Tupperwood (Storysammlung)

GeschichteHumor, Familie / P12 Slash
Andy Davidson Dr. Owen Haper Gwen Cooper Ianto Jones Jack Harkness Toshiko Sato
02.02.2011
23.02.2020
180
431220
20
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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Titel: Alles für die Katz‘
Autor: Lady Charena (Januar 2013)
Fandom: Tupperwood
Episode: ---
Wörter: 4195
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones, Rhearn, Team
Pairing: Jack/Ianto
Rating: pg, slash, humor

Summe: Jack hat ein Geschenk für Ianto, das ungeahnte Konsequenzen nach sich zieht... (Eine Fortsetzung zur Adventskalender-Tupperwoodstory: Türchen 17 „Illegale Untermieter“)

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.




Der SUV hatte sich kaum - unter dem verständnislosen Gehupe und wütenden Drohgebärden missgeleiteter anderer Autofahrer – in den fließenden Verkehr eingefädelt, als Owens Stimme vom Rücksitz tönte. „Harkness, tret sofort in die Eisen, wir haben einen ungebetenen Gast an Bord.“

Jack wechselte einen Blick mit Tosh, die Ianto würdig mit einem Augenrollen vertrat, das selbst der junge Waliser nicht besser hin bekommen hätte. „Du sollst aufhören, Andy zu ärgern, Owen“, erwiderte er in seinem besten, väterlichen Tonfall. „Finde dich damit ab, er gehört jetzt auch zum Team.“

„Ich kann Constable Grünschnabel von einer Katze unterscheiden, vielen Dank“, gab der Arzt säuerlich zurück.

Auch Andy meldete sich jetzt zu Wort. „Er hat Recht, da ist eine Katze in unserem Wagen. Sie hat sich unter dem Sitz versteckt, bis Owen sie getreten hat. Hallo, Kätzchen. Was machst du Süße denn hier?“

Jack schloss messerscharf, dass die letzten beiden Sätze nicht an ihn gerichtet worden waren.

„Unabsichtlich. Woher sollte ich wissen, dass sie da unten rumhängt. Und jetzt nimm sie auf der Stelle von mir runter oder ich schmeiße sie aus dem Fenster“, drohte Owen.

Vom Rücksitz erklang kurzes, heftiges Fauchen und dann eindeutig protestierendes Miauen, das aber unter Andy Davidsons beruhigendem Murmeln bald verstummte.

„Jack?“, wandte sich Tosh trocken an ihn. „Warum ist eine Katze auf unserem Rücksitz? Und sag nicht, sie hat um eine Mitfahrgelegenheit gebeten.“

Der Captain lachte. „Du verbringst zu viel Zeit mit Ianto“, neckte er sie grinsend. „Du klingst schon wie er.“

„Dann denk nur nicht, du kannst dir auch so viel bei mir herausnehmen, wie bei ihm“, gab Tosh mit völlig ernster Stimme zurück, obwohl es in ihren Augen schelmisch funkelte.

„Könntet ihr vielleicht mit dem Flirten aufhören“, kam es angewidert von Owen. „Und mir erklären, warum dieses Katzenvieh Haare auf meiner neuen Jeans hinterlassen hat?“

Plötzlich schien Jack dem Verkehr sehr viel mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Er hielt sogar an einer roten Ampel, anstatt einfach durch zu fahren und entgegenkommende Autofahrer fast zu Tode zu erschrecken. Hey, er arbeitete hier schließlich und fuhr nicht zu seinem Vergnügen durch die Gegend, dafür musste man ihm schon ein paar Dinge gutschreiben…

(Und Ianto musste sein ganzes diplomatisches Geschick aufwenden und einige Gefallen einfordern, damit Jacks Strafzettel nur Geldbußen einbrachten. So wenig es Jack schaden würde, wegen seiner Manöver im Straßenverkehr gelegentlich gesiebte Luft zu atmen - bedauerlicherweise keine unvertraute Situation für seinen Captain - so wenig zuträglich war es Torchwoods Ansehen, wenn ihr Leiter wegen Rowdytum auf der Straße verhaftet wurde.)

