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Shark Point [PSI Factor]

GeschichteLiebesgeschichte / P12 / Gen
Lindsay Donner Peter Axon Professor Connor Doyle
03.02.2011
14.02.2011
2
12.998
 
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03.02.2011 6.851
 
Titel: Shark Point
Autor: DancingStar
Pairing: Connor/ Lindsay
Rating: 12
Special Guest: Ich!
Inhalt:  Im Meer vor einer kleinen Insel werden Menschen von einem scheinbar harmlosen Tier angegriffen. Das OSIR soll herausfinden, warum.
Anmerkungen: Ihr wollt gar nicht wissen, wann ich die Idee zu dieser Geschichte hatte: Ich war mal wieder auf meine All- Time- Favourite- Website unterwegs zum Shoppen. Aber nicht, dass diese etwas mit blutrünstigen Haien zu tun hätte…!
Fröhlichen Valentinstag euch allen!


Shark Point

Ein kleines, schwarzes Schlauchboot kämpfte sich durch die unruhigen Wellen, die das Meer vor der kleinen Insel Shark Point in Bewegung versetzten. An Bord des Schlauchbootes befanden sich zwei Männer: Jeder von ihnen trug einen Taucheranzug und sie hatten große, schwere Sauerstoffflaschen bei sich. Einer der beiden zog sich eben seine Taucherflossen an. Das Wasser schien zu dieser Jahreszeit noch sehr kalt zu sein. Es war erst Februar und Shark Point befand sich nicht einmal in der Nähe des Äquators.
Vor zwei Jahren war ein alter Tanker vor der Insel versunken und die Männer hatten gehört, hier hätten sich inzwischen Korallen angesiedelt. Schließlich war es ihr Job, die Korallen zu untersuchen: Die Universität von Sydney hatte sie hergeschickt.
Sie setzten sich ihre Taucherbrillen auf, ließen sich ins Meer fallen und sie schwammen langsam in die Tiefe. Das Wasser war heute sehr trübe, doch sie hatten trotzdem gute Sicht. Sie waren schon in viel unübersichtlicheren Gewässern getaucht.
Das alte Wrack erschien langsam vor ihnen. Sie machten Fotos mit einer Unterwasserkamera und während sie mit ihrer Arbeit beschäftigt waren, merkten sie nicht, wie sich ihnen ein gigantischer Schatten näherte. Der Schatten umkreiste das Schiff in sicherer Entfernung, beobachtete die fremden Besucher und als er sich davon überzeugt hatte, dass diese keine Gefahr darstellen oder Gegenwehr leisten würden, beschleunigte er und der Koloss schoss mit rasender Geschwindigkeit auf die beiden Taucher zu.
Im ersten Moment erschraken die Männer, als sie das riesige Tier entdeckten, doch als sie seine raue, gepunktete Haut und sein überbreites Maul und die kleinen Flossen sahen, beruhigten sie sich. Solche Tiere galten im Allgemeinen als friedlich.
Sie wurden eine besseren belehrt, als der riesige Walhai plötzlich eine Reihe scharfer, spitzer Zähne entblößte und weiterhin mit rasanter Geschwindigkeit auf sie zu schwamm. Er packte einen der Taucher am Bein und zerrte ihn mit sich in die Tiefe. Geschockt wollte der andere Taucher so schnell wie Möglich an die Wasseroberfläche schwimmen und mit seinem Schlauchboot wegfahren. Er hatte fast die Wasseroberfläche erreicht, als von unten eine Art Blutwolke zu ihm aufstieg. Da er wusste, was dies bedeutete, bemühte er sich sehr, sich nicht auf der Stelle zu übergeben.
Er drehte sich nur kurz um und sah, dass der dunkle Schatten angefangen hatte, ihn einzuholen. Das rettende Schlauchboot kam immer näher, doch in diesem Moment packte ihn etwas am Unterschenkel und ein stechender Schmerz durchfuhr ihn. Auch er wurde von dem Walhai in die Tiefe gezogen.
Dies war nicht der erste Vorfall im Ozean vor der kleinen Insel Shark Point. Letzte Woche war ein Fischkutter von einem unbekannten Tier angegriffen worden, man konnte von Glück sprechen, dass das Schiff nicht versunken war. Am vergangen Wochenende war am Strand eine Frau spurlos verschwunden und ein Surfer, der zugegebener Maßen die Kälte des Wassers unterschätze, verschwand ebenfalls und wart nie mehr wiedergesehen.
Die tödlichen Unfälle im Meer häuften sich.

