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[The Expendables] Thoughts of an Overbridge-Woman

GeschichteDrama / P12 / Gen
24.01.2011
24.01.2011
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Sie lief die Straße entlang, ohne Ziel. Es war kalt, ein starker Wind wehte, doch obwohl sie nur eine dünne Jeansjacke trug, kümmerte sie das nicht.
Wieso sollte es auch… Sonst kümmerte sich ja auch keiner um sie, also wieso sollte sie selbst  es tun.
Bei diesen Gedanken schlang sie doch die Arme um sich, rieb mit den Händen über ihre Oberarme. Für einen kurzen Moment sorgte dies für Wärme, und sie erinnerte sich, wie Charles das immer getan hatte, wenn ihr kalt gewesen war.

Charles…

Was war nur schief gelaufen? Wieso hatte sich ihre Beziehung dermaßen entwickelt? Er wusste doch, wie instabil sie war, und er hatte sich trotzdem für sie entschieden.
Und nun war das passiert.

Hätte er seine Affäre nicht besser vertuschen können? Nein, natürlich nicht. Er musste ja mit Lippenstiftflecken am Hemd heimkommen und nach dem Parfum einer anderen riechen (wie klassisch, das kannte man sonst nur aus schlechten Filmen).
Aber was dem Fass den Boden ausgeschlagen hatte, war der Fakt, dass sie sie im Hintergrund lachen gehört hatte, als ihr Mann mal wieder angerufen hatte, dass es im Büro später wird. Gelacht hatte sie… Gelacht, während sie das Leben einer anderen zerstörte.

Sie fiel noch einen Tick mehr in sich zusammen, kauerte ihre Schultern so weit nach vorne wie es ging, sodass sie nun einen leichten Buckel hatte. Wenn sie etwas kleiner wurde, vielleicht wäre der Schmerz dann auch kleiner, weniger? Erträglicher?

Keiner der Menschen, die noch mit ihr auf diesem Weg liefen, nahm Notiz von ihr. Sie wichen ihr aus, ihre Blicke waren stur geradeaus auf ihr eigenes Ziel gerichtet. In ihren Gesichtern spiegelten sich Überheblichkeit und Gleichgültigkeit wider. Niemandem schien es zu gehen wie ihr. Jeder konnte stolz und aufrecht durchs Leben gehen, warum war ihr das nicht auch vergönnt gewesen?

Schon von klein auf war ihr Weg schwer gewesen. Ihre Mutter war gestorben, und ihr Vater… Nun, sagen wir, er war eher „Mann“ denn „Vater“ gewesen.
Charles hatte sie aus dieser Misere geholt, er hatte ihr Mut gegeben, für sich selbst einzustehen und sich selbst zu mögen.
Aber jetzt… was nützten seine Worte noch, wenn er sie von Anfang an eh nur belogen hatte?

Auf ihrem Gesicht wurde es kalt, und sie fuhr sich mit einer Hand über die Wange. Sie war nass. Dabei hatte sie gedacht, sie hätte keine Tränen mehr.

Sie drehte den Kopf nach rechts und bemerkte, dass sie auf der Brücke stand. Die Aussicht war herrlich, die Stadt lag friedlich vor ihr, der Himmel schien so weit zu sein… Nichts ließ die Probleme erahnen, die die Menschen mit sich herumtrugen, es wirkte so idyllisch, einfach wunderschön.
Ein einzelner Lichtstrahl kämpfte sich durch die Wolken und erhellte für einen Moment die Welt. Sie atmete tief ein und aus.
Diese Welt dort schien so viel besser zu sein. Kein Charles, keine Gewalt, keine Selbstzweifel…

Wieso eigentlich nicht? Hier sah sie doch eh niemand…

Wie um das zu beweisen wandte sie ihren Kopf noch einmal nach links. Nur sture Gesichter.
Und noch einmal nach rechts…

Dort stand ein Mann und schaute sie an. Er ging nicht, er stand einfach nur da und schaute ihr tatsächlich ins Gesicht, mitten in die Augen, kein Zweifel.
Ihre Augen weiteten sich ein wenig, aber sonst bewegte sich keiner von ihnen.
Da war Erkennen in seinem Blick, er wusste, worüber sie gerade nachgedacht hatte. Würde er sie davon abhalten?
Doch nein, er drehte sich um, ging weg.
Es war ihm egal, was aus ihr wird.

Sie schluckte hart und schaut wieder geradeaus.
Ihm war es egal, ihren Eltern war es egal, ihrem Mann war es egal.

Und nun war es auch ihr egal, dachte sie ein wenig trotzig und richtete ihren Blick auf den weiten Horizont, der wieder grau wurde. Der Sonnenstrahl verflüchtigte sich, und sie beschloss, ihm zu folgen.

Wie im Traum trat sie einen Schritt vor.
Ein kleiner Schritt für sie, aber gar kein Schritt für die Menschheit…

Ob des Gefühls der Freiheit schloss sie die Augen und weitete die Arme aus. So fühlte es sich also an, sich um nichts Gedanken machen zu müssen, einfach nur zu fühlen…

Bis alles schwarz wurde…

Alles, was noch von der Existenz einer gebrochenen Frau zeugte, war das kurze, makabre Geräusch, als sie auf den Boden aufkam, und das Rot auf grauem Asphalt, das sich unter ihr ausbreitete.

Nur ein Mann würde sich für immer an sie erinnern, und dieser Erinnerung konnte er nicht einfach den Rücken zukehren. Sie würde ihn verfolgen, so lange er lebte.
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