„Oh, das ist nur ein Geschenk“, meinte er schließlich leichthin.

„Für wen?“, fragte Andy, ein wenig enttäuscht klingend. Er schloss schnell Freundschaften und dem wohligen Schnurren nach, dass von hinten erklang, hatte Davidson die Katze bereits gezähmt.

„Für Ianto. Wir hatten da neulich eine Maus im Keller“, erwiderte Jack, die Unschuld in Person.

Owen schnaubte amüsiert. „Mäuse in seinem perfekten Haus. Das muss Teaboy ja gewaltig auf die Palme bringen. Bist du sicher, dass du nicht hoffst, sie macht dem Federwisch, den euer Ableger immer mit sich rumschleppt, den Garaus?“

Tosh schnappte empört nach Luft. „Das ist nicht wahr, oder? Jack! Dieses harmlose kleine Entchen! Es würde Rhearn das Herz brechen.“

Oh-ho. Sie war also auch unter dem Bann von Pervy-der-Ente geraten! Kein Wunder. Tosh hatte den Erpel gescannt und untersucht, nachdem Owen mit dem Hinweis darauf, dass er kein Tierarzt wäre und Jack sich im Übrigen nicht so anstellen sollte, jeden Handstreich verweigerte. Rhearn war natürlich auch dabei gewesen, um über ihr Haustier zu wachen, und Pervy wusste sich sehr wohl einzuschleimen. Ein bisschen Geschnatter, strategisches Federnschütteln, unschuldige schwarze Knopfaugen - und alle schmolzen dahin und taten so, als wäre es das Normalste der Welt, eine bissige, schnürsenkelstehlende Ente als Haustier zu halten. (Das es in ihrem Leben und mit Torchwood weitaus befremdlichere Dinge gab, die als völlig normal angesehen wurden, ignorierte Jack in diesem Zusammenhang.)

„Es ist eine Katze, kein Tiger. Vermutlich frisst sie nicht mal Mäuse, aber es ist einen Versuch wert“, verteidigte sich Jack. „Wie sollte ich sie denn dazu bringen, eine Ente zu fressen? Und wieso eigentlich glaubt ihr, dass ich meiner Tochter so etwas antun würde?“ Er legte eine Kunstpause ein. „Natürlich würde ich ihr in diesem unwahrscheinlichen Fall sagen, dass Per-ver-cy Sehnsucht nach Mama Ente und Papa Ente hatte und zurück auf die Farm ist. Und dann kaufen wir ihr so viele Plüschenten und Badeenten und Entchenpyjamas wie in ihr Zimmer passen und warten darauf, dass diese Phase endlich vorbeigeht und sie sich für eine andere Tierart interessiert. Sie kann ja immer noch die Enten im Park füttern.“

„Das ist echt... also Harkness, ich habe ja schon eine gewaltige Menge Mist aus deinem Mund kommen hören, aber das war wirklich gut.“ Owen klatschte, seine Stimme triefte förmlich mit Sarkasmus. „Du planst einen Mord, engagierst einen Killer…“ - er deutete auf die in Andys Schoß zufrieden schnurrende Katze – „…und hast sogar schon die Verteidigung parat. Und nur, weil eine Zweijährige eine Ente lieber mag als ihren Daddy.“

„Jetzt hör mal, Rhearn mag diesen schrägen Vogel nicht lieber als mich!“ Jack schlug mit der flachen Hand aufs Lenkrad. Er nahm einem anderen Auto die Vorfahrt und merkte es nicht einmal, den Kopf während seiner Unterhaltung mit dem Arzt ständig nach hinten gedreht. „Und sie ist inzwischen zweieinhalb.“

Tosh schluckte und checkte instinktiv den Sitz ihres Sicherheitsgurtes. „Könnt ihr beide endlich aufhören, euch wie zwei Idioten zu benehmen? Jack, sieh gefälligst nach vorne, bevor du Ianto erklären musst, warum du uns alle umgebracht hast.“ Ihre Stimme wurde noch ein paar Grad eisiger. „Und du hältst endlich die Klappe, Owen. Wenn du Angst vor einer Katze hast, dann überlass sie einfach Andy.“

„Hey! Ich hatte noch nie Angst vor einer Pussy!“, protestierte der Arzt empört.

