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Bis(s) einer weint

GeschichteMystery / P18 / MaleSlash
28.01.2011
02.04.2020
12
12.893
 
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Dieses Kapitel
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28.01.2011 1.158
 
So!

Surprise, surprise ich schicke auch eine zweite Story an den Start. Dieses Mal für meine Verhältnisse was ganz anderes, geht eher in die Fantasy/Mystery Richtung aber mich hats vorhin einfach gepackt und ich dachte ich tu euch 'das' mal an. Bin gespannt was ihr sagt, und wenns gar nicht gut ankommt dann ja... ;) Gerne nehme ich Ideen entgegen wie es weitergehen soll :)

Danke an ALLE Menschen die es gibt :)
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250 Jahre bin ich bereits alt. So alt fühle ich mich eigentlich noch gar nicht, was wohl daran liegt, dass ich seitdem ich 20 bin äußerlich um kein weiteres Jahr gealtert bin.
230 Jahre ist es her, dass ich mit diesem Fluch belegt wurde, welcher dafür verantwortlich war, dass sich mein Leben von jetzt auf gleich schlagartig geändert hatte.

Ich führte ein ganz normales Leben mit meiner Familie bis ich auf diese Frau traf. Sie schien neu in der Stadt zu sein, hatte ich sie doch vorher noch nicht gesehen. Es war bereits spät in der Nacht, als ich alleine von einem kleinen Umtrunk mit ein paar Arbeitskollegen nach Hause lief. Auf einmal stand sie vor mir, so schön, so geheimnisvoll.

Sie fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, sie ein Stück zu begleiten. Waren die Nächte doch eher gefährlich für eine schöne Dame aus besserem Hause mit offensichtlich viel Geld. Wobei Geld bei solch einem Anblick eine untergeordnete Rolle spielte, wie ich mir zumindest dachte. Natürlich willigte ich sofort ein. Zwar war ich kein Edelmann, doch hatte ich sehr wohl die nötigen Manieren gelernt, welcher es im Umgang mit einer schönen Dame bedarf!

„Wie ist Euer Name, holde Maid?“

„Emilia, und Eurer?“

„Leonard.“

„Und wie verdient Ihr Euren Lebensunterhalt, Leonard?“

„Ich bin nur ein einfacher Künstler, oh Gnädige. Gelegentlich helfe ich bei der Produktion der Zeitung meines Vaters.“

Wir unterhielten uns noch eine ganze Weile und sie erzählte mir, dass sie von adeligem Geschlecht sei und mit ihrer Familie auf der Durchreise wäre. Damals hätte ich schon bemerken sollen, dass da etwas faul ist. Doch irgendwas war da an ihr, was mich einfach in ihren Bann gezogen hatte. Dieses irgendwas wurde mir dann auch sehr bald eröffnet.

„Was führt Euch denn zu so später Stunde allein durch die dunkle Nacht?“

„Mir war es nach einem Spaziergang, und eigentlich liegt mir jegliche Furcht fern. Als ich aber Euch sah, spürte ich sofort, dass Ihr etwas besonderes seid. Dass Ihr geeignet seid!“

„Geeignet wofür?“

Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten und schon befanden sich Emilias Zähne in meinem Hals und sie begann von mir zu trinken. Ich fiel in eine Art Trancezustand und war nicht mehr Herr meiner Sinne. Für sie war ich aber keine Zwischenmahlzeit, nein, sie wollte mich zu dem machen, was sie war. Ein Vampir. Kurz ließ sie von meinem Hals ab und ich hörte sie sagen:

“Ihr seid genau, was ich gesucht habe - klug, stark und sehr attraktiv. Ihr werdet mir ein treuer Begleiter sein!“

Was danach passiert ist, ich weiß es nicht mehr. Ich bin anscheinend ohnmächtig geworden. Alles, was ich weiß, ist, dass ich irgendwann wieder aufgewacht bin und mich stärker fühlte als je zuvor. Zu meinem Entsetzen musste ich feststellen, dass meine Schwester Lucylia einem von Emilias Fußvolk zum Opfer gefallen ist. Dominik. Er hatte Lucylia ebenfalls verwandelt, wie ich später erfuhr. Wir waren im ersten Augenblick völlig perplex bis uns zugetragen wurde, was mit uns passiert ist. Dass wir mit dem 'Fluch' gesegnet worden sind.

