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In der Dunkelheit des Alls

GeschichteAllgemein / P16 Slash
Data Jean-Luc Picard
09.02.2011
14.06.2011
9
32.716
9
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09.02.2011 4.220
 
Titel: In der Dunkelheit des Alls

Anmerkung: Danke für die Kommentare. :-) Dieses Kapitel beschäftigt sich mit den "Tagen danach". Ich hoffe, es gefällt.


Kapitel 2: Eine Nacht mit Folgen

Jean-Luc Picard betrat die Brücke, als auch schon Counsellor Troi auf ihn zukam. "Captain, dürfte ich Sie privat sprechen?" Dieser nickte und ging voran in den Bereitschaftsraum. Dort angekommen bot er ihr einen Platz auf der Couch an, hatte er doch bereits an ihrer Tonlage gehört, dass es etwas Wichtiges war, das sie ihm mitzuteilen hatte. "Was gibt es, Counsellor?"

Troi fixierte ihn mit ihren schwarzen Augen. "An dem Abend vor dem Kälteeinbruch war Lt. Worf bei mir zum Abendessen. Da es sehr spät wurde, war er noch bei mir, als sich die Kälte über das Schiff legte. Wir führen seitdem eine Beziehung."

Picard konnte nicht anders, er musste lächeln. "Captain", kam überrascht von Troi. "Eine solch kindlich-diebische Freude habe ich selten bei Ihnen erlebt."

"Dieses Erlebnis scheint anscheinend für viele Menschen erfreulich gewesen zu sein.", äußerte er kryptisch.

"Soll das heißen, dass Sie etwa auch nicht allein waren?"

Picard zögerte einen Moment. "Wenn ich Ihren Rat brauche, melde ich mich." Deanna nickte grinsend. Dann fuhr sie fort: "Ich halte es für nötig, dass Sie das von mir und Worf wissen, nicht, dass es unsere Arbeit beeinträchtigen würde, aber es ist das erste Mal auf der Enterprise unter Ihrem Kommando, dass sich zwei Brückenoffizier näher stehen."

/Was vielleicht nicht so bleibt./, dachte Picard und war froh, dass Troi nur Halbbetazoid war. "Ich denke nicht, dass es zu Komplikationen kommen wird, immerhin sind Sie und Lt. Worf zwei sehr gute Offiziere."

Dankbar lächelte Troi ihn an. "Verraten Sie mir nun, was in dieser Nacht passiert ist?"

Picard musste kurz schmunzeln und erhob sich dann, woraufhin Troi ihm folgte. "Nun ja, zumindest hat mir Beverly bei unserem Morgentee erzählt, dass es in ihrer Krankenstation noch gestern Abend insgesamt zweiundzwanzig Anfragen nach Schwangerschaftstests gab." Troi lachte auf und verließ mit dem ebenfalls lachenden Captain den Bereitschaftsraum.

Und dann geschah es. Picard trat aus dem Raum und sah ihn.

Data, wie er an seiner Konsole saß und aufblickte, als Troi und er lachend auf die Brücke traten. Picards Lächeln wich, hatte er doch beim Betreten der Brücke Data schlicht weg übersehen, da er von Troi abgelenkt worden war.

Doch nun... da saß er und senkte den Blick, als sich auch Picard wieder fing, seine Uniform zurechtrückte und zu seinem Platz ging. Er konnte förmlich spüren, wie Troi und Riker irritierte Blicke austauschten. Sie konnten sich wahrscheinlich im Traum nicht vorstellen, was passiert war. Sie vermuteten eher einen Streit der beiden, hatte Data doch noch vor Picards Erscheinen erklärt, dass er seinen Emotionschip wieder aktiviert hatte. Picard wandte sich an Riker. "Wie weit sind die Stelarforscher mit der Kartographie dieses Sektors?"

"In ungefähr einer Stunde werden Sie fertig sein." Picard nickte. "Gut, setzten Sie danach Kurs auf Sternbasis 117, nach unserem Zusammenstoß mit der fremden Lebensform soll das Schiff gründlich überprüft werden." Picard erhob sich. "Ich bin in meinem Raum." Und mit diesen Worten verschwand der Captain von der Brücke.