„Er hat aber damit angefangen!“, kam es patzig von Jack - der aber immerhin die Augen wieder geradeaus richtete, rechtzeitig genug, um eine sehr unhöfliche Geste eines anderen Autofahrers in seine Richtung zu sehen. Er antwortete mit einer entsprechend beleidigenden Geste, die den Blutdruck jedes Rotherianers in gewaltige Höhen getrieben hätte (was übrigens ihren dekorativen Brustschild in fantastischen Farben leuchten ließ), bei dem Mann in dem anderen Auto jedoch nur blanke Verständnislosigkeit hervorrief.


###


Ianto fragte sich, was auf der Rückfahrt vorgefallen sein mochte, als Owen wortlos an ihm vorbei stürmte und durch die Tür ins Innere des Hubs verschwand. Tosh schüttelte den Kopf und machte eine Frag-lieber-nicht-Geste, als sie ihm folgte, wenn auch in normalem Schritttempo. Andy murmelte etwas davon, dass er mit dem Bericht anfangen würde. Jack kramte im Kofferraum herum.

„Ich freue mich auch, euch alle wohlbehalten wiederzusehen. Nein, es gab keine Probleme im Hub, während ihr weg wart. Wie wäre es mit einem Kaffee?“, meinte Ianto trocken, während er zum Wagen trat, um die hintere Tür zu schließen, die Owen einfach hatte offenstehen lassen.

Zu seiner Überraschung erhob sich eine hübsch getigerte Katze vom Rücksitz, sprang elegant auf den Boden der Garage und streckte sich. Dann sah sie sich um, die Ohren aufgestellt und den Schwanz erhoben.

„Was ist das?“, fragte Ianto, als sein Captain das Herumwühlen im Kofferraum aufgab und um den Wagen herum trat. Die Katze stellte sich neben ihn.

„Eine Katze“, erwiderte Jack fröhlich.

„Das sehe ich auch. Was macht sie hier?“ In Iantos Magen breitete sich das flaue Gefühl einer unguten Vorahnung aus.

Jack musterte die Katze. Die Katze musterte Jack. „Keine Ahnung. Ich verstehe nichts von Katzen.“

Ianto seufzte mit einem gewissen Maß an Resignation. „Ist sie ein Alien?“

„Nein. Obwohl so ganz sicher kann man sich natürlich nie...“, begann Jack, überlegend ob er das Tier vielleicht vorsichtshalber scannen sollte. Immerhin hatte er sie am Fundort eines Alien-Artefakts angetroffen.

„War sie eine Zeugin von irgendetwas, dass unsere Arbeit betrifft?“, unterbrach ihn der junge Waliser.

„Ähem… Ich denke nicht, dass sie irgendjemand verrät, was sie gesehen hat. Außer vielleicht ihren besten Katzen-Kumpels.“

Offensichtlich fand Ianto das nicht amüsant. Seine Augenbrauen zogen sich leicht zusammen. „Wieso hast du sie dann mitgenommen?“ Er vermied knapp das Wort „gestohlen“.

„Ich dachte wegen der Maus im Keller. Oder der möglichen Mäuseinvasion, die du befürchtest“, verteidigte Jack seinen Einfall.

Ianto seufzte. „Ich dachte eher an eine Mausefalle, die wir - du weißt schon - vielleicht neben die andere, große Mausefalle stellen, in der ich normalerweise die Wäsche trockne. Natürlich nur, wenn keine toten Tiere drin liegen.“ Er musterte die Katze, die unbeeindruckt zurück starrte und mit den Ohren zuckte. „Wo hast du sie überhaupt her? Aus einer Tierhandlung?“

„Sie ging da so die Straße lang und dann hat sie angehalten und uns bei der Arbeit zugesehen. Ich denke, sie wollte mit.“ Jack zuckte mit den Schultern als wolle er andeuten, dass dies eine rein logische Schlussfolgerung war.

