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Eide

von ashtrails
GeschichteAbenteuer / P16 / Gen
02.02.2011
02.02.2011
5
4.668
 
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Auf dem Mythraelsfeld


"Bleibt zusammen, steht am Banner und bringt mir mehr Schilde an die Flanken!"
Es war schwer über den Lärm der Schlacht auf dem Mythraelsfeld zu brüllen.
Das unablässige helle Klingen von Stahl auf Stahl, auf das Holz unserer Schilde, das Mahlen und klappern der Knochen unserer leichenblassen Feinde.
Die vielen Kampf und Schmerzensschreie, die bellenden Befehle anderer Offiziere...Meine Stimme war nur eine kleine Note in dem Lied geschrieben von Panik, Tod und dem verzweifelten Zorn der Hoffnung, die wir uns bis hierhin bewahrt hatten.
Ich gab mein Bestes um die Verluste auszugleichen, nachdem unsere Flanke einbrach und der gute Hauptmann Bernhelm einer der ersten war, die unter den düsteren Klingen fielen.
Ich war nie zum Anführer geboren, und das meine ich wörtlich.
Als Soldat war es schon immer schwer, ohne das richtige Blut einen hohen Rang zu bekommen.
Korporal Caye Fidian, siebente Kompanie Greifenfurter Langschwerter, zu Diensten.
Ich zweifelte daran, dass dieser Dienst noch lange währen würde.
Hellichter Tag.
Und doch klirrten unsere Klingen in grauem Zwielicht, während der endlose Heerwurm unnachgiebig gegen unsere Reihen marschierte.
Ein Feind, der die Sonne verdunkelt, der die Toten wandeln lässt treibt Furcht in die Herzen jedes Soldaten, ob Veteran oder Rekrut.
Der Hauptmann war schnell wieder auf den Beinen, doch sein Kadaver kämpfte nicht mehr für uns.
"Für Fuchs und Land!" rief ich mit aller Luft die meine Lungen hergaben, brachte meinen Schild in die Bahn einer schartigen Klinge, die von einer Skelletthand gehalten wurde. Das Schwert meines Schildbruders schnellte hervor und zerschlug Knochen zu Staub. Mein Schlachtruf wurde erwidert, mehrfach.
Die verzweifelte Wut der Hoffnung, in der Tat.
Kein Soldat war weniger als doppelt soviel wert wie eine der lebenden Leichen der schwarzen Lande, doch es waren so unglaublich viele.
Jeder unserer Toten mehrte ihre Zahl.
Jede Unze Furcht machte sie stärker.
Aber wir hatten unsere Eide geschworen und unsere Befehle zu befolgen.
Wir hielten die Flanke um es einem kleinen Stoßtrupp zu ermöglichen diese dämonische Finsternis, diese riesige Wolke, die den Toten Schutz vor Praios' Strafe bot zu vertreiben.
Unser vergossenes Blut war ihre Zeit.
Das Schicksal eines Soldaten, von dem einem beim unterschreiben des Papiers erstmal keiner etwas erzählt.
Aber hier waren wir nun und kämpften nicht nur um unser Leben, sondern um unsere Seelen in der wohl gewaltigsten Schlacht die das Mittelreich bisher gesehen hatte.
Viele Helden sollten heute kämpfen und Fallen.
Sie würden einst große Statuen auf dem Heldenfriedhof vor Gareth erhalten.
Unser eins?
Ein Boronsrad und eine Waffe in kalter Erde, mit Glück.
Aber ich kämpfte.
Schild und Klinge schlugen, blockten und stießen durch Instinkt und Training wie von selbst.
Das runde Holz war da, wenn meine Männer neben mir es brauchten und genauso wusste ich, solange ihr Blut noch floss, würden sie das selbe für mich tun.
Die Befehle gingen mir irgendwann leichter von der Hand und unsere Reihen hielten.
Ich war verwundet, das spürte ich in einer kurzen Atempause.
Schulter, Rücken, Rippen. Mein Kettenhemd hatte das schlimmste verhindert.
Und unser Banner stand, die bosparanische Sieben neben dem Schwert wehte im Wind. Der Lärm wurde für ein paar Herzschläge dumpf, meine Männer bewegten sich langsamer im Zwielicht, als ich zu der Flagge hinaufblickte und  meine Zweifel zerstreut fand. Nichts schien in diesem Moment vergeblich oder ungerecht.
Eine Warnung.
Das krachen von Metall auf Holz.
Splitter flogen und prallten gegen meinen Helm.
Mit einem wuchtigen Schlag streckte ich die wandelnde Leiche nieder und blockte einen Pfeil, der dahergeflogen kam, nickte meinem Schildbruder in aller gebotenen Eile dankbar zu.
Der Kampf hatte mich wieder.
Satinav jedoch war mit seinen Streichen lange nicht am Ende.
Kampf hat seine ganz eigene Zeitmessung.
Mal dämonisch rasend, mal langsam und zäh fließend wie Honig.
Ich werde nie den Augenblick vergessen, in dem das dunkle Leichentuch über uns zerriss.
Der Moment, in dem Praios' helles Antlitz befreit von dem finsteren Schleier auf uns herabschien, sich in unseren besudelten Rüstungen und blutigen Schwertern spiegelte.
Jener Moment, in dem das Schlachtenglück sich wendete, hier vor Wehrheim, wo wir schworen die Armeen der schwarzen Lande ein für alle Mal zu stoppen.
Diese wertvollen Herzschläge, in denen die Untoten verzweifelt versuchten sich Würmern gleich in den Dreck zu graben, damit sie vor dem sengenden Licht sicher wären, während ihre Banner fielen und ihre Anführer zu Staub verbrannt wurden.
Ich konnte nicht anders als mitjubeln.
Wir glaubten, an diesem denkwürdigen Tag Rhazzazor, den Heptarchen, den fauligen Drachen der Warunkei besiegt zu haben.
Getragen von Wellen der Freude war ich Stolz auf mich, war im Siegesrausch auf dem blutgetränkten, niedergetrampelten Boden, wo soviele der unseren nun lagen oder im Sonnenlicht vergingen.
Aber über diese flüchtige Zeit des Triumphes spürte ich auch weiter das feine Stechen, das mir in meinen fast zwanzig Jahren in der Armee stets das Leben gerettet hat, wenn meine anderen Sinne versagten.
Erst als mich einer meiner Männer aber mit seiner gepanzerten Rechten anstieß und mit offenem Mund zum Himmel deutete wurde mir klar, vor was meine Instinkte mich gewarnt hatten.
Wieder fiel Schatten über uns.
Und ich dankte Boron von ganzem Herzen, dass ich mich Zeit meines Lebens nicht mehr genau an die nächste halbe Stunde erinnern konnte, dass mich die Schreie, die verstümmelten Leichen tausender meiner Kameraden nur manchmal in Träumen heimsuchten...
Was geschah, sollte später als das Magnum Opus des Weltenbrandes bekannt werden.
Ganze Armeen vernichtet.
Wehrheim wurde dem Erdboden gleichgemacht.
Die Lebenden für Galotta, die Toten für Razzazor, so hieß es.
Wer auf dem Mythraelsfeld verblieb, war verdammt, ob er nun lebte, oder tot war.
Ein Feind, der die Sonne verdunkelt und die Toten wandeln lässt, mag selbst einem tapferen Herzen den Mut nehmen.
Ein Feind, der darüber hinaus eine Stadt aus verfluchtem Metall fliegen lässt, der über die Macht verfügt ganze Armeen und Städte zu vernichten, nimmt diesem Herz auch alle Hoffnung.






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