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In der Dunkelheit des Alls

GeschichteAllgemein / P16 Slash
Data Jean-Luc Picard
09.02.2011
14.06.2011
9
32.716
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Dieses Kapitel
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09.02.2011 4.860
 
Titel: In der Dunkelheit des Alls

Zusammenfassung: Der Captain leidet an Albträumen. Sein Weg führt ihn zu dem Einzigen an Bord, der niemals schläft. Doch etwas Unerwartetes passiert. Kälte legt sich über das Schiff. Werden sie überleben?

Altersfreigabe: P16 Slash

Anmerkung: Ich bin ein Neu-Bekehrter. :-) Erst seit Kurzem kenne ich Star Trek (ausschließlich TNG), aber habe mich sofort verliebt. Vor allem in unseren so süßen Androiden und den tollen Captain. So konnte ich nicht anders, als eine FanFiction über diese beiden zu schreiben. Habt also bitte Nachsicht, es ist meine erste Star Trek FF.

Ach ja, wichtig ist noch, dass ich munter Ereignisse mische. Wir befinden uns in Staffel 7 (Sternzeit 473...), aber Data hat schon seinen Emotionschip ausprobiert. Ich lege also die Ereignisse, wie sie mir passen. :-) Und nun: Viel Spaß!


Kapitel 1: Ich bin keine Wärmflasche, Sir

Sein Atem stockte, während sich der Schweiß an seinem ganzen Körper vermehrte. Dann wie von einem plötzlichen Blitzschlag getroffen, fing er an zu zittern und um sich zu schlagen. Sein Atmen wurde heftiger und beschleunigte sich um ein Vielfaches, wobei sein Brustkorb diesem Rhythmus der Angst folgte. Mit einem unhörbaren Schrei erwachte Jean-Luc Picard, indem er mit einem Mal kerzengerade im Bett saß und keuchend umherblickte. "Licht an", forderte er kurz und war einen Augenblick später sehr froh, als sein Zimmer hell erleuchtet da lag.

Es war fast lachhaft. Er führte ein Leben in der Dunkelheit des Alls. Diese Tatsache störte ihn nie, er mochte sie sogar, den Anblick der Schwärze mit den funkelnden Sternen. Es war ein Bild des Friedens und der Ruhe, aber nach einem Albtraum, da konnte er nicht anders als das Licht anzumachen, um so die Geister seiner Träume endgültig zu besiegen.

Kopfschüttelnd stieg er aus dem Bett. Nein, schlafen wollte er nicht mehr, war da doch noch immer dieses ungute Gefühl des Traumes tief in seinem Innern. Langsam streifte er sich seine Freizeitkleidung über und verließ sein Quartier. Er wollte sich ein wenig die Beine vertreten und wenn er ehrlich war, wollte er nicht länger alleine sein. So führte ihn sein Weg zum Quartier eines ganz bestimmten Offiziers, seines zweiten Offiziers.

Er wollte nicht darüber nachdenken, warum er zielstrebig dorthin lief, war der Gedanke doch viel zu abwegig. Der Türöffner surrte, aufgrund seines Drückens, und von drinnen erschien ein neutrales "Herein." Picard trat ein und sah den Androiden hinter seiner Konsole sitzen. "Captain", kam es, nicht wirklich überrascht, dafür aber eindeutig neugierig. "Ist etwas passiert?" Data stand auf und ging einige Schritte auf Picard zu, welcher noch immer in der Tür stand. "Nein, Mister Data. Ich wollte nur..." Ja, was wollte er eigentlich?

"Kommen Sie doch bitte rein.", kam es höflich von dem Androiden. "Möchten Sie etwas trinken?" Dankbar nickte Picard und sofort bestellte Data ihm einen Tee. Earl Grey natürlich. Mit einer Geste bot ihm Data den Platz vor seiner Konsole an. Mehr Sitzgelegenheiten waren in dem Quartier von Lt. Commander Data auch gar nicht vorhanden, sah man einmal von dem Bett ab. Nachdenklich und schweigend trank Picard seinen Tee.

"Sir", kam es mit einem Mal eindringlich von Data, woraufhin Picard das Gefühl bekam, dass Data ihn nicht zum ersten Mal angesprochen hatte. War er so abwesend gewesen?

"Entschuldigen Sie, Mister Data. Ich konnte nicht mehr schlafen und wusste, dass Sie sicherlich noch wach sind. Wenn ich Sie jedoch störe..."

