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GeschichteAbenteuer / P16 / Gen
Griffin
24.01.2011
04.09.2011
24
47.567
 
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24.01.2011 2.036
 
Kapitel 2

Schnee in Frankreich oder Willst du gleich eins aufs Maul?



Er hatte nicht darüber nachgedacht, wohin er eigentlich wollte, war beim Jumpen einfach seinem Instinkt gefolgt. Jetzt trat Griffin verwirrt aus dem Schatten einer Seitengasse und sah sich um. 'Wo, verdammt, bin ich denn jetzt gelandet?'
Er ließ seinen Blick über das Wohnviertel schweifen, das ihm auf seltsame Weise bekannt vorkam, obwohl er sich sicher war, dass er noch nie hier gewesen war. Mehrere Apartment-Gebäude säumten die Straße, weiter entfernt entdeckte er auch einige Einfamilienhäuser, all das umrahmt vom wehenden Herbstlaub des nahenden Herbstes, das von den vielen Bäumen fiel, die sich in den Vorgärten fanden. Es hätte wirklich eine kleine Vorstadt-Idylle sein können, wenn da nicht ein Makel in der Fassade gewesen wäre. Mit weit aufgerissenen Augen starrte Griffin auf das Apartment-Gebäude, das sich direkt vor ihm erhob. Es war eigentlich ein simples, unscheinbares Gebäude mit grau-braunen Wänden und kleinen Balkonen. Doch dort, wo die obere, linke Wohnung hätte sein müssen, war....nichts. Die gesamte Ecke des Gebäudes fehlte an dieser Stelle, man sah nur Reste von Boden und Wänden, alles andere war weg. Es sah aus, als hätte man die Wohnung einfach ausradiert, hätte sie herausgerissen und dieses klaffende Loch hinterlassen. Doch Griffin wusste sofort, was hier passiert war, auch wenn er es nicht wahrhaben wollte.

"Nein..das kann nicht sein...noch nie hat jemand das geschafft..." Doch David hatte es geschafft: Er war mit einem Haus gejumpt...

Jetzt wurde Griffin auch klar, wo er hier gelandet war. Er hatte diesen Ort durch Davids Jumpscar sehen können. Das hier war Ann Arbor, der Ort, an den David gejumpt war, nachdem er ihn verraten hatte. Und in diesem Gebäude hatte seine Freundin Millie gewohnt. Die Wohnung, die dort hätte sein müssen, war ihre gewesen. Dort hinein hatte Griffin seine Bombe werfen wollen, dort drin hatte er mit Roland gekämpft und ihm die Maschine entrissen, mit der die Paladine Jumpscars öffnen und offen halten konnten. Anscheinend war der Kampf zwischen David und Roland ausgeufert und der Scheißkerl hatte es geschafft, die ganze Wohnung mitzunehmen. Doch obwohl Griffin es deutlich sah, konnte er es immer noch nicht glauben. Noch nie hatte es ein Jumper geschafft, ein Haus zu bewegen. Er selbst hatte einen anderen gekannt, der das einmal versucht hatte und dabei jämmerlich hops gegangen war. Vielleicht war David ja das selbe passiert und er hatte sich, sein Mädchen und die ganzen Paladine samt Roland mit in den Tod gerissen. Griffin jumpte hinauf und stand nun mitten in dem Loch. Unter seinen Füßen lagen Reste vom Mauerwerk und einige gerissene Kabel. Doch ansonsten war nichts mehr hier, was auf eine Wohnung hätte hindeuten können. "Einfach verschwunden....", murmelte Griffin, als er plötzlich in einer Ecke etwas glänzen sah. Vorsichtig ging er über den brüchigen Boden und verzog vor Schmerz das Gesicht, als er sein verletztes Bein zu stark belastete. Er sah hinunter. Das Hosenbein war aufgerissen und darunter war der lange Schnitt zu sehen, den er sich am Strommast eingehandelt hatte. 'Hoffentlich reißt das nicht auf...'. Da blinkte wieder etwas in seinem Augenwinkel und er sah hoch. Unter einigen Mauerstücken begraben entdeckte er eine kleine, gläserne Kugel. Langsam hockte er sich hin und hob sie auf. Es war eine Schneekugel, die das Sonnenlicht reflektiert hatte. In ihrem Inneren stand ein winziger Eifelturm, umgeben von durcheinanderwirbelnden Schneeflocken. Griffin schüttelte sie und beobachtete das "Schneetreiben", ließ die Flocken herumwirbeln. Eine Erinnerung regte sich in ihm. Ein Bild seiner Mutter, wie sie auf dem Sofa saß, bewaffnet mit einem Reisekatalog, und ihm sämtlich Reisen nach Frankreich zeigte. Immer wieder hatte sie davon geschwärmt, wollte unbedingt den Eifelturm, den Louvre, Notre Dame und Sacré-Coeur sehen. Der Urlaub war auch schon geplant gewesen, eine Woche Paris mit allem drum und dran. Sightseeing-Tour, Croissants und Baguette, Spazieren an der Seine. All das hatte er mit seinen Eltern machen wollen, hatte nur glücklich sein wollen, doch der Traum seiner Mutter hatte sich nie erfüllt. Traurig sah Griffin auf die Schneekugel. Die letzten Flocken fielen zu Boden, es hörte auf zu schneien. Wieder drehte er sie um, ließ die Flocken wieder fallen, als hinter ihm plötzlich ein Geräusch ertönte. Das Geräusch eines Jumps...