Er hatte sich gerade mit einem frisch aufgebrühten Earl Grey in seinen Stuhl gesetzt, als auch schon wieder Rikers Stimme ertönte. "Captain, wir erhalten einen Notruf von Krios. " "Verstanden, ich komme." Picard seufzte leise, stellte seinen Tee zurück in den Replikator und verließ seinen Bereitschaftsraum, dieses Mal wohlweißlich den Blick nicht über die Person an der ersten Konsole schweifen lassend.

"Auf den Schirm", befahl er kurz.

"Wir brauchen dringend Hilfe...", erklang die angsterfüllte Stimme eines bekannten Gesichtes. "Irgendwas zerstört uns an.... bitte, wer auch immer das hört, schicken Sie sofort Hilfe. Es kommt näher, es..." Und dann war die Übertragung zu Ende.

"Lt. Ro, setzen Sie sofort Kurs aus Krios. Warp 9." Picard setzte sich und schaute zuerst seinen ersten Offizier an, dann Troi. "Kanzler Alrik", sagte er langsam und war in Gedanken versunken. Erinnerungen tauchten plötzlich in ihm auf, versteckte Gefühle. Denn Alrik erinnerte ihn an eine ganz besondere Frau. Kamala. Sie hatte sich mit ihm verbunden.

"Er war sehr verstört.", ließ Troi verlauten. "Er hatte panische Angst, so viel ist sicher."

Picard nickte langsam. "Wann werden wir Krios erreicht haben?"

"In fünfzehn Minuten und dreißig Sekunden." Datas Stimme riss Picard aus seinen Grübeleien, denn mit einem Mal wurde ihm bewusst, dass er diese Stimme zuletzt bei ihrem Kuss gehört hatte. Innerlich seufzte Picard. Was war nur los? Er hatte doch sonst auch keine Probleme damit, seine Gefühle auf der Brücke unter Kontrolle zu kriegen. Vielleicht lag es aber auch daran, dass der Grund für sein innerliches Chaos nur wenige Meter entfernt saß.

Und wieder war es diese Stimme, die ihn aus seinen Gedanken riss. "Captain, es sind ungewöhnliche ionische Fluktiationen messbar." Datas Augen waren bei seinen Worten starr auf seine Konsole gerichtet, während sich seine Hände an deren Rand wahrlich festkrallten. Picard runzelte kurz die Stirn darüber und lenkte dann seine Konzentration auf die aktuelle Situation. "Die Ursache?"

"Die Ursache sind Sonneneruptionen, die es vor Kurzem in diesem Sektor gegeben hat.", sprach Data weiter und sah dabei den Captain immer noch nicht an. Inzwischen krallte Data sich so fest, dass er langsam zu zittern begann. Es fehlte wohl nicht mehr viel und er würde die Konsole mit bloßen Händen zertrümmert haben.

"Data?", ertönte Rikers Stimme, der aufstand und einige Schritte auf den Androiden zuging. "Ist alles in Ordnung?"

Data drehte sich um und allen auf der Brücke verschlug es die Sprache. Data schaute unendlich unglücklich und todtraurig. Sogar Tränen schimmerten in seinen Augen.

"Was ist mit Ihnen?" Besorgnis war deutlich aus Rikers Stimme herauszuhören. Sofort flatterte Datas Blick zu Picard, dem dieser Blick einen Stoß in die Magengrube versetzte.

"Ich scheine mein Emotionsprogramm noch nicht völlig unter Kontrolle zu haben.", sagte er schließlich und Picard wusste sofort, dass dies nicht die ganze Wahrheit war.  War es wirklich das, was er dachte? War ER, der Grund für Datas Traurigkeit?

"Möchten Sie vom Dienst freigestellt werden?", fragte inzwischen Riker, woraufhin Data jedoch den Kopf schüttelte. "Nein, Sir, es handelt sich nur um ein temporäres Problem, welches ich in kurzer Zeit unter Kontrolle haben werde." Mit einem letzten Nicken und einem besorgten Blick wand sich Riker ab und begab sich wieder in seinen Sitz.

"Wir werden den Planeten in fünf Minuten erreichen.", meldete sich Lt. Ro zu Wort, die am Steuerpult saß. "Die ionischen Strömungen scheinen stärker zu werden."

"Mister Data?", fragte Picard und sprach somit den Androiden zum ersten Mal direkt an.

"Bestätigt", kam es kurz angebunden.

"Vorschläge?", fragte Picard weiter.

