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GeschichteAbenteuer / P16 / Gen
Griffin
24.01.2011
04.09.2011
24
47.567
 
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Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
24.01.2011 1.751
 
Disclaimer: Jumper und alles damit Verbundene gehört nicht mir, sondern den Autoren, ich verdiene damit kein Geld...ihr wisst das ja alles




Kapitel 1:

Sterben kann ich auch später noch



"Dafür bring ich dich um, du Hurensohn! Dafür wirst du bezahlen, das schwör ich dir! Mach dich schon mal auf dein Ende gefasst, David Rice!!!"

Genau das schrie Griffin. Das war alles, was ihn davor schützte, komplett durchzudrehen...wenn das für Griffins Verhältnisse und seinen Charakter noch möglich war. Seit gut 72 Stunden hing er nun schon in dem verbogenen Strommast, in dem David in zurückgelassen hatte, um seine dämliche kleine Freundin zu retten. Hatte ihn, Griffin, verraten und hier gefangen, nur damit er diese Bombe nicht zünden konnte. Dabei hatte Griffin ihm geholfen, hatte seinen Unterschlupf, Waffen und sich selbst zur Verfügung gestellt für den Versuch, Roland und seine verdammten Speichellecker dranzukriegen. Hatte sein Leben aufs Spiel gesetzt und seinen Unterschlupf geopfert, von dem sicher nicht mehr viel übrig war. Und was war Davids Dank dafür? Er kämpfte mit ihm um den Zünder, bis sie schließlich in Tschetschenien landeten, und das auch noch zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt, denn anscheinend war mal wieder eine Kriegsperiode am Laufen. Zwischen Schüssen und Bombenexplosionen hatte Griffin es geschafft, David mit dem Zünder zu stoppen. Er hatte ihn mit einem Auto voll erwischt, wehrlos lag David am Boden und stöhnte. Sadistisch grinsend war Griffin auf ihn zugehumpelt. Er war kurz davor, David den Zünder aus der Hand zu reißen, als hinter ihm ein extrem lautes Krachen ertönte, gefolgt von dem Geräusch einer großen Menge sich verbiegenden Metalls. Erschreckt hatte er sich umgedreht und damit eine seiner eigenen, wichtigsten Regel gebrochen: 'Wende deinem Feind nie den ungeschützten Rücken zu, auch wenn er tot scheint.' Natürlich war David nicht tot, doch Griffin hatte ihn für zu verletzt gehalten, als das er ihn erneut angreifen würde. Und natürlich hatte Griffin falsch gedacht, denn plötzlich packten ihn zwei Hände von hinten, rissen ihn mit durch eine Jumpscar und dann fand er sich in dem Strommast eigeklemmt wieder. Der Strom machte es ihm unmöglich zu jumpen und befreien konnte er sich auch nicht. Als  der sich biegende Metallträger endlich zum Stillstand gekommen war, hatte er David gesehen und ihn angeschrien. Er beschimpfte ihn, drohte ihm, doch das nützte nichts. Seinen Stolz kurze Zeit vergessend, bittete er David sogar und flehte ihn an, ihn dort runter zu holen, doch der stellte sich taub und jumpte zurück zur Wohnung seiner Freundin, um sich Roland zu stellen. Griffin schrie ihm noch ein paar seiner schlimmsten Flüche hinterher, bis sich Davids Jumpscar endgültig geschlossen hatte.

"Ich werd dich kriegen, du mieser Wichser! Und wenn ich dich habe...dann gnade dir Gott!"

Doch bis jetzt war Griffin noch keinen Schritt weiter gekommen. Noch immer hing er an Ort und Stelle fest, sein Oberkörper war zwischen zwei Balken eingequetscht worden, was dafür sorgte, dass er nur sehr flach atmen konnte. Sein Bein hatte einen hässliche, tiefen Schnitt bekommen, das Blut war zwar schon geronnen, trotzdem hatte er deswegen noch ziemliche Schmerzen. Das größte Problem war aber immer noch der verdammte Starkstrom, der stetig durch seinen Körper lief. Es würde ihn zwar nicht umbringen, aber durch das ständige, unkontrollierte Zucken seiner Glieder durchfuhr ihn immer wieder ein furchtbarer Schmerz. Es grenzte schon an ein Wunder, dass er es überhaupt geschafft hatte, während der drei Tage seiner "Gefangenschaft" zu schlafen. Eigentlich hatte er das gar nicht gewollt, doch er muste sich eigestehen, dass er sich danach um Einiges besser gefühlt hatte. Es war wahrscheinlich mehr eine Ohnmacht als Tiefschlaf gewesen, aber immerhin.Zusätzlich zu seinen Schmerzen und dem Starkstrom war um ihn immer noch eine beinahe unerträgliche Geräuschkulisse, die nicht gerade dazu beigetragen hatte, das er sich erholen konnte.