„Und was? Du hast sie einfach gestohlen?“ Der Tonfall in Iantos Worten machte deutlich, dass er eher dazu neigte, es als reinen Schwachsinn anzusehen.

„Ich denke nicht, dass sie jemandem gehört. Sie hing vorher bei den Mülltonnen rum. Und irgendwie kam sie mir hungrig vor.“

Ianto machte unwillkürlich einen Schritt von dem Tier weg, als er das Wort „Mülltonne“ hörte. „Sie sieht nicht unbedingt wie ein Streuner aus. Sie hat schönes, glänzendes Fell und keine Wunden oder Narben von Kämpfen mit anderen Katzen.“

„Und kein Halsband. Ich habe nachgesehen. Es ist übrigens eine weibliche Katze.“ Jack lehnte gegen den Wagen. Die Katze strich ihm einmal wachsam um die Beine, bevor sie sich auf halben Weg zwischen ihm und Ianto niederließ, den Schwanz züchtig um ihre Tatzen geringelt.

„Ach, dort hast du auch nachgesehen?“, entgegnete sein Partner trocken.

„Nicht nötig, das weiß ich einfach.“ Jack grinste.

„Natürlich weißt du das“, murmelte Ianto sarkastisch. „Und übrigens ist das mit Halsband eher eine Sache von Hunden. Katzen hassen Halsbänder.“

Jack stieß sich vom Wagen ab. „Also behalten wir sie?“

„Nein. Auf keinen Fall. Du bringst sie dorthin zurück, wo du sie herhast. Und dann findet sie schon alleine wieder nach Hause.“ Er halste sich doch nicht die Arbeit für noch ein Haustier auf. Ianto hatte jetzt schon alle Hände voll mit den bereits ansässigen Enten, Flugsauriern und Weevil zu tun.

„Kann ich das nicht morgen machen? Es ist doch schon spät.“ Jack gab sich alle Mühe, völlig erschöpft und verausgabt zu wirken. Wenn sich Ianto erst an den Gedanken gewöhnt hatte… Sie mussten die Katze nur ein paar Tage behalten, und dann würde sein Partner schon einknicken. Vor allem, wenn Rhearn erst einmal Freundschaft mit ihr schloss…

„Und wo soll sie so lange bleiben? Komm nicht auf den Gedanken, sie mit nach Hause zu nehmen. Ich lasse dieses Vieh erst nach einem Flohbad und einer Entwurmungskur und nach einem Besuch beim Tierarzt in die Nähe meiner Tochter“, warnte ihn Ianto.

„Andy hatte sie während der kompletten Rückfahrt auf dem Arm und er lebt noch“, warf Jack ein.

Ianto verschränkte wortlos die Arme vor der Brust und hob eine Augenbraue. Was sollte das bitte beweisen? Andy kam auch jeden Tag mit weißen Sportsocken zur Arbeit.

„Wir können sie aber auch nicht einfach im Hub lassen. Die fremde Umgebung. Sie könnte nach unten in die Archive gelangen und sich verlaufen, dann müssen wir vielleicht tagelang nach ihr suchen. Denk nur, was sie mit deinen Akten anstellen könnte, sie als Kratzbaum verwenden oder als Katzentoilette...“, fuhr der Captain fort.

„Okay, schon gut, ich habe verstanden“, winkte Ianto resigniert ab. „Steck sie in einen Karton und wir nehmen sie mit nach Hause. Sie kann für eine Nacht im Keller schlafen, auf keinen Fall länger. Aber Rhearn erfährt nichts davon, verstanden? Sobald sie sie sieht, wird sie die Katze behalten wollen.“

Nun, darauf zählte Jack, also schwieg er wohlweißlich. Vielleicht ließ er – völlig aus Versehen natürlich – morgen früh die Kellertür auf, nachdem er die Katze gefüttert hatte und bevor Rhearn zum Frühstücken nach unten kam…

„Und bestimmt suchen ihre Besitzer schon nach ihr.“ Kopfschüttelnd ging Ianto zurück in den Hub und ließ Jack und die Katze in der Garage stehen.