"Die Ionenstürme werden offensichtlich immer stärker, Captain. Wir können uns dem Planet nicht viel weiter nähern.", kam es von Worf. Picard nickte. "Voller Stop, sobald wir in Beamreichweite sind, wenn möglich." Lt. Ro nickte, während es auf der Enterprise verdächtig zu ruckeln begann.

"Captain an Maschinendeck."

"Hier LaForge"

"Können Sie die Energie der Stabilisatoren erhöhen, Geordi?"

"Ich versuche es, doch die Ionenstürme sorgen für einige Turbulenzen."

"In Ordnung. Versuchen Sie es. Picard Ende. Picard an alle Transporterräume. Machen Sie sich bereit für eine Evakuierung."

"Verstanden", ertönte es einstimmig. Picard rückte seine Uniform zurecht. "Chief O'Brien an Brücke."

"Hier Picard."

"Die Ionenstürme verhindern, dass wir einwandfrei beamen können. Wir können die Signale nicht erfassen."

"Verstanden", entgegnete Picard und sah in die Runde.

"Ich schlage vor, ein Außenteam in mehreren Shuttles runter zu schicken.", meldete sich Worf zu Wort. Picard nickte. "Gut, Nummer Eins stellen Ihr Team zusammen." Riker nickte. "Ro, Worf, Data", sagte er ernst wie immer beim Zusammenstellen eines Teams.

"Nein.", kam es plötzlich laut von Picard. Irritiert sahen ihn alle an und auch er selbst war verwundert. Für den Augenblick einer Sekunde hatte ihn Angst übermannt. Eine Angst, die ihm nur zu bekannt war aus seinen Träumen. Er fing Datas Blick auf und als sich dessen Ausdruck änderte, weicher wurde, da wurde ihm klar, dass Data genau wusste, warum er so reagiert hatte.

"Captain?", kam es immer noch reichlich verwirrt von Riker.

"Gehen Sie, Nummer eins.", entgegnete Picard schlicht und Riker verschwand mit den drei Anderen im Turbolift.

"Captain", kam die sanfte Stimme Trois. Er wusste genau, was sie sagen wollte. "Sie scheinen bei dieser Mission emotional aufgewühlter zu sein als sonst." Picard warf ihr einen Blick zu, der ihr zu verstehen gab, das er das wusste. "Wenn Sie darüber sprechen möchten..."

"Counsellor, in erster Linie geht es nun darum, Überlebende, falls es diese gibt, zu retten. Meine persönlichen Gefühle sind nebensächlich." Er atmete einmal tief durch. "Picard an Krankenstation"

"Hier Doctor Crusher."

"Schicken Sie sofort ein Team in die Hauptshuttlerampe, dort werden Verletzte vom Planeten hingebracht."

"Verstanden."

Picard erhob sich und ging zum Turbolift. "Hauptshuttlerampe." Das Außenteam war bereits unterwegs und in jeder Sekunde weilten Picards Gedanken bei Data. Es war absurd. Data war der stärkste und widerstandsfähigste Offizier, den er hatte und doch machte er sich um ihn am meisten Sorgen. Warum erst jetzt? Data war doch schon früher auf viel gefährlicheren Missionen gewesen. Tja, warum jetzt? Die Antwort lag auf der Hand: Weil sie sich geküsst hatten.

Der Turbolift hielt und holte Picard wieder in das Hier und Jetzt. Er berat die Shuttlerampe, wo er auf O'Brien stieß. "Die Shuttles sind gerade auf dem Rückflug, Sir. Sie konnten noch einige Überlebende bergen." Picard nickte. "Kommen Sie gut durch die Ionenstürme?"

"Ja, Sir. Die Shuttles haben weniger Probleme als die Enterprise."

"Hier Commander Riker", ertönte es plötzlich. "Wir sind bereit einzufliegen."

"In Ordnung", entgegnete O'Brien. Ein Shuttle nach dem anderen flog sicher ins Schiff zurück. Auch das Shuttle mit Data. Erleichterung durchfloss den Captain. Er hatte nur Augen für dieses eine Shuttle. Die Türen öffneten sich und eine bekannte gelbe Uniform erschien, doch Data trug jemanden auf seinen Armen. Eine Frau. Picards Atem stockte. Es war Kamala.