Lucylia und ich waren von der Vorstellung, in Zukunft Menschen zu töten um zu überleben, wenig angetan. Ich tobte, wie konnten sie uns das nur antun? Schwer fiel es mir zu begreifen, dass mein Schicksal besiegelt war. Ich war ein lebender Toter! Aber töten, das würde ich nicht! Als Emilia kurz darauf noch einmal aufgebrochen war, um nach Essen zu suchen, erzählte uns Dominik, dass es auch eine andere Möglichkeit gab, sich zu ernähren. Diese Möglichkeit hörte sich zwar nicht wirklich leckerer an, aber es schloss wenigstens das Töten von Menschen aus. Er berichtete von Metzgern, welche für wenig Geld Blut verkauften. Damit konnte ich leben.

Schwerer fiel es mir schon meine Eltern zurückzulassen. Sie würden merken, dass etwas mit uns nicht stimmte. Wir würden uns nur noch nach Sonnenuntergang draußen bewegen können. Außerdem würden wir nicht altern, und ich wusste auch nicht, wie sehr ich meinen Hunger kontrollieren konnte. Gegen das Töten von Menschen war ich von Anfang an, aber ich wollte meine Eltern nicht unnötig in Gefahr bringen. Deshalb war es besser für sie zu glauben, dass wir in dieser Nacht einfach verschwunden sind.

Wir hinterließen ihnen einen Brief, in welchem wir ihnen erklärten, dass wir sie liebten, aber hier auf keinen Fall länger bleiben konnten. Wir baten sie außerdem um Verzeihung und versprachen, uns ab und an zu melden. Dies taten wir auch, bis wir uns ausrechnen konnten, dass beide tot sind.



Das ist der Nachteil bei dem Deal mit dem ewigen Leben. Ist man nicht unter seinesgleichen, sieht man viele Freunde sterben. Die erste Zeit fiel mir das sehr, sehr schwer. Deshalb versuchte ich, so weit es ging, Menschen zu meiden. Ich hatte ja immer noch meine Schwester, Emilia und Dominik. Dominik und Lucylia wurden später ein Paar, genauso wie Emilia und ich. Und so zogen wir mal mehr, mal weniger durchs Land, bis wir Ende des 19. Jahrhunderts in Berlin gelandet waren.

Hier konnten wir bleiben, hier waren wir anonym. In Berlin würde so schnell keiner merken, dass wir immer noch genauso jung und hübsch sind wie vor 100 Jahren. Wir hatten auch das große Glück auf eine Zigeunerin zu treffen, welche uns Ringe verkaufte, die uns gegen Sonnenlicht immun machten. Ab da war alles nahezu perfekt, die Sonne hatte mir wirklich sehr gefehlt!

Heute leben wir noch immer hier. Mittlerweile haben wir uns aber der heutigen Zeit angepasst. Nur noch selten verfalle ich dem hochgestochenen Gerede von damals. Ich nenne mich Lenny und meine Schwester Lucy. Emilia war sehr kreativ und schmückt sich jetzt mit Emily und Dominik, ja bei dem hat sich nix geändert...

Lucy und ich betreiben erfolgreich eine Onlinefirma, über die wir meine Gemälde unter irgendwelchen Pseudokünstlernamen verkaufen. Die letzten beiden Jahrhunderte habe ich nach wie vor als Künstler gearbeitet und einige meiner Bilder hatten nun ein beträchtliches Alter. Der Kundenkontakt erfolgt nur online, was eine perfekte Grundlage für ein beständiges Geschäft ist. Dominik tingelt von einer Baustelle zur nächsten, um seinen Anteil an der Miete beizutragen. Er versucht auch nicht zu lange am selben Fleck zu bleiben, das ist sicherer.

Und Emily. Ja, die schlägt sich die Nächte um die Ohren, schläft den ganzen Tag, während wir arbeiten. Wir sind zwar immer noch zusammen, wobei es sich hierbei eher um Routine handelt. Dadurch, dass sie mich quasi erschaffen hat, ist sie ziemlich besitzergreifend. Im Großen und Ganzen hatte ich mich mit meiner Ewigkeit arrangiert und alles schien soweit in Ordnung, bis sich eines Tages mein Leben schlagartig änderte...
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