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Eide

von ashtrails
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer / P16 / Gen
02.02.2011
02.02.2011
5
4.668
 
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Dieses Kapitel
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02.02.2011 891
 
Für Fuchs und Land!


Keiner von ihnen hatte die Geistesgegenwart es auszusprechen, aber die rettende Verstärkung ihres Reiches hätte gerne reichhaltiger ausfallen können.
Larric war schnell und der Schwung seines Schwertes präzise und kraftvoll.
Sein erster Hieb zog im Fackelschein einen silbernen Halbkreis und die hungrige Klinge spaltete ein Skelett von Kopf bis zu den Rippen, so dass es knirschend und klappernd zerfiel.
Der Junge blockte für seinen Nebenmann, einen Holzfäller mit wildem Bart, genau wie er es in etlichen Drills gelernt hatte.
Leider hatte der Dorfbewohner nie Formationskampf erlernt, also blieb Larrics Flanke ungedeckt und der Speer eines flinken Untoten gerüstet mit einem besudelten, in Fetzen von den Knochen hängenden Kettenhemd fand sein Ziel.
Es war ein kleiner Ort von vielleicht Zwanzig Seelen -Tendenz fallend- und nur vier der Bewohner brachten den Mut auf, ihr Heim zu verteidigen, alle andern begnügten sich damit in Panik umherzulaufen oder trügerischen Schutz am Peraineschrein zu suchen.
Larric taumelte und ließ so eine Lücke.
Einer der Verteidiger fiel.
Der Soldat blockte einen klobigen Streitkolben, sein Schild ächze und zerbarst unter der Wucht der Waffe. Sofort brachte er sich außer Reichweite eines weiteren Hiebes, fasste sein Schwert nun mit beiden Händen und versuchte die drei verbleibenden Untoten mit einem verzweifelten Befreiungsschlag zurückzutreiben, den Mutlosen Dörflern die sich nun abwandten die Flucht zu ermöglichen.
Bleiche Knochen splitterten und flogen im matten Feuerschein davon. Eine Klinge traf seine Schulter, aber sein Panzerhemd verhinderte das schlimmste.
Wieder sauste der Speer heran und dieses mal hatte der knöcherne Krieger gut gezielt.
Doch ein Schild auf diesem Schlachtfeld war noch ganz.
Ich fing den Stoß gerade rechtzeitig ab.
Meine zahlreichen Wunden brannten niederhöllisch als ich zu dem Narren aufschloß so schnell ich konnte, aber immerhin war er noch am leben, so dass ich ihm die Leviten lesen konnte, sollten wir die Nacht überstehen.
Sofort brachte ich das Eichenholz zwischen mich und den heran sausenden Streitkolben.
Trotz des vielen Blutes welches aus seiner Rüstung sickerte, war Larric zumindest noch klar genug im Kopf,  um das Maul und unsere lächerliche zwei Mann Formation zu halten. Ich wehrte die Hiebe ab, er führte die Gegenangriffe.
Wenn jemand deine Flanke im Kampf schützt kann ein unorganisierter Feind gleich einpacken, sagte mein Feldwebel immer zu den neuen Rekruten.
Und er sollte recht behalten.
Larrics Schwünge verloren zwar an Kraft, doch einen nach dem anderen schickten wir die Toten zurück in die Finsternis.
Bis auf unseren schweren Atem war es still geworden.
Erst als der Schmiedesohn neben mir mit scheppernder Rüstung zusammensank, fühlte ich auch wie meine Kampfsinne abebbten und schwanden, dem Stechen meiner Wunden und meinem schmerzendem Kopf freie Bahn lassend.
Auch die Dörfler lösten sich aus ihrer Starre, schienen zu merken wie die lähmende Furcht sie verließ.
Eine junge Frau, sie hatte vielleicht zwanzig Sommer gesehen, ging mit zaudernden Schritten zu uns herüber, vorbei an den Leichen ihrer Freunde oder Familienangehörigen.
Sie erreichte uns, hinter ihr die ersten anderen Menschen des Dorfes, die noch immer nicht begriffen, was geschehen war.
Ihr blasses Gesicht war von dunklen Haaren eingerahmt, ihre geweiteten Augen ein eigenwilliger Farbton aus Grün und Braun, wie Baumrinde auf der Moos wächst.
"Verzeiht", setzte sie an. "Verzeiht, dass wir euch keine Hilfe waren....wir werden nie vergessen was ihr heute für uns getan habt."
Ich blickte sie nur wenige Herzschläge an. Weder war Zeit mir Gedanken darüber zu machen, ob ich sie hübsch fand, noch wollte ich mit ihr diskutieren.
"Macht euch keine Gedanken", versicherte ich schroff, und fingerte Larric das Kettenhemd vom Oberkörper.
Der Schnitt sah Böse aus, aber wie ich schon sagte, eine fatale Blutung stoppen hatte ich gelernt. "Ich habe schon Ritter von edlem Blut gesehen, die sich die Rüstung benässten, wenn sie die wandelnden Toten nur von weitem sahen. Den Namenlosen werd ich tun...", ich unterbrach und riss mit den Zähnen die Bandagen aus meinem Rucksack entzwei. "...und euch Vorwerfen keine Krieger zu sein."
Larric schrie schmerzerfüllt und stöhnte, als ich den Verband festzog, so dass er kein Blut mehr verlor.
Mit diesem Hüftschnitt würde er nicht mehr weit kommen, soviel war sicher, also fluchte ich und hieb auf den Boden.
"Du dämlicher Esel!", fuhr ich ihn an.
Seine Augen waren glasig und er sah zu mir auf, dann zu dem Mädchen und den Dörflern.
"Schon gut, Korporal, lasst mich hier." Seine Stimme war schwach.
Ich wusste, er würde durchkommen, wenn er sich ein paar Tage ausruhte.
Doch in ein paar Tagen könnte diese Gegend überschwemmt mit Spähern der schwarzen Lande sein, oder schlimmerem.
"Worauf du dich verlassen kannst.", versprach ich Larric bitter und erhob mich.
"Begrabt eure Toten, bei Borons Gnade!", herrschte ich die Dorfbewohner an.
Es lag mir fern, ihnen noch mehr Kummer zu bereiten, aber in schweren Zeiten ist alles was ein Mensch braucht eine klare Anweisung um ihn aus geistiger Lähmung zu lösen.
Und so war es auch hier.
"Dann beschafft diesem Narren hier ein Bett, etwas zu Essen und zu trinken, damit er die Nacht übersteht!" Ich rieb meine Schläfen. Dies alles verlief nicht wie gedacht.
Zwei Burschen halfen mir Larric zu tragen und wir brachten ihn in das Gemeindehaus.
"Für Fuchs und Land, Korporal.", murmelte der junge Soldat und sah zu mir herauf.
Ich mied seinen Blick.
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