Ein brennendes Gefühl durchzog ihn. Eindeutig Eifersucht. Aber etwas irritierte ihn. Er war nicht eifersüchtig auf Data, sondern auf Kamala, weil sie Data so nah war. Picard schüttelte den Gedanken ab. Es war weder die richtige Zeit noch der richtige Ort, um darüber nachzudenken, ob er vielleicht eine Schwärmerei für seinen zweiten Offizier entwickelte.

"Das sind die einzigen Überlebenden, die wir finden konnten.", erstattete ihm Riker Bericht. Aus den Augenwinkeln sah Picard zu, wie Data Kamala weg von der Shuttlerampe in die Krankenstation brachte. "Gut, sorgen Sie dafür, dass alle versorgt werden. Setzen Sie wieder Kurs auf Sternenbasis 117. Ich bin auf der Krankenstation".

Und mit diesen Worten folgte er Data. Als er gerade in den Korridor der Station treten wollte, kam ihm ein ziemlich mitgenommen aussehender zweiter Offizier entgegen. Picard blieb stehen und wortlos stellte sich der Android zu ihm in den Turbolift. Picard konnte nicht anders.

"Data, wie geht es Ihnen?", fragte er besorgt. Der Android sah ihn aus starren Augen an.

"Es ist schwieriger Leben zu retten, wenn man dabei Gefühle hat."

"Vieles ist schwieriger, wenn man Gefühle hat.", entgegnete Picard.

Daraufhin hob Data seinen Blick und sah Picard direkt an. "Das merke ich..." und nach einigem Zögern, fügte er hinzu: "...Sir."

"Aufzug Halt", kam es plötzlich von Picard, der sich nun Data vollkommen zuwendete. "Data, ich bin ebenso verwirrt wie Sie. Aber wenn ich eines weiß, dann dass ich Sie nicht traurig sehen möchte."

Und schon wieder überkam es ihn. Leicht beugte er seinen Kopf nach vorne, er musste diese Lippen einfach küssen. Er sah die Erkenntnis in den goldenen Augen, die Verwirrung, aber auch die Sehnsucht. Dann schlossen sich die goldenen Augen, das letzte Hinderniss war zusammengebrochen und Picard küsste Data, ganz sanft, fast so wie bei ihrem ersten Kuss. Doch dann schlangen sich plötzlich Arme um ihn, er selbst spürte mit einem Mal seine Arme den starken Körper des Androiden halten. Ihr Kuss wurde intensiver, fordernder und leidenschaftlich. Sie küssten sich, als hinge ihr Leben davon ab und beide genossen es. Es war wie die rettende Luft, die man atmete, wenn man nach langem Tauchen endlich nach oben schwamm.

So schnell wie sie sich näher gekommen waren, so abrupt lösten sie sich wieder voneinander. Beinahe etwas schüchtern sahen sich die beiden an. "Geht es Ihnen jetzt besser, Mister Data?" Ein kleines Lächeln erschien auf dessen Gesicht. "Sie haben ungewöhnliche Methoden, Captain." "Ich mag Ihren Humor.", kam es schmunzelnd von Picard.

"Crusher an Picard."

"Hier Picard.", sagte dieser und verfluchte die Ärztin für den Bruchteil einer Sekunde für diese Unterbrechung. "Kamala möchte Sie sehen. Sie ist schwer verletzt, aber sie will Sie unbedingt sehen."

"Verstanden. Weiterfahren, Deck 12."  Das Lächeln des Androiden erstarb und Picard wusste, woran er dachte. Kamala. Ein Ausdruck, den Picard noch nie zuvor bei Data gesehen hatte, trat in seine Augen. War es Wut? Angst? Eifersucht?

"Krankenstation", meldete der Computer. Picard wollte etwas sagen, doch er wusste nicht, was. Was hätte er auch sagen sollen? Er ging zu einer Frau, die ihn maßlos faszinierte, die sich mit ihm gebunden hatte. Er verließ den Aufzug und hörte gerade noch, wie Data "Deck 36" sagte.

***

"Geordi, darf ich Ihnen eine persönliche Frage stellen?", fragte Data seinen besten Freund, während sie gemeinsam Überprüfungen des Warpantriebes vornahmen. Die Ionenstürme hatten auch auf diesen schlechte Auswirkungen. Und obwohl inzwischen wieder Kurs auf die Sternenbasis 117 gesetzt worden war, waren die ionischenischen Strömungen noch immer einflussreich. "Natürlich, Data."