"Nein Captain, das tun Sie nicht. Nur wie kann ich Ihnen helfen?" Ein leichtes Lächeln schlich über Picards Gesicht. Niemand anderer war in der Lage so freundlich,  liebenswert und aufrichtig eine solche Frage zu stellen.

"Ihre Anwesenheit ist mit Hilfe genug." Der Android neigte seinen Kopf zur Seite, wobei er Picard weiterhin musterte. "Wie darf ich das verstehen, Sir?" Picard wusste, dass sich Data nur mit einer richtigen Antwort zufrieden gab. "Ich habe seit einiger Zeit Albträume, die sehr nervenaufreibend sind und Gesellschaft hilft mir dabei diese zu überwinden."

"Wären nicht Counsellor Troi oder Doctor Crusher besser geeignet, bei solchen Problemen zu helfen?" Wieder musste Picard lächeln. "Mister Data...", begann er langsam. "...Sie, mit Ihrer Persönlichkeit sind besser in der Lage mir behilflich zu sein."

"Aber Sir, ", kam es prompt von dem Androiden. "... ich habe keine Persönlichkeit in diesem Sinne-"

"Doch" Picard unterbrach ihn augenblicklich. "Das ist Ihnen vielleicht nicht klar, aber Sie haben eine. Viele Ihrer Eigenschaften und Angewohnheiten sind einzigartig und datatypisch." Wieder bewegte Data seinen Kopf, während seine Augen schnelle Bewegungen vollführten. Ein eindeutiges Zeichen dafür, dass er die Worte seines Captains analysierte. "Wenn Sie es so betrachten, haben Sie recht. Und diese Eigenschaften qualifizieren mich, Ihnen bei der Bekämpfung Ihrer Albträume behilflich zu sein?"

"So könnte man es ausdrücken.", entgegnete Picard knapp und leerte seinen Tee.

"Sollte ich Sie dann nach dem Inhalt Ihres Traumes fragen?" Picards Blick verdunkelte sich, da nun die Erinnerung mit aller Macht zurückkehrte. Natürlich entging Data die Reaktion im Gesicht des Captains nicht. "Entschuldigen Sie, Sir, ich wollte mit dieser Frage keinesfalls Ihre Gefühle verletzen." Dieses Mal huschte ein trauriges Lächeln über Picards Züge.

"Das haben Sie nicht, nur die Erinnerung an meinem Traum schmerzte." Einen Moment herrschte Stille. Dann, es war nur ein raues Flüstern, sagte er den Namen, der ihm auch nach Monaten noch Schauer über den Rücken jagten. "Die Borg." Ein Zittern durchzuckte den Captain und verwirrt blickte er auf. Data legte den Kopf schief.

"Die Raumtemperatur ist um 5°C gefallen." Augenblicklich huschten seine Finger über die Konsole, als auch schon ein gewaltiges Donnern, gefolgt von einer Erschütterung zu erleben war.

"Picard an Brücke. Was ist passiert?" Die Stimme von Commander Tondo ertönte, der diese Nacht Dienst hatte. "Wir können es noch nicht sagen, Sir. Etwas scheint auf das Schiff geprallt zu sein."

"Sir", kam es da plötzlich von Data, woraufhin Picard seine Aufmerksamkeit auf ihn richtete. "Es scheint, als habe sich eine Lebensform um unser Schiff gelegt. Dabei entzieht es ihm sämtliche Wärmeenergie. Soweit ich das bisher beurteilen kann, sind die Lebenserhaltungssysteme davon nicht betroffen." Angesprochener nickte.

"Piacrd an alle Führungsoffiziere", sagte er, nachdem er seinen Kommunikator berührt hatte und ging zur Tür. "Sitzung in zehn Minuten in der Beobachtungslounge." Er ging weiter zur Tür, doch als er hindurch gehen wollte, stieß er sich geräuschvoll den Kopf. "Mist", kam es leise fluchend, woraufhin Data sofort aufsprang und zu Picard lief. "Sir, ist alles in Ordnung?"

"Die Tür lässt sich nicht öffnen. Ihre Analyse, Mister Data." Der Android ging wieder zu seinem Computer. "Die Kälte hat die Stromversorgung in einigen Teilen des Schiffes außer Funktion gesetzt."