Völlig aus seinen Gedanken gerissen stand Griffin ruckartig auf und drehte sich um. Unbewusst steckte er die Schneekugel in eine Tasche seiner Lederjacke und wandte sich dem Fremden zu, der gerade aufgetaucht war und musste feststellen, dass er ihn ganz genau kannte.

"Was...?! Griffin? Was tust du hier? Wie bist du...wie hast du...?!", stammelte David, als er den jungen Jumper erkannte. Dafür, dass er gerade erst einen Kampf mit den Paladinen überlebt hatte, sah David ziemlich gut aus, keine Verletzungen, kein Gips, gar nichts. Er trug sogar ordentliche Kleidung, ganz im Gegensatz zu Griffin, dessen Lederjacke mit Sand, Dreck und Blut überzogen war, ganz zu schweigen von seiner Jeans, die zerrissen und ebenfalls blutig war. "Du fragst dich, wie ich überlebt habe, was? Wie ich aus diesem beschissenen Mast rausgekommen bin, oder?! Tja Davy, so leicht wird man mich nicht los. Vor allem dann nicht, wenn man versucht, mich hinterhältig zu verraten!" Wütend ging Griffin auf David zu, der langsam begann, nach hinten zu weichen. Schützend hob er die Hände. "Griffin, jetzt hör zu, ich wollte dich nicht verraten, aber Roland hatte Millie und wenn du die Bombe dort gezündet hättest, wäre sie mit ihnen gestorben. Das konnte ich einfach nicht zulassen!" "Ach ja?! Wäre sie nicht gewesen, würde dieser Drecksack schon lange unten in der Hölle sitzen! Du hast ihn ja sicher nicht umgebracht, hab ich Recht?!" Entschuldigend sah David ihn an. "Nein...aber.." Weiter kam er nicht, denn plötzlich holte Griffin aus und schlug nach ihm. David duckte sich noch rechtzeitig und jumpte. "Vergiss es, so kommst du mir nicht davon!", schrie ihm Griffin nach und folgte ihm durch seine Jumpscar.

Drückende Hitze und Sand schlugen ihm entgegen, als er sich auf einem Markt in Dubai wiederfand. Menschenmassen schoben sich durch die engen Straßen, Händler priesen schreiend ihre Waren an und man sah die seltsamsten Dinge, die man kaufen konnte, doch dafür hatte Griffin keinen Blick. Er suchte fieberhaft nach David, versuchte, ihn zwischen all diesen Menschen zu finden. Dann entdeckte er ihn plötzlich, sah direkt in sein entsetztes Gesicht und jumpte in seine Richtung. Doch David war schon wieder gesprungen, seine Jumpscar war schon dabei, sich wieder zu schließen, doch Griffin gelangte hindurch. Das Geschrei der Massen verstummte augenblicklich, dafür empfing ihn nun ein Schneesturm. "Komm schon Davy, Alaska?! Hast du nicht mehr drauf?!" Er kniff die Augen zu einem Schlitz zusammen, um sie vor dem Schnee zu schützen und ging ein paar Schritte, doch weit und breit sah er nur das ständige Weiß. Von David keine Spur. "Komm schon raus, du Feigling!! Du kannst nicht ewig vor mir davonlaufen!!", schrie Griffin gegen den Sturm an, doch er wartete vergeblich auf eine Antwort. Noch ein paar Schritte weiter spürte er dann doch etwas. Eine offene Jumpscar, nicht weit vor ihm. Er hielt darauf zu, ließ sich von seinem trainierten Gespür leiten, als sein rechtes Bein plötzlich keinen festen Halt mehr hatte. Es knirschte laut, als er auf den harschen Schnee trat und sein Bein in ein Schneeloch rutschte. Es knackte laut und Griffin schrie auf vor Schmerz, der ihn nun vom Fuß bis zur Hüfte durchfuhr. Er fiel nach vorn, fing seinen Sturz mit den Händen ab und lag keuchend im Schnee. Vor ihm war die Jumpscar schon fast geschlossen, doch das konnte er nicht zulassen. Er rollte sich auf den Rücken, packte sein verletztes Bein und zog es aus dem Loch, nicht ohne dabei die Zähne hart aufeinanderzubeißen. Es begann schon anzuschwellen, doch Griffin ließ sich davon nicht beeindrucken, richtete sich vorsichtig auf und humpelte, den Schmerz größtenteils ignorierend, auf die Jumpscar zu. Im letzten Moment sprang er hindurch und landete unsanft in einer schummrigen Seitengasse. Einige letzte Schneeflocken wehten hinter ihm her und verfingen sich in seinem Haar. Unsicher stand er auf und schaffte es, aus der Gasse herauszukommen. Er fand sich mitten in einer typischen Kleinstadt wieder und ließ seinen Blick über die aneinandergereihten Häuser, die penibel gepflegten Vorgärten und die leicht abfallende Straße schweifen. Es war schon später Abend, trotzdem waren noch ziemlich viele Fenster erleuchtet. "Na ganz toll! Wo, verdammt nochmal, bin ich denn hier gelandet?! Und wo ist dieser kleine Wichser David?!" Langsam musterte Griffin ein Haus nach dem anderen, doch nichts wies auf die Anwesenheit des anderen Jumpers hin. Jedes Haus sah aus wie alle anderen, sie unterschieden sich beinahe gar nicht. Genervt stöhnte Griffin auf. "Wunderbar, da hatte ich ihn fast und jetzt?! Steh ich hier rum! Wahrscheinlich ist der Drecksack schon längst wieder weg und ich humpel hier rum wie'n Invalide! Und daran ist der auch noch Schuld! Ich könnt ihm so verdammt den Kopf..." Griffin stockte, denn plötzlich hatte er es erneut gespürt: Jemand war gejumpt und das keine 40 Meter von ihm entfernt. Er drehte sich um und blickte auf eines der Reihenhäuser. Wie alle anderen hatte auch dieses ein schwarz gedecktes Dach und eine weiße Stein-Fassade. Im Vorgarten stand ein kleiner Apfelbaum, dessen Blätter schon begannen abzufallen. Nichts besonders Auffälliges, doch Griffin war sich sicher: Dort drin war David. Wieder jumpte er.