"Wie fühlt sich Eifersucht an?"

Goerdi hob den Blick und musterte Data. "Es ist ein sehr starkes Gefühl, es versetzt einen in Wut. Man kann einfach nicht mitansehen, wie ein Mensch, den man sehr mag, einem anderen nahe ist."

Data nickte bedächtig. "Aber warum ist es nicht bei uns beiden so?"

Geordi schmunzelte. "Weil wir Freunde sind. Eifersucht tritt vor allem bei Liebenden auf. In ganz extremen Fällen sicherlich auch bei Freundschaften, aber generell bei Liebespaaren."

"Ist dann eine Freundschaft nicht besser?" Geordi überlegte einen Moment und legte dann eine Hand auf Datas Schulter. "Eine Freundschaft ist etwas wunderbares, aber eine echte Liebesbeziehung bringt einem sehr viel und ist nicht mit einer Freundschaft vergleichbar. Am besten ist aber wohl eine Beziehung, die auf Freundschaft beruht." Langsam nickte Data. "Außerdem", fuhr Geordi fort. "...ist man in einer Liebesbeziehung nur mit einer Person zusammen, Freundschaften hat man meistens mehrere. So ist die Angst, diesen einen, ganz besonderen Menschen zu verlieren, ungleich größer, dementsprechend ist man dann wohl auch eifersüchtiger."

"Ich verstehe.", kam es langsam von Data.

"Haben Sie einen bestimmten Grund, warum Sie fragen? Sie wissen, dass ich immer für Sie da bin." Wieder nickte der Android. "Danke Geordi, ich möchte nur sämtliche menschliche Gefühle ergründen und da ich kürzlich etwas Unbekanntes erfahren habe, wollte ich Sie zu rate ziehen. Ich nehme nun an, dass es Eifersucht war."

Geordi lächelte. "Sie, Data? Eifersüchtig?"

Data neigte seinen Kopf. "Ja, das scheint es gewesen zu sein."

"Darf man fragen, wer das Anroidenherz erobert hat?"

Datas Blick richtete sich auf Geordi. "Man könnte annehmen, dass Sie dabei sind mich zu ärgern." Geordi brach in schallendes Gelächter aus. "Das haben Sie richtig erkannt."

Data überlegte. "Ich nehme an, dass es sich dabei um eine freundschaftliche Stichelei gehandelt hat."

"Ganz richtig, Data."

"Auf Ihre Frage kann ich aber leider noch nicht antworten." Damit ließ es Geordi auf sich beruhen und die beiden wandten sich wieder dem Warpantreib zu.

***
Reichlich verwirrt, aber auch neugierig betrat Picard die Krankenstation. Er war sich nicht sicher, ob er auf dieses Zusammentreffen vorbereitet war. Beverly kam auf ihn zu und mit einem Nicken führte sie ihn zu einem der Betten im hinteren Teil der Krankenstation. "Sie hat starke Verbrennungen am Troso erlitten und sich bei der Flucht vor den verheerenden Stürmen ein Bein und das Schlüsselbein gebrochen. Vor allem die Verbrennung sind sehr schlimm, aber sie sollte innerhalb der nächsten Tage wieder vollkommen genesen." Picard nickte, doch da Beverlys Ausdruck sich verdunkelte, ahnte er, dass es noch nicht alles war. "Alrik allerdings...", sagte sie langsam. "...führ ihn konnten wir nichts mehr tun. Er ist tot." Picard atmete geräuschvoll aus. Das war schlimm und es machte alles noch viel komplizierter.

Beverly entfernte sich und Picard wandte sich nun um.

Und dort lag sie. Wunderschön wie damals, als er sie getroffen hatte. Ihre großen, schönen Augen sahen ihn aufmerksam an und ein Leuchten erschien in ihnen und auch wenn man ihr ansah, wie müde und geschwächt sie war, so war sie noch immer wunderschön. Picard stellte sich an ihr Bett und nickte. "Captain", flüsterte sie leise, aber so voller Zärtlichkeit und Hingabe wie damals. Picard wusste nicht, was denken sollte. Da war sie, so wie sie in Erinnerung hatte. Sie gehörte zu ihm. Das sagten ihm ihre Augen.

