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Eide

von ashtrails
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer / P16 / Gen
02.02.2011
02.02.2011
5
4.668
 
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02.02.2011 670
 
Die Stiefel eines Soldaten



Das Bier war schal und bitter. Der Eintopf dünn und fast ohne Fleisch.
Dennoch die erste gute Sache seit einer ganzen Weile.
Ich verbrachte die Nacht mit Grübeln.
Die Stube war angenehm warm, das Feuer anders als unsere jämmerlichen, qualmenden Lagerfeuer kräftig und lodernd.
Eine kristallene Blase aus täuschender Sicherheit, die bestenfalls bis zum Morgengrauen überleben würde.
Larric war eingeschlafen, ruhig und in regelmäßigen Zügen atmend.
Seine Tat war gleichermaßen idiotisch wie heldenmütig; Eigenschaften, die meiner Ansicht nach schon immer dicht beieinander lagen.
Ich stützte meine Ellenbogen schwer auf den Eichentisch und mein Körper erinnerte mich daran, dass ich meine Wunden zwar endlich gereinigt hatte,  sie aber dadurch nicht verschwanden.
Es gab hier keinen Medicus, also hatte ich mich mal wieder als laienhafter Fleischer versuchen müssen. Ob ich erfolgreich war, würde ich in den kommenden Tagen daran erkennen, welche Verletzungen brandig werden würden.
Wahrlich eine blendende Aussicht.
Ein weiterer finsterer Blick zum schlafenden Schmiedesohn, der im Dienste der Armee Ruhm und die Erfüllung seiner Pflicht gesucht hatte wie soviele, die seit fast zwei Tagen tot oder schlimmeres waren.
Zumindest heute sollte der Narr sich ihnen nicht anschließen, obwohl er es mehr als verdient hätte.
Im Laufe dieser Nacht jedoch gestand ich mir ein, dass ich nicht wütend auf ihn war.
Alles was in mir noch Korporal war zerrte an seinen Ketten und schrie mich an.
Wie es nur so weit kommen konnte.
Was nur aus mir geworden sei.
Meine Erklärungen verloren nicht an Kraft, aber ich hatte das Gefühl sie verloren an Boden.
Ein großes Tier das langsam aber sicher zurückgetrieben wird.
Hatte ich vor nicht einmal vier Stunden wirklich noch den Entschluss gefasst, all diese Menschen sterben zu lassen?
Für etwas Wegbier und Hartwurst?
"Ich schwöre bei Rondra und Phex...", kam es mir über die Lippen.
"Mit diesem Schwert und diesem Schild, das Reich und seine Bewohner zu schützen, bis zum letzten Blutstropfen, bis zum letzten Atemzug. Für Fuchs und Land."
Seit zwanzig Jahren hatten mir diese Worte Kraft gegeben.
Zwanzig Jahre hatte mir dieser Eid vor Augen geführt, für was ich kämpfe, trotz Trübsal und Gefahren.
Ich weiß nicht, wie oft mein Schwur mir über die Lippen kam; vielleicht hörte ich nicht auf, bis die Sonne aufging.
Was ich noch sehr genau weiß ist, dass ich mit gepackten Rucksack, gereinigter Rüstung und geschärftem Schwert abmarschbereit in den ersten Strahlen der Sonne stand, die über die schrägen Dächer und die kahlen Äste tanzten.
Im Dorf herrschte geschäftiges treiben.
Die Kunde der Niederlage gegen Galotta und den schwarzen Drachen erfüllte die Menschen mit dem selben Gedanken, der auch mich bis vor so kurzer Zeit noch erfüllte.
Sie wollten fort.
Und ich würde sie nicht aufhalten.
Ich wurde sogar gebeten, dass ich und Larric sie begleiten sollten, unsere Waffen und Erfahrung würden ihnen auf dem Weg sicher helfen.
Was mir gestern noch leicht gefallen wäre...ich konnte es nicht.
Sie mochten selber sehen, dass ihre Stiefel nur soweit laufen mochten.
Sie würden sehen, dass wenn man die Finsternis nicht hier stoppen würde, es irgendwann keine sicheren Orte mehr geben würde.
Nun, trotz dieser wirklich tapferen Worte, ich war nicht wahnsinnig:
Nur eine Klinge und ein Schild...was machten sie schon für einen Unterschied?!
Für mich war der Entscheidende Punkt etwas, das wir ebenfalls früh lernen.
Es geht um den Unterschied, den eine Klinge und ein Schild mehr machen können, darum dass wir nie allein Kämpfen.
Die Stiefel eines Soldaten marschieren immer in Richtung der nächsten Schlacht.
Es bedurfte erst den dankbaren Augen dieser Menschen in größter Not und dem wilden Lauf eines tapferen Narren um mich daran zu erinnern.
Gareth war nicht weit, und vielleicht war es noch nicht zu spät.
Ich schulterte den Rucksack und verließ den Weiler in Richtung der Hauptstadt.
Ein Gedanke, dessen ich mir sicherer war als je zuvor, ritt auf meinem Hinterkopf, während ich vergeblich versuchte, mich an ein gutes Marschlied zu erinnern:
Könige, Zauberer und Soldaten sterben durch das Schwert, nicht durch den Strick.
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