Feuervolk One-shot: Nach dem Traum

GeschichteRomanze / P12
24.01.2011
24.01.2011
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Maddy ging fluchend in ihrem Zimmer auf und ab. Ihr Runenmal brannte. Wie ein Brandzeichen, das ihr jemand in die Haut drückte. Es glühte sogar leicht. Sie setzte sich in eine Ecke ihres Zimmers und fluchte vor sich hin. Durch das große Fenster fiel schwaches Sonnenlicht herein. Das zögernde Leuchten des Sonnenaufgangs tauchte die Türme, Mauern und Höfe von Asgard in sein blutrotes Licht. Sie trat an das Fenster heran. Freude durchströmte sie mit einem Mal, mischte sich mit dem Schmerz. Dies war ihr Reich, ihr wahres Zuhause, das Heim, das sie in Malbry nie gesehen hatte. Sie hatte es geschafft. Sie hatte Asgard wiederaufgebaut, zusammen mit ihrem Bruder Magni.

Von ihrem Zimmerfenster aus hatte sie einen wunderbaren Blick auf den Garten, wo die Bäume blühten und die Vögel sangen. Sie sah Freya auf einer Schaukel sitzen und wandte schnell den Blick ab. Es war nicht ratsam, die Göttin der Liebe in ihrer wahren Gestalt anzuschauen, das wusste sie. Viele der Wanen waren nach Odins Tod in ihr Reich zurückgekehrt, einige jedoch hatten beschlossen, ihr zu helfen, Asgard wiederaufzubauen und dann dort einzuziehen. Als sie an Odin dachte, durchzuckte sie eine andere Art von Schmerz, stärker, und tief in ihrem Herzen. Er hatte nicht verdient gehabt, zu sterben, und doch konnte sie nichts mehr dagegen tun. Er war nun in Hel, bei seinem Sohn Baldur. Maddy erinnerte sich an den brennenden Nachen, der den Traumfluss entlanggesegelt war, Odins letzte Ruhestätte, und sie erinnerte sich daran, was er gesagt hatte: Halte im Traum nach mir Ausschau. Maddy spürte, wie ihr die Tränen kamen, sie versuchte sie wegzublinzeln, doch sie konnte sich nicht beherrschen. Ich kann doch jetzt nicht weinen!, dachte sie ärgerlich. Was hätte Einauge gesagt, wenn er sie hätte wegen ihm weinen sehen? Sie hörte nicht, wie Loki das Zimmer betrat. „Hey, ich hab dich vom Garten aus gesehen, was ist denn, du hast ausgesehen, als hättest du in einen sauren Apfel“- Sie drehte sich um. Er erstarrte mitten im Satz, den vernarbten Mund grotesk offenstehend. Er hatte sie noch nie weinen sehen. „Modi, weinst du etwa?“ „Nein, tue ich nicht! Und nenn mich nicht Modi! Du weißt, ich kann es nicht leiden!“, entgegnete sie schwach. „Was ist passiert? Warum weinst du?“, fragte Loki vorsichtig. „Ich musste gerade wieder an Einauge denken. Wie er gestorben ist, nur weil ich zu dumm war“- „Weil DU zu DUMM warst?“, unterbrach er sie heftig.

„Denkst du wirklich, Einauge wäre nur wegen dir gestorben? Er ist gestorben, um die neun Welten vor Mimir zu retten, nicht weil DU zu DUMM warst!“ „Aber wenn ich erkannt hätte, dass der Flüsterer uns alle an der Nase herumgeführt hat…“ „Wie hättest du das denn erkennen sollen?“, fragte Loki sarkastisch. „Nicht einmal Odin wusste es.“  „Ich bin doch angeblich die Tochter eines Gottes…“, flüsterte Maddy. „Ich dachte, Einauge hätte dir das erklärt. Wir werden zwar Götter genannt, aber wir sind auch nicht allmächtig! Und jetzt lass dieses verdammte Selbstmitleid und sag mir, was dich wirklich bedrückt.“, sagte er etwas sanfter. „Denn als ich vom Garten hochgeschaut habe, sahst du eher aus, als hättest du Schmerzen.“ „Mein Runenmal brennt schon seit heute Morgen. Ich weiß einfach nicht, warum. Es hat schon früher manchmal gebrannt, aber wenn ich dann ein paar Runen gewirkt habe, hat es aufgehört. Heute ist gar nichts passiert.“