"Ich bin für dich.", wiederholte sie die Worte, die sie damals gesprochen hatte und Zärtlichkeit wurde förmlich über ihn geschüttet.

"Wie geht es Ihnen?" Sie lächelte, aufgrund seines formellen Tones.

"Immer der Captain...", flüsterte sie. "Ich werde es überleben und bei dir sein. Ich gehöre dir."

Picard schluckte. "Ruhen Sie sich aus. Wir erreichen bald die Sternebasis." Er wollte schon gehen, als ihn eine Hand an seiner zurückhielt. "Du bist verwirrt. Warum?"

Picards Augen richteten sich auf sie. Er wollte etwas sagen, doch auch dieses Mal fehlten ihm die Worte. "Ruhen Sie sich aus." Und mit diesen Worten verließ er die Krankenstation.

***
Die nächsten Tage waren äußerst merkwürdig. Sie hatten Sternenbasis 117 erreicht, die Verletzten waren hinüber gebracht worden und die Enterprise wurde gründlich überprüft. Dadurch hatte sich viel Freizeit ergeben, sodass Picard kurzerhand seinen Offizieren einen Urlaub gewährt hatte. Nicht ganz uneigennützig, denn er selbst brauchte Zeit zum Nachdenken.

Er ging sowohl Kamala als auch Data aus dem Weg, war er doch zu verwirrt, was diese beiden anging. So sehr er auch grübelte, er kam zu keiner Lösung, denn er war sich seiner Gefühle einfach nicht im Klaren. Daran änderte auch ein Reitausflug auf dem Holodeck nichts. Er hatte keine Wahl, er musste jemanden zu Rate ziehen und er wusste auch schon genau, wen er fragen wollte. "Computer, wo befindet sich Counsellor Troi?"

"Counsellor Troi befindet sich zur Zeit in Lt. Worfs Quartier." Zum ersten Mal seit Tagen lächelte Picard, da er wohl im Begriff war zwei Liebende zu stören.

"Picard an Counsellor Troi, melden Sie sich sofort in meinem Quartier." Er hatte für einen kurzen Moment überlegt, ob er sie nicht lieber im Bereitschaftraum sehen wollte, doch um diesen zu erreichen musste er auf die Brücke und dort... ja, dort war Data, der darauf bestanden hatte, keinen Urlaub zu nehmen.

Wenige Minuten später surrte der Türöffner und der Schiffscounsellor trat ein. "Ich brauche Ihre Hilfe", sagte er direkt und bot ihr einen Platz auf der Couch an, während er sich einen Earl Grey holte und sich dann zu ihr setzte.

"Wie kann ich Ihnen helfen, Captain?", fragte Deanna freundlich.

"Es gibt da im Moment zwei Menschen, die mir viel bedeuten und ich erkenne einfach nicht, für wen ich echte Gefühle, im Sinne echter Liebe empfinde."

Troi sah ihn offen wie immer an, und lächelte dann leicht. "Wie würden Sie Liebe zu einer Person generell definieren?" Picard seufzte. "Nun ja, man muss sich mit dieser Person gut verstehen, viel Zeit mit ihr verbringen wollen, sich gut unterhalten können, ihr vertrauen können, Seiten zeigen können, die einem selbst Angst machen, sich geborgen fühlen und Halt finden, aber auch Leidenschaft und Feuer."

Trois Lächeln vergrößerte sich. "Und nun denken Sie an eine der beiden Fra..."

"Counsellor, ich sollte Ihnen noch sagen, dass die eine Person eine Frau ist, die andere Person allerdings..." Er zögerte einen Moment, konnte er es sich doch selbst kaum eingestehen. Schließlich hatte er seit den Tagen auf der Akademie nicht mehr dieser Neigung nachgegeben. "... ein Mann."

Wenn Troi überrascht war, so zeigte sie es doch mit keinem Wimpernschlag und Picard war ihr sehr dankbar dafür. "Gut, dann denken Sie nun zuerst an die Frau und ob sie mit Ihrer Definition übereinstimmt."

Picard überlegte. "Ich kann mit ihr über vieles reden, sie ist intelligent, zärtlich und reizend. Sie weckt definitiv Leidenschaft in mir und sie wüsste auch immer, wie es mir geht, weil sie emphatisch..." Picard hielt inne, hatte er doch zu viel preisgegen. Auch jetzt lächelte Troi nur. "Captain, es ist kein Geheimnis, dass Sie Kamala mögen. Aber können Sie sich wirklich vorstellen mit einer Empathin zusammen zu sein?"