"Hier spricht der Captain.", begann daraufhin Picard sofort. "Eine Lebensform absorbiert unsere Wärme. In den nächsten Minuten soll jeder für ausreichend Nahrung und Wasser sorgen, vor allem heiße Getränke. Außerdem für Decken und Kleidung. Des weiteren wird in zehn Minuten die Brandselbstlöschung deaktiviert werden. Besorgen Sie sich sichere Feuerstellen und Brennmaterial, damit sie für die nächsten Stunden und Tage genügend Wärme zur Verfügung haben. Kümmern Sie sich augenblicklich um diese Dinge, da die Replikatoren nur noch kurze Zeit funktionieren werden. Picard Ende."

Mit angespannten Zügen blickte Picard nun zu Data, der konzentriert auf seinen Computer schaute und dabei mit unglaublicher Geschwindigkeit Bewegungen auf der Konsole ausführte. Picard hatte Data dabei noch nie so genau beobachtet, wie in diesem Moment. Oder warum fiel ihm sonst gerade jetzt auf, dass Datas Fingerbewegungen denen einen Klavierspielers glichen.

Mit einem Mal blickte Data ihn an und viel zu spät bemerkte auch Picard, dass er Data anstarrte. Er räusperte sich. "Haben Sie noch etwas in Erfahrung gebracht, Mister Data?"

"Ja, Sir", kam es schlicht von dem Androiden. "Ich habe einen Scan der fremden Lebensform vorgenommen. Wie es scheint, hat diese sich an der Außenhülle des Schiffes festgesetzt. Wenn ich die Daten richtig interpretiere, scheint eine neue Lebensform in kurzer Zeit zu entstehen."

"Soll das heißen...", unterbrach ihn Picard.

"Ja, Sir, offensichtlich gebärt die Lebensform und benötigt dazu Wärmeenergie. Wenn diese Annahme korrekt ist, handelt es sich lediglich um ein temporales Phänomen. Da die Informationen über das Wesen spärlich sind, könnte jedoch eine solche Geburt bis zu zwölf Stunden in Anspruch nehmen."

Picard nickte und schritt dann zum Replikator. "Fünf Liter heißen Earl Grey in einer Thermosflasche." Augenblicklich wurde das Gewünschte aus dem Nichts materialisiert. "Zwei Paar Wollstrümpfe, Größe 43, ein Fleecepullover, Größe 52." Auch jetzt replizierte der Computer. "Brennmaterial und...:" "Die gewünschten Objekte sind nicht mehr materialisierbar.", ertönte der Computer. "Computer", meldete sich Picard erneut. "Brennmaterial..." "Der Replikator isssst nicht... mehr.... funktionsssss...." Stille.

Picard atmete ein Mal tief durch. Offensichtlich hatte die Kälte nun auch die Replikatoren lahm gelegt. Er wendete sich zu Data um, der ihn musterte.

"Sir, Ihre Körpertemperatur ist um zwei Grad Celsius gefallen. Sollten meine Berechnungen korrekt sein, dürften Sie bei gleichbleibender Abnahme der Raumtemperatur auf der Enterprise zwölf Stunden nicht überleben."

"Danke, Mister Data für diesen Hinweis.", kam es eindeutig sarkastisch. Data begriff es natürlich nicht und sagte in seiner unnachahmlichen Weise: "Gern geschehen, Captain." Das war ein Moment, in dem Picard nicht wusste, ob er lachen oder weinen sollte. Ein Zittern durchfuhr den diensthabenden Offizier und er griff zu dem Pullover und dem ersten Paar Socken. Das zweite wollte er sich aufheben.

Schließlich ging er umher, wollte er doch um jeden Preis vermeiden, dass seine Temperatur noch weiter sank. Doch es brachte nur wenig. Die Minuten zogen sich schier endlos hin, während das Zittern an seinem Körper immer stärker wurde.

Data betrachtete ihn, eindeutig besorgt von hinter seinem Schreibtisch. "Ich schlage vor, dass Sie sich auf mein Bett setzen und die Decke dazu nehmen." Lediglich ein zitterndes Nicken brachte Picard zustande und begab sich dann zu Bett. Schnell schlang er die Decke um sich, doch da sie nur dünn war, brachte sie kaum Wärme.

Data tippte schnell auf seiner Konsole und richtete dann seinen Blick wieder auf den Captain, der wie ein Häufchen Elend zitternd auf dem Bett saß. "Nach den aktuellen Werten wird die Temperatur innerhalb der Enterprise auf 5 Grad Celsius fallen. Die Außentemperatur beträgt in diesem Quadranten lediglich -87 Grad Celcius. Berücksichtigt man dann noch, dass sich das Wesen um dreiviertel der Enterprise gelegt hat, dürfte die Raumtemperatur innerhalb der berechneten Parameter bleiben."