Eine Bekannte und Fast- Verwandte von Cooper lebte auf der kleinen Insel. Eigentlich hatte das Team Urlaub und Cooper hatte sie gefragt, ob sie mit ihm zum Angeln kommen wollten. Darauf hatten aber weder Connor, Lindsay noch Peter Lust und so waren sie dankbar, als sie von dem Vorfall hörten, der sich vor der Küste abspielte.
„Welch Ironie“, sagte Peter, während er eine Laptoptasche aus dem Auto holte, „Der Name der Insel scheint Programm zu sein.“ Sie waren eben erst angekommen.
Shark Point war eine kleine Insel vor der Küste von Oregon. Etwa zweitausend Menschen lebten auf der Insel, die nicht weit vom Festland entfernt war. Ein tropisches Paradies war sie jedoch nicht: Man musste mit dem Boot nicht weit fahren bis man ein kleines Städtchen erreichte, welches schon zu Washington- State gehörte. Je weiter man gen Norden fuhr, desto kühler wurde es auf See.
Cooper kannte Sandy Ryan nur flüchtig und wenn er richtig lag, musste sie inzwischen erst dreiundzwanzig Jahre alt sein. Ihr Vater hatte mit ihm studiert und er hatte sie als kleines Kind einige Male gesehen, doch sie unterhielten sich beinahe wöchentlich am Telefon über ihre Arbeit und so hatte Cooper auf von der äußerst beunruhigenden Situation erfahren.
Schon im Kindesalter hatte sie sich für die Meerestiere interessiert und daher wunderte es ihn nicht, dass sie Ozeanologie studierte. Einmal hatte Cooper geglaubt, sie würde eher zu den Leuten gehören, die eines Tages unbedingt ins All fliegen wollten: Er hatte seinen alten Freund oft am Telefon davon sprechen hören, dass seine damals achtjährige Tochter unheimlich gerne Astronomin werden wollte. Nun war er froh, dass Sandy sich für die Meerestiere entschieden hatte, denn ihr Wissen auf diesem Gebiet würde ihnen sehr weiterhelfen. Gegenwärtig kümmerte sich Sandy um ein kleines Shark Reef Aquarium auf der Insel. Es beherbergte einige ungefährliche Hai- Arten, die dort zu Beobachtungszwecken gehalten wurden.
Das Team erreichte ein Gebäude, welches von außen mit Fischen bemalt war. Neben der Haustür stand ein Briefkasten. Peter klingelte bereits an der Haustür und stellte fest, dass niemand öffnete. „Niemand Zuhause“, stellte er fest.
„Da kommt ein Boot“, Cooper bemerkte, dass es hinter dem Haus  einen Bootssteg gab, wo nun eine alte Yacht ankerte. Eine junge, rothaarige Frau sprang von Bord und eile über den Bootssteg. „Onkel Cooper!“, rief sie aufgeregt. Cooper war eigentlich gar nicht ihr richtiger Onkel, aber er und ihr Vater waren gute Freunde gewesen. Sandy freute sich, ihn zu sehen und umarmte Cooper. Dann lernte sie das Team kennen. Sie war froh, dass ihr Onkel hergekommen war.
„Du hast gesagt, hier passieren seltsame Dinge“, erinnerte Cooper sich.
Gemeinsam gingen betraten sie das Gebäude. Im Inneren gab es ein riesiges Aquarium in dem viele bunte Fische schwammen, der Boden war mit Korallen bewachsen. Sandy berichtete, dass vor einigen Tagen ein toter Taucher an den Strand gespült wurde und dass die pathologische Untersuchung ergeben hatte, dass die Bissspuren zu einem ganz besonderen Tier gehörten.
Auf dem Weg zum Büro mussten sie unter einem Tunnel durchgehen. Sie sahen, wie ein Hammerhai elegant über ihren Köpfen durch das Wasser glitt. Schließlich erreichten sie das Büro, dessen Wände über und über mit Bilder von Meerestieren bedeckt waren. Das Büro war nett, aber doch ziemlich unordentlich. Sandy ging zu einem Regal, nahm einen Ordner und schlug ihn auf. Sie zeigte ihnen einige Fotos die sie gemacht hatte.
„Die Größe und Form des Kiefers lässt auf einen Walhai schließen. Außerdem haben ein paar Fischer gesehen, dass sich ein Walhai draußen vor der Insel rumtreibt“, sie legte die Akte vor ihnen auf den Tisch, „Ich habe noch nie gehört, dass Walhaie Zähne hätten.“
„Statistisch gesehen werden die meisten Menschen von Tigerhaien  und Bullenhaien angegriffen“, sagte Cooper, „Walhaie sind für den Menschen ungefährlich.“
„Das weiß ich“, erklärte Sandy, „Außerdem ist es im Februar in diesen Gewässern viel zu kalt für Walhaie. Noch dazu gehört die Küste vor Oregon gar nicht zu ihrem Verbreitungsgebiet.“
Sie wusste, dass sich niemand einen Reim darauf machen konnte, warum ein scheinbar harmloser Walhai Menschen angreifen würde.

Abends tobte ein schrecklicher Sturm über die Insel und da es in der kleinen Stadt kein Hotel gab, sondern nur auf dem Festland, war das Team mehr oder minder dazu gezwungen, im Shark Reef Aquarium zu übernachten. Nachdem sie ihre Gäste bekocht hatte, beschloss Sandy ihre Tiere zu füttern und sie zeigte Lindsay, wie sie mit einer Greifzange die Hammerhaie mit kleinen Fischstücken füttern konnte. Lindsay bemerkte, dass einer der Hammerhai eine riesige Narbe am Körper hatte und sie fragte, woher diese Verletzung kam.
Sandy erklärte, dass der Hammerhai „Sushi“ hieß und sie das Hai- Mädchen als Baby halb tot aus dem Japanischen Meer gerettet hatte, nachdem ein Walfänger den Hai aus seinem Fischernetz geschnitten und sie blutend ins Wasser zurückgeworfen hatte. Seitdem lebte „Sushi“ hier.
Lindsay beschäftigte sich noch immer mit der Frage, warum ein friedliches Tier plötzlich die Nerven verlor, sodass es Menschen tötete. „Es gibt nur einen Grund, warum ein Tier so aggressiv werden würde“, vermutete Lindsay und Sandy war gespannt darauf, ihre Antwort zu hören, „Es hat sein Junges verloren… Du hast selbst gesagt, dass Sushi fast in einem Fischernetz ertrunken wäre, wenn dieser Japanische Walfänger sie nicht aus dem Wasser gezogen hätte.“
Das klang logisch. Aber sie hatte nicht gehört, dass ein junger Walhai tot auf dem Meer trieb oder am Strand aufgefunden wurde. Normalerweise blieben solche spektakulären Vorkommnisse der Presse nicht lange verborgen.
Sie beschlossen, über etwas anderes zu sprechen und so fragte Sandy, ob das Gästezimmer in Ordnung war, welches sie bekommen hatte. Lindsay nickte. Das Zimmer war sehr nett. Connor, Cooper und Peter jedoch mussten aufgrund des Platzmangels im Wohnzimmer auf der Couch oder im Büro übernachten. Lindsay vermutete, dass es nachts in dem Aquarium wohl besonders unheimlich war. Die verglasten Wassertanks der Tiere, waren selbst in der Nacht erhellt. „Solange Peter nicht auf die Idee kommt, zu einem der Haie ins Becken zu steigen, muss er gar keine Angst haben… Und er sollte die Finger von den Seehundattrappen lassen“, empfahl ihre Gastgeberin. An der Wand lehnten zwei schwarze Seehundattrappen, die oft als Spielzeug oder Jagt- Training für die Haie verwendet wurde. Als Lindsay die Attrappen sah, klatschte Sandy wie ein Seehund in die Hände und quietschte wie einer. Sie lachten und sofort warf Sushi im Becken ihre Schwanzflosse unruhig hin und her. Sie kannte das Seehund- Geräusch.
Schließlich waren sie mit der Haifütterung fertig. Sie räumten die leeren Eimer und ihre Greifzangen auf und Sandy sagte, wenn sie wollten, dürften sie morgen einmal mit den ungefährlichen Zitronenhaien tauchen, die im Aquarium lebten.