Picard zog fragend die Brauen hoch. "Sie meinen, weil ich trotz allem so bedacht auf meine Privatsphäre bin, die eine gewisse Unabhängigkeit braucht?"

Troi nickte. "Denken Sie nun an den Mann und vergleichen Sie ihn mit Ihrer Definition."

Das erste was geschah, war, dass Picard lächelte. "Ihm vertraue ich völlig, bedingungslos. Auch mit ihm kann ich reden, über alles. Er ist intelligent, humorvoll auf seine eigene schräge Art, die aber so liebenswert ist. Ich fühle mich beschützt in seinen Armen, aber auch sehr stark angezogen, sowohl von seinem Körper als auch von seinem Geist."

Troi konnte ihre Freude kaum verbergen, denn sie fand einen schwärmenden Captain sehr sympathisch. "Wen würden Sie eher als gleichgestellt ansehen?"

Fragend sah er sie an. "Ich stelle Ihnen noch ein paar Fragen, die für eine Partnerschaft wichtig sind-nach Ihren eigenen Aussagen."

"Habe ich sowas erwähnt?", fragte Picard verwirrt weiter. Troi schmunzelte. "In den letzten sieben Jahren auf jeden Fall." Jetzt verstand er und nickte. "Also...", setzte sie noch mal an. "...wen erachten Sie eher als gleichgestellt?"

Picard dachte nach. Kamala hatte sich von Anfang an als Geschenk, als eine Art Sklavin präsentiert. Die Antwort lag auf der Hand. "Ihn."

"Wem würden Sie Ihr Leben anvertrauen?"

"Ihm."

"Und wem würden Sie von Ihren schlimmsten Erlebnissen erzählen?" Picard wusste die Antwort sofort, hatte er es doch schon getan. Aber in diesem Moment wurde ihm klar, was Troi mit diesen Fragen bezweckte. Er wollte ihm zeigen, dass die Antworten ganz klar machen würden, wen er wirklich liebte. Daher kam die Antwort auch flüsternd, fast zittrig: "Ihm."

Hatte Troi beim Beantworten der Fragen noch ernst geschaut, so lächelte sie jetzt wieder. "Ich würde sagen, dass Sie von Kamala fasziniert sind, sie interessant und attraktiv finden, aber all das ist eher oberflächlich. Tief in Ihnen ist es der Mann, der Sie bewegt und berührt. Ihm gehört ihr Herz gehört, Captain."

Überrascht sah Picard seine Beraterin an. Jetzt, wo sie es so sagte, schien es eindeutig, ganz klar zu sein. Er stellte seinen Tee ab und stützte den Kopf in die Hände. /Jetzt muss ich nur noch verkraften, dass mein Herz einem Mann gehört, der noch dazu mein zweiter Offizier ist und von allen Menschen in der Sternenflotte auch noch der einzige Android ist./, dachte Picard und wäre für einen Moment am liebsten in hysterisches Gelächter ausgebrochen. Wie sollte er das jemals hinkriegen?

"Captain? Gibt es noch ein Problem?" Trois Stimme holte ihn aus seinen Grübeleien.

Er schüttelte den Kopf. "Nein, Counsellor. Vielen Dank für Ihre Hilfe."

"Sehr gerne... aber sagen Sie mir, wer Ihr Herz erobert hat?"

Picard hob den Blick. "Es würde Sie noch mehr überraschen, als wenn ich Ihnen mitteilen würde, dass es Lt. Worf ist." Ein breites Lächeln breitete sich auf Trois Gesicht aus. "Das kann ich kaum glauben. Außerdem wäre ich dann nicht nur überrascht, sondern würde Sie als meinen Konkurrenten aus dem Rennen stechen."

Picard begann zu lachen. "Da bin ich ja froh, dass es nicht Mister Worf ist und ich einfach Ihr Captain bleiben kann." Sie lachte und stand auf.

In der Tür drehte sie sich noch einmal um. "Captain, noch ein Rat. Klären Sie bald beide Personen über Ihre Gefühle auf. Das wäre nur fair." Picard nickte langsam, woraufhin Troi sein Quartier verließ. Er atmete lautstark aus. Was sollte er zuerst tun?

***

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