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[MMFF] Rettung oder Verdammnis?

GeschichteAbenteuer / P16 / Gen
19.01.2011
15.05.2012
7
12.907
 
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19.01.2011 1.528
 
Feuchte Träume


Hayley lief eine Straße entlang. Ihre Beine bewegten sich wie von selbst, sie wusste nicht, wo sie war, sie wusste nicht, wohin sie wollte… Sie wusste nur, dass sie weiterlaufen musste, immer weiter, und dass sie schneller sein musste als ihre Verfolger.
Sie hörte ihre rufenden Stimmen immer näher kommen, ihr Brustkorb hob und senkte sich, ihr Atem ging nur noch stoßweise. Sie würde bald nicht mehr können, und was dann?
Ihr Kopf drehte sich nach hinten, sie schob sich mit einer Hand ihre Locken aus dem Gesicht um zu sehen, wie nahe ihre Feinde schon waren. Da passierte es. Ihr Fuß stieß schmerzhaft gegen ein Hindernis und sie fiel der Länge nach auf den harten Boden. Als sie aufkam wurde ihr die Luft aus den Lungen gepresst, und bevor sie sich aufkämpfen konnte, sah sie sich mit unzähligen schwarzen Schatten konfrontiert.
Für einen Moment analysierte sie ihre Lage, doch es gab kein Entrinnen. Sie musste kämpfen. Schnell stand sie auf und versuchte die Übelkeit, die sich in ihrem Magen breit machte, zu ignorieren. Sie hatte Angst, ganz furchtbare Angst, aber sie würde den Teufel tun und diese Gestalten das merken lassen!
Sie hob die Fäuste und spreizte ihre Beine ein wenig, ging ein paar Zentimeter in die Hocke, um gegebenenfalls schnell reagieren zu können. Sie spürte das Adrenalin durch ihre Venen jagen, und ein kleines Lächeln zierte ihr Gesicht. Ja, sie sah vielleicht wie ein schwaches Mädchen aus, doch die Typen da hatten keine Ahnung, was in ihr steckte.
„Nehmt das!“, schrie sie, öffnete ihre Fäuste und machte eine ausschweifende Bewegung, um ihre Mutantenkräfte einzusetzen… doch nichts geschah.
„Was…?“, fragte sie, ihr Gesicht mehr als fassungslos. Sie versuchte es erneut, wieder zwecklos. Ihre Augen richteten sich auf einen ihrer gesichtslosen Gegner, und ihrer Kehle entrang sich ein markerschütternder Schrei, als er sich auf sie warf.

„Hayley!“
„Nein, nicht, lass mich!“
„Verdammt nochmal, wach auf!“, schrie Ayama und schüttelte ihre Zimmergenossin heftig an den Schultern.
Mit einem erneuten Schrei riss Hayley die Augen auf und atmete stoßweise. Ruckartig setzte sie sich in ihrem Bett auf und besah hektisch ihre Umgebung.
Keine schwarzen Männer, keine Straße. Nur ihr Zimmer, ihr Bett und ihre Zimmergenossin… mit klatschnassen Haaren.
Hayley biss sich auf die Lippe. Nach einem kurzen Moment des Schweigens räusperte sie sich und fand ihre Stimme wieder.
„Schon wieder?“, fragte sie ein wenig kleinlaut.
„Muss ich diese Frage wirklich mit einer Antwort würdigen?“, fragte Ayama und rang sich bedeutungsschwer die Haare und ihr übergroßes, graues Schlabber-T-Shirt, das sie nur zum Schlafen trug, aus. Die ohnehin schon nasse Decke Hayleys bekam noch eine weitere Pfütze dazu.
„Tut mir leid…“, sagte die Braunhaarige mit verbissener Miene, bevor sie sich aus dem Bett schwang und sich daran machte, das Bettzeug zu wechseln. Auch sie war nass, jedoch mehr von kaltem Schweiß als von Wasser.
„Wirklich Hayley, so kann das nicht weitergehen…“, sinnierte die hübsche Japanerin, die zwar drei Jahre älter, dafür aber auch ca. 5 cm kleiner war als ihre Zimmergenossin. Nun hatte sie die Stirn gerunzelt und die Hände in die Hüften gestemmt, bevor sie sich daran machte, Hayley zu helfen.
„Lass das, ich kanns alleine. Föhn dir die Haare…“, sagte die Jüngere grob. Doch Ayama nahm das nicht persönlich. Sie teilten sich nicht erst seit gestern ein Zimmer, und sie wusste schon genau, dass sich die Amerikanerin mehr über sich selbst als über sonst etwas ärgerte.
„Fein…“, murmelte sie also nur und ging seufzend in das Badezimmer, wo sie sich die Haare trocknete und ihren Gedanken nachhing.
Das war diese Woche schon das zweite Mal gewesen, dass Hayleys Alpträume sie die Kontrolle über ihre Kraft gekostete hatten. Und wer durfte hinterher wieder alles aufräumen? Sie natürlich…
Sie schmollte ihr Spiegelbild an und kämmte sich ein letztes Mal durch ihre langen, schwarzen Strähnen, die (wie es für Asiaten typisch war) seidig schimmerten. Wenigstens hatte sie keine aufwendige Frisur, dann wären diese Zwischenfälle noch ärgerlicher gewesen.