Sie sah, wie Lokis Augen sich weiteten. Sie wollte schon fragen, was los sei, aber bevor sie die Gelegenheit bekam, war Loki neben ihr und drückte sie sanft auf ihr Bett. Er setzte sich neben sie. „Maddy. Du wirst morgen achtzehn Jahre alt, nicht wahr?“ „Ja. Warum?“, fragte sie verwirrt. Sie litt hier Schmerzen, und er fragte sie nach ihrem Alter! Loki sah sie beunruhigt an. „ Alle Götter, ich hätte nie gedacht, dass ICH derjenige sein würde, der dir das sagt…“ Pause. „Was denn nun?“ So langsam wurde Maddy ungeduldig. Was konnte so beunruhigend für Loki sein? Dieser holte tief Luft und fing dann an zu sprechen: „Also. Du hast Asgard wiederaufgebaut, und wir alle sind dir unendlich dankbar dafür und so, aber anscheinend hat dir niemand gesagt, dass sich diese Festung von deiner Magie am Leben erhält. Sie ernährt sich quasi von dir. Und natürlich von Magni, aber hauptsächlich von deiner Magie.“ „WAS? Das sagst du mir JETZT? Gibt es vielleicht noch irgendetwas, das ich wissen sollte? Werde ich morgen sterben, oder was?“, fragte sie, ihre Stimme triefte vor Sarkasmus. „Natürlich nicht! Aber…“ Wieder machte er eine Pause. „Was denn, verdammt noch mal. Sag es mir Loki, oder ich schwöre, ich befördere dich zurück in die schwarze Festung, zu deinem lieben Sohn!“ „Schon gut. Also, du warst jetzt dreieinhalb Jahre in dieser Festung, hast sie zusammen mit Magni wiederaufgebaut, und morgen, an deinem achtzehnten Geburtstag, musst du eine Göttin werden, weil die Festung dich sonst ganz aufzehren wird! Bist du jetzt zufrieden?“ Maddy starrte ihn an. In ihrem Kopf drehte sich alles, ihr wurde schwindlig. Sie? Eine Göttin? Unmöglich! Das konnte nicht sein! „Aber…wie?“ „Das war schon seit deiner Geburt vorherbestimmt. Natürlich wusste es niemand außer Einauge und mir, weil alle anderen Götter entweder geschlafen haben oder in der schwarzen Festung geschmort haben, aber du kannst absolut nichts dagegen tun, außer dich umzubringen. Und da würde ich ehrlich gesagt lieber ein Gott werden, nicht wahr?“ Sie hob die Augenbrauen, sagte aber nichts. „Einen Tag vorher hast du starke Schmerzen in deinem Runenmal, und morgen wirst du dann eine volle Göttin, mit all deiner vollständigen Macht.“, schloss er. „Wir alle mussten das an unserem achtzehnten Geburtstag aushalten, glaub mir.“ „Und… es gibt wirklich keine andere Möglichkeit?“, flüsterte sie. „Willst du etwa keine Göttin sein?“, fragte Loki erstaunt. „Das… ist alles so plötzlich. Ich weiß nicht, was ich denken soll.“, antwortete sie wahrheitsgemäß.

Plötzlich schrie sie auf. Ihr Mal brannte jetzt so stark, dass es fast nicht mehr auszuhalten war. Loki sah sie zuerst mitleidig an, dann seufzte er, kniete er sich vor sie und nahm ihre Hände in seine. Er schloss die Augen, und plötzlich fing sein eigenes Runenmal- Kaen - an zu leuchten. Fäden aus rotem Licht wanden sich wie Schlangen seinen Arm hinunter und um ihre Hände. Maddy merkte, wie ein Teil des Schmerzes von ihr abfloss. Sie fühlte sich leicht und unbeschwert, so als ob sie jederzeit durch ihr Fenster nach draußen schweben könnte. Als Loki fertig war, ließ sie sich von ihrem Bett gleiten und sank vor ihm auf die Knie. „Ich weiß zwar nicht, was du gemacht hast, aber…danke!“, flüsterte sie ihm sanft ins Ohr. Seine Nähe verursachte ihr eine Gänsehaut am ganzen Körper. Noch immer hielten sie sich bei der Hand und Loki machte keine Anstalten, seine wegzuziehen. Er suchte ihren Blick mit seinen wunderbaren grünen Augen und sie hielt ihn fest, wollte in ihren Tiefen versinken, wollte für immer so mit ihm hier sitzen bleiben. Diese wunderbaren grünen Augen schienen näherzukommen, immer näher, sie wurden größer und größer, bis Maddy glaubte, sie würde ertrinken. Mit den Augen war auch Lokis Gesicht nähergekommen, so nah, dass sich ihre Lippen fast berührten. Maddy konnte Lokis Verlangen fast schmecken, spürte seinen Atem auf ihrem Gesicht, roch seinen wunderbaren Duft. Sie wusste, was kommen würde. Als seine Lippen sich sanft auf ihre legten, versank sie, blendete alles um sie herum aus, konzentrierte sich einzig und allein auf diesen Moment, diesen Kuss. Sie löste ihre Hände von seinen und schlang ihm die Arme um den Nacken, hielt ihn fest.

Sie wusste nicht, wie lange sie schon so dagesessen waren, und es war ihr auch egal- bis krachend die Tür zu ihrem Zimmer aufflog. „Modi! Was tust du da???“ Es war Thor- ihr Vater.
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