Krachend landete Griffin mitten im Wohnzimmer des Hauses. Die Türen eines Schrankes, der neben ihm stand, rissen auf und dann wirbelten lauter Papierblätter und kleine Zettel durch die Gegend. Doch davon ließ er sich nicht beeindrucken und sah sich um. Der Raum war sehr schlicht eingerichtet, ein weißes Sofa, eine helle Schrankwand, ein paar Bilder an den Wänden, ein Fernseher. Nichts Besonderes. Griffin klopfte sich ein wenig Dreck von der Jacke, obwohl es keinen wirklichen Unterschied machte und drehte sich dann ruckartig um, als er hinter sich plötzlich einen erstickten Schrei hörte. Im Türrahmen stand Millie, Davids kleine Freundin, die Augen weit aufgerissen, eine Hand vor den Mund geschlagen. Einige Strähnen ihres braunen Haares fielen ihr ins Gesicht, doch sie strich sie nicht weg, war gänzlich unfähig sich zu bewegen. “Was...? Bist du nicht...aber wie kann das.....David!!!“ Ihr leises Flüstern steigerte sich in einen panischen Schrei. “Jetzt entspann doch mal, ich bin‘s doch nur.“ Griffin grinste gehässig und ging langsam auf Millie zu, doch da tauchte auch schon David direkt vor ihm auf. Er stellte sich schützend vor sie und Griffin blieb stehen und baute sich vor David auf. Auch wenn er ein Stück kleiner als David war, war er doch nicht zu unterschätzen. Griffin war der Erfahrenere von ihnen, war trainierter und schneller. “Ah Davy, ich hab dich schon gesucht. Warum bist du denn abgehauen? Ich wollte mich doch nur mal nett unterhalten, so von Partner zu Partner.“ “Was willst du, Griffin? Was hattest du in Ann Arbor zu suchen und warum bist du hier?“ “Ich dachte, wir machen mal nen netten Kaffeeklatsch…Sag mal, bist du blöd oder tust du nur so?! Hast du etwa vergessen, dass du mich um meinen Kampf gebracht und mich in diesen dämlichen Strommast gesteckt hast?! Drei Tage, drei beschissene Tage hing ich da und wäre wegen dir fast verreckt! Du hast mich hinterhältig verraten, wegen dir habe ich alles verloren, was ich hatte!! Aber das is ja noch nicht alles! Als ich dann irgendwann aus dem Scheißteil raus bin, komm ich in dieser komischen Stadt an, dann kommst du und sagt‘s mir, dass du’s verbockt hast!! Dass du’s nicht auf die Reihe gekriegt hast, diese Schwein Roland umzubringen!!“ “Vielleicht habe ich es nicht geschafft, ihn zu töten, aber ich habe ihn immerhin unschädlich gemacht. In nächster Zeit wird er niemanden mehr bedrohen.“ „Und du denkst, die Sache wäre damit gegessen?! Glaubst du wirklich, dass du ihn aufhalten kannst, ohne ihn umzubringen?!“ Bei jedem Satz kam Griffin weiter auf David zu und starrte ihn wütend an. Als er dann knapp vor ihm stand, David aber seinen Fehler immer noch nicht einsehen wollte, brannten bei ihm alle Sicherungen durch. Er ballte die Faust, riss den Arm ruckartig zurück und schlug zu.
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