Unter ihm ging der Krieg jedoch weiter, unaufhaltsam, unerbittlich.Panzer überrollten unaufhaltsam alles, was ihnen in den Weg kam, Schüsse hallte über die weite Ebene, Bomben und Tretminen gingen im Sekundentakt hoch. Griffin sah, wie die Menschen sich gegenseitig auslöschten, sah, wie Schädel unter Schusssalven zerplatzten, Körper durch Explosionen in Einzelteile zerissen, Innereien und Blut sich überall verteilten. Es war eine grausame Szenerie, doch Griffin konnte kein Mitleid für diese Menschen aufbringen. Warum sollte er auch, hatte es denn jemand für ihn getan? Hatte es denn jemanden interressiert, als seine Eltern umgebracht wurden?  Als er, neun Jahre alt, im Wohnzimmer seines Elternhauses gestanden und mit tränengefüllten Augen auf die leblosen Körper seiner Eltern gestarrt hatte? Bei diesem Gedanken kniff er verzweifelt die Augen zu. Immernoch verfolgte ihn dieses Bild, das er vor mehr als zehn Jahren dort hatte sehen müssen. Seine Eltern, am Boden in einer sich ausbreitenden Blutlache liegend, mit glatt durchgeschnittenen Kehlen, die Augen starr nach oben gerichtet. Jede Einzelheit dieses Abend hatte sich in sein Gedächtnis gebrannt, jedes noch so schreckliche Detail ist ihm erhalten geblieben. Wie es an der Tür geklingelt hatte und wie sein Vater einem Mann in einem seltsamen grauen Mantel die Tür öffnete. Er sagte, er wäre von der SDSD und es ging um ihn, Griffin. Darauf war seine Mutter aufgestanden, hatte Griffin kurz zugelächelt, als sie ihn an seiner Zimmertür gesehen hatte, und mit den Worten zur Tür gegangen: "SDSD? Sie meinten wohl UCSD, so etwas wie eine SDSD gibt es nicht."
Und das sollte der letzte Satz sein, den sie vor ihrem Tod sprach. Plötzlich war ein Klirren zu hören gewesen, dann die markerschütternden Schreie seiner Eltern, zwei dumpfe Schläge.....dann Stille. Doch er rührte sich nicht vom Fleck, zu groß war die Angst, der Fremde könnte ihn finden. Sekunden verstrichen, wurden Minuten. Er lauschte weiter, doch es war nichts zu hören, also wagte er einen Blick zurück ins Wohnzimmer. Mit zum Zerspringen klopfenden Herzen schob er sich Zentimeter für Zentimeter durch den Türspalt, bis er seine Eltern sah. Der Fremde war bereits verschwunden, die Haustür stand sperrangelweit offen, doch das war ihm gleichgültig. Mehr noch, er wäre froh gewesen, wenn er ihn jetzt gefunden und umgebracht hätte. Denn das, was er zu sehen bekam, ließ in endgültig in Tränen ausbrechen. Verzweiflung, Verlust, Wut, Trauer, Angst und Schmerz, all das schlug über ihm zusammen wie eine riesige Flutwelle. Von seinen Gefühlen überwältigt jumpte er dann, und fand sich mitten in der Nacht im "Empty Quater" wieder, der weiten Wüstenebene, in der sein Vater und er trainiert hatten. Dort hatte er seine Fähigkeiten mit Hilfe von Paintball soweit verfeinern können, dass er schnell genug jumpen konnte, um einer Kugel auszuweichen. Doch jetzt war all das egal, nichts von dem hatte ihm geholfen. Schluchzend war er im Sand zusammengebrochen, hatte einfach nur dagelegen und sich nicht mehr vom Fleck gerührt, hatte sich völlig der Trauer und der Gewissheit hingegeben, das er seine Eltern für immer verloren hatte.