Am Morgen während dem Frühstück erhielt Sandy einen Anruf von einem Kollegen, der eine Gruppe von Orcas beobachtete, die an der Küste nach Norden zog. Der Kollege klang sehr aufgeregt und er erklärte ihr, die Leitkuh der Walgruppe habe er heute Morgen tot auf dem Ozean treiben aufgefunden.
„Bist du sicher, dass es die Leitkuh der der Gruppe war?“, fragte sie und schenkte ihren Gästen Kaffee nach.
„Ja“, antwortete der Kollege und erklärte er, er hielt die Tiere anhand ihrer Rückenflossen auseinander. Natürlich wusste Sandy das selbst und sie hatte im Studium gelernt, dass der Orca- Wal das stärkste Säugetier im Meer war. Als ihr Vater noch am Leben war, war sie einmal mit ihm aufs Meer hinausgefahren und hatte beobachtet, wie ein Orca- Wal einen Großen Weißen Hai angriff und ihn tötete. Nachher erklärte er ihr, dass Orcas gerne Hai- Leber fraßen. Welches Tier konnte in der Lage sein, eine ausgewachsene Orca- Kuh zu töten?
Nach dem Frühstück fuhren sie mit Queen Miranda, der alten Yacht, aufs Meer hinaus zu dem Kollegen, der die Leitkuh seiner Walgruppe einige Meilen südlich inzwischen an den Strand hatte schleppen lassen. Auf dem Weg dorthin kamen sie an einer mit  Felsen zugeschütteten Sandbank vorbei. Sandy betrachtete sie besorgt. "Normalerweise lebt eine riesige Seehund- Kolonie auf Grand Banks", sagte sie. Doch heute war die Sandbank wie leer gefegt. Seit sie hier lebte gab es noch keinen Tag, an dem sich nicht hunderte von Seehunden dort aufhielten und sich ausruhten oder um ihre Jungen kümmerten.
Nach einer weiteren halben Stunde erreichten sie einen abgelegenen Strand an der Küste. Sie hatten den schwarzen Meeressäuger schon von weitem aus gesehen. Sandy bremste den Motor von Queen Miranda, setzte Anker und alle gingen von Bord. Sie betrachteten den toten Orca- Wal: An seiner rechten Seite klaffte eine riesige Bisswunde, das Fleisch hing in Fetzen von seinem Körper. Außerdem war ein Teil einer Brustflosse abgebissen. Über dem Kadaver kreisten bereits die hungrigen Möwen und es stank nach totem Fisch. Sie machten Fotos von dem toten Tier und wieder zuhause, machte Sandy sich sofort daran sie zu entwickeln. Sie brauchte fast den ganzen Abend, also beauftragte sie Peter damit, die Zitronenhaie mit einer Greifzange zu füttern. Lindsay sollte ihm dabei helfen, schließlich hatte sie schon dabei geholfen, die zwei Hammerhaie zu füttern.
Die Fotos waren fertig, als alle nach dem Abendessen "Der Weiße Hai" anschauten. Als ob es hier in letzter Zeit nicht genügend Hai- Attacken gegeben hätte!
Sandy erzählte ihnen nebenbei, dass ihr Kollege, der Orcaforscher noch einmal angerufen hatte. Er hatte ihr berichtet, dass die Bissspuren an dem toten Wal mit denen an den verunglückten Tauchern übereinstimmten. "Das heißt, es ist immer das gleiche Tier, was die Leute  attackiert?", fragte Cooper nach und Sandy nickte, "Was mir aber Sorgen macht, ist, dass Walhaie normalerweise Fische und Plankton fressen. Die fallen nicht über Orca- Wale her.“ Normalerweise saugte ein Walhai seine Nahrung durchs Maul ein und filterte es durch die Kiemen. Ein naher Verwandter der Walhais, der Riesenhai, schwamm hingegen mit weit geöffnetem Maul durchs Meer und ließ so das Wasser durch seine Kiemen strömen. Von dieser Szene gab es sogar ein Bild im Eingangsbereich des Aquariums.
Eigentlich konnten sie nicht glauben, dass ein Walhai für all dies verantwortlich sein sollte. Sollte wirklich…
„Wir unterbrechen die Sendung für einen Sonderbericht“, sagte ein Nachrichtensprecher plötzlich im Fernsehen, „Heute Abend haben Touristen an Port Reyes in Kalifornien eine Gruppe toter Walhaijungen aufgefunden. Da es sich bei den Jungtieren um eine neue Form der Walhaie handelt, wurden die verendeten Körper ins Meeresforschungsinstitut nach San Diego gebracht. Ozeanologen fanden heraus, dass die jungen Tiere von einem sehr großen Orca angegriffen wurden.“
„Ihr Trottel!“, schimpfte Sandy über die Nachrichtenleute und Cooper war über diesen Ausdruck seiner Nichte erstaunt, „Es war ein Hai. Ein eigentlich harmloser Hai.“ Sie ging zum Telefon und das Team beobachtete, wie sie mit offenbar mit einem anderen Kollegen sprach. Sie bat ihn, Abdrücke der Bissspuren anzufertigen und ihr die Auswertung herzuschicken. Dann ging sie hinaus.
„Was hat sie?“, fragte Peter verwirrt und Cooper hatte eine Ahnung: "Was wäre schlimmer? Ein männliches oder ein weibliches Tier, welches all diese Menschen und Tiere tötet?"
Die Antwort war simpel: Ein männliches Tier wäre bedeutet schlimmer, weil es sich schneller fortpflanzen konnte.
"Das Problem ist nur, das Walhaie bis zu 300 Junge mit einer Trächtigkeit gebären können."
Im Hintergrund murmelte Peter ein leises "Oh Gott". Er konnte sich nicht vorstellen, 300 weitere solcher Bestien draußen im Ozean zu wissen.
"Soll das heißen, unser Tier ist ein Weibchen?", fragte Lindsay.
„Damit müssen wir rechnen.“ Immerhin hatte der Nachrichtensprecher im Fernsehen gesagt, bei den Jungtieren handle es sich um eine neue Form der Walhaie. Cooper dachte seine Vermutung zu Ende. Falls es sich bei ihrem Tier tatsächlich um ein Weibchen handeln würde, würde dies die Mutation der Jungtiere erklären. Wahrscheinlich hatten sie nicht überlebt, weil sie keine reinrassigen Tiere waren… Oder weil das Muttertier seine eigenen Jungen angegriffen hatte. Cooper erinnerte sich, dass schon das Muttertier nicht reinrassig gewesen sein konnte. Er glaubte es war ein Hybrid der versucht hatte, sich Fortzupflanzen. Jedoch hatte er schon von Tiger- Hybriden gehört, die in Zoos gezüchtet wurden, die aber unfruchtbar waren. Er fragte sich, wo das Muttertier überhaupt herkam?