Mit einem Lappen und einem Eimer bewaffnet betrat sie wieder ihr Zimmer  und fing an, ihre Anrichte trocken zu wischen.  Die Braunhaarige hatte sich in der Zeit ebenfalls umgezogen, sie trug nun eine schwarz-grau gestreifte Panty und ein passendes, schwarzes Top dazu.
„Du solltest mit Miss Rozier darüber sprechen.“
Hayley schwieg eisern, während sie ein trockenes Laken über ihre Matratze legte, die mit Latex überzogen war. Bettzeug war schnell zu wechseln, doch eine nasse Matratze war mehr als unangenehm…
„Ich denke, dass dir eine gute Gesprächstherapie helfen könnte, damit fertig zu werden.“
„Ich will keine Hilfe.“
„Was für eine Überraschung…“, meine Ayama trocken und holte sich nun ihrerseits ein neues Kissen aus dem Schrank. Ihre Decke hatte sie Gott sei Dank rechtzeitig in Sicherheit bringen können…
Liebevoll legte sie ihre kleinen Ninja-Wurfsterne auf ihren Nachtspind, nur um sie dann wieder an ihren angestammten Platz unterm Kissen zu platzieren. Sie konnte einfach nicht schlafen, wenn sie nicht wenigstens eine kleine Waffe in ihrer Nähe wusste, und nach langem Kampf hatte Miss Rozier dem doch zugestimmt.
Hayley schmiss die nassen Laken in eine Ecke.
„Was ist verdammt nochmal dein Problem, Ayama?“, rief sie aufgebracht, und ihre Augen blitzten gefährlich.
„Ist das dein Ernst?“, lachte die Schwarzhaarige auf und ging mit geschmeidigen Schritten zu den nassen Sachen, um sie ordentlich zusammen zu legen.
„Mein PROBLEM ist, dass ich nicht mal mehr die Hälfte meiner Nächte durchschlafen kann, seit du deine Alpträume hast! Entweder werde ich von einem Schwall Wasser geweckt oder von deinen panischen Schreien! Und weiß Gott ich kann mir besseres vorstellen, als um drei Uhr morgens deine Wäsche zusammen zu legen…“
„Dann lass sie liegen!“
„Ich hasse Unordnung, und das weißt du ganz genau!“
Die beiden Mädchen tauschten ein paar giftige Blicke, doch keine sagte noch etwas.
„Es tut mir leid, okay, und jetzt lass mich in Ruhe!“, rief Hayley abschließend und ihre Stimme brach sich. Sie schmiss sich zurück in ihr Bett, drehte dem anderen Mädchen den Rücken zu und vergrub sich unter ihrer Decke.
Ayama seufzte und schüttelte kurz den Kopf. Sie hatte es in ihrem Leben auch nicht einfach gehabt, aber so vorbelastet war sie Himmel sei Dank nicht…
Der letzte Deckenbezug war schnell zusammengelegt, und sie ließ noch einen letzten Blick durch das Zimmer schweifen. Alles ordentlich.
„Sehr gut, dann schnell zurück ins Land der Träume…“, dachte sie und gähnte ausgiebig, bevor sie zurück in ihr Bett krabbelte und sich von wohligem Schlaf umfangen ließ.

