs Finger die dadurch entstandenen Furchen nach.

„Verzeih, aber … wie viele Cocktails hast du intus?“

„Ach, Tex.“ Schmunzelnd schmiegt Brave Starr seine Wange an die des anderen, und vergräbt seine rechte Hand in dessen dichtem Haarschopf. Versonnen läßt er einige der schneeweißen Strähnen durch seine noch immer hellen Finger gleiten.

„Das bißchen Alkohol hilft mir höchstens, genug Mut zusammen zu kratzen, um es dir endlich zu sagen.“

„Brave Starr…“

„Und dich endlich richtig zu berühren.“

Enthemmt durch den Alkohol, wagt Brave Starr seinen nächsten Schritt, der objektiv betrachtet weniger verwegen als ihre bisherigen Küsse wirken mag, für ihn jedoch einen ungleich größeren Schritt bedeutet, nämlich das Eingeständnis einer Obsession.
Und so weicht er etwas zurück – was ihm von Seiten Tex’ ein fragendes Geräusch einbringt – nimmt dessen linke Hand und führt diese an seine Lippen, wo er sich genüßlich über jede einzelne Fingerspitze küßt.

Tex’ Augen weiten sich überrascht, doch dann sinken seine Lider auf Halbmast, als sich Brave Starr eine feuchte Spur hinunter zur empfindsamen Handinnenfläche leckt, küßt und knabbert.

Brave Starr sieht Tex Hex regelrecht erbeben, sieht, wie dessen Pupillen sich unaufhörlich weiten und spürt, wie sich dessen andere Hand in seinem eigenen weichen Taillenfleisch verkrallt.
Und in diesem unendlich erscheinenden Augenblick will er es ihm sagen, will ihm gestehen, wie sehr er ihn liebt, doch ein Blick in diese Pupillen, und die Worte ersterben auf seiner Zunge.
Worte sind zwischen ihnen nicht mehr nötig.
Und so stiehlt er sich nur wieder einen Kuß.
Einen tiefen, süßen, süchtig machenden Kuß.

Und da Tex sie beide – mehr oder weniger bewußt – direkt ins Schlafzimmer teleportiert hat, nutzt Brave Starr die Gunst der Stunde und einen zunehmend in seinen Armen handzahmer werdenden Tex Hex, um sie beide auf das Bett zuzudirigieren.
Auf dem Weg dahin segelt schon die erste Jacke zu Boden.

So eilig sie es haben, sich die Klamotten vom Leibe zu reißen, desto genüßlicher, ja, geradezu andächtiger, erkunden sie jeden Zentimeter freigelegter Haut.
Jedes geraunte Wort, jeder Kuß, jede noch so hauchzarte Berührung steigert ihr Verlangen nacheinander bis ins schier Unerträgliche, und als schließlich auch die allerletzten Hüllen gefallen sind, ist die einzige Frage nur noch, wer hier wem die Führung überläßt.
Letztendlich ist es eine Frage des Vertrauens.

Als wenige Minuten später das erste heisere Stöhnen ins Erdgeschoß hinunterweht, zuckt der rotbraune Parder, der sich auf der Couch zusammengerollt hat, nur kurz mit den Ohren. Von den Geräuschen, die daraufhin folgen, läßt er sich dann nicht mal mehr annähernd aus der Ruhe bringen.

***


Brave Starrs Atem geht schnell und aufgeregt, und er spürt seinen Herzschlag nicht nur bis zum Hals, sondern auch bis in die Fingerspitzen. Doch allmählich schleicht sich diese träge Müdigkeit zurück in seine Knochen, die jetzt jedoch nur teilweise dem Alkohol geschuldet ist.
Einen weitaus größeren Anteil an seiner derzeitigen Mattigkeit trägt das, was eben hier zwischen ihnen geschehen ist.
Während er seiner abflauenden Erregung nachspürt, wird er sich bewußt, daß er nicht wie sonst das Bedürfnis nach einer Dusche verspürt. Und das, obwohl selten so viel Schweiß und anderes an ihm geklebt hat.
Doch anders als sonst spürt er nur tiefe Zufriedenheit und Wärme und will diesen geschmeidigen Körper, der nicht weniger heftig keucht als er, um nichts in der Welt mehr loslassen.
Will das Gefühl dieser spitzen Nägel nicht mehr missen, die ihm träge über Rücken, Seite und Schultern kratzen.

„Tex?“

„Hm?“ kommt es schläfrig zurück.

Und er weiß nicht mehr, was er sagen soll. Eigentlich wollte er doch nur seine Stimme noch einmal hören.
Und so schweigt er und drückt ihm nur einen Kuß auf die Stirn.

Lächelnd lehnt sich Tex in die Finger des anderen hinein, die ihn die ganze Zeit schon so zärtlich am Hals liebkosen, genau dort, wo sich diese häßliche Narbe befindet.
Zum Glück ist es dunkel im Zimmer, denn würde der Marshall jetzt seinen grenzenlos verzückten Gesichtsausdruck sehen, käme er nicht umhin, sich dafür zu schämen, daß er sich gerade wie ein verliebtes Schulmädchen aufführt.

Tex ist glücklich.

Und glücklich schläft er ein – fest an denjenigen gekuschelt, den er in seiner eigenen Welt geachtet und zugleich gefürchtet hat, und dessen Gegenstück ihm in diesem Universum trotz allem stets nur mit Respekt und Freundlichkeit begegnet ist.
Und es fällt ihm nicht schwer, zu erkennen, in welchen der beiden er sich letztendlich wirklich verliebt hat.
Schwerer fällt es ihm dagegen, seine Gefühle von denen des anderen Tex Hex zu unterscheiden.

***
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