„Entschuldigen Sie!“, rief ein Mann von einer Speditionsfirma am nächsten Abend. Ein Teil des Teams war noch mit der Auswertung der Bissspuren beschäftigt und Peter kam an das abgeschlossene Tor des Aquariums. „Ich habe hier eine Lieferung für das Shark Reef Aquarium“, sagte der Mann, zeigte zu einer riesigen Kiste und reichte Peter einen Zettel, den er unterschreiben sollte. Dann schaffte Peter die Kiste alleine ins Büro des Hauptgebäudes und stellte fest, wie schwer sie war.
„Was ist in der Kiste?“, fragte Peter. Er hatte keine Lust, heute noch eine Nacht im Büro des Aquariums zu verbringen: Letzte Nacht war er aufgestanden und hatte nach der Toilette gesucht, als er an den hellerleuchteten Becken der Haie vorbeiging. Er fand es fast unheimlich, den Haien zuzusehen.
„Sieht nach einer Boje aus“, bemerkte Lindsay, als Peter die Fracht ausgepackt hatte. Sie fand es nicht in Ordnung, das Peter das Paket öffnete.
„Um ehrlich zu sein, ist das eine Vorrichtung, die Haie von der Insel fern halten soll. Das Forschungsinstitut in San Diego schickt sie und sie werden bald um die gesamte Insel verteilt. Diese hier soll vor Grand Banks positioniert werden.“ Sandy hoffte, dass die Bojen halfen. Sie sollten ein Signal aussenden, welches Haie von der Insel fern hielt, aber Sandy glaubte nicht, dass es tatsächlich helfen würde. Außerdem waren die Signale bestimmt nicht gut für die Delfine, die im Meer lebten.
Das Telefon im Büro klingelte und Lindsay, die sich hinter den Schreibtisch gesetzt hatte, nahm ab. „Shark Reef Aquarium auf Shark Point“, stellte sie sich vor. Dann reichte sie ihrer Gastgeberin das Telefon. „Jemand namens Professor Madison ist am Telefon“, flüsterte sie. Von dem alten Professor hatte Sandy schon lange nichts mehr gehört und als erstes bedankte sie sich für die Bojen. Professor Madison jedoch hörte sich schon immer gerne selbst reden und so dauerte das Gespräch fast eine Stunde.
„Ich hoffe, dass das Hai- Abwehrsystem funktioniert“, sagte Connor. Dann fragte er, wann sie es draußen auf dem Ozean testen wollten. „Heute nicht mehr“, antwortete Cooper, „Eines der Haibecken ist undicht und bevor es kaputt ist, muss der Hai in ein anderes Becken verlegt werden.“ Es handelte sich lediglich um das Becken eines harmlosen Teppichhais aber da dieser sich gerne im Sand auf dem Boden des Beckens versteckte, war es nicht leicht ihn zu finden. Sie hatten also keine Zeit, heute die Bojen auszusetzen. Außerdem war es draußen bereits dunkel und eiskalt.
„Können wir irgendwie helfen?“, fragte Lindsay.
„Ja“, Cooper nickte, „Sagen Sie Bescheid, wenn sie den kleinen Hai sehen.“
Lindsay meinte eigentlich, ob sie etwas Nützliches tun könnten, doch sie beschloss, Cooper zu helfen. Sie schleppte eine schwarze Plastikwanne zu dem defekten Haibecken, vor dem sich bereits etliche mit Wasser gefüllte Eimer befanden. Durch ein Fenster sah sie, wie neben der alten Yacht hinter dem Haus ein kleines Motorboot im Ozean schaukelte. Sie drehte sich nach Connor um, der von Cooper den Spezialauftrag bekommen hatte, ihr beim Fangen des Hais zu helfen. Connor brachte eben einen Netz, mit dem sie den Hai fangen sollten.
„Connor, was halten Sie davon, wenn wir die Boje des Abwehrsystems platzieren? Cooper hat gesagt, wir sollen helfen. Lassen Sie uns etwas Sinnvolles tun.“

Das neue Becken für den kleinen Teppichhai war bald darauf fertig: Es war mit Salzwasser gefüllt, der Sandboden war dick genug, sodass der Wal darin graben konnte. Nun fehlte nur noch der Bewohner des neuen Beckens. Cooper wartete, dass Connor und Lindsay den Hai brachten und weil sie nicht kamen, beschloss er nachzusehen wo sie blieben. Er erschrak fast ein wenig, als er das Netz und die schwarze Plastikwanne unbenutzt neben dem alten Aquarium standen. Außerdem bemerkte er, dass das Motorboot fehlte. Cooper ging zu Peter zurück, der im Büro hockte und telefonierte.
"Little Leslie ist weg!"
Little Leslie war ein kleines Motorboot und neben der großen Yacht Queen Miranda gehörte das kleine Boot zu den Wasserfahrzeugen des Aquariums. Sie hatten sofort eine Ahnung, wo das Boot war und vor allem, wer damit unterwegs war.

