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Des Marshalls Sündenfall

von MariLuna
GeschichteAllgemein / P16 / MaleSlash
Brave Starr Tex Hex
21.01.2011
07.02.2011
11
22.896
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21.01.2011 1.610
 
Einen großen Dank an alle Leser und Reviewer, besonders an die anonymen, denen ich ja keine direkte „Danke“-Antwort geben kann! Danke!
Eure Reviews motivieren mich sehr.
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11. Kapitel

Beweise es.
Beweise es.

Ich kam auf keine Idee, und letztendlich holte ich mir Rat bei dem einzigen Menschen, dem ich zutraute, eine Lösung zu finden:
J.B. McBride.
Schließlich waren wir beiden mal ein Liebespaar, von daher fand ich es nur fair, wenn ich ihr endlich erklärte, wieso das zwischen uns nie funktioniert hatte. Darüberhinaus konnte es doch nicht schaden, wenn sie als hiesige Richterin erfuhr, daß Tex Hex ja gar nicht so böse war wie er uns immer weismachen wollte – falls sie ihn doch noch irgendwann mal verurteilen muß, helfen ihr solche Hintergrundgedanken vielleicht bei der Urteilsfindung. Außerdem leitete sie ja den Prozeß gegen mich, ich mußte ihr also nicht alles haarklein erzählen.
Wieder suchte ich nach Entschuldigungen und Ausflüchten.
Aber als ich ihr dann in ihrem Wohnzimmer gegenübersaß, gestand ich mir doch endlich die Wahrheit ein: ich suchte J.B.s Rat, weil sie die einzige war und immer noch ist, der ich vertraue, daß sie mir immer einen guten Rat gibt. Weil sie eine der einfühlsamsten, verständnisvollsten Personen ist, die ich kenne.

Und nun stehe ich hier, an einen Verandapfosten des Saloons gelehnt, in der größten Mittagshitze, direkt neben J.B., es ist Mittwoch – ich habe Molly diesen freien Tag aus den Rippen geleiert -  ich bin seit drei Wochen kein Marshall mehr, und die Gelegenheit, auf die ich seit letzten Samstag warte, ist endlich gekommen.

Die Carrion Bunch überfällt die Bank und wird vom neuen Marshall Thirty-Thirty und Deputy Fuzz zurückgeschlagen. Es juckt mir in den Fingern, ich würde mich zu gerne an dem Scharmützel, das sich keine hundert Meter von mir entfernt abspielt, beteiligen, aber ich bin jetzt Zivilist und habe meinen ehemaligen Kollegen versprochen, mich nur im Notfall einzumischen.
Und so gehöre ich jetzt mehr oder weniger freiwillig zu der Gruppe der anderen Neugierigen - brave Bürger und Schürfer - die das Geschehen in respektvollen Abstand verfolgen, während mir J.B.s Worte im Kopf herumgeistern:

Weißt du, Brave Starr, das klingt für mich eher so als wolle er keinen Beweis dafür, daß er nicht mehr dein Feind ist, sondern schlicht und einfach einen Liebesbeweis.“

Dann hat sie mir einen Vorschlag gemacht und vergnügt in sich hineingekichert.

Und ich stehe nun hier und warte und hoffe, daß dieser kleine Kampf dort vor mir nach demselben Schema abläuft wie ich es gewohnt bin. Daß daraus ein Duell wird, auch, wenn sich dieses gewiß etwas anders gestaltet als bei mir, weil Thirty nun einmal nur zwei Methoden kennt: entweder, er erledigt seine Feinde mit der Durchschlagskraft seiner geliebten Waffe namens Sara Jane oder mit der seiner eigenen Fäuste. Und weil ich ihn kenne, gehe ich davon aus, daß er Sara Jane nicht in einem klassischen Duell einsetzen wird. Und tatsächlich, als die eine Hälfte der Carrion Bunch schon entkommen und die andere von Fuzz verschnürt ist, und als einziger nur noch Tex Hex aufrecht steht, wirft Thirty sich herausfordernd in Pose.

„Kämpfst du weiter oder gibst du auf, du Feigling?“

Als Antwort weht Tex’ überall gefürchtetes, dunkles Gelächter über die Main Street. Ich sehe einige unter den Neugierigen erschauern. Ich erzittere zwar auch, aber aus völlig anderen Gründen.