Ein Seufzen war Picards einzige Reaktion, woraufhin Data ihn an sah. "Ja, Sir, mir ist bewusst, dass Sie das nicht vor dem Erfrieren retten wird." Picard zitterte nun stärker, wobei er nicht verhindern konnte, dass seine Zähne aufeinander schlugen.

Data erhob sich von seinem Platz und stellte sich vor Picard. "Dürfte ich einen Vorschlag machen, Sir?" Angesprochener nickte schwach. "Da mich Dr. Noonien Soong menschlich gestalten wollte, verfüge ich über Körperwärme. Zur Zeit sehe ich keine andere Möglichkeit, als mich Ihnen anzubieten. Vielleicht bin ich in der Lage, die kritisch werdende Temperatur Ihres Körpers zu verlangsamen." Auch jetzt war Picard nur fähig zu nicken. In diesem Moment wäre ihm alles recht gewesen, Hauptsache warm.

Der Android ließ sich neben Picard nieder und legte seine Arme um ihn. Ob er wollte oder nicht, instinktiv kuschelte sich Picard näher an Data, der mit seinen exakt 37,1°C ein wahres Feuer für den eiskalten Captain war. Data rieb mit der einen Hand über Picards Rücken und versuchte so, noch mehr Wärme zu erzeugen.

Inzwischen hatte Picard seinen Kopf an Datas Brust gelegt und genoss die Wärme, die von Data ausging. Langsam aber sicher konnte er an etwas anderes denken, als an die unbarmherzige Kälte.

"Ihr Herz schlägt.", murmelte er auf ein Mal leise. Data blickte ihn von oben an. "Mein Vater war sehr darauf bedacht, mich menschlich zu machen. Stört es Sie, Sir?"

Picard schüttelte den Kopf. "Nein, ich habe mir nur noch nie Gedanken darüber gemacht, ob Sie einen Herzschlag haben." Auch wenn die Raumtemperatur langsam aber stetig weiter sank, war Picard mit einem Mal seltsam entspannt. Eine ungewöhnliche Atmosphäre war entstanden, deren Ursache Picard nicht klar war.

"Ich bin sehr dankbar, dass es Sie gibt, Mister Data." Er hatte nicht lange überlegt, er musste diese Worte einfach sagen. "Das wäre ich in Anbetracht der Situation sicherlich auch, Captain." Dieser schmunzelte leicht.

"Nein, das meine ich nicht nur im Moment, sondern generell. Sie sind eine ganz außergewöhnliche Persönlichkeit und ich kann mich glücklich schätzen, jemand so Einzigartiges auf meinem Schiff zu haben." Data neigte leicht den Kopf. Picard war sich nicht sicher, ob er seine Worte wirklich verstanden hatte. "Data, ich mag Sie nicht nur, weil Sie gerade meine Wärmflasche sind."

"Ich bin keine Wärmflasche, Sir." Picard lachte auf. Es war eine Wohltat. "Aber ich verstehe, was Sie mir sagen wollen." Data hielt einen Moment inne. "Danke, Sir." Wieder wurde es still zwischen ihnen.

Dann fuhr ein erneutes Zittern durch Picards Körper. "Wie lange noch?"

"Wenn meine Berechnungen stimmen, dann sind es voraussichtlich noch elf Stunden und zwei Minuten, Sir."

Picard seufzte. "Es wäre wohl besser, wenn Sie mich ein wenig ablenken würden, dann vergeht die Zeit schneller."

"Sir, Zeit vergeht immer gleich schnell."

Picard musste wieder lächeln. "Ja, aber für uns Menschen ist Zeit abhängig von der Beschäftigung. Und wenn ich abgelenkt werden, merke ich nicht, wie die Zeit dahinfließt und ich merke nicht so stark, wie sehr ich friere."

"Ich versteh, Sir.", kam es von dem Androiden. "Wie beurteilen Sie die neusten Funde auf der Nordhalbkugel des Planeten Trill?" Picard schmunzelte. Es war sehr clever von Data eine Thema zu wählen das ihn begeisterte.