Währenddessen raste das kleine Boot durchs Wasser und der Motor summte und brummte laut. Als sie Grand Banks erreichten, schaltete Connor den Motor aus, damit das Boot nicht an den Felsen, die sich auf der Sandbank befanden, zerschellte. Er streckte sich nach einem Felsen und im nächsten Moment wurde Little Leslie zu Seite geschoben. Zum Glück fiel Connor nicht aus dem Boot, aber Little Leslie kam einer scharfen Steinkante immer näher. Natürlich war Lindsay klar, wer oder besser was das Boot bewegte und so griff sie nach Connors Hand und rette sich im letzten Moment mit ihm aus dem Motorboot. Sie rutschte auf dem Felsen aus der halb mit Wasser bedeckt war, stürzte und fühlte einen furchtbaren Schmerz im Kopf und im Handgelenk. Connor zog sie aus dem Wasser und sie bleiben nebeneinander auf dem Stein sitzen. Ihr Angreifer aus der Tiefe schob das Boot aufs Meer hinaus, dann kehrte er zu ihnen zurück und riss vor ihnen sein gigantisches Maul auf. Es war fast so, als wollte er sie mit seinen messerscharfen Zähnen einschüchtern. Schließlich verschwand das Tier in der Tiefe, doch es war zu gefährlich, zu dem treibenden Motorboot hinauszuschwimmen.
Connor half Lindsay aufzustehen und ging mit ihr an den höchsten Punkt der Sandbank. Sie suchten hinter einem großen Felsen Schutz vor der Witterung. „Ihre Jacke ist nass“, stellte Connor fest, als er sie an den kalten Stein lehnte. Außerdem hatte sie sich am Kopf verletzt, sie blutete. Er bat sie, ihre nasse Jacke auszuziehen und gab ihr dafür seine.
Er hatte den Rucksack mit der Ausrüstung noch retten können. Die darin enthaltene Leuchtrakete würde ihnen hoffentlich helfen. Da es auf der Sandbank kein oder zum Teil völlig durchgeweichtes Holz gab, konnten sie auch kein Feuer machen.
„Haben Sie ein Handy dabei?“, fragte er und Lindsay nickte. Sie zog das Handy aus ihrer Jackentasche, aber es war kaputt. Es hatte den Sturz auf den Felsen nicht überlebt.
„Was ist mit dem Funkgerät? Und die Boje, wo ist die Boje?“, wollte sie wissen. Connor sagte ihr, sie solle raten, wo es sich befand und sie wusste die Antwort: Little Leslie und die Boje trieben auf dem Ozean weiter ab.

„Warum habt ihr mir nicht gesagt, dass sie die Boje aussetzen wollen?!“, Sandy wurde fast wahnsinnig. Wie leichtsinnig war es, bei Nacht auf den Ozean hinauszufahren? Noch dazu, mit einem Motorboot!
„Das haben sie uns leider auch nicht gesagt!“, verteidigte sich Peter.
„Die Technik der Boje ist noch nicht ausgereift!“
„Soll das heißen, das Gerät ist noch nicht fertig?“, fragte Cooper entsetzt nach, seine Nichte raufte sich verzweifelt die Haare und fragte ihn, was er glaubte, Professor Madison eine Stunde lang mit ihr besprechen wollte. Sie machte sich auf den Weg zu Queen Miranda. Dort gab es ein Funkgerät. Vielleicht konnte sie Connor und Lindsay noch irgendwie erreichen.

Connor hatte jegliches Gefühl für Zeit verloren. Es kam ihm vor, als warteten er und Lindsay schon seit Stunden darauf, endlich gerettet zu werden. Er hoffte, dass Peter und die anderen inzwischen bemerkt hatten, dass sie nicht zurückgekommen waren. Lindsay zitterte ein wenig. Ihre Stirn lehnte an seiner Schulter aber sie atmete trotzdem ruhig und gleichmäßig. „Sind die Kopfschmerzen sehr schlimm?“, wollte Connor besorgt wissen.
„Es ist erträglich“, antwortete Lindsay müde, „Die Kälte ist fast unangenehmer.“ Durch den Sturz ins Wasser war ihre Jacke völlig nass und auch Pullover war ein wenig zäh. Es war lieb von Connor, ihr seine Jacke zu geben, nachdem er relativ unbeschadet davongekommen war, als der Hai sie unsanft von Little Leslie getrennt hatte. „Ist Ihnen nicht kalt?“, hörte er ihre Stimme.
„Ein bisschen“, aber Connor erinnerte sich an die Fleecedecke, die sich im Rucksack befand und packte sie aus. Lindsay wollte nicht, dass sie die Decke alleine verwenden sollte, deshalb schlang sie die Arme um seinen Körper und schmiegte sich an ihn. Sie hörte ihn leise lachen und sie fragte ihn, warum er das tat. Ihre Atemluft bildete weise Wölkchen in der Luft.
„Wir beide müssen erst auf einer Sandbank stranden und von einem Hai attackiert werden, bevor wir uns ein bisschen näher kommen.“
„Was ist daran so lustig?“, ihre Stimme klang sehr sanft, als sie sich unter der Decke an ihn kuschelte.
„Eigentlich nichts… Was sind deine Lieblingsblumen?“
„Weise Rosen. Wieso möchtest du das wissen?“
„Weil meine nächste Frage lauten würde, was ich tun müsste, damit du mit mir Essen gehst. Nur wir beide.“
Sie hatte nicht damit gerechnet, dass er so in die Offensive ging. „Wenn das deine Art ist, mich hier um eine Verabredung zu bitten, dann ist da ziemlich schräg“, sie überlegte einen kurzen Moment lang, „Du müsstest mich nur vor dem Hai beschützen. Ich denke, dann würde ich mit dir ausgehen.“ Sie fühlte, wie er ihr einen sanften Kuss aufs Ohr gab und ihr dann zu murmelte, sie solle sich schon einmal ein hübsches Restaurant für ihre erste Verabredung aussuchen. Sie kicherte, aber dieses angenehme Geräusch verstummte, als sie sah, wie der riesige Walhai im Wasser auftauchte um kurz darauf wieder in der Tiefe des Meeres zu verschwinden.
„Können Walhaie eigentlich aus dem Wasser springen?“, fragte Lindsay. Ihr Kopf und ihr Arm schmerzten wie verrückt, doch zumindest war das Blut in der Platzwunde schon ein wenig getrocknet.
„Das weiß ich leider nicht“, Connor beantwortete ihre Frage sehr ehrlich. Er konnte sich aber nicht vorstellen, dass es dem Tier gelingen sollte, seinen schwerfälligen Körper schwungvoll aus dem Ozean zu wuchten. Allerdings wusste er bis vor kurzem auch noch nicht, dass Haie aus dem Wasser springen konnten, bis er ein Buch über eine Insel namens Seal Island vor der Küste von Südafrika im Büro des Aquariums gefunden hatte.
Connor spürte, wie ihr Kopf immer schwerer wurde und ebenso fühlte er, wie ihre Wimpern ihn vorsichtig am Hals kitzelten. Ihre Augenlider flatterten. Er durfte nicht zulassen, dass sie hier in dieser Kälte einschlief. Deshalb rief er ihren Namen und sie erklärte ihm, wie müde sie war. „Ich kann nicht wach bleiben“, murmelte sie.
„Du musst… Hier draußen ist es unheimlich kalt und deine Platzwunde…“, besorgt streichelte er ihre Wange, „Du könntest nie mehr aufwachen.“
Natürlich verstand sie seine Sorge, aber sie war wirklich müde. „Halt mich fest“, flüsterte sie und kuschelte sich an ihn. Sie wusste, dass es aus dieser Situation keine Rettung gab, wen sie nicht rechtzeitig gefunden wurden.