„Was glaubst du, wer du bist?“ ruft Tex zurück und macht ein paar Schritte auf ihn zu, wobei sich sein langer schwarzer Mantel wie ein Schatten hinter ihm aufbauscht, bevor er mit seiner freien Hand auf  meinen ehemaligen Deputy deutet.
„Du Abklatsch eines Marshalls!“

„Komm her und kämpfe wie ein Mann, du halbe Portion!“ schnaubend winkt Thirty ihm, noch näher zu kommen.

„Wie ein Mann?“ spöttisch auflachend und für alle gut sichtbar, läßt Tex seinen Hexmaker zu Boden fallen. „Und das sagt mir ein Pony!“

In Thirtys Augen erwacht dieses ganz spezielle Blitzen. Er ist sehr empfindlich, was seinen Hippodroidenstolz betrifft, und das weiß Tex auch ganz genau.

„Paß bloß auf, du Vogelscheuche, das Pony versetzt dir gleich einen Tritt, daß du in hohem Bogen über die Stadtmauer fliegst!“
Zuerst allerdings fliegt erst einmal Sara Jane in die erwartungsvoll ausgestreckten Arme von Deputy Fuzz, und dann bringt sich Thirty mit geballten Fäusten in Kampfposition.

Wieder lacht Tex nur höhnisch auf, und gerade als er sich anschickt, sich in einen Faustkampf zu stürzen, den er eigentlich gar nicht gewinnen kann, erhalte ich von J.B. einen auffordernden Stoß in die Seite, und so löse ich mich von meinem Platz, dränge mich durch die Menge der Gaffer und nähere mich den beiden Streithähnen – etwas schräg und seitlich hinter Thirty, so daß mich Tex als erster bemerken muß.
Seine Miene versteinert fast augenblicklich, während er jede einzelne meiner Bewegungen argwöhnisch verfolgt, ohne dabei jedoch Thirty-Thirty aus den Augen zu lassen.
Diesem bleibt dies natürlich nicht verborgen, und in dem Moment, wo er sich verwundert zu mir umblickt, zischt Tex auch schon boshaft auf.

„Ah, kommst du zur Verstärkung, Ex-Marshall?“

Sein Tonfall schneidet mir tief ins Herz, aber ich kann es ihm nicht verübeln, schließlich bin diesmal ich ihm ganz bewußt aus dem Weg gegangen. Es waren nur vier Tage, aber das waren mitunter die längsten vier Tage meines Lebens. Ich habe ihn vermißt, und die Sehnsucht hat ihre Klauen so fest in mein Herz geschlagen, daß ich jeden Morgen zitternd und in Schweiß gebadet aus sehr, sehr jugendgefährdenden Träumen aufgewacht bin.

„Aber zeig ihm, daß du es dir gut überlegt hast, also überstürze jetzt nichts. Mittwoch ist die Bank wieder randvoll mit Kerium, das wird er sich nicht entgehen lassen. Bis dahin laß ihm Zeit, er muß auch  erst einmal wieder etwas zur Ruhe kommen, bevor du ihm den nächsten Schock versetzt.

„Brave Starr“, abwehrend schüttelt Thirty den Kopf, „ich brauche deine Hilfe nicht.“

Lässig schlendere ich auf sie zu. In meinem Inneren allerdings proben die Schmetterlinge einen Aufstand.

„Ich bin nicht hier um mich einzumischen“, erkläre ich betont gelassen, den Blick unablässig auf  meinen höchst persönlichen Sündenfall gerichtet. „Ich bin nur hier, um etwas klarzustellen.“

„Ach ja?“ knurrt Tex und verschränkt abweisend seine Arme vor der Brust, während Thirtys Blick verwirrt zwischen uns beiden hin und her huscht.

„Ja“, erwidere ich ruhig, obwohl ich innerlich vor Nervosität fast zerplatze.

Einen Meter vor Tex bleibe ich stehen, mustere ihn von Kopf bis Fuß, und als mein Blick wieder in seinem Gesicht hängenbleibt, kann ich mir ein kleines Lächeln nicht verkneifen.