***

"Wir scheinen das Thema erschöpfend erörtert zu haben.", sagte Data schließlich, als sie zum wiederholten Male auf die Gravur der Tonscherben eingingen, die bei der zweiten Grabung vor wenigen Wochen entdeckt worden waren. "Sie haben Recht. Wie viel Zeit ist vergangen?"

"Wir haben nun 55 Minuten und zwölf Sekunden mit der Diskussion über Trill verbracht. Darf ich Ihnen eine Frage stellen, Sir?" Picard nickte. "Ging die Zeit bei diesem Gespräch für Sie schneller herum?"

"Ja, das tat sie. Es war spannend und interessant mit Ihnen darüber zu reden."

"Hm", kam es schlicht von dem Androiden. "Worüber möchten Sie nun sprechen?"

Als Picard weiterhin schwieg, sprach Data weiter: "Vielleicht sollten Sie mir nun von Ihrem Albtraum berichten." Unbewusst schüttelte Picard den Kopf. "Counsellor Troi würde nun sagen, dass einem Humanoiden das Darübersprechen gut tut und sogar befreiend sein kann."

"Das klingt wirklich sehr nach unserem Counsellor."

Ein Moment herrschte Schweigen, während Picard weiterhin den so unnachahmlichen Schlägen des Androidenherzes lauschte. Die Wärme des anderen Körpers, die Umarmung, die er erlebte und der gleichmäßige Rhythmus des Herzen lösten eine wunderbare Geborgenheit aus, in der sich Picard sicher fühlte, auch wenn er sich gleichzeitig ein naives Kind schollt, dass er in den Armen eines Androiden jene Sicherheit fand, die er so selten bei einem Anderen verspürte.

"Beinahe jede Nacht sehen ich sie. Die Borg, wie sich mich entführen, mir alles nehmen. Meine Persönlichkeit, meinem Willen, meine Würde. Jede Nacht muss ich es wieder durchleben." Datas Arme schlossen sich fester um seinen Captain und in diesem Moment hätte Picard am liebsten geweint, so verzweifelt war er aufgrund seiner Träume und so gerührt aufgrund dieser einfachen, aber so liebevollen Geste.

Er wollte mehr preisgeben, aber musste er doch sicher sein, dass es niemals jemand erfahren würde. "Data, kann ich mich darauf verlassen, dass alles, was ich Ihnen sage unter uns bleibt."

"Natürlich, Sir.", kam es prompt von Data und Picard wusste, dass er niemals ein Sterbenswörtchen weiter erzählen würde.

"Ich sehe noch etwas anderes, jede Nacht. Sie, Data." Bei diesen Worten wurde die Umarmung abermals etwas fester.

"Ich sehe Sie, wie Sie von Ihrem Bruder mit falschen Emotionen verführt werden und..." Picard schluckte und atmete einige Male ein und aus. "... ich kann Sie nicht retten. Ich kann Sie nicht befreien. Ich versuche es wieder und wieder, doch Lore hat Sie in seiner Gewalt und ich schaffe es einfach nicht.... und dann..." Nun standen Tränen in Picards Augen, denn er wusste mit einem Mal, warum ihn dieser Traum so quälte. "...verliere ich Sie."

Unbewusst drückte sich Picard noch näher an Data, wie ein Ertrinkender, der sich an den rettenden Strohhalm klammerte.

"Aber Sie haben mich gerettet, Sir. Schon unzählige Male. Und auch von Lore haben Sie mich befreit. Ich bin hier und ich lebe." Langsam nickte Picard, als ihn plötzlich wieder ein Schauer durchfuhr.

"Die Raumtemperatur ist weiter gefallen und nähert sich zehn Grad Celcius.", kam es erklärend von Data.

"Ich bin müde.", murmelte Picard.

"Das ist keine gute Idee, Sir. Beim Schlafen würde die Aktivität in Ihrem Körper abnehmen, was eine Reduktion der Energieproduktion und somit eine weitere Verringerung Ihrer Körpertemperatur zur Folge hätte."

"Dann wird Ihnen jetzt wohl die Aufgabe zuteil, mich wach zu halten." Data legte den Kopf zur Seite. "Das könnte man so sagen."

Für eine kurze Zeit entstand Schweigen, während es Picard immer schwerer fiel, seine Augen offen zu halten. "Sir, ich hätte einen Vorschlag, welcher allerdings sehr persönlicher Natur ist." Als Picard schwieg, fuhr der Androide for. "Ich habe nun seit sieben Monaten und drei Tagen meinen Emotionschip deaktiviert. Ich würde gerne einen erneuten Versuch starten, ihn zu aktivieren. Allerdings wollte ich bisher damit warten, bis ich ein paar Tage frei habe, um mich darum kümmern zu können. Eine Begleitperson wäre dabei sicherlich angebracht. Da wir hier nun noch etliche Stunden verbringen müssen, möchte ich Sie fragen, Sir, ob Sie bereit wären, mich bei diesem Schritt zu begleiten."

