Bekenntnisse einer PWP-Autorin und Leserin

von Amedea
GeschichteAllgemein / P16
02.02.2011
02.02.2011
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Bekenntnisse einer PWP-Autorin und Leserin

Vorweg, ich habe auch Helges Blog gelesen und möchte mich nun zu den sog. PWPs äußern.
Ich habe auch eine humoristische PWP-Parodie als Reaktion darauf geschrieben, die mir aber durch einen Admini gesperrt wurde, weil sie die typischen PWP-Merkmale aufweise.
Ich nenne sie an dieser Stelle nochmal explizit, die Geschichte sei  : a) zu kurz b) enthalte stereotype Figuren c) sei nicht romantisch  und daher unmoralisch, weil die Personen durch die vordergründige Darstellung ihrer Sexualität auf diese reduziert würden c) PWPs grundsätzlich verboten seien, da sie der Jugend ein falsches Bild von Sexualität vermittelten.  

Die Geschichte : Wilde Nächte zu zweit
Sie war ein gutgebaute Frau mit großen Brüsten und er ein muskulöser Mann mit einem rieeeesssigen Geschlechtsteil. Dann hatten sie stundenlang Sex miteinander, bevor sich ihre Wege für immer trennten. Dann hatten sie noch viel weitere Sexualpartner in ihrem langen Leben.

Ende

Nach dem ich einige dieser Geschichten gelesen und in die Profile der Autorinnen geschaut  habe, bin ich zu der Einschätzung gelangt, dass die meisten PWPs von Mädchen im Alter von 14-ca. 18 Jahren geschrieben werden und nicht von erwachsenen Frauen. Dementsprechend  fällt auch die dramaturgische Gestaltung der Geschichte aus.

Daraufhin habe ich mich gefragt, worin eigentlich das Problem mit diesem „Genre“ besteht.da es sich, nach meiner Auffassung, bei diesen Geschichten um nichts weiter als meist orthographisch, grammatikalisch und stilistisch schlechte Niederschriften pubertärer Sexualphantasien handelt.

Die Geschichten sind meist kurz, berichtartig und erinnern stilistisch an Schulaufsätze, da die Autorin noch nicht die Fähigkeiten hat, komplexe Handlungsstränge auszuarbeiten. Von anderen Lesern wird dies scheinbar oft als „hingeschludert“ und „lieblos“ gedeutet. Das gleiche trifft für die Charakterzeichnung, die sich oft auf Stereotype beschränkt oder vom Typ „Mary Sue“ (= idealisierte Selbstbeschreibung der Autorin) ist, zu.

Eine Sonderkategorie scheint hier die sog. Realpersonfiction  zu sein, die oft implizite oder explizite Phantasien der Autorin über sich selbst und den „Star“ als Paar oder Sexualpartner, als Hauptbestandteil der Handlung, beinhaltet. Es ist nicht schwer, dies als  Ausleben eigener Beziehungs-und sexueller Wünsche mit der benannten Person in Form des Schreibens/Lesens zu verstehen.

Im Fanfictionbereich werden oft Geschichten verfasst, bei denen Tv,- Film ,-Roman- oder sonstige Figuren als (Liebes-)Paar (oft auch mit Schwerpunkt auf ihrer Sexualität) beschrieben werden, auch wenn diese im Originalkontext keine Liebes/Sexualbeziehung zueinander haben (= sog. shipping). Denkbarer Hintergrund für das Schreiben dieser Geschichten ist hier der Wunsch der Autorin danach, diese Figuren als Paar zu sehen und sich selbst mit der weiblichen Hauptfigur zu identifizieren, um so eine Beziehungsphantasie mit der männlichen Person durch das  Lesen/Schreiben, auszuleben. Auch hier kommt es zu den besagten PWP-Geschichten bezogen auf die betroffenen Hauptfiguren.

Jedoch kann, meiner Auffassung nach, angemerkt werden, dass durch die Originalvorlage ja immer eine Beziehung zwischen den Figuren besteht, wodurch die Liebes-/Sexualbeziehung sich nicht im luftleeren, kontextfreien Raum abspielt, sondern im Rahmen des Settings und Plots, welcher durch die Autorin nur modifiziert wurde. Es handelt sich daher, meiner Ansicht nach, nicht um einen PWP im engeren Sinne, da die Figuren dem Leser in ihrer Komplexität bekannt sind, auch wenn von der Autorin „nur“ ihre Sexualität in den Mittelpunkt gestellt wird.