Jack sah das Tier ratsuchend an. Wo nahm er jetzt einen Karton her?


###


Das Gute war, er heilte schnell. Das schlechte, dass die Kratzer zwar höllisch brannten, aber kaum als lebensbedrohliche Verletzung galten und Jack daher eine unangenehme Viertelstunde mit Warten verbrachte, bevor er das Blut von seinen Händen waschen konnte, ohne die Wunden erneut zu öffnen. In einer halben Stunde würde davon zwar nichts mehr zu sehen sein, aber bis dahin blieb diese blöde Katze im Karton, ob es ihr gefiel oder nicht.

Jack war nicht mehr so ganz von seiner Idee überzeugt. Zumal er die Katze erst in den Karton gebracht hatte, nachdem er ihr mit Weevilspray aus dem Kofferraum ins Gesicht sprühte. Es wirkte zwar bei ihr nicht und betäubte sie auch nicht, verblüffte sie jedoch lange genug, dass Jack das lose Fell im Nacken zu fassen bekam, sie rasch hochhob und in den Karton steckte. Who-ha. Es war sehr viel einfacher gewesen, sie in den SUV zu locken. Er hatte nur die Tür offen gelassen und sie war von selbst auf den Sitz gehüpft.

Und hörte er da nicht das Kratzen scharfer Krallen, die sich durch Kartonwände gruben?

Vielleicht war das doch ein zu gefährliches Haustier für seine kleine Prinzessin...


###


Am nächsten Vormittag:

„Ianto? Owen hat mir gesagt, ich solle dir das hier sofort bringen, aber nicht wieso? Ist etwas passiert? Ist Rhearn krank?“, rief Jack, sobald er die Haustür hinter sich ins Schloss gezogen hatte. Die ominösen Andeutungen des Arztes hatten ihn einen neuen Geschwindigkeitsrekord nach Hause aufstellen lassen. Sein Herz hämmerte in der Brust, so schnell war er gerannt. Wieso hatte Ianto nicht ihn angerufen?

„Jack. Endlich. Schwing deinen Hintern hier rauf. Wir sind im Kinderzimmer.“

Okay, Ianto klang nicht sehr erfreut, aber auch nicht so, als wären er oder Rhearn in direkter Gefahr.

Jack nahm immer zwei Stufen auf einmal. Die Tür zum Kinderzimmer stand offen und er stoppte kurz auf der Schwelle, um die Situation in Augenschein zu nehmen.

Rhearn thronte, nur mit einer Schlafanzughose bekleidet, auf dem Kissen auf ihrem Bett. Ianto murmelte leise, besänftigend, in Walisisch zu ihr, während er ihr das Gesicht mit einem Waschlappen abtupfte. Sein Partner sah ebenfalls so aus, als wäre er eben erst aus dem Bett gekrabbelt, er trug eine dünne Stoffhose und Socken, aber kein T-Shirt. Sie hatten zusammen gefrühstückt, bevor er in den Hub ging und Ianto wollte mittags nachkommen, warum sollte er sich noch einmal schlafen gelegt haben?

Er warf einen prüfenden Blick auf den Käfig in der Ecke, doch Percy hatte sich unter einem Berg Zeitungsschnipsel versteckt. Gut so. „Was ist passiert?“, fragte er nach einem tiefen Atemzug.

Ianto streckte wortlos die Hand aus. Jack trat zu ihm, ließ die Papiertüte hinein fallen, die ihm Owen mitgegeben hatte (natürlich steckte er seine Nase hinein, aber sie enthielt nur eine Plastikdose mit scheußlich riechender Creme und einen unbeschrifteten Blisterstreifen mit kleinen runden Tabletten) und beugte sich zu seiner Tochter, um sie mit einem Kuss zu begrüßen. Er stoppte abrupt, als Ianto den Waschlappen sinken ließ und die kleinen, roten Punkte auf Rhearns Gesicht zu sehen waren. „Was ist das?“ Entsetzt starrte er auf den Ausschlag, der sich auch über Rhearns Schultern und Oberkörper ausbreitete.