Es war das erste Mal seit anderthalb Stunden, dass Picard seinen Kopf hob und Data ansah. "Es wäre mir eine Ehre."

Data nickte und man sah ihm augenblicklich an, dass er nach innen fokussiert war.

"Muss ich noch irgendwas beachten?", fragte Picard weiter. Data schüttelte den Kopf. "Ich denke nicht, Sir, aber hundertprozentig sicher bin ich mir auch nicht, da ich nicht genau weiß, was auf mich zukommen wird." Picard war mit einem Mal sehr aufgeregt, wusste er doch ebenso wenig wie Data, was genau da auf ihn zukommen würde. Ein gutes hatte diese Aufregung: Adrenalin schoss durch seine Adern und ihm wurde wärmer.

Data war wieder nach innen fokussiert und schloss mit einem Mal die Augen. Ein Zucken durchfuhr den zweiten Offizier, dann öffnete er wieder die Augen und sah Picard an. Dieser schluckte. Datas Augen leuchteten, wie er es noch nie gesehen hatte: Freude stand in ihnen. Und dann fand diese Freude ihren Weg zu Datas Lippen und ein Lächeln überzog seinen Mund. "Es freut mich, Sie zu sehen, Captain."

Picard erwiderte das Lächeln. "Das sehe ich." Und dann geschah etwas so Einmaliges: Data lachte. Es war mehr ein leises Kichern, aber eindeutig ein Lachen. "Das war lustig.", stellte er überrascht fest. Dieses Mal musste Picard lachen. "Ja, Mister Data, das war es." Sie sahen sich strahlend an. Viel zu strahlend, dachte Picard mit einem Mal und senkte in einer ganz typisch menschlichen Geste, den Blick. Eine leichte Verlegenheit kroch in ihm hoch. Was war nur los, dass er seinen zweiten Offizier so anstrahlte?

"Fühlen Sie sich unwohl, Sir?", kam die Frage des Androiden, der so wie immer klang.

Kurz sah Picard wieder auf. "Mir wird nur wieder etwas kälter."

"Ich verstehe, Sir." Ohne zu zögern nahm Data seinen Captain wieder in den Arm. Dieser war froh, dem fragenden Blick ausgewichen zu sein und genoss die Wärme, die Data ausstrahlte.

"Ich fühle.", flüsterte plötzlich Data, was Picard abermals dazu veranlasste wieder aufzusehen, doch dieses Mal blieben die Arme des Androiden um ihn geschlungen.

"Was fühlen Sie?" Der ernste Ausdruck auf Datas Gesicht, ließ Picard ahnen, dass es nichts Angenehmes war. "Ich habe Ihre Worte über Ihren Albtraum noch einmal studiert." Picard zuckte innerlich zusammen. "Vorhin habe ich diese Worte einfach gehört, doch jetzt... kann ich Ihre Angst, Ihre Besorgnis nachempfinden." Einen Moment lang sahen sich die beiden einfach nur an. "Sir, darf ich fragen, warum Ihre Albträume anscheinend immer davon handeln, dass Ihnen und mir etwas zustößt. Träumen Sie auch von den anderen Crewmitgliedern?"

Eine berechtigte Frage, wie Picard befand, aber auch eine, deren Antwort ihm Unbehagen bereitete. "Ich bin nicht sicher. Vielleicht liegt es daran, dass Sie mir ein ganz besonderer Freund sind."

"Captain, Sie scheinen vergessen zu haben, dass ich nun auch fühlen kann und kombiniert mit meinen anderen Fähigkeiten, weiß ich, dass Sie mir gerade nicht die volle Wahrheit sagen."

Picard lachte. "Mister Data, Sie werden immer gefährlicher. Nicht nur, dass Sie die menschlichen Fähigkeiten übertreffen, jetzt sind Sie auch noch in Gefühlsdingen ein Genie."

Data schmunzelte. "Korrekt, Sir, aber das beantwortet nicht meine Frage."

"Da haben Sie recht.", kam es prompt von Picard, während ein breites Lächeln auf seinem Gesicht erschien. "Aber manche Fragen sollten unbeantwortet bleiben."