Ich habe es bisher nie so erlebt oder empfunden, dass Frauen(=die Autorinnen von PWPs) gezielt versuchten, Personen durch die Darstellung ihrer Sexualität zu beleidigen, herabzusetzen oder als Sexobjekte zu präsentieren, da für sie der Geschlechtsverkehr Ausdruck der Liebe der Figuren zueinander ist. Jedoch kann es trotzdem dazu kommen, dass eine als Liebesszene gemeinte Bettszene vom Leser als geschmacklos, herabwürdigend und abstoßend empfunden wird und dem Autor genau diese erzielte Wirkung als Absicht unterstellt wird. Jedoch gehen die Ansichten darüber was als erotisch, romantisch oder vulgär empfunden wird sowohl unter Lesern, als auch unter Autoren oft weit auseinander. Somit finde ich es fragwürdig, jede Sex-/Bettszene, die man nicht mag oder unästhetisch findet, als Porno „anzuzeigen“ und die Geschichte als PWP zu „beschimpfen“, weil sie nicht den eigenen romantischen Erwartungen entspricht.

Meiner Ansicht nach wird unangemessen moralisiert, wenn Sex nur in einer Geschichte mit seitenlanger, romantischer Vorrede als erlaubt gilt und als „böse“ oder „schlecht“ wenn dies nicht erfolgt, sonder evtl. nur mit wenigen Sätzen erwähnt wird, dass die Figuren ein Paar sind oder sich bisher nur freundschaftlich kennen oder sich gerade erst kennen gelernt haben. Ich betonen nochmals, dass Frauen Liebe und Respekt vor dem Partner und seiner Persönlichkeit beim Geschlechtsverkehr implizit mitdenken, von daher besteht auch nicht die Gefahr, dass eine Figur von Leserin oder Autorin als reines Sexualobjekt empfunden wird, auch wenn keine romantischen Szenen enthalten sind.
Seit „Sex and the City“ sollten doch Sex und Beziehung gemeinsam dargestellt werden dürfen, auch in weniger romantischer Form verglichen zum klassischen, asexuellen Liebesfilm.

Interessant ist hier auch, dass in diesem Zusammenhang nur von Autorinnen die Rede ist, nie von männlichen Verfassern solcher Texte. Scheinbar sind Männer weder am Lesen noch Schreiben solcher Geschichten interessiert und empfinden sie auch nicht als herabwürdigend oder der Kritik bedürftig (außer Helge). Die als PWP bezeichneten Geschichten entsprechen in ihrer Reduzierung des Liebes-/Beziehungsaspektes, wenn es denn beabsichtigt ist, männlichen Phantasien, jedoch finde ich es unangemessen, eine Autorin /Leserin moralisch zu verurteilen, die sich dazu bekennt Sex in Form von z.B. One- Night- Stands ohne Beziehung , zu wünschen oder auszuleben oder es so in ihren Geschichten darstellt.  Hier wird die Leserin/Autorin, die Romantik und Beziehung weniger schätzt von anderen Frauen für ihr Verständnis von Sexualität diskriminiert.

Bezogen auf Jugendgefährdung ist es Paradox, dass diese Geschichten fast ausschließlich von Teenagern geschrieben und gelesen werden, die hier ihre sexuellen Phantasien und ersten Erfahrungen zum Ausdruck bringen. Somit dürften diese Teenager ihre eigenen, aufgeschriebenen Phantasien nicht lesen, da sie durch sie gefährdet würden. Abgesehen davon finde ich es absurd, einer Person, die schon sexuelle Erfahrungen hat und gerade macht, das Lesen solcher Geschichten als nicht altersentsprechend, zu verbieten.

Diese Forum hat , meiner Ansicht nach, keinen pädagogischen Auftrag, daher kann es auch keine Pflicht geben, ein bestimmtes Bild von Sexualität zu vermitteln, da es auch hier sehr viele verschiedene Vorstellungen gibt. Dennoch gelten für mich natürlich sadistische Phantasien, Kinderpornografie, Sex mit Tieren oder Leichen als Tabu , welche aber keinesfalls mit dem PWP auf einer Stufe stehen.