„Das ist eine wirklich gute Frage“, erwiderte Ianto sarkastisch. „Könnte es vielleicht sein, dass du gestern diese K-A-T-Z-E angeschleppt hast und wie es aussieht, reagieren sowohl Rhearn als auch ich allergisch?“

„Bist du sicher?“, wandte Jack ein. „Vielleicht ist es ein neues Waschmittel…“

„Das einzig NEUE in diesem Haus sitzt unten im Keller und verdaut gerade zwei Dosen Tunfisch im eigenen Saft, die ich ihr zum Frühstück serviert habe“, zischte Ianto aufgebracht – und kratzte sich an der Schulter.

Jack nahm auf der anderen Seite des Bettes Platz und sah sich den Arm an, den ihm Rhearn zur Begutachtung hinhielt. „Dada. Aua, tut doll aua“, sagte sie. „Wie Tad auch.“

„Das tut mir leid mein Schatz, dass du krank bist.“ Jack musterte Ianto, der das Gesicht verzog, als er an der Creme roch. Sein Partner sah nicht viel besser als ihre Tochter aus. Auch bei ihm zogen sich über Oberkörper und Arme rote Punkte. „Ianto, ich…“

„Ich weiß, du hast es gut gemeint“, unterbrach ihn der jüngere Mann. Er reichte ihm die Cremedose. „Du bist hoffentlich sicher, dass sie nicht aus den Rift gefallen ist und wir uns hier irgendwelche… außerirdischen Masern, oder was auch immer… eingefangen habe.“

Jack schüttelte den Kopf. „Es war keine Spur von Riftenergie an ihr“, versicherte er.

„Hier, fang schon mal an, sie einzucremen. Ich muss eine der Tabletten in Wasser auflösen, so kann Rhearn sie nicht schlucken.“

„Warte.“ Er hielt Iantos Arm fest. „Ich wusste nicht, dass du unter Allergien leidest. Das hast du nie erwähnt.“

„Genauso wenig wusste ich es. Vielleicht ließ mich meine Mutter deshalb nie mit den K-A-T-Z-E-N in unserer Nachbarschaft spielen.“ Der junge Waliser seufzte. „Ich habe sie kaum angefasst, lediglich ein wenig sauber gemacht und gefüttert. Sie ist mir einmal um die Beine gestrichen, das war alles. Dann bin ich wieder nach oben, habe mir die Hände gewaschen und Rhearn geweckt, sie angezogen und ihr Frühstück gemacht. Nach dem Essen fing sie an zu schniefen und ihre Augen tränten, und das gleiche passierte bei mir auch. Dann begann alles zu jucken und der Ausschlag kam. Also habe ich Owen angerufen und der sagte, ich solle die Haut mit Wasser kühlen, bis er dich mit einer Creme und ein paar Allergietabletten nach Hause schicken kann. Den Rest der Story kennst du.“ Ianto zog seine Hand aus Jacks Griff und verschwand mit den Tabletten nach nebenan ins Bad, wo gleich darauf Wasser rauschte.

Jack löste den Waschlappen aus Rhearns Griff und legte ihn zur Seite. Dann öffnete er die Cremedose. „Ah, Ianto?“, rief er, laut genug dass ihn der andere Mann hören konnte. „Hat Owen etwas davon gesagt, wie die Creme verwendet werden soll? Ich meine, muss jeder einzelne Punkt betupft werden, wie bei Windpocken, oder soll ich sie einfach komplett von Kopf bis Fuß eincremen?“

„Überall da, wo sie Ausschlag hat, aber nicht jeden Punkt einzeln“, antwortete Ianto aus dem Bad. „Ich gehe rasch unter die Dusche, bevor ich mir die Haut von den Armen kratze.“