Es dauerte fast zwei Stunden, bis Sandy im Inneren der Yacht das Signal der Boje fand, nachdem sie feststellte, dass auf ihre Funksprüche niemand antwortete. Sie machte sich immer mehr sorgen und malte sich die verrücktesten Geschichten aus, warum Connor nicht ans Funkgerät ging. Schließlich piepte das Ortungsgerät vor ihr. Sie druckte einen Zettel aus auf dem die genaue Position der Boje auf einer Karte aufgezeigt wurde und sie nahm an, dass sich die Boje noch immer an Bord von Little Leslie befand. Mit dem Blatt Papier in der Hand rannte Sandy ins Haupthaus zurück, wo Cooper versuchte die Küstenwache zu erreichen, Peter sprach mit der lokalen Polizei, die sich aber nicht zuständig fühlte.
„Ich konnte Little Leslie orten!“, rief sie und knallte den Zettel auf den Tisch. Das Boot befand sich ungefähr eine Seemeile westlich von Grand Banks im Meer. Sie sagte zu Peter und Cooper, sie sollten auf der Stelle die Gewehre schnappen, die sich in einem verschlossenen Schrank im Keller befanden.
Draußen machten sie Queen Miranda startklar und fuhren los. Sie hofften, dass sie die Gewehre nicht brauchen würden, aber wenn sie sie benutzen mussten, dann konnten sie es nicht verhindern. Immerhin waren ihre Freunde in Gefahr.
Sie ahnten nicht, in welcher Gefahr Connor und Lindsay sich befanden. Sie saßen noch immer auf Grand Banks hinter dem Felsen. Doch plötzlich hörte Connor ein lautes Platschen. Er hatte die Augen nur eine Sekunde lang geschlossen und als er sie öffnete, sah er, wie sich die spitzen Zähne des Walhais näherten und ihn mit einem Bissen verschlangen….