Im Endeffekt wird so eine naive, selbst relativ unerfahrene 16 Jährige, die ihre sexuellen Phantasien über einen Star in oberflächlich, platter Form aufschreibt für andere Gleichaltrige mit ähnlich „flacher“ Vorstellung von Liebe und Erotik  zur Bestsellerautorin und für die Anderen, die schlecht geschriebene Liebesgeschichten mit Pornographie gleichsetzen zum Sinnbild des moralischen Verfalls durch Reduzierung des Menschen zum Sexualobjekt.

Ja, auch ich habe in dem Alter solche “ literarischen Werke“ verfasst, die aber mangels Internet nie in die Öffentlichkeit gelangt sind. Heute belächele ich diese Schreibversuche eher, genauso wie meine Kinderaufsätze als etwas, über das ich mich hinaus entwickelt habe. Ja, ich bin über 18.

Ich war neulich in einer Buchhandlung und habe mir einen echten, erotischen Roman gekauft. Eine Kurzgeschichtensammlung, die nur aus PWPs besteht ! in einer normalen Buchhandlung, kein Sexshop oder sowas. Von mir hat keiner einen Ausweis verlangt, so wie es bei Alkohol, Zigaretten oder PC-Spielen der Fall ist. Selbst auf dem Buch steht keine Altersfreigabe oder eine Warnung, dass dies für Jugendliche nicht geeignet sei.

Warum werden dann die PWPs hier verboten , wenn man sie im Laden frei kaufen kann ? Im Gegensatz dazu musste ich beim Kauf eines Pc-Spiels per Versandhandel das Päckchen gegen Vorlage meines Ausweises auf dem Postamt persönlich abholen, obwohl ich auch ohne Ausweis als erwachsene Person erkennbar war. Jedoch war der Onlinekauf erotischer Romane beim gleichen Versand frei von jeder Kontrolle.

Natürlich bin ich bereit, den Jugendschutz zu wahren und meine Geschichten dementsprechend zu zensieren und zu editieren, sollten sie als zu detailiert für dieses Forum empfunden werden. Ich verstehe, dass sich ein Internetforum rechtlich absichern muss und ich bin keinesfalls der Ansicht, dass schon 12jährige Geschichten ab 18 lesen sollten.

Jedoch wehre ich mich entschieden dagegen, mit Personen, die Vergewaltigungen oder Kindesmissbrauch verherrlichen in einen Topf geworfen zu werden oder meine Geschichten per se als "Schmutz" abgewertet zu sehen, nur weil sie kurz sind und auch erotische Aspekte einer Beziehung thematisieren. Dies jedoch ohne bildlische Beschreibung von Geschlechtsorganen oder Sexualpraktiken, d.h. ohne pornographisch zu sein.

Was mich nun sehr stört, ist wie diese Kontrolle durch die Adminis umgesetzt wird, d.h. dass mir schon Kurzgeschichten(ca 5 Seiten) ab 18!!! gesperrt wurden, bzw. ich zu deren Überarbeitung auf gefordert wurde, weil diese bloß Hinweise und Andeutungen auf Sex zwischen den Personen enthielten, wie es in frei käuflichen Liebesromanen oder Filmen der Fall ist, was aber hier als Pornographie eingestuft wurde. Mir wurde allein aufgrund der Länge der Geschichten vorgeworfen, es handle sich um einen Porno, obwohl keinerlei Geschlechtsakt expliziet beschrieben wurde, da ein Plot a la zwei Leute lernen sich kennen und haben dann auch Sex per se Pornographie sei, laut Adminis, eben besagter PWP. Dagegen wehre ich mich, bezogen auf die von mir geschrieben Geschichten. Das ist mein Punkt.

Für mich stehen, abgesehen davon, die niedergeschrieben Sexualphantasien von Teenagern auf Grund der Motive, aus denen sie verfasst werden, nicht auf der gleichen Stufe mit kommerziell generierter Pornogaphie von und für Erwachsene.

Ich ziehe für mich daraus die Konsequenz, hier keinerlei Liebesgeschichten mehr online zu stellen, um erst garnicht nicht unter PWP-Pornoverdacht zu geraten.

Um die Debatte auf ein objektiveres Niveau zu heben, weg von persönlichen Meinungen, füge ich den Link zur FSK-Alterskennzeichnungsbegründung bei , welche aber nur auf Bildmaterial Anwendung findet , da Bücher /Romane nicht geprüft werden
>>> http://www.fsk.de/index.asp?SeitID=508&TID=72
 
 
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