„Okay“, wandte sich Jack an seine Tochter. „Nur einen kleinen Moment stillsitzen, Baban. Das haben wir gleich.“ Er tauchte einen Finger in die Creme, die sich kühl anfühlte, besser als sie roch, und tupfte ein Smiley auf Rhearns Bauch. Sie giggelte begeistert und wollte auch in den Cremetopf greifen, doch Jack war schneller. „Wir können später spielen. Zuerst müssen wir dich eincremen, sonst wird dein Tad böse mit mir.“ Rhearns Finger immer wieder abwehrend, die das Ganze als Spiel betrachtete, verteilte er die Creme über ihre Arme und Brust, cremte ihr Gesicht ein und fand dann zu allem Überfluss auch noch ein paar einzelne Punkte auf ihrem Rücken, die behandelt werden mussten. „So, ist das nicht besser?“, fragte Jack, als er ihr das Schlafanzugoberteil überstreifte. Je einen Kuss auf eine kleine Hand pressend, setzte er sie auf seinen Schoß. „Ups. Rhearn ist stinki“, meinte er, als sie sich an ihn kuschelte und verlangte, dass er ihr eine Geschichte erzählte. „Aber das ist gar nicht schlimm. Hey, ich kenne eine Geschichte über eine stinkige kleine Prinzessin, mit der niemand spielen wollte und die deshalb in ihrem Schloss saß und sich langweilte…“

Ein paar Minuten später kam Ianto ins Zimmer zurück, ein Wasserglas und einen Löffel in der Hand, und nahm wieder auf der entgegengesetzten Seite des Bettes Platz. Er tauchte den Löffel ins Wasser und ließ dann eine der kleinen Tabletten darin zerfallen.

Jack unterbrach seine Erzählung über einen Fluss, den die Prinzessin gerade bewunderte, denn er floss einmal alle zwölf Stunden rückwärts und in dem fliegenden Fische wohnten – irgendwann musste Ianto ihn wirklich danach fragen, ob das alles nur erfunden war, oder ob es so etwas tatsächlich gab – und überredete Rhearn dazu, den Mund aufzumachen und den Löffel voll Medizin zu schlucken, den ihr Tad ihr gab.

Sie verzog wegen des bitteren Geschmacks natürlich das Gesicht, und Ianto hielt ihr das Glas hin, damit sie ein wenig Wasser nachtrinken konnte. Ein paar Minuten später, Jack war inzwischen bei einem Wald voll singender Bäume angelangt, schlief sie ein.

„Owen hat gesagt, dass die Tabletten müde machen“, erklärte Ianto leise, als Jack seine Tochter aufs Bett legte und das Kissen unter ihr zurecht schob. Rhearn rollte sich zusammen wie ein Igel.

„Soll ich dich eincremen?“, erwiderte Jack. „Wenigstens den Rücken?“ Wenn Ianto sauer war, würde er ablehnen…

„Auf dem Rücken ist es auch?“ Ianto seufzte und stand schwerfällig auf. „Okay. Nicht hier. Ich will nicht, dass wir sie unnötig wecken. Je mehr sie davon verschläft, desto besser.“ Nachdem er eine dünne Decke über sie gebreitet und ihr das Haar aus der Stirn gestrichen hatte, verließ Ianto das Zimmer. Jack folgte ihm nach einem Gute-Nacht-Kuss auf Rhearns Schläfe rasch.

In ihrem eigenen Schlafzimmer angekommen, nahm Ianto auf der Bettkante Platz. Jack kniete sich hinter ihm aufs Bett – natürlich nachdem er die Schuhe ausgezogen hatte – und begann, die Creme auf dem Ausschlag auf Iantos Rücken zu verteilen. Langsam lockerten sich auch die angespannten Muskeln in den Schultern des jüngeren Mannes und als er die Hand an Iantos Arm entlang gleiten ließ, um auch seine Brust einzucremen, lehnte sich sein Partner mit einem Seufzen gegen ihn. Einer der roten Punkte befand sich auf Iantos Nase und er blickte direkt in Iantos Augen, während seine Finger über die Haut seines Geliebten glitten.