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Doch obwohl die Neunzehnjährige fast sofort wieder eingeschlafen war, sah man ihr die anstrengende Nacht an. Sie war muffelig und schlecht gelaunt, wenn sie ihren wohlverdienten Schlaf nicht bekommen hatte. Nun stand sie vor der Turnhalle, die hinter dem Wohnheim gelegen war, als Johnny und Kathy auf sie zukamen.
„Guten Morgen, guten Morgen, guten Morgen Sonnenschein! Diese Nacht blieb dir verborgen, nein du darfst nicht traurig sein…“, fing Kathy an zu singen und tanzte dabei ein wenig, als sie Ayamas Gesichtsausdruck erblickte.
„Ja, diese Nacht blieb mir allerdings verborgen…“, grummelte sie und gähnte demonstrativ, als sie sich gegen die Wand der Turnhalle fallen ließ.
„Fehlt dir dein Schönheitsschlaf?“, mischte nun auch Johnny mit und grinste Ayama an, welche daraufhin nur schmollte.
„Ach Yoshi, als hättest du das nötig…“, trat der Blonde auf das Mädchen zu und machte Anstalten, ihr einen Arm um die Schultern zu legen.
„Gott,  pass auf, dass sie auf deiner Schleimspur nicht ausrutscht, Milchmann… Ist ja unerträglich…“
„Neidisch, weil du keine Komplimente bekommst?“
„Püh, als ob ich Komplimente von meinem Bruder haben wollen würde!“
„Dann möchte ich wissen, was dich meine Schleimspur angeht, Miss Kaktus…“
„Du weißt genau, warum ich meine Haare so kurz und stachelig habe!“
Ayama verdrehte die Augen und seufzte auf. Ja, genau das brauchte sie an einem solchen Morgen, eines der üblichen Wortgefechte der Grand-Geschwister… „Hervorragend“, dachte sie im Stillen bei sich und beobachtete, wie Johnny zu einer weiteren Antwort ansetzte, als eine weitere Stimme sie unterbrach.
„Morgen…“, nuschelte Kevin und lehnte sich lässig in einem kleinen Abstand neben Ayama.
„Guten Morgen Kei, gut geschlafen?“, fragte Kathy sofort und gesellte sich demonstrativ zu dem dunkelblonden Neuankömmling.
„Ging so“, antwortete er kurz ab, zuckte mit den Schultern und vergrub seine Hände in den Taschen seines grauen Kapuzenpullis.
„Freut mich… also, ich hätte da mal eine Frage an dich, als Mann, der nicht mein Bruder ist…“, fing Kathy an und lächelte liebenswert. Kevin runzelte die Stirn und hob eine Augenbraue, als er rüber zu Johnny sah, der wiederum seine Schwester beobachtete, gespannt, was jetzt wohl kommen würde.
„Wie findest du meine Haare? Sind sie zu kurz?“, fragte sie und fuhr sich leicht durch die gegelten Stacheln, wandte den Kopf nach links, nach rechts und posierte schlussendlich.
Kevin zwinkerte verwirrt und warf Johnny erneut einen Blick zu, diesmal allerdings eher hilfesuchend.
„Ähm…“
„Genug davon Schwesterchen! Du solltest dich schämen, den armen Kevin da mit reinzuziehen!“, rief Johnny gespielt entrüstet, packte seine Schwester um die Schultern und dirigierte sie mit einigem Kraftaufwand weg von dem verunsicherten Zwanzigjährigen.
Ayama grinste schief, als Kei leise aufatmete.
„Anstrengend, was?“
Kevin brummte nur, und warf der Japanerin einen passenden Blick zu, bevor sich die zwei wieder dem Geschwisterpaar zuwandten, um zuzusehen, wer das nächste Wortgefecht gewinnen würde.
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