Wieder entstand diese Stille, in der beide ihren Gedanken nachhingen und wieder wurde sie durch ein Zittern seitens des Captains durchbrochen. Seine Zähne schlugen klappernd aufeinander und bebend stand er auf, um das zweite Paar Socken zu holen. Seine Finger waren beinahe taub, so kalt wurde ihm, als er die Wärme, die Data ihm bot, verließ.

"Sir, legen Sie sich hin." Da Picard eh nicht mehr viel eigenständig denken konnte, tat er, was Data von ihm verlangte. Aber es überraschte ihn doch, als sich Data dann neben ihn legte und die Decke über sie ausbreitete. "So bin ich in der Lage, mehr meiner Körperwärme an Sie zu transferieren." Zitternd nickte Picard. Ihm wäre alles recht gewesen. Auch jetzt presste er sich ganz eng an den warmen Körper und eine ganze Zeit lang, lagen sie so da, während Picard versuchte, so viel Wärme wie möglich zu erhaschen.

Als er sich wieder einigermaßen von den Kältewellen, die ihn durchzogen, erholt hatte, war er wieder in der Lage klar zu denken. "Dieses Mal scheint die Aktivierung Ihres Emotionschips um einiges ruhiger zu verlaufen."

"Das scheint mir auch so, Sir. Vielleicht liegt es an der Ruhe und der begrenzten Ablenkung, dass ich mich ganz darauf konzentrieren kann, wie mein Körper auf Emotionen reagiert. Ich habe in den letzten fünfundzwanzig Minuten sämtliche Ereignisse der letzten fünfzehn Tage analysiert und dabei meine Gefühle beobachtet. Natürlich ist deren Reaktion abgemildert, da ich die Situationen nicht zum ersten Mal sehe, dennoch geben sie mir einen guten Einblick in meinem Gefühlswelt, was mich in die Lage versetzt, sie dieses Mal besser zu kontrollieren."

Schweigsam nickte Picard. "Darf ich Ihnen eine persönliche Frage stellen, Mister Data." Dieser nickte. "Fühlen Sie sich nicht seltsam, wenn Sie sich ins Gedächtnis rufen, in welcher Situation Sie sich befinden. Im Bett mit Ihrem Captain, noch dazu in enger Umarmung unter einer Decke."

Auch jetzt legte Data den Kopf leicht schief. "Nüchtern betrachtet würde wohl keiner in der Crew begeistert sein, wenn ich Sie erfrieren lasse, Sir." Picard lachte. "Da Sie mich aber nach meinen Gefühlen diesbezüglich fragen, so muss ich Ihnen leider sagen, dass ich mir darüber nicht im Klaren bin."

"Also wieder eine Frage, die besser unbeantwortet bleiben sollte.", meinte Picard und konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen.

"Sir", kam es eindringlich von Data. "Ihre Aussage impliziert, dass wir beide das Gleiche geantwortet hätten, wenn wir geantwortet hätten." Wieder einmal verblüffte der Anroid seinen Captain mit dieser scharfsinnigen Beobachtung. "Ich fühle mich auf jeden Fall wohl.", schloss Data schließlich.

"Das ist ein Anfang.", murmelte Picard, woraufhin Data verwirrt die Brauen zusammen zog. "Auch jetzt verwirren die menschlichen Gefühle mich über alle Maßen.", sagte Data in seinem so niedlich-naiven Ton, wenn ihm bewusst wurde, dass er noch viel zu lernen hatte.

Plötzlich flackerte das Licht und zwei Sekunden später war es stockdunkel im Zimmer. Picard seufzte. "Nun wird es mir leicht fallen, wach zu bleiben." Data wollte schon etwas Erwidern, als ihm klar wurde, dass es Sarkasmus war.

Ob er wollte oder nicht, aber als die Dunkelheit über sie fiel, kamen auch wieder die Bilder. Die Bilder des Grauens und des Schreckens. Die Bilder, die er nicht mehr sehen wollte, die er aber immerfort sah.

Er musste kurz eingeschlummert sein, denn er sah Data, wie er ihn boshaft anstarrte, während Lore ihn kontrollierte. Er versuchte mit Data zu reden, berührte ihn, doch nichts brachte den zweiten Offizier zur Vernunft. Dann wollte Lore ihn opfern, zielte auf Data und Picard wollte sich dazwischen werfen, doch er konnte sich nicht bewegen. Data starb vor seinen Augen.