„Nicht!“, rief Connor leise aus und knallte mit dem Hinterkopf leicht gegen die steinerne Felswand. Erleichtert bemerkte er, dass er nur geträumt hatte. Er und Lindsay befanden sich auf Grand Banks. Sie saß noch immer rechts neben ihm und hatte den Kopf an ihn geschmiegt. Besorgt sah sie zu ihm auf. Nicht sein Alptraum war der Grund ihrer Sorge, sondern ein anderes Geräusch was von der anderen Seite von Grand Banks kam.
„Nicht weglaufen“, sagte Connor zu ihr, stand auf und ging um den Felsen herum. Er glaubte nicht, was er sah: Der Walhai hatte mit seinem gigantischen Körper inzwischen eine beachtliche Menge des Sandes weggegraben und einige der Felsen waren bereits ins Meer gestürzt. Connor wusste, was das Tier vor hatte. Wahrscheinlich wollte es ihnen den Boden unter den Füßen weggraben, sodass sie irgendwann doch im Wasser landeten und es sie ohne große Anstrengung fressen konnte.
Er ging zu Lindsay zurück und setzte sich neben sie. „Sie ist ziemlich intelligent“, erklärte er ihr und griff nach dem Rucksack, den er bei sich hatte. In dem Rucksack befand sich eine Leuchtpistole. Da sich zu dieser Zeit aber niemand bei den Grand Banks aufhielt, würde niemand das Notsignal bemerken.
„Denkst du, sie wird uns töten?“, fragte Lindsay besorgt.
„Sie wird es jedenfalls versuchen“, entgegnete Connor und schlang die Arme um Lindsay, „Bist du immer noch sehr müde?“
„Nein“, sie schüttelte mit dem Kopf und zitterte. Dafür wurde es immer kälter und sie ahnte, dass sich die Temperatur bereits dem Gefrierpunkt näherte. „Erzähl mir was…. Irgendwas“, bat Lindsay.
„Was möchtest du denn hören?“, er überlegte sich, womit er sie ein wenig aufheitern konnte, „Ich habe zwei ältere Geschwister“, erzählte er plötzlich, „Als wir noch Kinder waren, haben wir einmal gespielt, wir wären Astronauten. Meine Brüder hatten sich die Küchentopfe unserer Mutter auf den Kopf gesetzt und ich dachte, ich könnte mir einen riesigen Krug auf den Kopf setzten. Dummerweise ist mein Kopf dann in dem Krug verschwunden.“
Lindsay lachte leise, als er dies erzählte.
„…Mein Bruder hat zum Glück schnell begriffen, in welcher Lage ich mich befand. Er holte einen Hammer, schlug damit auf den Krug und befreite mich.“ Die Kälte nagte erbarmungslos an ihren Fingern und weil es immer schlimmer wurde, schmiegte sie sich weiter an ihn. „Connor, warum hast du mich gefragt, ob ich mir dir ausgehen möchte?“
„Das wollte ich schon lange tun. Vielleicht hat mir bisher der Mut gefehlt, es zu tun. Vielleicht habe ich es aber nur getan, weil es gut möglich sein könnte, dass wir es nicht schaffen und dann wäre es nur halb so furchtbar, wenn du nicht mit mir ausgehen möchtest.“
„Wie kannst du so etwas sagen?“, Lindsay klang entsetzt. Sie hob den Kopf und sah ihn an. Der kalte Wind wehte einige Haarsträhnen aus ihrem Gesicht. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass es eine Frau gab, die nicht mit so einem zuvorkommenden, loyalen und charmanten Mann wie ihm ausgehen wollte.
„Ich bin froh, dass du Ja gesagt hast“, Connor hob die Hand um vorsichtig die kalte Haut ihrer Wange zu streicheln. Dann beugte er sich zu ihr und küsste sie. Für einen Moment vergas sie, wo sie sich befand und wie kalt es eigentlich war. Sie seufzte und als sie den Kuss unterbrachen. „Du küsst gut“, stellte sie fest und er lachte. „Du auch.“
Diese Erklärung ließ Lindsay erröten und sie kicherte.
Plötzlich hörten sie beide ein Geräusch auf dem Meer. Es klang wie ein Motor und augenblicklich griff Connor nach der Leuchtpistole. Wenn er jetzt die Leuchtkugel nicht abfeuerte, brauchte er es gar nicht mehr tun, weil sie bis morgen früh erfroren waren. Die rot leuchtende Kugel schoss pfeifend in den Himmel.
Cooper und Peter standen mit Nachtsichtgeräten auf der Brücke der alten Yacht und sie bemerkten die Leuchtkugel. „Da sind sie!“, rief Peter und Sandy stoppte Queen Mirandas Motor. Sie sahen auch, wie der Wal versuchte, die Sandbank zu zerstören. Sofort visierte Cooper das Tier mit seiner Schrotflinte an und schoss. Er traf den Wal direkt in den Rücken und nun ließ er von Grand Banks ab und durchpflügte das Wasser. Er schwamm direkt auf Queen Miranda zu. Sandy stieß einen panischen Schrei aus und ihr Onkel feuerte mit der Schrotflinte so viel er konnte. Er traf das Tier auch aber das schien es nicht zu beeindrucken. Erst als Peter mit einer weiteren Schrotflinte dazukam und das Tier mehrere Male in Auge und Stirn traf, verlangsamte es eine Geschwindigkeit und bleib vor Queen Miranda im Ozean.
Mit der Yacht schoben sie den bewegungslosen Wal bis zu den Grand Banks, schließlich mussten sie auch Connor und Lindsay retten.
Bei Grand Banks angekommen, sprang Peter über die Reling. „Kommt an Bord!“, rief er und half Connor, Lindsay an Bord der Yacht zu bringen. „Wir haben die Boje verloren“, entschuldigte Connor sich als erstes.
„Keine Ursache. Hauptsache, ihr seid in Sicherheit“, meinte Sandy. Dann standen sie alle nebeneinander an der Reling und betrachteten das regungslose Tier. "Was hat sie an ihrem Kopf?", fragte Lindsay und zeigte auf die grüne Schleimhaut, die den Kopf des Tieres bedeckte. Das Zeug roch wie eine Müllkippe.
Selbst Sandy wusste nicht, was es sein sollte, also ging sie nach Innen und holte ein Wattestäbchen um einen Abstrich davon zu nehmen. Sie packte das Wattestäbchen vorsichtig in einen Plastikbehälter.
"Was machen wir jetzt mit ihr?", Cooper war sichtlich ratlos und er hoffte, dass der Schuss das Tier außer Gefecht gesetzt hatte. Hoffentlich für immer. Aber Peter hatte bereits eine Idee: "Geht alle an den Bug des Schiffes", sagte er, "Sandy, du startest die Motoren und wenn ich es dir sage, fährst du los so schnell du kannst."
Sie machten, was er sagte: Connor und Cooper halfen Lindsay an den Bug des Schiffes, Sandy ließ Queen Mirandas Motoren warm laufen und Peter ging ins Innere der alten Yacht, um den Benzinkanister und die Leuchtpistole zu holen, die er gefunden hatte. Er kippte den Inhalt des Kanisters über dem bewegungslosen Tier aus, schüttete einen Teil der Flüssigkeit in sein Maul und griff dann nach einer Leuchtpistole. Er rief Sandy zu, dass sie losfahren sollte und augenblicklich setzte sich das Schiff in Bewegung. Als sie weit genug von dem Walhai entfernt waren, zielte Peter mit der Leuchtpistole auf ihn. Der Schuss musste sitzen, eine zweite Leuchtpatrone hatten sie nicht. Er zielte auf das Maul des Tieres, die Patrone schoss zischend davon und er hatte Glück: Sie landete direkt zwischen den Zähnen des Tieres.
Queen Miranda schaukelte unruhig im Meer, als die Welle der Explosion sie erreichte und die Passagiere hielten sich fest, als neben ihnen zerfetzte Fleischstücke ins Meer platschten. Mit einem Mal roch es nach Blut und Sandy beschloss, hier so schnell wie möglich zu verschwinden. Sie hatte eine Ahnung, was die Grüne Flüssigkeit am Kopf der Bestie war und sie erzählte es ihrem Onkel und Peter, der die Leuchtpistole eben aufgeräumt hatte und zu ihnen kam. "Ich vermute, es ist Giftmüll", erklärte sie tonlos, "Vor zwei Jahren ist draußen im Meer ein Giftmülltransporter auf Grund gelaufen. Heute gibt es dort ein schönes Korallenmeer, obwohl das Wasser dort viel zu kalt ist." Auch Cooper und Peter vermuteten, dass der Walhai irgendwie in diesen Unfall verwickelt war und die Giftmüllsubstanzen ihn im Aussehen und Verhalten mutieren ließen. Und wie sie feststellten sollten, enthielt der Abstrich von der Haut des Tieres tatsächlich eine beträchtliche Menge an Giftmüll. Peter fragte, was sie als nächstes tun sollten und Cooper schlug vor, Connor und Lindsay ins Krankenhaus zu bringen. Immerhin hatten sie Stunden in der Eiseskälte verbracht.
Sie beobachteten wie Lindsay alleine an der Reling des Buges stand und aufs dunkle Meer hinausschaute. Es war fast so, als müsste sie sich davon überzeugen, dass der Walhai nicht noch am Leben war und sie verfolgte. Connor kam zu ihr. „Wie geht es dir?“, fragte er.
„Jetzt, da wir in Sicherheit sind, geht es mir sehr viel besser“, erklärte sie und lächelte.
“Schön“, meinte er und legte einen Arm um ihre Taille, „Weißt du, ich kenne ein perfektes Restaurant für unsere erste Verabredung. Warst du schon einmal in Los Angeles diesem kleinen Restaurant am Meer, es heißt Ocean Dinner?“
„Nein.“
„Gut“, sagte Connor und lächelte, „Ich auch nicht. Was hältst du davon, wenn wir dorthin fahren?“
„Das klingt gut…. Gibt es dort auch Haie?“
„Einige wird es sicherlich geben. Wenn du an einen Ort möchtest, an dem es keine Haie gibt, müssen wir an den Nordpol fahren.“
„Das wäre nicht schön… Dort ist es kalt“, plötzlich wurden ihre Kopfschmerzen noch schlimmer und sie sank in sich zusammen. Connor fing sie auf, bevor sie ohnmächtig wurde und sah, dass ihre Augenlider flatterten. Er brüllte Sandy zu, dass sie Queen Miranda gefälligst Dampf machen und schneller fahren sollte, damit sie das Festland erreichten. Lindsay lag regungslos in seinen Armen…