„Es tut mir leid, dass ich dich vorhin so angefaucht habe. Ich hasse es, krank zu sein und mein Kopf fühlt sich an, als säße ein Elefant drauf. Niemand konnte ahnen, dass das passiert.“ Ianto zog die Nase hoch. „Und nicht nur, dass ich wie ein Streuselkuchen aussehe, ich rieche auch noch scheußlich. Was hat Owen in die Creme gemischt, seine ungewaschenen Socken?“

„Ich finde du siehst großartig aus, wie immer.“ Jack küsste ihn auf die Augenlider, die Seite des Kinns und auf die Lippen – scheinbar die einzigen Stellen in Iantos Gesicht, die vom Ausschlag verschont worden waren. „Warum schläfst du nicht auch ein wenig, bis das Schlimmste vorbei ist? Oder soll ich Owen anrufen, damit er her kommt und euch beide gründlicher untersucht?“

„Oh bitte nicht, ich will mir nicht sein Geknurre und seine dummen Sprüche anhören, dann explodiert mein Kopf ganz sicher.“ Ianto sah wieder zu ihm hoch. „Geh zurück in den Hub, ich behalte Rhearn im Auge und wenn es schlimmer wird, rufe ich an.“

„Wieso nimmst du nicht erst einmal brav die Medizin, die der grummelige Onkel Doktor dir verschrieben hat und legst dich hin?“, schlug Jack eine Alternative vor. „Ich hole Rhearn aus ihrem Zimmer in unser Bett. Ich kenne dich, sollte sie wach werden, bist du es auch. Und dann gehe ich in den Hub, aber nur, um zu sehen, was die Monitore sagen und ob die anderen ein paar Stunden ohne mich zurechtkommen. Dann bleibe ich nämlich hier und habe ein Auge auf euch beide. Ich habe mich schon fast an dein Aussehen und den Geruch gewöhnt.“

Ianto boxte ihn dafür mit dem Ellbogen in die Seite, aber nur sanft, und schluckte dann widerstandslos zwei der kleinen, runden Pillen, bevor er sich auf dem Bett ausstreckte. „Aber nur ein paar Stunden“, murmelte er, das Gesicht ins Kissen vergraben. „Bis heute Abend bin ich wieder fit.“

„Das sehen wir heute Abend.“ Jack ging hinüber ins Kinderzimmer und warf in einem plötzlichen Anfall von Mitgefühl eine Handvoll Körnerfutter in Percys Futternapf und gab ein Salatblatt hintendrein. (Sah ihn der Federwisch etwa triumphierend an, bevor er den Inhalt seines Napfes inspizierte?) Bevor er dann Rhearn vorsichtig hochhob und auf den Arm nahm. Sie schlief so fest, dass sie nur den Kopf an seine Schulter legte, einen seiner Hosenträger packte und auf sein Hemd sabberte. Er liebte dieses unglaubliche kleine Geschöpf und konnte kaum glauben, dass er Teil daran hatte, dass es auf der Welt war. Jack wusste, dass er wie ein Idiot grinste, als er sie ins Schlafzimmer trug. Er hatte mehr Glück, als er verdiente.

Ianto schlief ebenfalls, als Jack Rhearn neben ihm ablegte. Er zog seine Schuhe an, und nach je einem Kuss auf creme- und ausschlagfreie Stellen – Iantos Mund, Rhearns Schläfe – verließ er leise das Zimmer, die Tür halb hinter sich zuziehend. Je schneller er im Hub war, desto schneller konnte er zurückkommen und sich um die beiden kümmern.

Jack zog das Handy aus der Hosentasche, als er nach unten ging. Andy konnte die Katze für ihn wieder dort abliefern, wo er sie gefunden hatte. Ein klein wenig witzig war die Situation allerdings schon, auch wenn Ianto den Humor erst in einer Weile sehen würde. Sie machten sich ständig Sorgen, dass es eine außerirdische Gefahr für ihre Tochter geben könnte. An eine Katzenallergie hatte niemand gedacht.

Und von nun an besser keine Experimente mit Haustieren mehr...


Ende
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