„Du siehst gut aus.“ Ich schnurre es regelrecht. „Je öfter ich dich in diesen Klamotten sehe, desto besser gefällt es mir.“

Tex mustert mich abschätzend, er weiß eindeutig nicht, wie er das hier jetzt werten soll. Und so rede ich einfach weiter.

„Gestern hat mich jemand vom galaktischen Rat kontaktiert“, erkläre ich so laut, daß es auch der schwerhörigste Gaffer dort hinten am Straßenrand mitbekommt. Der Anruf gestern kam für mich völlig überraschend, aber ich bin froh über diese glückliche Fügung, denn so wird das, was ich eigentlich sagen will, gleich noch viel eindrucksvoller.

Ich werfe einen kurzen Blick zu Thirty hinüber, dessen Augenbrauen irritiert in die Höhe zucken, und sehe dann kurz zu J.B., die nun dort lehnt, wo ich eben noch gestanden habe und mir zuzwinkert, während Handlebar ihr von hinten gerade eine Hand auf die Schulter legt.

„Ich habe es noch niemandem gesagt“, fahre ich fort, bevor Thirty jene Frage, die ihm so deutlich ins Gesicht geschrieben steht, aussprechen kann. „Weil ich den passenden Zeitpunkt dafür abwarten wollte.“

Ich wende mich wieder Tex zu, und sehe an seiner finsteren Miene, daß er schon das Schlimmste annimmt.

„Sie denken darüber nach, ob sie mich nicht doch wieder als Marshall einsetzen wollen. Jetzt, wo es wohl einige Umbesetzungen in der Führungsetage gab, wird mein Fall wohl wieder ganz neu aufgerollt.“

Ich sehe Tex hart schlucken, und ganz kurz sacken seine Schultern nach unten, doch er hat sich schnell wieder in der Gewalt und sein bestes Pokerface aufgelegt. Aus den Reihen der Zuschauer kommen vereinzelte Begeisterungsrufe.
Ich beachte sie nicht.

„Ich habe ihnen gesagt, sie sollen sich ihre Almosen dorthin stecken, wo die Sonne nie scheint.“

Es dauert einige Sekunden, bis ihnen die Nachricht ins Bewußtsein gesickert ist, aber dann herrscht geschockte Stille. In die sich leicht entgeisterte Zischlaute mischen, als ich Tex meine Hand entgegenstrecke.

„Ich will nie wieder dein Feind sein, Tex.“

Er blinzelt verdutzt, beäugt erst meine Hand und sieht mir dann prüfend ins Gesicht. In seinen Augen erwacht so etwas wie ein vorsichtiger Hoffnungsschimmer, dann reicht er mir zögernd die Hand.

Noch während sich meine Finger um seine schließen, ziehe ich ihn mit einem schnellen Ruck zu mir heran, in meine Arme und stehle mir einen Kuß. Einen besonders langen, denn ich habe nicht vor, ihn so schnell wieder loszulassen.

Der unvermittelte Ansturm läßt ihn unwillkürlich aufkeuchen, und sofort nutze ich die Gelegenheit und tauche mit meiner Zunge tief nach seinem Geschmack. Wir klammern uns aneinander wie zwei Ertrinkende, blind und taub für alles andere um uns herum, nichts zählt mehr außer uns beiden, während wir gegenseitig unsere Münder plündern, als verbergen sich dort ungeahnte Keriumminen.

Luftmangel läßt uns schließlich kurz innehalten, ich starre in diese leicht glasigen, glutroten Augen und drücke ihn so fest ich kann an mich – ohne ihm gleich alle Knochen zu brechen.

„Wenn du noch mehr Beweise willst“, murmele ich mit vor Erregung ganz kehliger Stimme, „dann muß ich wohl bei dir einziehen.“

Er seufzt etwas, das sich verdächtig nach einem „ja“ anhört, aber da habe ich ihn schon mit Bärenkräften hochgehoben und bringe uns mit Pumageschwindigkeit in meine neue, kleine Wohnung.
Wenigstens sollte ich sie einmal richtig einweihen, bevor ich sie wieder verlasse, oder?


- Ende -
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