Leseprobe - Harlekin

LeseprobeRomanze / P18 Slash
11.02.2011
13.03.2011
8
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6
Dieses Kapitel
45 Reviews
 
 
 
Max‘ Leben ist perfekt. Er hat einen guten Job, führt eine glückliche Beziehung, alles läuft wie geplant und Überraschungen sind nicht vorgesehen. Durchorganisiert lebt er seinen Alltag, bis er bei einem Familienessen den jüngeren Bruder seines Freundes trifft und erkennen muss, dass sein Leben nicht so erfüllt ist, wie er bislang gedacht hat. Denn Noah ist so ganz anders als alles, was Max bis dahin kennengelernt hat.



HALLO!!!!

Jaaaah, ich lebe noch... ;)

In den letzten Wochen und Monaten habe ich ja nicht besonders viel von mir hören lassen. Ich war auch nur äußerst selten auf ff.de - aber das hatte einen guten Grund!

Ich saß nicht gelangweilt in der Ecke und habe Däumchen gedreht, nein, ich habe an meinem ersten Roman geschrieben.

Die Illustrated Novel ist in Zusammenarbeit mit MrsRabbit entstanden (sie hat die herrlichen Illustrationen gezeichnet) und erscheint am 15.03.2011 (pünktlich zur Buchmesse in Leipzig) beim Verlag Cursed Side.

http://www.cursed-side.de/harlekininfo.html

Wer Chaosprinz und Pansyndrom mochte, der wird sicher auch mit Harlekin seine Freude haben.
Wer Chaosprinz und Pansyndrom nicht mochte, nun... ;)

Für alle Neugierigen stelle hier schon mal 8 Kapitel als Leseprobe online.
Die Updates erfolgen immer sonntags und donnerstags.

Ich bin total aufgeregt und kann es nicht erwarten eure Meinung zu lesen
Also bis nächsten Donnerstag und liebe Grüße
eure Libby





Prolog





Die Decke ist grau.

Rauer, grober Beton.

Viele dünne Risse ziehen sich wie verschlungene Adern durch das Material und verleihen ihm das Aussehen von alter, faltiger Haut.

Alte Wasserflecken haben ihre Muster hinterlassen.

Dichte Spinnweben besetzen die Ecken und erinnern an zarte, durchsichtige Netze.

Es riecht nach kaltem Stein, nach Feuchtigkeit und nach abgestandener Luft.

Ein typischer Kellerraum. Total typisch.

Meine Augen folgen einem besonders langen Riss in der Decke.

Dunkel hebt sich der Spalt von dem grauen Beton ab.

Viele zarte Verästelungen sprießen wie junge Wurzeln aus ihm hervor.

Ich mustere sie. Betrachte sie. Studiere sie. Die Risse in der Kellerdecke.

Mein Herz rast.

Es klopft so sehr, so stark und so ängstlich, dass ich befürchte, man kann das heftige Zucken und Beben unter meiner Haut erkennen.

Konzentrier' dich auf die Risse in der Decke… ja, folge ihnen mit den Augen… versuch' ihnen zu folgen… den Rissen…

Der Kellerraum hat keine Fenster. Zwei Scheinwerfer sind die einzigen Lichtquellen.

Sie werfen unnatürlich große Schatten; verzerrte, schwarze Abbildungen der vielen Kartons und Kisten, die an den Wänden gestapelt worden sind und deren Inhalt mir nicht bekannt ist.

Die dunklen Umrisse bewegen sich nicht. Sie sind regungslos und hart.

Ein großer, prächtiger Damenhut, der mit einer buschigen Feder geschmückt ist, sitzt auf dem Kopf einer Styroporbüste. Der Schatten dahinter erinnert an eine bizarre Figur aus einem Horrorfilm.

Ich blinzle und zwinge mich wieder, an die Decke zu starren.

Ich muss mich entspannen. Ruhig bleiben. Ein- und ausatmen. Nur nicht so viel denken… nicht so viel nachdenken…

Lautlos seufzend schließe ich ganz kurz die Augen.

Die Kälte des harten Steinbodens dringt langsam durch das weiche, flauschige Schaffell, auf dem ich liege.

Ich friere ein bisschen.

Meine Haut fühlt sich kühl an, trotz der anfangs angenehmen Raumtemperatur.

Auf den Unterarmen haben sich die feinen Härchen fröstelnd aufgestellt.

Einzig die beiden hellen Scheinwerfer verbreiten noch etwas zusätzliche Wärme. Ich kann ihre heißen Strahlen auf meinem Bauch spüren.

Sie scheinen nach mir zu greifen.
Schonungslos und gierig beleuchten sie meinen Körper, fassen nach der nackten Haut und berühren sie ungefragt.

Ich seufze wieder.

Mein Herz klopft immer noch.

Verzweifelt versuche ich das Kribbeln in meinem Magen zu ignorieren.

Und erneut starre ich Hilfe suchend zur Decke.

Nicht nachdenken, bloß nicht nachdenken, sage ich mir immer wieder.

Leider bin ich nicht gut in so etwas.
Mein Hirn arbeitet ständig auf Hochtouren. Ich schaffe es einfach nie, abzuschalten. Es gibt so viel, über das man nachgrübeln kann. So viele Dinge, die unsicher sind. So viele Fragen, auf die es keine Antworten gibt…

Meine Lippen sind trocken.

Ich benetze sie mit der Zunge.

Ich würde gerne etwas trinken. Einen Schluck Wasser.

Doch ich unterdrücke dieses Bedürfnis.

Regungslos bleibe ich liegen, den Kopf der Decke zugewandt.

Meine Muskeln sind bereits vollkommen verspannt.
Morgen werden sie sicher schmerzen.

Mein rechter Arm liegt über meinem Kopf. Ich lehne das Gesicht an den Oberarm. Die Hand berührt mein Haar. Der linke Arm ruht locker auf dem Schaffell. Die geöffnete Handfläche befindet sich auf der Höhe meines Kopfes.

Keine zufällige Pose. Es wurde lange an ihr gefeilt…

Das linke Bein ist ausgestreckt, das rechte habe ich etwas aufgerichtet.
Das hat keine ästhetischen Gründe. Nein, dies ist lediglich der verzweifelte Versuch meine Blöße zu verstecken.

Natürlich erfolglos.

Eine kleine, schwarze Spinne seilt sich an einem unsichtbaren Faden ab.
Ihr Schatten ist enorm.
Die acht dürren Beinchen werden zu monsterartigen Klauen, während die hellen Scheinwerfer den Kellerraum in die surreale Schattenwelt eines Alptraums verwandeln.

Wie heiße, schamlose Finger wandert das Licht über meine Oberschenkel… immer weiter hinauf…

Wenn das doch alles wäre… wenn die gleißend, hellen Strahler die einzigen Augen wären, die mich anstarren…

Mein Herzschlag setzt zwei Takte aus.

Ein schnelles, unrhythmisches Kratzen ist das einzige Geräusch in dem düsteren Raum.

Das Kratzen erhöht das Kribbeln in meinem Magen und macht, dass mir warm wird.

Ich spüre den Blick auf mir.
Ich spüre ihn ganz genau.

Er wandert.
Wandert von meinem Gesicht über meine Brust, den Bauch, meine Lenden, die Beine entlang.

Er macht nicht Halt.
Er setzt nicht aus.
Er schaut nicht weg.
Er sieht mich.
Sieht alles.
Alles.

Ich rühre mich nicht.

Meine Atmung ist flach.
Das Herz hämmert schmerzhaft.

Ich hatte noch nie so viel Angst in meinem gesamten Leben. Angst und...