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Der Jäger

von MariLuna
GeschichteMystery / P16 Slash
Brave Starr Tex Hex
15.02.2011
04.04.2011
18
34.375
4
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15.02.2011 527
 
Disclaimer: alles gehört L. Sheimer & Co, mir gehört nix.


Der Jäger

Prolog

Als die Welt um ihn herum im Dunkeln versinkt, weiß er, daß sein letzter Atemzug nahe ist.
Aber er nimmt es hin. Mit einer Gelassenheit, die sonst eigentlich gar nicht seine Art ist. Doch er ist müde, vom Blutverlust aufgezehrt, vom Leben erschöpft.
Es ist okay. Er ist bereit, zu gehen.
Und er hinterläßt nichts, was wichtig wäre.
Er hat keine Familie, keine Frau, keine Kinder – jedenfalls keine, von denen er wüßte, und er bezweifelt stark, daß irgendeine der Huren, die er in den letzten Jahren mit seiner Gegenwart beglücken durfte, sich diese Gelegenheit für Extra-Alimente entgehen lassen würde.
Nein, es gibt niemanden, der ihm auch nur eine einzige Träne nachweinen würde.
Er kann also ganz beruhigt diese schäbige Bühne des Lebens verlassen.
Denn er weint seinem Leben auch keine Träne nach.
Und so läßt er sich bereitwillig in diese Schwärze fallen.

Plötzlich jagt ein gewaltiger Ruck durch sein schwindendes Bewußtsein, reißt ihn unbarmherzig wieder zurück in seine jämmerliche Existenz.
Unwillkürlich schnappt er nach Luft, und wimmert auf, als der Schmerz seiner gebrochenen Gliedmaßen über ihn zusammenschlägt. Aus einem Reflex heraus reißt er die Augen auf und sieht sich selbst ins Gesicht.

„Es tut mir leid.“

Es ist seine Stimme, naturgemäß hört er sie jetzt zum allerersten Mal so, wie andere sie wahrnehmen, und er ist erstaunt über die samtige Dunkelheit, die darin mitschwingt. Er begreift, daß seine Stimme das wohl Angenehmste an ihm war.

„Es tut mir wirklich leid.“

Durch ein Meer von Schmerzen hört er diese Worte. Und noch viel mehr.
Bedauern.
Mitleid.
Normalerweise nicht die Gefühle, die man ihm entgegenbringt. Daß er sie ausgerechnet von sich selber empfängt, schmeckt wie bittere Ironie.
Er würde gerne lachen, aber er kann nicht.

„Ich verspreche dir, daß es schnell gehen wird.“

Er spürt warme Finger, die sich auf seine linke Schläfe legen, und dann durchfährt ein gnadenloser Schmerz seinen Kopf. So grausam, daß all seine anderen Schmerzen daneben verblassen. Es ist, als stoße man ihm mit einem weißglühenden Dolch mitten durchs Hirn, und dann wird irgend etwas aus ihm herausgesaugt.
Bilder wirbeln innerhalb eines Sekundenbruchteils vor seinem inneren Auge vorbei, verwaschen, undeutlich, von greller Farbintensität, ein Kaleidoskop von Fragmenten seiner eigenen Erinnerungen, und zurück bleibt nur wohltuende Leere.

Und dann darf er sich endlich in die Dunkelheit fallen lassen. Er ist erleichtert.
Das leichte Glühen von fremdartiger Magie, die ihn umhüllt, nimmt er schon lange nicht mehr wahr.

Als er das nächste Mal wieder die Augen öffnet, findet er sich in einer Welt der Gerüche und des Wohlbehagens wieder. Es fällt ihm nicht schwer, sich an seine vierbeinige Gestalt zu gewöhnen, weil er keine Erinnerungen mehr an sein altes Leben hat.
Nur in seinen Träumen, da durchlebt er alles wieder.
Aber immer sind da warme, lilafarbene Finger, die nach Rosmarin duften, die ihn trösten, wenn er wieder fiepend in die Höhe schreckt, die so geschickt durch sein Fell kraulen und ihm Geborgenheit schenken und diese warme, dunkle Stimme, die ihn zärtlich „mein kleiner Desperado“ nennt.
Und er ist glücklich.
Zum ersten Mal in seinem Leben.
Auch, wenn er das nicht mehr weiß.

***
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