Griffin öffnete die Augen und ballte die Fäuste. Genau das hatte er jetzt gebraucht, die Erinnerung an seinen Ansporn, etwas, woran er sich immer wieder halten konnte, um nicht aufzugeben. Sein Ziel. Er würde Rache nehmen, würde diese miesen Schweine für das bezahlen lassen, was sie seinen Eltern angetan hatten. Diese Paladine...und allen voran Roland. Würde ihn in die Enge treiben und ihn leiden lassen. Leiden, bis er seine Rache bekam und Roland elendig verreckte. Griffin sah es schon vor sich: Roland, wie er sich blutend und zusammengeschlagen auf dem Boden krümmte, und er, Griffin, über ihm stand, mit einem siegreichen Grinsen im Gesicht, während er zum finalen Schlag ausholte, um ihn ins Jenseits zu befördern. Ihm endlich das zukommen ließ, was er verdiente. Ganz genau...Doch weiter kam er nicht.

Plötzlich ertönte wieder eine Explosion, doch diesmal so nah, das Griffin den Kopf herumriss, wofür ihn sein steifer Hals bestrafte, und er sah, wie der Sand rund um den nächsten Strommast, der 150 Meter entfernt stand, emporstieg wie eine Fontäne. Im nächsten Augenblick begann der Mast auch schon, sich in der Mitte zu verbiegen und nach vorn zu kippen. Das Ganze wäre natürlich kein Problem, wenn der Mast frei gestanden hätte, doch zu seinem Entsetzen sah Griffin, dass dieser noch durch mehrere dicke Kabel mit dem verbunden war, in dem er feststeckte. Verzweifelt versuchte er nocheinmal, sich nach oben zu stemmen, doch es gelang ihm nicht. Dann ertönte schon das unheilvolle Sirren sich spannender Metallkabel und sein Mast begann sich erneut zu verbiegen. Ächzend rieben die Metallträger aneinander, bogen sich in sämtliche Richtungen und brachen. Sie hinterließen tödlich gezackte Enden, die ihn aufzuspießen drohten, wenn er unglücklich fiel. Griffin sah sich panisch um. Er musste hier raus, sonst würde er entweder zerquetscht, durchbohrt oder lebendig begraben werden. Doch noch lagen die Balken um seinen Oberkörper zu eng, entkommen unmöglich. Über ihm rissen plötzlich auch noch einige der Kabel, was den Mast zusätzlich noch in Schwingung brachte. Plötzlich hörte er direkt vor sich ein sehr lautes Knarren und musst entsetzt festsellen, das ein Balken, der sich auf der Höhe seines Kopfes befand, anfing, sich zu bewegen. Und zwar direkt auf ihn zu! Er würde ihn enthaupten, soviel war sicher. Er musste sich auf der Stelle befreien und schickte ein kurzes Stoßgebet zum Himmel. Doch von göttlicher Hilfe keine Spur, der Balken kam auf ihn zu und er kniff die Augen zu. 'Jetzt ist es aus...'  Doch der Schlag des Balken blieb aus, stattdessen spürte Griffin, wie der Druck auf seinen Oberkörper nachließ und er zwischen den Balken hindurchrutschte. In dem Moment, als er nach unten sackte, rauschte der schwingende Balken über ihn hinweg, verfehlte ihn nur um Haaresbreite. Sich im freien Fall befindend bemerkte Griffin im gleichen Moment, dass er dem Starkstrom nicht mehr ausgesetzt war, versuchte sich zu konzentrieren und schaffte es anschließend, zu jumpen. Keine 70 Meter entfernt tauchte er wieder auf und landete ungelenkt im Sand. Vor ihm ging der Starkstrommast endgültig in die Knie, fiel in sich zusammen und verursachte einen extrem lauten Knall, als er auf dem Wüstenboden aufschlug, gefolgt von einer riesigen Sandwolke.150 Meter weiter krachte auch der andere Mast mit reißenden Kabeln zu Boden, wodurch weiterer Sand in den Himmel stieb. Keuchend saß Griffin am Boden und ließ seinen Blick über die Trümmer schweifen. Nicht zu glauben, dass er da lebendig rausgekommen war, den Göttern sei dank.
"War aber ganz schön knapp...", meinte er grinsend zum Himmel, als hinter ihm erneut ein Knall ertönte, gefolgt von Schüssen. Natürlich, nur weil diese Masten umgestürzt wurden, hörte das ganze hier ja noch nicht auf. Um nicht auch noch erschossen zu werden, duckte sich Griffin unter den Schüssen weg und jumpte.
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