"Neeeeeeeiiiiiiin", schrie er wie von Sinnen, strampelte und zappelte.

"Captain! Captain", rief eine Stimme. Eine wohl vertraute Stimme. "Data?", fragte Picard, der sich fiebrig fühlte. Auf seinen Wangen spürte er Tränen und er war froh, dass die Dunkelheit ihn nicht verriet. "Sie sind da?" Es klang so ängstlich, dass Picard sich beinahe ekelte.

"Ja, Sir. Ich bin da." Und wieder einmal reagierte Data wunderbar. Er nahm seinen Captain noch fester in den Arm, doch dieses Mal war es anders. Datas Atem streifte Picards Kopf, der sich instinktiv an Data gedrückt hatte.

"Ich hatte Angst um Sie, Sir.", flüsterte der zweite Offizier leise. "Das ist mir bisher noch nie passiert- nicht in diesem Ausmaß." Datas Stimme war so emotionsgeladen, wie sie Picard noch nie gehört hatte.

"Und ich hatte auch Angst um Sie.", antwortete Picard leise. "Ich habe Sie wieder verloren."

Datas Kopf bewegte sich. "Nein, Sir, das haben Sie nicht. Ich werde immer bei Ihnen sein." Es war dumm, es war töricht, doch in diesem Moment trösteten Datas Worte ihn mehr als er sagen konnte.

"Ich möchte nicht, dass Sie traurig sind, Captain." Das war ein Satz, den Picard niemals von Data erwartet hätte.

"Warum?" Picard merkte es kaum, aber er hielt vor Aufregung die Luft an. "Weil Sie mir zu viel bedeuten."

Picard konnte nicht anders. Er streckte seinen Kopf empor, suchte und fand Datas Lippen, nur um sie dann mit den seinen zu versiegeln. Es war ein kurzer Kuss, doch es war und blieb ein Kuss.

Als Picard sich nach wenigen Sekunden seiner Handlung bewusst wurde, zuckte er zurück. "Es tut mir l-" Doch er kam nicht dazu seinen Satz zu beenden. Lippen hatten sich auf die seinen gelegt und küssten ihn mit wunderbare Intensität. Auch dieser Kuss war nur kurz.

"Jetzt müssten wir uns beide entschuldigen, aber wenn man es mathematisch betrachtet, so ergibt Minus mal Minus Plus, was unsere Handlung als positiv bewerten würde." Picard lachte. "Sie sind ein Genie, Mister Data."

"Da ich nur auf unzureichende Erfahrung zurückgreifen kann, bin ich mir nicht sicher, aber ist es nicht üblich, dass sich ein küssendes Pärchen duzt?" Wieder entlockte Datas Fragen Picard ein Lachen. "Da haben Sie... da hast du absolut recht, Data."

***

Die Stunden vergingen, in denen beide sich unterhielten- über das Schiff, über die Crew, über Erlebnisse in ihrer Freizeit. Es waren angenehme Gespräche. Sie duzten sich zwar, aber sie küssten sich nicht noch einmal.

Es waren insgesamt neun Stunden (oder nach Datas Angabe: neun Stunden, siebzehn Minuten und elf Sekunden) vergangen, als das Schiff erneut erschüttert wurde und von der Trennung des Lebewesens von der Schiffsaußenhülle zeugte. Es dauerte dann noch einmal eine Stunde (eine Stunde, fünf Minuten und fünfundvierzig Sekunden) bis das Schiff wieder 21°C Raumtemperatur erreicht hatte.

Es war auch der Moment, in dem Picard das erste Mal seit Stunden ohne Data nicht mehr fror. Langsam stieg er aus dem Bett und machte sich auf den Weg zur Tür. Kurz bevor diese sich öffnen konnte, drehte er sich noch einmal um. Data saß wieder an seiner Konsole.

"Ich danke dir-für alles." Der Android nickte, doch als Picard sich umdrehte, meinte er aus den Augenwinkeln noch den Ausdruck von Sehnsucht auf Datas Zügen erkannt zu haben.

Dann wandte er sich um und verließ endgültig das Quartier seines zweiten Offiziers. Was für eine Nacht!

***

Wie hat es euch gefallen? Was mich besonders interessieren würde, habe ich die Figuren getroffen oder sind sie ooc geworden? Und ganz wichtig: Soll die Geschichte fortgesetzt werden?
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