Anfangs fühlte Lindsay sich sehr müde und schwach, doch nach einer Woche im Krankenhaus ging es ihr schon besser. Ihr Handgelenk schmerzte und noch immer war es angeschwollen und die Haut war blau verfärbt. Ihr Unterarm war außerdem angebrochen und die kleine Platzwunde am Kopf wurde genäht. Aufgrund der Gehirnerschütterung konnte sie sich nicht mehr richtig an das erinnern, was auf Grand Banks passiert war und sie musste noch einige Tage in ihrem Bett liegen bleiben.
Connor lag ebenfalls im Krankenhaus und er kam sie jeden Tag besuchen. Gestern erhielt sie Besuch von Sandy, die ihr erzählte, die Presse hatte von der Geschichte Wind bekommen und einige Leute in Hollywood planten, einen Film daraus zu machen. „Du hast mir gar nicht erzählt, dass zwischen dir und Connor was läuft“, meinte sie, „Jedenfalls solltest du etwas dagegen tun, wenn es nicht so ist. Wenn es so weitergeht wie bisher ist Donner auch der Name, der auf deinem Grabstein stehen wird.“
„Wie bitte?“, Lindsay war verwirrt.
Sandy berichtete daraufhin, dass heute Morgen ein Mann aus Los Angeles bei ihr gewesen war und sie über einige Details ausgefragt hatte. Er war Drehbuchregisseur und weil die Geschichte noch einen besonderen „Pepp“ brauchte, beschloss er, dass er eine Liebesgeschichte in den Film einbauen wollte. Ebenso schoss der Mann noch einige Fotos von den Tieren, die in ihrem Shark Reef Aquarium lebten.
Am darauffolgenden Montag, dem Valentinstag, hörte sie, wie eine Krankenschwester ihrer Kollegin aufgeregt erzählte, ihr Mann habe ihr heute eine weiße Orchidee per Lieferservice bringen lassen und eine Karte mit der Aufschrift, dass sie sich auf ihren gemeinsamen Urlaub freuen sollte. Lindsay beneidete die Krankenschwester. Müde sank sie in ihrem Kissen zurück und versuchte aus dem Fenster zu schauen und den sonnigen Tag zu genießen, als jemand an ihrer Tür klopfte.
„Miss Lindsay Donner?“, fragte ein junger Mann mit Baseballkappe und sie wandte den Kopf zur Tür, „Ich habe eine Lieferung für Sie.“ Er stellte einen Strauß weißer Rosen in eine Blumenvase und diese platzierte er dann auf dem Tisch neben ihrem Bett.
„Von wem sind die Blumen?“, fragte sie.
„Das weiß ich nicht“, gab der Mann zu, „Ich liefere die Blumen nur. Die Damen in Blumenladen kümmern sich um die Karten.“
Die Karte! Als der Lieferant gegangen war, richtete sie sich in ihrem Bett auf und kontrollierte, ob sich zwischen den Rosen noch eine Karte befand. Doch sie fand keine persönliche Nachricht von demjenigen, der ihr die Blumen schicken ließ, sondern nur eine Visitenkarte mit dem Motto des Blumenladens: „Schönen Valentinstag… und Nacht… und der Morgen danach…“
Sie hatte fast vergessen, dass heute Valentinstag war aber da sie nicht wusste, wer ihr die Blumen schickte, spielte es keine Rolle. Es war schade, dass sie keine Nachricht bekommen hatte. Sie ließ sich erneut ins Kissen zurücksinken und schaute aus dem Fenster.
„Du siehst traurig aus“, stellte eine Stimme plötzlich fest und sie sah zur Tür. Diesmal war es Connor, der sie besuchen kam. Er setzte sich auf einen Stuhl neben dem Bett. Den Blumenstrauß ignorierte er.
„Nein, es ist nur…“, sie wusste nicht, was sie sagen sollte. Es warf sie ein wenig aus der Bahn, dass sie einen Blumenstrauß von einem geheimen Verehrer bekommen hatte.
„Schön. Es wird dich vielleicht interessieren zu hören, dass die Ärzte dich in zwei Tagen entlassen werden. Ich habe schon im Hauptquartier angerufen und zwei Wochen Urlaub für uns beide beantragt.“
Sie wirkte erstaunt, weil er das getan hatte und überrascht schaute sie ihn an.
„Du wolltest mit mir ausgehen, schon vergessen?“
„Wirklich? Ist das wahr?“
Er nickte. Aber wenn sie noch zu müde war um mit ihm auszugehen, würde er sie nicht dazu zwingen. Connor verabschiedete sich von ihr, küsste sie auf die Wange und fragte sie, ob ihr der Blumenstrauß gefiele. Da begriff sie, dass die Blumen vom ihm waren und sie sah ihn erstaunt an. Connor verließ das Krankenzimmer und wollte den Flur hinuntergehen und seine Sachen packen, denn er durfte das Krankenhaus schon heute verlassen. Plötzlich hörte er ein lautes Geräusch hinter sich. „Connor!“, rief Lindsay seinen Namen, sie hielt sich an Türrahmen fest. Ihr Arm schmerzte und ihr war schwindelig weil sie zu schnell aufgestanden war, aber sie musste ihm folgen. Sofort kam Connor zurück zu ihr, damit sie nicht ohnmächtig wurde und hinfiel und sich noch schlimmer verletzte.
„Connor, ich wusste nicht, dass die Blumen von dir sind“, sie atmete schwer.
„Bist  du mir wegen einem Rosenstrauß nachgelaufen?“, fragte er ein wenig amüsiert.  
„Nein, Ich liebe dich und… ich bin dir nachgelaufen, um das hier zu tun“, sie streckte sich nach ihm und küsste ihn. Es war ein warmes Gefühl und ihr gesamter Körper begann zu kribbeln. Sie hielt ihre Hand in seiner und stellte entzückt fest, dass er sie ebenfalls küsste.
„Du solltest dich wieder hinlegen“, flüsterte Connor sehr besorgt, als sie den Kuss beendet hatten. Lindsay nickte.
„Soll ich dich in zwei Tagen abholen?“
„Das wäre schön…“, sie wusste nicht warum, aber sie schaffte es nicht, seine Hand loszulassen. Connor brachte sie in ihr Zimmer zurück und erst als er sich vergewisserte hatte, dass sie im Bett blieb, verabschiedete er sich mit einem Kuss von ihr. Es war sicherlich nicht einfach gewesen mit dem Hai fertig zu werden, aber es war vorbei.
Er war sicher, dass ihre Zukunft miteinander eben erst begonnen hatte…

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